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Gesundheitsrisiko Alkohol: Ein Überblick über die Problematik und ihre Bewältigungsmöglichkeiten

Hausarbeit (Hauptseminar) 2005 21 Seiten

Psychologie - Klinische u. Gesundheitspsychologie, Psychopathologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Alkoholismus
2.1 Klassifikation von Alkoholabhängigkeit und Alkoholmissbrauch nach
ICD-10 und DSM-IV
2.2 Ein Überblick über Forschungsergebnisse
2.3 Typologie von Trinkertypen nach Jellinek

3. Ein Überblick über die Problematik
3.1 Aktuelle Daten und Fakten zur Alkoholproblematik
3.2 Alkoholgefährdung bei Jugendlichen
3.3 Alkoholbedingte Folge- und Gesundheitsschäden
3.3.1 Medizinische Folgeschäden
3.3.2 Psychosoziale Folgeschäden

4. Behandlungsmöglichkeiten bei Alkoholkrankheit
4.1 Die Therapie
4.2 Selbsthilfegruppen
4.3 Medikamentöse Behandlung

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Laut der Pressemitteilung der WHO (Freitag, 9. April 2004) ist Alkohol global gesehen genauso gefährlich wie Tabak. Fast 1,6 Millionen Alkoholabhängige und über sieben Millionen Personen, die in Deutschland riskanten Alkoholkonsum betreiben, belegen, dass der Umgang mit Alkohol ein aktuelles Gesundheitsrisiko in unserer Gesellschaft darstellt (Hüllinghorst, 2004). Obwohl neueste Zahlen zum Alkoholkonsum zeigen, dass sich der Konsum aus gesundheitspolitischer Sicht auf einem viel zu hohen Niveau bewegt, ist Alkohol aus unserer Kultur nicht mehr wegzudenken. Während der gepflegte Umgang mit Alkohol als Kulturgut zelebriert wird, sind Missbrauch und Folgekrankheiten von Alkohol gerne verdrängte Auswirkungen dieses Kulturguts und werden nicht allzu selten abfällig gewertet.

Dabei ist Alkoholabhängigkeit ebenso wie Alkoholmissbrauch ein von der Weltgesundheits-organisation beschriebenes Krankheitsbild. Auf die Frage, warum die Krankheit den einen trifft, den anderen nicht, gibt es bis heute keine allgemein anerkannte Antwort. Der Übergang vom sozialen Trinken zum pathologischen Trinken ist bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt weitgehend ungeklärt. Mögliche Ursachen für die Entwicklung eines krankhaften Trinkmusters stehen demzufolge nach wie vor im Zentrum des Interesses der Alkoholismus-forschung. Das wissenschaftliche Interesse hat sich vor allem auf die Erfassung allgemeiner Einstellungsstrukturen im Sinne relativ stabiler kognitiver Merkmale und spezifischer Erwartungsmuster, das heißt auf die direkt auf den Alkohol gerichteten Bewertungen und Bedürfnisse, konzentriert (Petry, 1993). Unter Letzteres fallen die alkoholspezifischen Erwartungsstrukturen. Darunter zu verstehen sind individuelle Erwartungen, die über die Erfahrungen bezüglich der Wirkung des Alkohols bestehen. Diese Erwartungen werden auch als Alkoholerwartungen oder Alkoholwirksamkeitserwartungen bezeichnet. Im Rahmen dieser Arbeit soll zunächst ein Überblick über die mit Alkohol verbundene Problematik gegeben werden. Dabei soll anschließend nach einem statistischen Überblick ein besonderes Augenmerk auf die Alkoholproblematik bei Jugendlichen und die gesundheitlichen Folgeschäden bei übermäßigem Alkoholkonsum gerichtet sein. Abschließend soll am Beispiel Therapie, Selbsthilfegruppen und medikamentöser Behandlung untersucht werden, welche aktuellen Behandlungsmöglichkeiten es bei Alkoholkrankheit gibt.

