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Anna Freud: Das Ich und die Abwehrmechanismen - eine ausführliche Zusammenfassung

Seminararbeit 2001 36 Seiten

Pädagogik - Sonstiges

Leseprobe

Gliederung

0. Einleitung

Teil I Theorie der Abwehrmechanismen
1. Das Ich als Stätte der Beobachtung
2. Die Verwertung der analytischen Technik zum Studium der psychischen Instanzen
3. Die Abwehrtätigkeit des Ichs als Objekt der Analyse
4. Die Abwehrmechanismen
5. Orientierung der Abwehrvorgänge nach Angst und Gefahr

Teil II Beispiele für die Vermeidung von Realunlust und Realgefahr (Vorstufen der Abwehr)
6. Die Verleugnung der Phantasie
7. Die Verleugnung in Wort und Handlung
8. Die Ich-Einschränkung

Teil III Zwei Beispiele für Abwehrtypen
9. die Identifizierung mit dem Angreifer
10. Eine Form von Altruismus

Teil IV Abwehr aus Angst vor der Triebstärke (dargestellt am Beispiel der Pubertät)
11. Ich und Es in der Pubertät
12. Triebangst in der Pubertät
13. Stellungnahme

0. Einleitung

Bei dieser Arbeit handelt es sich um eine Zusammenfassung des wesentlichen Inhaltes des Buches: „Das Ich und die Abwehrmechanismen“ von Anna Freud. Um den Gedanken und die Ideen der Psychoanalyse darzustellen und zu verdeutlichen wurde weitgehend der original Wortlaut von Anna Freud beibehalten sowie auf vielfachen Einsatz von Zitaten Wert gelegt.

Da es sich um eine Zusammenfassung handelt, wurde der Aufbau des Buches für diese Arbeit übernommen.

Teil I: Theorie der Abwehrmechanismen

1. Das Ich als Stätte der Beobachtung

Definition der Psychoanalyse

Die Beschäftigung mit dem Ich war in der Psychoanalyse eine Zeitlang unpopulär. Dadurch wurde die Beschäftigung mit dem Es zur Hauptsache. Nur dies wurde als „richtige“ Psychoanalyse gesehen. Der Beginn der Psychoanalyse war deshalb eine Lehre, die sich auf Basis dieser Funde aufgebaut hat, d.h. sie war v.a. eine Psychologie des Unbewußten. Diese Definition verliert nach Anna Freud allerdings den Anspruch auf Richtigkeit, wenn sie auf die psychoanalytische Therapie angewendet werden soll. Laut Anna Freud waren das Ich und seine Störungen von Anfang an Objekt der Betrachtung. Das Es diente der Aufhebung der Störungen und der Wiederherstellung der Intaktheit des Ich.

Es, Ich und Über-Ich in der Selbstwahrnehmung

Die drei Instanzen Es, Ich und Über-Ich sind in sehr unterschiedlicher Weise erreichbar für die Beobachtung:

Das Es ist nicht unter allen Bedingungen der Beobachtung zugänglich, nämlich dann nicht, wenn im Es keine Triebregungen herrschen und versuchen, ins Ich vorzustoßen. Die Inhalte des Über-Ichs sind zu einem großen Teil bewußt, allerdings entgleitet uns, wo ich und Über-Ich einig sind, die Vorstellung des Über-Ich. Diese Instanz ist als Einzelinstanz nicht erreichbar. Sie wird nur dort einsichtig, wo sich Über-Ich und Ich kritisch gegenüberstehen und im Ich Folgezustände der Kritik sichtbar werden, z.B. Schuldgefühle.

Das Ich als Beobachter

Daraus folgt, dass das Ich die eigentliche Instanz ist, auf die sich die Beobachtung richten muss. Denn das Ich ist das Medium, durch das die anderen Instanzen erfasst werden können.

Die Triebe dringen aus dem Es in das Ich vor und verschaffen sich Zugang zum Bewegungsapparat, um sich Befriedigung zu verschaffen. Im glücklichen Fall hat das Ich gegen das Es nichts einzuwenden, stellt seine Kräfte zur Verfügung und beschränkt sich lediglich auf die Wahrnehmung der Triebe. Es entsteht ein klares Bild des Es, des Triebes und der Triebregung. Dieser Vorgang wird ohne das Ich gestaltet. Allerdings entstehen durch das Übertreten von einer Instanz in eine andere Störungen der Es-Beobachtung.

