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Punk und die Cultural Studies

Seminararbeit 2004 14 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Entstehung von Punk

3. Cultural Studies
3.1. Jugendstudien der Cultural Studies
3.2. Cultural Studies am Beispiel von Dick Hebdige

4. Sprachanalyse von Punk-Texten

5. Zusammenfassung

6 Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Punk war eine Explosion. Heftig, kurz, aber mit großen Auswirkungen. Er zertrümmerte unsere wohleingerichteten Einschätzungen von gut und böse, schön und häßlich, heil und kaputt. Punk war ein Stil, ein subkultureller Code, und wurde so Teil des popgeschichtlichen Repertoires.“ (Kemper / Langhoff / Sonnenschein 2002, 186)

„Punk vertritt keine Ideologie. Für was soll man auch sein, wenn alles Scheiße ist? Punk ist nichts als eine hässliche Pose, das Bekenntnis, Müll zu sein.“ (Wagner 1999, 123)

Punk als d i e Subkultur der siebziger Jahre, die trotz ihres schnellen Verschwindens große Aufmerksamkeit erhielt, damals wie heute.

Diese Arbeit möchte das Entstehen der Punk-Bewegung beleuchten und dabei vor allem auf die Forschungsergebnisse der Cultural Studies eingehen unter dem Aspekt Popmusiktexte als Gegenstand sprach- und kulturwissenschaftlicher Analysen.

2. Entstehung von Punk

Der Anfang des Punks wird mit dem ersten Auftritt der Band Sex Pistols datiert. Sie spielen am 26.11.1976 den Song Anarchy in the U.K.. Später wird dieser als stilbildend gelten, da hier schon in typischer Weise die gesellschaftliche Ordnung provoziert wird. Im Dezember des Jahres 1976 wird in London das Roxy eröffnet, der erste „Punk-Tempel“.

Der „Tod“ des Punk folgt schnell. Erklärt wird dies durch die Kommerzialisierung; die Bands kommen „von der Straße“, spielen in einfachen Clubs und in Garagen. Plötzlich bietet man ihnen Plattenverträge an und Punk wird zum „Trend“. Andrew Edwards, Public Relations Manager der Stranglers, sagt bereits 1979:

„Punk ist nur noch ein Witz, es hat nichts mehr mit dem zu tun, was es mal war. Punk hat so gut wie nichts von dem erreicht, was er einmal wollte, zumindest nicht in England. Er hat sich in einen kommerziellen Karneval verwandelt, und zwar so schnell, daß die Leute, die damit angefangen haben und die ursprünglicher Ideen hatten, die Kontrolle verloren haben. Plattenfirmen und Medien haben so schnell ein Geschäft daraus gemacht, daß alle Kreativität, alle Ideen und Imaginationen verlorengegangen sind. Übrig blieb nur Geld. Punk wurde eine Ware wie jede andere auch. Das war unausweichlich, Punk mußte ein Geschäft werden, traurig ist nur, daß es so schnell passiert ist. Die Leute, die dadurch reich wurden, haben sich dann genauso benommen, wie sich Kapitalisten immer schon benommen haben. Und so wurde die neue Welle schnell die alte Welle.“ ( Kemper / Langhoff / Sonnenschein 2002, 185)

In Deutschland erfährt man erstmals 1977 in dem Zeitungsartikel P unk-Rock. Die Rückkehr der Rotznase, erschienen in der Musikzeitschrift Sounds, von der englischen Punk-Bewegung. Auch Bravo berichtet Ende 1977 darüber in der Serie Alles über Punk-Rock, der Spiegel bringt im April 1978 die Titelgeschichte Punk. Kultur aus den Slums: brutal und hässlich heraus.

Punk nicht nur in dokumentierter Form beginnt1977 in Berlin, wo man die gleichen Voraussetzungen wie in England findet: soziale Spannungen, hohe Jugendarbeitslosigkeit, unbefriedigende Wohnverhältnisse, mangelnde Zukunftsperspektiven. Bands wie

PVC Mittagspause,

Din A Testbild,

Materialschlacht oder

Einstürzende Neubauten

sind von der neuen englischen Spielweise fasziniert und spiegeln mit lärmender Musik und zynischen Texten einen Teil der Berliner Jugendsubkultur wider.

Erst in der Mitte der achtziger Jahre erreicht der Punk den Osten Deutschlands, allerdings nur in einer geringen Zahl der Fans, da die Angst vor dem Staatsapparat zu groß ist; West-Punks sind desillusionierter, sie verweigern sich einer Gesellschaft, die für sie keine Zukunft mehr bietet.