2. Alkoholismus

Bewährt hat sich die Unterscheidung zwischen Alkoholabhängigkeit und Alkoholmissbrauch, obgleich sich die Begriffe einander angleichen. Diese Unterscheidung ist wichtig, da man nur bei einer Abhängigkeit von einer Suchterkrankung im eigentlichen Sinne spricht.

2.1 Klassifikation von Alkoholabhängigkeit und Alkoholmissbrauch nach ICD-10 und DSM-IV

Wann ist man alkoholabhängig? Was sind Merkmale einer Alkoholabhängigkeit? Um zu ermitteln, ob ein Patient einen Alkholmissbrauch oder eine Abhängigkeit entwickelt hat, müssen gemäß dem internationalen Klassifikationssystem der Erkrankungen, ICD-10, bestimmte Kriterien erfüllt werden (Dilling et al., 1991).

Danach liegt Alkoholabhängigkeit vor, wenn innerhalb des letzten Jahres mindestens drei der folgenden Kriterien erfüllt sind.

-Toleranzentwicklung (man benötigt immer mehr Alkohol, um noch die gleiche Wirkung zu spüren)
-Psychische Abhängigkeit (man hat ein Verlangen nach Alkohol, das vielleicht nur leicht oder aber ausgesprochen stark ausgeprägt ist)
-Entzugserscheinungen (wenn man nicht trinkt, treten verschiedene körperliche Symptome des Entzugs auf)
-Trinken von Alkohol, um die Entzugssymptome zu begrenzen oder zu verhindern
-Vergebliche Versuche, den Alkoholgebrauch zu kontrollieren (oder zu stoppen)
-Man verbringt einen großen Teil der Zeit mit dem Konsum von Alkohol bzw. den Folgen davon
-Schädigende Auswirkungen durch den Alkoholkonsum für die Person selber oder sein Umfeld (z.B. Probleme in Schule oder Arbeit, Konflikte mit Mitmenschen bzw. Familie, Vernachlässigung von Interessen und Hobbies, häufige Krankschreibungen oder Unfälle)
-Das Trinken von Alkohol erfolgt häufiger und stärker als ursprünglich geplant (Kontrollverlust)
-Alkohol wird getrunken, obwohl die betroffene Person von der schädlichen und gefährlichen Wirkung weiß

Liegen tatsächlich innerhalb eines Jahres mindestens drei dieser Kriterien vor, kann man von einer Alkoholabhängigkeit oder synonym von chronischem Alkoholismus sprechen. In diese Kategorie fallen Personen, die als Alkoholiker oder Alkoholabhängige bezeichnet werden. Da es sich um eine Krankheit handelt, kann man ebenso von Alkoholpatienten oder Alkoholkranken sprechen.

Von der Alkoholabhängigkeit wird der Alkoholmissbrauch abgegrenzt. Eine präzise Definition liefert hier das DSM-IV (Diagnostic and statistical manual of mental disorders der American Psychiatric Association, 1994) Die Kriterien für den Missbrauch werden folgendermaßen definiert:

A) Ein unangepasstes Konsummuster psychotroper Substanzen, bestehend aus wenigstens einem der folgenden Kriterien:

1. Fortgesetzter Gebrauch trotz des Wissens um Probleme, die durch den Gebrauch der psychotropen Substanz verursacht oder verstärkt werden.
2. Wiederholter Gebrauch in Situationen, in denen der Gebrauch eine körperliche Gefährdung darstellt (zum Beispiel Alkohol am Steuer).
3. Wiederholte substanzbezogene gesetzliche Probleme.
4. Fortgesetzter Substanzgebrauch trotz fortdauernder oder sich wiederholender Probleme im sozialen oder zwischenmenschlichen Bereich, die durch die Substanzeffekte verursacht oder verschlimmert werden.

B) Die Kriterien für eine Abhängigkeit von der psychotropen Substanz wurden zu keinem Zeitpunkt erfüllt.