Die Psychoanalyse unterscheidet zwischen Primärvorgang einerseits und dem Sekundärvorgang andererseits. Der Primärvorgang herrscht im Es. Hiermit sind die Triebe und Triebvorgänge des Es gemeint, die der Lustgewinnung dienen. Der Sekundärvorgang wird als dem Ich zugehörig beschrieben, in dem strenge Bedingungen herrschen. Von den Triebregungen des Es wird Rücksichtnahme auf Forderungen der Realität und Rücksichtnahme auf ethische und moralische Aspekte des Über-Ich verlangt. Das Es erfährt Zurücksetzung von den anderen beiden Instanzen. Es hält aber an seinen Triebzielen fest und unternimmt feindliche Übergriffe ins Ich. Daraufhin unternimmt das Ich Gegenaktionen gegen das Es. Die Absichten des Es werden durch diese Abwehrmechanismen modifiziert. Die Absicht des Ich ist die dauernde Lahmlegung der Triebe durch geeignete Abwehrmechanismen; diese sollen der Sicherung seiner Grenzen dienen.

In diesem Fall liefert die Beobachtungstätigkeit des Ich nicht ganz klare Bilder, allerdings sind diese Bilder viel lohnender als die zuvor beschriebenen. Hier wird nicht die reine Es-Regung beobachtet, sondern die Es-Regung modifiziert durch den Abwehrmechanismus des Ich. Der Kompromiss zwischen den Instanzen muss anschließend wieder in Ich, Es und Über-Ich Anteile zerlegt werden.

Es-Vorstöße und Ich-Vorstöße als Material der Beobachtung

Laut Anna Freud haben die Vorstöße aus beiden Richtungen unterschiedlichen Wert. Die Abwehraktionen des Ich gegen das Es sind stumm und unsichtbar und erst nachträglich rekonstruierbar. Sie sind nicht direkt zu verfolgen. Als Beispiel nennt Anna Freud die Verdrängung. Sie ist erst durch das „Auftreten von Ausfallerscheinungen“ wahrzunehmen. Bestimmte Es-Regungen, die zum Zweck der Befriedigung man erwarten würde, fehlen. Wenn diese jedoch nicht auftauchen, sind sie der Verdrängung erlegen.

„Über den Vorgang der Verdrängung selbst haben wir dabei nichts Näheres erfahren.“(S. 17)

Daraus folgt, dass sich alle wichtigen Aufschlüsse immer aus Vorstößen der Es- in die Ich-Instanz ergeben. Der Prozess der Verdrängung wird durch das Auftauchen von Wiederkehr, z.B. Bei Neurosen deutlich.

2. Verwertung der analytischen Technik zum Studium der psychischen Instanzen

Hypnotische Technik

In der voranalytischen Periode wurde die Rolle des ich negativ bewertet. Absicht war, wie eingangs beschrieben, die Erfassung der Inhalte des Unbewussten. Das Ich wurde als störende Instanz betrachtet. Um Zugang zum Unterbewussten zu erhalten, musste das Ich des Patienten ausgeschaltet werden. Die Hypnose galt hier als ein geeignetes Mittel dazu. In diesem Vorgang der Hypnose hat das Unbewußte Zugang zum Ich. Allerdings ist der Zugang des Unbewußten zum Ich erzwungen. Durch diese Bewußtmachung erfolgt eine lösende Wirkung auf das Symptom. Das Ich ist in den therapeutischen Prozess nicht mit eingebunden; es duldet das Es ausschließlich während der Hypnose. Danach erfolgt ein Abwehrkampf gegen das Es und damit eine Zerstörung des Erfolges. Anna Freud bewertet diese Therapie als nicht sinnvoll.

Die freie Assoziation

Die Rolle des Ich wird hier zunächst ebenfalls als negativ betrachtet. Allerdings wird das Ich des Patienten hier, im Unterschied zur Hypnose, gebeten sich freiwillig auszuschalten. Das Ich soll schweigen während das Es im Patienten aufsteigt. Dem Es wird aber lediglich versprochen, seine Triebziele in Wortvorstellungen umzuwandeln. Die Beherrschung des Bewegungsapparates wird ihm verwehrt.

