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Anlage-Umwelt-Problematik aus Sicht der Biowissenschaften

Hausarbeit 2005 17 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Soziologie

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Erläuterung von Schlüsselbegriffen

3 Die biologische Sichtweise
3.1 Die verschiedenen historischen Positionen
3.2 Die Fragestellung heute
3.3 Die wissenschaftliche Forschung
3.4 Beispiele wechselseitiger Beeinflussung
3.4.1 Umwelt-Genom
3.4.2 Genom-Umwelt
3.4.3 Der Einflussfaktor Alter

4 Kritik des traditionellen Alternativmodells und des ge-genwärtigen Modells

5 Die Geschlechterfrage

6 Die gesellschaftlich-politische Dimension der Proble- matik

7 Schussfolgerungen für die Pädagogik

Literaturverzeichnis und Internetquellen

1 Einleitung

Mit dieser pointierten Meinung stand Watson keineswegs allein, aber die entgegengesetzte Position hat ebenfalls Tradition. Bereits Sir Francis Galton führte Persönlichkeitsmerkmale und Verhaltensweisen von Menschen ebenso wie körperliche Eigenschaften auf Vererbung, sprich die Gene zurück.

Die Streitfrage, welcher Einfluss stärker ist, die Umwelt oder die Veranlagung besteht nach wie vor, allerdings wurde der Streit von einem „Glaubenskrieg“ zu einer Fragestellung moderner Wissenschaft.

Einen entscheidenden Beitrag leisten dabei die Biowissenschaften[1].

Ihre Sichtweise der Anlage-Umwelt-Problematik soll in vorliegender Arbeit dargelegt und erörtert werden.

Die Relevanz der Fragestellung ergibt sich aus den Konsequenzen der Antwort – für die Pädagogik, die Erzieher, für Eltern und für die (Bildungs-)Politik.

Wurde der „…Einfluss der Erziehung […] lange überschätzt“, wie die Fachzeitschrift „Psychologie Heute“ 1998 titelte und sind gar „Eltern ohne Einfluss – ist Erziehung sinnlos?“ wie der „Spiegel“ im gleichen Jahr eine Titelgeschichte nannte?[2]

Wie lässt sich eine wissenschaftliche Antwort finden oder anders formuliert: Welche Vorgehensweisen und Verfahren erlauben eine Aussage mit Anspruch auf Wissenschaftlichkeit?

2 Erläuterung von Schlüsselbegriffen

Die Anlage-Umwelt-Problematik ist kein Streit über das Verständnis theoretischer Begriffe, dennoch seien hier die Schlüsselbegriffe im Voraus erwähnt und in gebotener Kürze erläutert, um das Verständnis der Ausführungen zu erleichtern.

Eingangs ist der Inhalt der Begriffe Anlage und Umwelt zu konkretisieren.

Für eine biologische Sichtweise sind außerdem die Begriffe Genom, Geno- und Phänotyp sowie Allel grundlegend.

„Der Begriff Anlage (im Englischen nature) bezieht sich auf die genetischen Erbinformationen, die in den Chromosomen enthalten sind. Sie werden im Zeugungsakt von den Eltern an ihre Kinder weitergegeben. Die genetische Ausstattung eines Menschen verändert sich während seines gesamten Lebens nicht. Allerdings werden verschiedene Gene zu unterschiedlichen Zeitpunkten aktiv und beeinflussen mit ihrer Aktivität die weitere Entwicklung des Menschen.“[3]

Unter dem Begriff Umwelt werden die materielle und soziale Umgebung bezeichnet. Zur materiellen Umgebung werden so unterschiedliche Dinge wie Wohnraumqualität, Qualität der Wohngegend, Umweltstoffe, aber auch die „Verfügbarkeit von Ressourcen (Bücher, neue Medien)“[4] gezählt.

Alle aus dem Zusammenleben mit anderen sich ergebenden Einflüssen können vereinfacht gesagt als soziale Umwelt bezeichnet werden, die organisierten Sozialisationsinstanzen (Kindergarten, Schule, Elternhaus) ebenso wie sich spontan aufbauende Einflüsse von peer group oder Massenmedien.

Das Genom ist die Gesamtheit der DNA eines Organismus. Der Genotyp eines Organismus repräsentiert die exakte genetische Ausstattung, die er im Zellkern trägt. Beim Phänotyp eines Organismus dagegen handelt es sich um seine tatsächlichen körperlichen Merkmale wie Größe, Gewicht, Haarfarbe usw. Ein Allel ist eine der möglichen Ausprägungen eines Gens, das an einem bestimmten Ort auf einem Chromosom sitzt.

3 Die biologische Sichtweise

Die Anlage-Umwelt-Problematik kann aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet werden, aus weltanschaulichen Positionen, aus Sicht der Sozialwissenschaften wie der Soziologie und aus dem Blickwinkel der Biowissenschaften.

Um die biologische Sichtweise verständlich werden zu lassen, soll unter anderem und einleitend die historische Entwicklung skizziert werden.

3.1 Die verschiedenen historischen Positionen

Der "Erbe-versus-Umwelt-Streit" begann mit einer im Jahr 1876 in London veröffentlichten Studie von Galton. Er schloss aus seinen Beobachtungen und Forschungen, dass die Anlage der Umwelt überlegen zu sein schien.

