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Der Skandal um Bischof Rudigiers Hirtenbrief - Seine Vorführung und seine Verurteilung

Seminararbeit 1996 14 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung

Leseprobe

Inhalt

1. Das Leben des Bischof Rudigier bis zu seiner Bischofsweihe

2. Der Beginn des politischen Wirkens Bischof Rudigiers

3. Der Dotationsstreit

4. Die Verteidigung des Konkordats

5. Der Hirtenbrief und seine Beschlagnahmung

6. Vorladung und Vorführung

7. Verurteilung und Begnadigung

Literatur

1. Das Leben des Bischof Rudigier bis zu seiner Bischofsweihe

Franz Xaver Joseph Rudigier wurde Tal am siebenten April 1811 als achtes und letztes Kind des Johann Christian und der Maria Josepha Rudigier in Patenen im Montafon- geboren.

Seine Eltern waren Bauern und sein Vater fungierte zusätzlich als Mauteinnehmer und Schuhmacher. Maßgeblich für den Lebensweg Rudigiers war neben der Liebe seiner Mutter, die ihm besonders zugetan war, der Einfluß seines 14 Jahre älteren Bruders Johann, welcher 1822 zum Priester geweiht wurde. Bei diesem lebte Franz Joseph von 1822 bis 1825 in Schruns[1]. 1825 begann er das Gymnasialstudium in Innsbruck. Nach dessen Vollendung trat er 1831 in das Brixener Priesterseminar ein. Zum Priester wurde Rudigier 1835 geweiht[2]. Im selben Jahr durfte er eine Kooperatorenstelle in Vandans übernehmen. 1836 wurde ihm ein Frühmeßstipendium in Bürs von der Gemeinde übergeben[3].

1838 übersiedelte Rudigier nach Wien, wo er das Weiterbildungsinstitut zum heiligen Augustinus (Frintaneum) besuchte[4]. Dieses war seit 1816 eine Ausbildungsstätte für Weltpriester, da Österreichern im Zuge der josephinischen Kirchenpolitik der Besuch des Germanicums in Rom bis 1848 verboten war.

Im März 1839 wurde Rudigier nach Brixen[5] zurückberufen, wo er zum provisorischen Professor für Kirchengeschichte und Kirchenrecht ernannt wurde. Ab 1841 übernahm er die Fächer Moral und Erziehungskunde.

Schon nach sechs Jahren, am 22. März 1845, ernannte der Kaiser Rudigier zum Spiritual am Frintaneum in Wien[6].

Auch dieser Aufenthalt war nur von kurzer Dauer. Am 2. August 1848 wurde er Propst von Innichen[7]. Dieses Amt bedeutete sicher keinen Aufstieg in der kirchlichen Hierarchie. Dennoch bewarb sich Rudigier, da er das ruhigere politische Klima in Tirol dem aufgewühlten in Wien vorzog.

Schon in diesem Jahr trat er durch politische Äußerungen hervor, die dem revolutionären Geist der Zeit widersprachen. So sprach er sich gegen die Befreiung der Bauern von den Abgaben an den Grundherrn aus, da er eine Schmälerung der kirchlichen Einnahmen im allgemeinen und der Propsteieinnahmen im besonderen befürchtete.

Als sich 1849 das Gerücht verbreitete Rudigier werde zum Kanoniker am Brixener Dom ernannt, war man in Innichen besorgt einen hervorragenden Seelsorger und Propst zu verlieren. Nichtsdesto trotz wurde er am ersten Februar 1850 vom Kaiser zum Kanonikus am Brixener Dom ernannt. Wesentlich wichtiger war jedoch Rudigiers Bestellung zum Regens des hiesigen Priesterseminars. Obwohl sich im Seminar die Wogen der Revolutionswirren bereits geglättet hatten, sorgten sich bereits einige Seminaristen, da dem neuen Regens der Ruf besonderer Strenge vorausgeeilt war. Und in der Tat: Rudigier machte sich das Wort Augustinus „Ordo est dux ad Deum; quae enim a Deo sunt, ordinata sunt“ zum Leitspruch und verwirklichte es auch. Doch war sein ganzes Wirken von großer Sorge um die ihm Anvertrauten geprägt.

Auch dieses Wirken hatte ein baldiges Ende. Am 19. Dezember 1852 wurde Rudigier von Kaiser Franz Joseph zum Bischof der erst seit 68 Jahren bestehenden Diözese Linz ernannt und am fünften Juni von Nuntius Viale-Prelà konsekriert.