„Aus diesem Doppelspiel mit der Triebregung, der Aufforderung, sich zu äußern, bei gleichzeitiger konsequenter Verweigerung der Befriedigung ergibt sich nebenbei eine der vielen Schwierigkeiten für die Handhabung der analytischen Technik“ (S. 22)

Eine weitere Schwierigkeit ergibt sich daraus, dass der Analytiker die Regungen des Es, die in Bewußtsein zu drängen versuchen, schnell erkennen muss. Das Ich wehrt sich, und diese Abwehrmaßnahmen stört Verlauf der Assoziation. Bezeichnet wird dies als Verstoß gegen die analytische Regel; der Patient zeigt Widerstände

„Das soll heißen: Der Vorstoß vom Es zum Ich hin, der in ihm vor sich gegangen ist, wird durch eine Gegenaktion in umgekehrter Richtung abgelöst. Damit verschiebt sich aber auch die Aufmerksamkeit des Beobachters von den Assoziationen auf den Widerstand, also vom Es- Inhalt auf die Ich-Tätigkeit“ (S.23)

Hier geht also ein Wechsel des Objektes vonstatten und damit wird auch die Situation der Analyse eine andere. Während der Es-Analyse werden die spontanen Regungen des Es beobachtet. Bei der Analyse in anderer Richtung, nämlich der Abwehrtätigkeit des Ich, muss der Analytiker den Mechanismus der Abwehr erkennen. Da unbewusste Anteile des Ich nicht die Neigung haben, bewusst zu werden, ist eine direkte Verfolgung der Ich-Anteile nicht möglich. Nur die Art der Wirkung verrät, welcher Art der Abwehrtätigkeit sich das Ich bedient. Damit ist ein Stück der Ich-Analyse gelungen. Aufgabe des Analytikers ist nun, das von der Abwehr geleistete wieder rückgängig zu machen, (z.B. bei der Verdrängung das Ausgelassnen wieder einzufügen) um zur Rückkehr zur Es-Analyse zu gelangen.

„Erst dieses Hin und Her der Beobachtung zwischen Es und ich, diese Doppelrichtung des Interesses auf beide Seiten des Menschen, den wir vor uns haben, ergibt [...] das, was wir Psychoanalyse nennen“ (S. 24)

Die Traumdeutung

Die Psychoanalyse beschreibt den psychischen Zustand des Träumens von dem des Patienten in analytischen Situation nur wenig verschieden. In beiden Fällen erfolgt eine Herabsetzung der Ich-Leistungen. Beim Träumen wird dieser durch den Schlafzustand automatisch hergestellt. Im Falle des zu Tage Förderns latenter Traumgedanken dient die Traumdeutung der Erforschung des Es. Der Erforschung der Ich-Instanzen dient die Traumdeutung, soweit „sie die Maßnahmen des Zensors auf ihren Wirkungen auf die Traumgedanken rekonstruiert“ (S. 25)

Die Symboldeutung

Die Symboldeutung ist ein Nebenprodukt der Traumdeutung, die durch Kenntnis der Traumsymbole möglich wird. Bestimmte Symbole liefern bestimmte festgelegte allgemeingültige Beziehungen zwischen bestimmten Es-Inhalten und bestimmten bewussten Wert- oder Sachvorstellungen. Das Wissen über diese Relationen erlaubet einen gesicherten Rückschluss von bewussten Äußerungen auf Unbewusstes, ohne dass Abwehrmaßnahmen des Ich erst rückgängig gemacht werden müssen.

Fehlhandlungen

Auch sogenannte Fehlhandlungen bieten Einblicke ins Unterbewusste. Hier ist das Aufsteigen der Es-Abkömmlinge nicht an analytische Situationen gebunden. Fehlhandlungen treten überall dort auf, wo die Aufmerksamkeit des Ich eingeschränkt oder abgelenkt ist und unbewusste Bewegungen plötzlich Verstärkung erfahren. Beispiele hierfür sind Versprechen oder Vergessen. Diese Fehlhandlungen kommen auch in der analytischen Behandlung vor, sind aber weitgehend unbedeutend.

Die Übertragung

Übertragungen sind alle Regungen des Patienten dem Analytiker gegenüber, die nicht aus einer neuen analytischen Situation heraus entstehen, sondern von früher herrühren. Da diese Regungen Wiederholungen sind und nicht Neuschöpfungen, ergeben sich hieraus Kenntnisse über vergangene Gefühlserlebnisse.

