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Portfoliooptimierung durch Einsatz derivativer Finanzinstrumente

Hausarbeit (Hauptseminar) 2005 45 Seiten

BWL - Investition und Finanzierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung
1.1 Zielsetzung und Aufbau dieser Arbeit
1.2 Portfoliotheorie
1.2.1 Portfolio- Selection Modell von Markowitz
1.2.2 Indexmodell von Sharpe
1.2.3 Systematisches und unsystematisches Risiko
1.2.4 Aktives und Passives Portfoliomanagement

2. Einführung in das Termingeschäft
2.1 Grundbegriffe
2.2 Gründe für die Anlage in Derivate

3. Optionen
3.1 Grundlagen
3.2 Optionspreisbewertung und Sensitivitätskennzahlen

4. Absicherungsstrategien für Aktienportfolios
4.1 Portfolioinsurance mit Optionen
4.1.1 Statische Verfahren
4.1.1.1 Protective Put
4.1.1.2 Portfolioinsurance mit Calls
4.1.2 Dynamische Verfahren
4.1.2.1 Synthetischer Put
4.2 Hedging mit Optionen
4.2.1 Fixed- Hedge
4.2.2 Delta Hedging
4.2.3 Gamma Hedging
4.3 Fallstudie mit dem Protective Put

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Anhang

1. Einführung

1.1 Zielsetzung und Aufbau dieser Arbeit

Um im aktuellen Umfeld einer schwierigen Börsensituation mit seinem Portfolio Gewinne zu erzielen, sollte der Anleger zur Ergänzung von Aktien und Renten neuartige Finanzinstrumente, sogenannte Finanzinnovationen, in seine Portfolioplanung und –bildung mit einbeziehen. Klassisch werden mit Finanzinnovationen Optionen, Futures, Forwards und Swaps bezeichnet. Die vorliegenden Ausführungen beschränken sich auf Optionen.

Diese Arbeit beschäftigt sich damit, darzustellen, wie private Anleger mit der Anlage in derivative Finanzinstrumente ihr Aktienportfolio in wirtschaftlich ungünstigen Perioden optimieren können. Auf die Konzepte der Portfolioinsurance und des Hedgings mit Optionen soll dabei näher eingegangen werden.

Um die Grundlagen für die Portfoliooptimierung mit Derivaten zu legen und darzustellen, warum Anleger überhaupt Portfolios bilden, wird zuerst das Portfolio Selection Modell nach Markowitz aufgezeigt. Das Indexmodell nach Sharpe, als Erweiterung des Markowitz Modells, soll dann zur Erklärung der beiden unterschiedlichen Risikoarten, systematisches und unsystematisches Risiko von Assets, dienen. Auf diese beiden Risikobeiträge wird im darauffolgenden Teilabschnitt noch einmal näher eingegangen. Das Verständnis dafür ist nötig, um zu verstehen, warum die Absicherung eines Portfolios sinnvoll sein kann. Am Schluss des ersten Kapitels wird der Unterschied zwischen einem aktiven und einem passiven Portfoliomanagement erklärt.

Um den weiteren Inhalt dieser Arbeit ausreichend verständlich zu machen, werden dann im zweiten Kapitel die Grundbegriffe des Termingeschäftes erklärt. Es sollen Gründe aufgezeigt werden, die Anleger dazu veranlassen, ihr Geld in Derivaten anzulegen. Nach einer einführenden Darstellung von Optionen zu Beginn des dritten Kapitels wird die Optionsbewertung nach Black/ Scholes skizziert, um damit wichtige Bewertungskennzahlen, wie zum Beispiel Gamma, Theta etc. abzuleiten.