Diese Ansicht widersprach Anfang des 20. Jahrhunderts der allgemein verbreiteten Ansicht der Behavioristen.

Die Behavioristen gehen davon aus, dass allein die Umwelt das Verhalten von Tier und Mensch bestimme: Menschliches Verhalten sei überwiegend, wenn nicht ausschließlich, erlernt und genetische Faktoren spielten bei der Ausformung von Begabungen, Fähigkeiten oder Charaktereigenschaften nur eine untergeordnete Rolle.

Seither gab es in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung immer wieder Phasen, in denen die eine oder die andere Meinung die Richtung bestimmte.

3.2 Die Fragestellung heute

Heute tendiert man zu der Ansicht, dass sich Anlage und Umwelt in gegenseitiger Interaktion bedingen und man weder das eine noch das andere ausschließlich für Eigenschaften oder Verhalten eines Menschen verantwortlich machen kann. Damit ist keinesfalls gesagt, dass es die Anlage-Umwelt-Kontroverse nicht mehr gibt. Nur die Entweder-oder-Positionen wurden weitgehend aufgegeben. Gene wie Umwelt werden als Einflussfaktoren anerkannt. Somit steht man vor der Frage wie sie bei der konkreten Ausprägung von Merkmalen wie Intelligenz, Temperament oder Sozialverhalten zusammenwirken. Nahezu zwangsläufig ergibt sich daraus die Fragestellung nach dem Gewicht der Einflussfaktoren.[5]

Wie groß ist das Gewicht der Anlage oder der Umwelt auf die Ausprägung bestimmter Merkmale?

Ist beispielsweise aggressives Verhalten eines Kindes (und des Erwachsenen) durch seine Erbanlagen entscheidend vorbestimmt oder spielt die Umwelt eine wesentliche Rolle? Können gezielte Impulse aus der Umwelt „gegensteuern“?

Die Antwort hängt von der Erkenntnis ab, ob ein Faktor dominiert. So gesehen hat sich der Kern der uralten Kontroverse zumindest teilweise erhalten.

Fazit und Ergänzung: das aktuelle Modell – das intelligente Genom.

Zusammenfassend kann man das Denkmodell der (Bio-)Wissenschaft folgendermaßen beschreiben: Man geht davon aus, dass die Entwicklung des Menschen im Wechselspiel zwischen den Erbanlagen und den Umwelteinflüssen erfolgt. Das Genom legt variabel die Reaktion auf mögliche Umwelteinflüsse fest. Diese Einflüsse bestimmen, welcher Weg der Entwicklung eingeschlagen wird und zu welchem Phänotyp das führt. Der Phänotyp ist also ein Zusammenspiel zwischen Anlage und Umwelt. Alfred Heschl (Biologe) spricht in diesem Zusammenhang vom „intelligenten Genom“, das sich den jeweiligen widrigen Bedingungen der Umwelt anpasst.[6] Für die Wissenschaft stellt sich daher heute vor allem die Frage, welcher Stellenwert den Faktoren Anlage und Umwelt zukommt.

„In einem Garten wachsen zwei Sonnenblumen – die eine hat einen dicken Stängel, die andere einen dünnen. Diejenige mit dem dünnen Stängel steht windgeschützt an der Garage, die andere war während des Wachstums ständig dem Wind ausgesetzt, da sie an einer weniger geschützten Stelle am Gartenzaun aufwuchs. Dieser Unterschied zwischen beiden Blumen kann als erworben interpretiert werden, denn er geht offensichtlich auf Milieuunterschiede zurück. Aber er ist natürlich auch angeboren, denn am Zaun lief das genetische Programm ab, bei Wind Einfluss dicke Stängel zu entwickeln, an der windgeschützten Garage aber dünne Stängel.“[7]

Kann die Forschung die angesprochenen nicht unbestrittenen Modelle bestätigen?

3.3 Die wissenschaftliche Forschung

Ohne Zweifel wird die Entwicklung durch eine Vielzahl endogener (im Körper entstehend) und exogener (von außen verursacht, durch äußere Gegebenheiten ausgelöst) Steuerfaktoren bestimmt.

[...]


[1] Definition Biowissenschaften: „Biowissenschaften ist eine Sammelbezeichnung für verschiedene wissenschaftliche Fächer, die sich mit Lebewesen und Lebensvorgängen meist auf naturwissenschaftliche Weise auseinandersetzen. Dazu zählen vor allem Biologie (und gelegentlich ausgegliederte Teilbereiche wie Ökologie, Neurowissenschaften, Genetik usw.) und Biochemie. Sie werden manchmal auch "Lebenswissenschaften" genannt, dann aber meist als Biowissenschaften plus Medizin verstanden.“ (www.wikipedia.org, 2005)

[2] vgl. Scheunpflug 2001, S. 63

[3] www.familienhandbuch.de, 2005

[4] www.familienhandbuch.de, 2005

[5] www.familienhandbuch.de, 2005

[6] vgl. Scheunpflug 2001, S. 67

[7] vgl. Scheunpflug 2001, S. 67

Details

Seiten
17
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638566216
Dateigröße
474 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v63617
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg – Pädagogik
Note
Schlagworte
Anlage-Umwelt-Problematik Sicht Biowissenschaften Förderung Selektion

Autor

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