Die Übertragung libidinöser Regungen

Hier empfindet der Patient dem Analytiker gegenüber Gefühle, die durch kein Ereignis der Gegenwart berechtigt erscheinen. Der Patient wehrt sich gegen diese Gefühle und oft ist es ausschließlich unter Druck der analytischen Grundregel möglich, den Zugang zur bewussten Äußerung zu erzwingen. Diese Gefühle sind Es-Durchbrüche, die von alten Gefühlskonstellationen herrühren. Sie werden nachvollziehbar, wenn sie aus der analytischen heraus in infantile Situationen hereingebracht werden. Oft füllt sich dadurch eine anamnestische Lücke in Vergangenheit des Patienten. Eine Rückversetzung der Reaktion in die Vergangenheit befreit den Patienten von dem fremdem Impuls in der Gegenwart und ermöglicht die Fortsetzung der analytischen Arbeit. Die Deutung dieser Art von Übertragung dient der Es-Beobachtung.

Die Übertragung von Abwehr

Der oben beschriebene Wiederholungszwang erstreckt sich allerdings nicht nur auf alte Es-Regungen, sondern auch auf alte Maßnahmen der Triebabwehr. Es werden nicht nur infantile Es-Regungen, sondern auch Es-Regungen in allen Formen der Entstellung, die schon im frühen Leben ausgeprägt worden sind, übertragen. Es ist trotz konsequenter Durchsetzung der analytischen Grundregel fast unmöglich, den Patienten dazu zu bewegen, die Es-Regung zu zeigen, die sich hinter der in der Übertragung geäußerten Abwehr verbirgt. Die einzige noch zugängliche Form ist die entstellte Abwehrform. Die analytische Aufmerksamkeit muss sich hier auf den Mechanismus der Triebabwehr richten, d.h. auf das Ich. Die Übertragungsäußerung zerfällt in zwei Teile, die beide der Vergangenheit angehören. Zum einen in einen libidinösen Anteil, der dem Es zugehörig ist, zum anderen in den Abwehrmechanismus vom Ich. Eine Schwierigkeit ist, dass die Übertragungsreaktion dieser Art vom Patienten nicht als Fremdkörper empfunden wird. Aus diesem Grund ist der Patient vom Wiederholungscharakter nur schwer zu überzeugen und eine freiwillige Mitarbeit des Patienten ist nur schwer zu erreichen. Die Auskünfte, die durch diesen Typus von Übertragung erhalten werden, können in zwei Gruppen unterteilt werden: einerseits handelt es sich um bewusst gemachte Es-Inhalte, die durch den ungehinderten Fluss der Einfälle entsteht, zum anderen um bewusst gemachte Ich-Tätigkeit, d.h. den Einsatz des Widerstandes. Im Unterschied zur freien Assoziation beziehen sich die Übertragungsdeutungen ausschließlich auf die Vergangenheit, wohingegen in der Assoziation die Es-Inhalte nicht an bestimmte Epochen gebunden sind.

Das Agieren in der Übertragung

Hierbei handelt es sich um eine Steigerung der Übertragung. Die Triebe und Abwehrmechanismen der übertragenden Gefühle werden in Handlungen umgesetzt. Bei diesem „Agieren in der Übertragung“, das außerhalb der Analyse vor sich geht, handelt es sich um Handlungen des täglichen Lebens. Es handelt sich also nicht um eine künstliche Therapiesituation. Für die Analyse ist dieses Agieren infofern sinnvoll, als dass die innere Strukturen des Patienten in ihren natürlichen Größenverhältnissen ersichtlich werden. Wenn das Deuten dieser Handlungen gelingt, können die Übertragungsaktionen in die Bestandteile zerlegt werden, die den tatsächlichen gegenwärtigen quantitativen Beteiligungen der einzelnen Instanzen entsprechen. Trotzdem ist der therapeutische Gewinn gering. Anscheinend beruht die Möglichkeit zur Bewusstmachung des Unterbewussten und die therapeutische Einflussnahme auf Beziehungen zwischen Es, Ich und Über-Ich auf dem künstlich hergestelltem Zustand, der in der analytischer Situation durch das Herabsetzten der Aktivität Ich-Instanz hergestellt wird.

Technische Einseitigkeiten und Schwierigkeiten

Nach Anna Freud führt die Bevorzugung eines analytischen Mittels zu einer einseitigen Analyse des Patienten. Die Persönlichkeit wird dann nur verzerrt dargestellt. Die freie Assoziation, der Traumgedanke und die Übertragung dienen in einseitiger Weise der Es-Erforschung, sowie die Analyse der Abwehrformen von Triebregungen und der Phantasien in einseitiger Weise der Erforschung des Ich bzw. Über-Ich dienen.

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Details

Seiten
36
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638139229
Dateigröße
665 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v6328
Institution / Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel – Psychologie
Note
1
Schlagworte
Psychoanalyse

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