Im vierten Kapitel werden Möglichkeiten der Portfolioabsicherung aufgezeigt. Dazu gehören statische und dynamische Portfolioinsurance- Konzepte, sowie Hedging- Strategien mit Optionen und es wird anhand einer Fallstudie die Wirkungsweise des Protective Put dargestellt. Finanzinnovationen besitzen zumeist einen hohen Komplexitätsgrad und sind für private Anleger häufig schwer zu durchschauen. Dadurch verbindet sich mit ihnen auch ein erhöhtes Risiko. Am Schluss dieser Arbeit soll geklärt werden, ob das Risiko, das Derivate in sich bergen, von privaten Anlegern überschaubar und tragbar ist, oder ob es nicht sogar vielmehr möglich ist, durch die Anwendung von Portfolioinsurance- Konzepten und dem Hedging von Optionen an hohen Renditen teilzuhaben und gleichzeitig das Gesamtrisiko von Aktienanlagen auszuschließen.

1.2 Portfoliotheorie

1.2.1 Portfolio- Selection Modell von Markowitz

Ausgangspunkt der Überlegungen dieser Arbeit ist das Portfolio- Selection Modell von Markowitz, dass aus den 1950er Jahren stammt und erklären soll, warum Anleger überhaupt Portfolios bilden.

Um das Markowitz Modell entwickeln zu können, sind Überlegung bezüglich der Ziele eines Anlegers nötig. So existiert das sogenannte „magische Dreieck“, dessen Eckpunkte die Rendite, die Sicherheit und die Liquidität einer Anlage bilden. Dabei verhalten sich vor allem die Rendite und die Sicherheit gegensätzlich, es sind konkurrierende Ziele. Versucht ein Investor mit einer Anlage mehr Rendite zu erreichen, muß er in der Regel mehr Risiko eingehen und büßt somit Sicherheit ein. Andersrum muß ein Anleger auf Rendite verzichten, wenn er dafür eine sichere Anlage erwerben möchte.

Der Anleger betrachtet also bei einer Anlagemöglichkeit normalerweise mindestens zwei Parameter, nämlich die Rendite und das Risiko. Würde er nur die Rendite einer Anlage betrachten, müsste er den gesamten Anlagebetrag in den Titel mit der höchsten zu erwartenden Rendite investieren. Nur dann würde er sich effektiv verhalten. In der Praxis ist allerdings zu beobachten, dass Anleger ihr Vermögen auf mehrere Titel aufteilen. Es muß einen Grund geben, warum sie so handeln. Also ist davon auszugehen, dass sie nicht nur die Rendite betrachten, sondern zusätzlich das Risiko von Anlageobjekten.[1]

Markowitz ging bei seinen Überlegungen davon aus, dass es durchaus ausreicht, die erwartete Rendite und das Risiko eines Wertpapiers zu bestimmen, um das optimale Portfolio zu bilden, wenn die Renditen dieses Wertpapiers normalverteilt sind.

Die erwartete Rendite eines Portfolios berechnet sich als Summe der gewichteten Einzelrenditen der Anlageobjekte.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

mit:

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Das Risiko bzw. die Varianz berechnet sich als Summe der gewichteten Einzelvarianzen (eigentlich nur im Spezialfall gleichgerichtet verlaufender Renditen[2] ).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

mit:

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Außerdem geht das Markowitzmodell davon aus, dass der Anleger risikoavers handelt. Grundsätzlich können drei Extrempositionen von Anlegertypen unterschieden werden, den risikoindifferenten, den risikofreudigen und den risikoaversen Anleger. Der risikoindifferente Anleger bezieht das Risiko in seine Investitionsentscheidung nicht mit ein. Er empfindet eine Anlage als effizient, wenn sie eine höhere erwartete Rendite aufweist, als eine andere Anlage. Entscheidungskriterium für ihn ist allein die Rendite. Der risikofreudige Anleger zieht das Risiko in seine Betrachtung mit ein. Es hat für ihn einen eigenen, positiven Nutzen. Steht er vor der Wahl zweier Anlagemöglichkeiten mit der gleichen erwarteten Rendite, dann entscheidet er sich für die mit dem höchsten Risiko. Der risikoaverse Anleger bildet hier den Gegenpol. Für diesen Anlegertyp hat Risiko einen negativen Nutzen, das heißt, dass er Anlagen bevorzugt, die ein geringeres Risiko aufweisen, als andere und dass er höheres Risiko nur mit höherer Rendite akzeptiert.

