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Befreiungsbewegung und Organisation: SWAPO zwischen Exilpolitik und interner Mobilisierung

Hausarbeit 2003 20 Seiten

Ethnologie / Volkskunde

Leseprobe

INHALT

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Vor Gründung der SWAPO
2.2 Die Frühgeschichte der SWAPO (1969-1971)
2.3 Die SWAPO in den siebziger Jahren
2.3.1 Der "Consultative-Congress" in Tanga
2.3.2 Der Generalstreik 1971/ 72
2.3.3 Die "Turnhallenkonferenz"
2.3.4 Die Politik der "internen" SWAPO seit 1975
2.4 Die SWAPO und die angolanische Befreiungsbewegung UNITA
2.5 Die SWAPO in den internationalen Verhandlungen
2.5.1 Nach der Genfer Konferenz

3. Schlussbetrachtung

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Namibia war das letzte Land in Afrika, das sich den Schwierigkeiten der Entkolonialisierung stellen musste. Welche Methoden dabei anwendbar sind, demonstrierten zuvor schon nationale Befreiungsbewegungen anderer afrikanischer Länder. Viele konnten sich auf friedlichem Wege gegen die Kolonialmächte durchsetzen und die Unabhängigkeit mit Hilfe von Streiks, Demonstrationen, Boykotten und nicht zuletzt mit diplomatischen Verhandlungen erzielen. Erst wenn die Verhandlungsgespräche und ein gewaltfreies Vorgehen keine Fortschritte brachten entschieden sie sich für den "bewaffneten Kampf".

So erlangten Algerien, Mozambique, Angola, Zimbabwe und Guinea-Bissau nur durch Krieg ihre staatliche Unabhängigkeit. Dafür waren die Demonstration politischer Geschlossenheit auf internationaler Ebene sowie ein zuverlässiges Netz befreundeter "Zufluchtsstaaten" von entscheidender Bedeutung. Ohne diese wäre es kaum möglich gewesen den heftigen Widerstand ihrer Gegner zu überleben.

Ich orientiere mich an diesen Beispielen, wenn ich in meiner Arbeit die politische, historische und programmmatische Entwicklung der "South West African People' s Organization (SWAPO) of Namibia" darstelle. Die repressive Politik Südafrikas in Namibia zwang die SWAPO dazu ihren Unabhängigkeitskampf auf zwei Ebenen zu führen. So organisierte sich ein Teil der SWAPO im Exil, während der Rest für die innere Mobilisierung zuständig war. Im Verlauf meiner Darstellung werde ich diesbezüglich die Begriffe "interne" und "externe" SWAPO verwenden. Schwerpunktmässig betrachte ich wie die SWAPO ihre Ziele im Unabhängigkeits-prozess durchsetzte und welchen Einfluss verschiedene externe Kräfte dabei hatten. Dies geschieht im weiteren Rahmen der Analyse verschiedener historischer Aspekte Namibias im Zusammenhang mit dem Regionalkurs unter Leitung von Reinhart Kößler.

Bezüglich der mir zur Verfügung stehenden Literatur möchte ich auf einen Punkt hinweisen, der für mich eine nicht leicht zu überwindende Schwierigkeit darstellte.

So viel mir auf, dass die Auseinandersetzung mit der SWAPO oft sehr vom politischen Standpunkt des jeweiligen Autors geprägt ist. Auf der einen Seite gibt es die pro- südafrikanischen Autoren, die die SWAPO in den Mittelpunkt einer kommunistischen Verschwörungstheorie plazieren (siehe R.H. Tranje). Während andererseits die mit der SWAPO solidarisierenden Autoren zu einer eher unkritischen Darstellung neigen (siehe F. Ansprenger). Angesichts des Mangels an sachlich-neutralen Informationen zur SWAPO kann ich nicht für eine vollständige und vollkommen fehlerfreie Darstellung der Ausführungen garantieren.

2.1 Vor Gründung der SWAPO

Zur allgemeinen Orientierung und zum besseren Verständnis meiner Arbeit nenne ich vorab einige Rahmendaten zu Namibia.

Aktuellen Angaben nach hat Namibia 1,695 Millionen Einwohner. Dabei bilden die Ovambo mit 50,7% die größte ethnische Gruppe. Darauf folgen die Nama mit 12,5%, die Kavango mit 9,7%, die Herero mit 8,0%, die San mit 1,9%, die Tswana mit 0,4% und schliesslich 16,8% andere (URL: http://www.erdkunde-online.de/1161.htm).

Diese Zahlen zeigen ein grosses Ungleichgewicht in der ethnischen Zusammensetzung Namibias. Wie ich an anderer Stellen noch erwähnen werde, erhob die SWAPO von Anfang an den Anspuch eine überethnische und nationale Partei zu sein und versuchte das Bild einer representativ zusammengesetzten nationalen Vertretung abzugeben.