Eine deutsche Besonderheit innerhalb des Punks entsteht 1982, die sogenannten 'Chaostage'. In Hannover existiert bei der örtlichen Polizei eine „Punkerdatei“, in der alle im Stadtgebiet auffällig gewordenen Punks und Skinheads registriert sind - diese gerät an die Öffentlichkeit. Als Reaktion auf diese Kartei wird für den 18. Dezember 1982 der erste Chaostag organisiert. Ziel ist es, dass eine unüberschaubare Menge an Menschen in die Kartei aufgenommen wird, so dass sie ihren Sinn verliere. Somit stylten sich auch „Nicht-Punks“ entsprechend. Durch den Erfolg angespornt, folgen noch etliche Chaostage bis in die neunziger Jahre hinein. Martin Büsser äußert sich dazu folgendermaßen:

„Chaostage sind das Resultat aus einer zusammengebrochenen Subkultur, die sich neu formieren, über alte Werte neu definieren und schließlich wieder ihrer selbst bestätigen muß. Zusammengebrochen ist diese Subkultur, weil ihr die Orte zur Versammlung fehlen, in vielen Fällen entzogen wurden. [...] Hannover ist dabei sicher kein Ort mehr, der lebendige, sich stets verändernde Subkultur ermöglicht (dazu sind drei Tage viel zu kurz), bloß Ort der Selbstvergewisserung: Hurra, wir leben noch. Leichname, die aneinander riechen, um sich gegenseitig zu vergewissern, noch nicht ganz vermodert zu sein.“ (Büsser et al. 1995, 136)

3. Cultural Studies

1964 wird das Centre for Contemporary Cultural Studies (CCCS) in Birmingham gegründet, dessen ursprüngliches Ziel die Analyse der populären Kultur mittels einer Synthese literaturkritischer und soziologischer Ansätze ist. An die Stelle überkommener marxistischer Dogmen tritt die Analyse der gesellschaftlichen Veränderungen nach dem Zweiten Weltkrieg, die Neubestimmung der Rolle der Arbeiterklasse und die kritische Auseinandersetzung mit den neu entstehenden Massenmedien, insbesondere dem Radio. Die Beeinflussung durch die Medien sollte später zu einem zentralen Thema der Gesellschaftskritik im Rahmen der britischen Cultural Studies werden. Dabei geht es vor allem um die Rekonstruktion der Perspektive der Beteiligten. Kultur wird nicht als ein vom Alltag abgegrenzter Bereich gesehen; auch interessiert man sich nicht für eine objektive Sinnstruktur von Texten, sondern für die Rezeption kultureller Texte in einem dynamischen, widersprüchlichen Alltag. Ziel ist es, an Hand theoretischer Ressourcen und empirischer Forschungen konjunktionale Prozesse zu verstehen und somit auch zu einer Veränderung ihrer Kontexte beizutragen, indem für die Beteiligten dieser Prozesse - zum besseren Verständnis - Wissen über die symbolischen Auseinandersetzungen und den Kampf um Bedeutungen bereitgestellt wird. So erkennen die Cultural Studies, dass Kultur eine zentrale Bedeutung in der Gegenwart hat, so dass Anlässe für Forschungen oft soziale und politische Auseinandersetzungen sind, die auf ihre sozialen, politischen und historischen Dimensionen hin untersucht werden (vgl. dazu Göttlich / Mikos / Winter 2001, 46f.).

Die Studien zu den jugendlichen Subkulturen – worauf ich in Kapitel 3.1. noch zurückkommen werde - versuchen, deren Spezifikum und Problematik als Antwort auf historische Kontexte zu verstehen, und stellen dabei soziale Ungleichheiten in der Klassengesellschaft ins Zentrum. Es werden Homologien zwischen den Lebensweisen der Jugendlichen und den kulturellen Ausdrucksformen untersucht. Medien gelten als zentraler Punkt der Jugendkulturen, da die Medienaneignung für Jugendliche einen großen Stellenwert hat. Sie dienen als Ressourcen für die Jugendlichen, um ihre Erfahrungen auszudrücken.

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Details

Seiten
14
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638563833
ISBN (Buch)
9783640203963
Dateigröße
485 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v63307
Institution / Hochschule
Technische Universität Chemnitz – Germanistische Sprachwissenschaft
Note
2,5
Schlagworte
Punk Cultural Studies Popmusik Dick Hebdige Subkultur Linguistik Sprachwissenschaft Textanalyse Stil Dimensionen Jugendkultur

Autor

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Titel: Punk und die Cultural Studies