Der risikoaverse Anleger zieht eine Anlage einer anderen vor, wenn diese bei gleicher erwarteter Rendite ein niedrigeres Risiko oder bei gleichem Risiko eine höhere Rendite oder beides aufweist. In dieser Sichtweise dominieren solche Anlagen oder auch Portfolios andere, unterlegene Portfolios. Sie sind dann effizient, wenn sie von keinem Portfolio dominiert werden. Die Menge aller effizienten Portfolios bildet im Portfolio- Selection Modell die Effizienzkurve.[3] Die Portfolios, die auf der Effizienzkurve liegen, nennt man Minimum- Varianz- Portfolios, da bei jeweils vorgegebener erwarteter Rendite kein Portfolio existiert, das eine geringere Varianz aufweist.[4] Die Varianz ist die Maßeinheit für das Risiko einer Anlage im Markowitz Modell.

Wie oben bereits angedeutet, berechnet sich die Portfoliovarianz nur dann als Summe der gewichteten Einzelrisiken, wenn die Renditen der zugrundeliegenden Anlageobjekte gleichgerichtet verlaufen. Um festzustellen, ob dieses zutrifft, sollte der Korrelationskoeffizient (κ) bestimmt werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Korrelationskoeffizient kann Werte zwischen +1 und -1 annehmen. +1 steht für vollständig gleichgerichteten Verlauf und –1 für vollständig entgegengerichteten Verlauf der Renditen der Anlagen i und j.

Diversifikationseffekt

In der Praxis lässt sich zeigen, dass Anleger ihr Anlagevermögen aufteilen. Dadurch lässt sich das Gesamtrisiko eines Portfolios senken, diesen Effekt nennt man Diversifikation.

Um die Diversifikation näher zu erläutern, soll zuerst das Gesamtrisiko im Zwei- Anlagen- Fall dargestellt werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In die Formel wird der Korrelationskoeffizient (κ) eingefügt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Außerdem wird angenommen, dass gilt: [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]

Damit ergibt sich folgende Formel:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Nun sollen drei besonders markante Fälle des Korrelationskoeffizienten aufgezeigt werden. Da der Korrelationskoeffizient, wie oben bereits erwähnt, nur Werte zwischen +1 und –1 annehmen kann, ist es naheliegend, diese beiden Extremfälle und Null zu untersuchen.

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] → vollständige positive Korrelation der Renditen

Es resultiert:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

und für die Standardabweichung folgt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Das Gesamtrisiko ergibt sich hier als Summe der gewichteten Einzelrisiken. Diversifikation ist in diesem Fall nicht möglich.

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] → keine Korrelation der Renditen

Es resultiert:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

und für die Standardabweichung folgt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Jede Kombination der Anlageobjekte ergibt ein niedrigeres Risiko, als bei κij = +1. Es gibt sogar eine Kombination, bei der das Gesamtrisiko niedriger ist, als bei beiden Anlageobjekten einzeln betrachtet.

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] → vollständige negative Korrelation der Renditen

Es resultiert:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

und für die Standardabweichung folgt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bei einer vollständig negativen Korrelation entfaltet sich der maximale Diversifikationseffekt. Es lässt sich sogar eine totale Eliminierung des Portfoliorisikos erreichen.[5]

Anhand dieser Ausführungen wird deutlich, warum Anleger ihr gesamtes Anlagevermögen nicht in ein Anlageobjekt investieren, wenn sowohl Rendite, als auch Risiko betrachtet werden. Ziel dieses Verhaltens ist es, einen möglichst hohen Diversifikationseffekt zu erreichen und das Portfoliorisiko zu minimieren.