2. Der Beginn des politischen Wirkens Bischof Rudigiers

Das im August 1855 zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Kaisertum Österreich geschlossene Konkordat stellte in Österreich den Freiraum der Kirche wieder her, der am Ende des 18. Jahrhunderts durch die josephinischen Reformen zerstört worden war. Der Kirche wurden wieder die ihr zustehenden Kompetenzen in Ehe- und Schulangelegenheiten eingeräumt. Aus dem nun von der Kirche erhofften „Jahrhundertfrieden“ wurde aber leider nichts. Schon fünf Jahre nach dem Abschluß lösten liberale Ideen den Neoabsolutismus ab. 1860/61 wurde das Kaisertum in eine konstitutionelle Monarchie umgestaltet und das Volk noch sehr eingeschränkt in Landtagen und Reichsrat an der Staatsregierung beteiligt.[8]

Bischof Rudigier erhielt durch sein Amt eine Virilstimme im Landtag und machte schon bald in seinen Wortmeldungen kein Hehl daraus, daß er sich dem Kaiser mehr verbunden fühle als dem Landtag. Dies ist in Oberösterreich durchaus verständlich, da die Kluft zwischen Kirche und der liberalen Bewegung immer stärker wuchs und nicht nur den Landtag, sondern auch das beginnende parteipolitische Leben beherrschte. Rudigier war im Landtag der wohl unbedingteste Verteidiger kaiserlicher und kirchlicher Autorität. Für ihn war die Konstellation denkbar ungünstig, da die kirchentreuen ländlich-bäuerlichen Volksmassen den Schritt zum politischen Selbstbewußtsein noch nicht getan hatten und so der Landtag durch liberale, kirchenfeindliche Kräfte dominiert wurde. Für sie war Rudigier ein „Hindernis jeden Fortschrittes“.

3. Der Dotationsstreit

Einen Vorgeschmack auf die kommenden Auseinandersetzungen bot der sogenannte Dotationsstreit. Der Bischof wollte vor den Wahlen zur zweiten Landtagsperiode für die Dotationsgüter Garsten und Geink die Eintragung als Eigentümer in die Landtafel erreichen, da damit die Berechtigung zur Teilnahme an der Wahl für die Kurie des „großen Grundbesitzes“ verbunden war. Diese Eintragung wurde von den Behörden abgelehnt. Dadurch erhielten die Liberalen die Möglichkeit, das Wahlrecht des Bischofs anzufechten. Diesem Antrag wurde nach einer heftigen Debatte stattgegeben. Rudigier apellierte daraufhin an die Statthalterei, jedoch vergeblich. Die Aberkennung wurde bestätigt. Worauf sich Rudigier an den gerade aus Oberösterreich zum Innenminister berufenen Grafen Taaffé wandte, um seinen Namen in die Wählerliste aufnehmen zu lassen. Durch die Statthalterei wurde dem Bischof Taaffés abschlägige Antwort mitgeteilt. Für Rudigier war dies einerseits ein deutliches Signal, daß die Kirche nicht mehr mit der Staatsmacht rechnen konnte andererseits war es ein klarer Sieg der Liberalen, die nun eine völlige Entziehung der Dotationsgüter durchzusetzen versuchten.[9]

[...]


[1] Johannes Ebner: Franz Joseph Rudigier in Vorarlberg. In: Rudolf Zinnhobler (Hrsg.). Bischof Franz Joseph Rudigier und seine Zeit (Linz 1987) S.18 - 19.

[2] Josef Gelmi: Die Beziehungen zu Tirol. In: Rudolf Zinnhobler (Hrsg.). Bischof Franz Joseph Rudigier und seine Zeit (Linz 1987) S. 23 - 27.

[3] Johannes Ebner: Franz Joseph Rudigier in Vorarlberg. In: Rudolf Zinnhobler (Hrsg.). Bischof Franz Joseph Rudigier und seine Zeit (Linz 1987) S.19 - 22.

[4] Johann Weißensteiner: Die Jahre in Wien. In: Rudolf Zinnhobler (Hrsg.). Bischof Franz Joseph Rudigier und seine Zeit (Linz 1987) S. 30 - 34.

[5] Josef Gelmi: Die Beziehungen zu Tirol. In: Rudolf Zinnhobler (Hrsg.). Bischof Franz Joseph Rudigier und seine Zeit (Linz 1987) S. 27 - 28.

[6] Johann Weißensteiner: Die Jahre in Wien. In: Rudolf Zinnhobler (Hrsg.). Bischof Franz Joseph Rudigier und seine Zeit (Linz 1987) S. 35 - 39.

[7] Josef Gelmi: Die Beziehungen zu Tirol. In: Rudolf Zinnhobler (Hrsg.). Bischof Franz Joseph Rudigier und seine Zeit (Linz 1987) S. 28 - 29.

[8] Gerhart Marckgott: Der Kampf für das Konkordat und gegen die Maigesetze. In: Rudolf Zinnhobler (Hrsg.). Bischof Franz Joseph Rudigier und seine Zeit (Linz 1987) S. 119 -120.

[9] Gerhart Marckgott, aaO. S. 120 - 121.

Details

Seiten
14
Jahr
1996
ISBN (eBook)
9783638563659
Dateigröße
456 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v63282
Institution / Hochschule
Universität Wien – Institut für Geschichte
Note
1,0
Schlagworte
Skandal Bischof Rudigiers Hirtenbrief Seine Vorführung Verurteilung Seminar Geschichte Liberalismus Kirchenkampf Kirchengesetze Österreich 19. Jahrhundert Habsburg Habsburger Kaiser Franz Josef Oberösterreich Linz

Autor

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