Nach dem Erreichen der Unabhängigkeit wollte die SWAPO als Beispiel für die Zusammensetzung der zukünftigen Regierung dienen. Doch bis dahin sollte es noch ein langer beschwerlicher Weg werden.

Zunächst einmal: Wer rief die SWAPO ins Leben und was veranlasste sie zum Handeln? Durch den Versailler Vertrag wurde das ehemalige Deutsch-Südwestafrika im Rahmen des Völkerbundes unter südafrikanische Verwaltung gestellt. Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges versuchte Südafrika das Völkerbundmandat in sein Staatsgebiet zu integrieren. Die Folge waren jahrzehntelange Auseinandersetzungen Südafrikas mit der UNO und dem Internationalem Gerichtshof. Nachdem die UNO 1966 das Mandat für beendet erklärt hatte, erfolgte zwei Jahre später die Umbenennung Südwestafrikas in Namibia. Schliesslich bestätigte der internationale Gerichtshof 1971 das Mandatsende und leitete so eine Phase mehrerer Dekolonialisierungsversuche ein (Harneit-Sievers 1985: 1).

Doch das Zentrum für die Bildung einer namibischen Nationalbewegung war nicht etwa das kolonisierte Namibia sondern Südafrika. Diese formierte sich im Zeitraum von 1955 bis 1958 und für ihre politisch-theoretische Entwicklung waren die südafrikanischen Erfahrungen und die Tradition des politischen Kampfes von erheblicher Bedeutung (Harneit-Sievers 1985: 8f). So gründeten Studenten 1952 den "South West African Student Body" (SWASB). Viele von ihnen wurden später auch in der "South West African National Union" (SWANU) aktiv. Im Jahre 1959 wurde der Nationalismus in Namibia schliesslich zu einer breiteren Bewegung in der Bevölkerung, vor allem in den Städten und unter den Wanderarbeitern. Deren schlechte Lebens- und Arbeitssituation förderte die politische Mobilisierung und wurde bis in die ländlichen Regionen ausgedehnt (Harneit-Sievers 1985: 143).

Insgesamt gab es um 1960 drei bedeutende nationalistisch gesinnte Gruppierungen in Namibia. Zum einem die Chief's Councils (vor allem der Herero Chiefs' Council) und die 1959 gegründete SWANU (die erste interethnische Einheitsorganisation mit einer nationalistischen Programmatik). Auch in der SWANU waren überwiegend Herero organisiert, ein Grossteil zur schwarzen namibianischen Intelligenzia (Studenten, Lehrer, etc.) zählend. Die dritte Gruppe bildete die bis heute bestehende SWAPO mit Sam Nujoma an der Spitze, die sich am 19.April 1960 aus der OPO ("Ovambo People´s Organization") formierte. In der SWAPO dominierten wiederum die Ovambo-Mitglieder, von denen die meisten städtische Wanderarbeiter waren (Dobell 1998: 27).

In den folgenden Abschnitten werde ich die verschiedenen Entwicklungsstadien der SWAPO von den Anfängen bis zur Unabhängigkeit Namibias chronologisch nachzeichnen.

2.2 Die Frühgeschichte der SWAPO (1960-1971)

Trotzdem die SWAPO eine überethnische und nationale Partei bilden wollte1, erreichte sie den höchsten Organisationsgrad vor allem im Ovamboland und in den städtischen Zentren (Windhoek, Luderitz, Tsumeb, Walvis Bay, Oranjemund, Otjiwarongo).

Zu Beginn ihrer Konstitution und vor dem Aufbau der Guerilla 1962/63 konzentrierte sich die Arbeit überwiegend darauf, die UNO für ihre Ziele zu gewinnen. Die sofortige Beendigung des Mandats, eine Übergangsverwaltung mit exekutivem Apparat als Ersatz für die südafrikanischen Sicherheitskräfte und Wahlen zur Unabhängigkeit bis spätestens 1963 waren die Hauptforderungspunkte.

Die Außenpolitik der SWAPO richtete sich aber nicht nur auf die UNO aus. So war die Kontaktaufnahme mit Unabhängigkeitsbewegungen anderer afrikanischer Länder ebenfalls von großer Wichtigkeit. Im Dezember 1961 eröffnete Sam Nujoma ein Partei-büro in Dar es Salaam, Tanzania. Dieses wurde in den folgenden Jahren zum Hauptquartier der Parteispitze und Zentrum ihrer Exilpolitik.

[...]


1 "Unification of all peoples of Namibia into a cohensive, representative, national political organization, irrespective of their race, ethnic origin, religion or creed" (Harneit-Sievers 1985: 103).

Details

Seiten
20
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638565233
Dateigröße
516 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v63472
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – Institut für Ethnologie
Note
2,0
Schlagworte
Befreiungsbewegung Organisation SWAPO Exilpolitik Mobilisierung Regionalkurs Namibia

Autor

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Titel: Befreiungsbewegung und Organisation: SWAPO zwischen Exilpolitik und interner Mobilisierung