Ein Missbrauch von Alkohol liegt folglich bereits dann vor, wenn

1. zu unpassender Gelegenheit (Autofahren, Arbeit, Sport, Schwangerschaft) oder
2. bis zum Rausch oder
3. zur Besserung einer gestörten seelischen Befindlichkeit („Seelentröster“) oder
4. langfristig übermäßig

Punkt 2 (B) ist strittig, da nach ICD-10 eine akute Intoxikation oder ein „Kater“ (hangover) allein noch nicht den „Gesundheitsschaden“ beweist, der für eine Diagnose eines Alkoholmissbrauchs erforderlich ist (Dilling et al. 1991). Hieraus geht die Schwierigkeit bei der Definition von Alkoholmissbrauch hervor.

2.2 Ein Überblick über Forschungsergebnisse

Ein Überblick über aktuelle Forschungsergebnisse lässt keinen Zweifel aufkommen, dass riskanter Alkoholkonsum schwerwiegende Folgen für die Gesundheit haben kann. So hat die von der WHO eingesetzte Arbeitsgruppe (Edwards, et al., 1981) in ihrer Arbeit aufgezeigt, dass riskanter Alkoholkonsum die Wahrscheinlichkeit erhöht, aufgrund eines fortgesetzten exzessiven Konsums, künftig Schaden zu nehmen.

In einer repräsentativen Bevölkerungsstudie konnte gezeigt werden, dass mit steigendem Alkoholkonsum auch das Risiko für Missbrauch und Abhängigkeit ansteigt. Bezogen auf die zurückliegende Lebenszeit, hatten Menschen mit riskantem Alkoholkonsum ein Risiko von 9,8 % für Alkoholabhängigkeit und 11,3% für Alkoholmissbrauch, bei gefährlichem oder höherem Konsum 36,6 % für Alkoholabhängigkeit und 11,1 für Alkoholmissbrauch (Meyer, et al., 2000)

In einer weiteren Studie konnte man belegen, dass ein ansteigender Alkoholkonsum in der Bevölkerung ein exponentielles Ansteigen von alkoholbedingten gesundheitlichen Störungen, Verletzungen und Erkrankungen zur Folge hat (Edwards et al., 1994).

Die Ergebnisse zahlreicher weiterer Untersuchungen belegen, dass ein durchschnittlicher Tageskonsum über den von der WHO genannten Werten das Risiko alkoholbedingter Organschäden oder Folgeerkrankungen deutlich erhöht (Edwards, et al., 1994).

Studien gehen davon aus, dass ca. 4-5% der Jugendlichen schweren Alkoholkonsum betreiben oder alkoholabhängig sind (Hurrelmann, 1999).

Auffallend ist, dass die Konsumhäufigkeit von Alkohol stark geschlechtsspezifisch geprägt ist. Jungen trinken häufiger regelmäßig Alkohol, berichten häufiger von Alkoholrauscherfahrungen und erleben ihren ersten Alkoholrausch früher als Mädchen Hurrelmann et al., 2003).

In deutschen Allgemeinkrankenhäusern bei Patienten im Alter von 18 bis 64 Jahren ist eine Prävelenz von 10 bis 20% bei Alkoholabhängigkeiten zu erwarten und bei weiteren 5% ein Alkoholmissbrauch (Hapke, 2000).

Weitere Untersuchungen zeigten, dass der Behandlungserfolg höher war, wenn Patienten während und nach einer professionellen Behandlung die Anonymen Alkoholiker aufsuchten (McCrady & DeLaney 1995).

2.3 Typologie von Trinkertypen nach Jellinek

Im Laufe der Jahrzehnte gab es zahlreiche Typologien des Alkoholismus. Die bekannteste ist die von Jellinek. Er unterschied fünf Formen von Trinkertypen, nachdem er eine Fragenbogenuntersuchung an 200 anonymen Alkoholikern durchgeführt hatte (Jellinek, 1960; Feuerlein, 2005).

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Details

Seiten
21
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638565257
ISBN (Buch)
9783638782753
Dateigröße
526 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v63474
Institution / Hochschule
Universität Mannheim – Lehrstuhl für Sozialpsychologie
Note
2,00
Schlagworte
Gesundheitsrisiko Alkohol Problematik Bewältigungsmöglichkeiten

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