1.2.2 Indexmodell von Sharpe

Das Modell von Markowitz liefert wichtige Antworten auf die Frage nach der Portfoliobildung. Trotzdem gibt es auch einige Kritikpunkte, vor allem die große Menge der zu schätzenden Daten. So müssen für N Anlageobjekte 2N + N(N-1)/2 Daten (Renditen, Varianzen und Kovarianzen) bestimmt werden. Bei 100 Anlageobjekten müssen demnach 5150 Parameter geschätzt werden.[6]

Um hier die Schätzproblematik etwas abzumildern und das klassische Modell für den praktischen Gebrauch anwendbar zu machen, entwickelte Sharpe das Single Index Modell (auch Indexmodell genannt). Ausgangspunkt der Überlegungen dieses Modells ist, dass die Wertentwicklung von Aktien an Umweltbedingungen und allgemeine Marktbewegungen gekoppelt ist. Es wird ein linearer Zusammenhang zwischen der Rendite eines Wertpapiers und der Wertentwicklung des Marktes in Form eines Index, zum Beispiel eines Aktienindex, unterstellt. Dieser sollte den Einflussfaktor möglichst genau darstellen. Somit können die Kovarianzen der Renditen zwischen den einzelnen Aktien, die nach dem Markowitz Modell

vollständig ermittelt werden müssen, durch die Korrelation mit der Marktrendite ersetzt werden.[7]

Ausgehend von dieser Annahme, stellt sich die Rendite eines Wertpapiers folgendermaßen dar:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Es wird außerdem davon ausgegangen, dass sowohl die Residuen untereinander, als auch in Beziehung zum Index unkorreliert sind:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Renditeformel soll nun in Erwartungswerten ausgedrückt werden, um einer ex ante Sicht gerecht zu werden. Dabei wird unterstellt, dass das Residuum εi einen Erwartungswert von Null aufweist. Somit ergeben sich für die erwartete Rendite und die Varianz:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

mit:

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Für die Kovarianz zweier Anlageobjekte i und j gilt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Hier werden nur die Renditeabhängigkeiten mit dem Index erfasst. Die Portfoliorenditen (μP) und –varianzen (σP) können dann folgendermaßen ermittelt werden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

mit:

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und:

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Mit diesen Voraussetzungen kann die Anzahl der zu schätzenden Daten entscheidend gesenkt werden.[8]

Bei N Anlageobjekten werden nun n αi – Werte, n βi – Werte und n σεi2 – Werte ermittelt. Außerdem müssen die Indexrendite und die Indexvarianz geschätzt werden. Damit werden

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] Parameter benötigt. Bei 100 Anlageobjekten entspricht das 302 Parametern. Zur Erinnerung, bei dem Markowitz Modell waren es 5150 Parameter. Das Indexmodell bringt hier also eine große Erleichterung.[9]

Für die weiteren Ausführungen dieser Arbeit ist jedoch weniger die Verringerung der zu schätzenden Daten entscheidend, als vielmehr die Erkenntnis, dass die Renditen von Wertpapieren an die Entwicklung des Marktes gekoppelt sind. Ausschlaggebend ist, dass sich das Risiko in einen vom Markt induzierten Teil (βi2 σM2) und einen objektspezifischen Teil (σεi2) gliedert. Man spricht auch von systematischem und unsystematischem Risiko. Im nächsten Abschnitt werden diese beiden Risikobeiträge näher erläutert.

1.2.3 Systematisches und unsystematisches Risiko

Im letzten Kapitel wurde folgender Zusammenhang hergeleitet:

Gesamtrisiko = systematisches Risiko + unsystematisches Risiko.

Das systematische Risiko ist der Teil, der durch den Markt und dessen Entwicklungen beeinflusst wird. Ein Wertpapier reagiert auf Veränderungen im Markt, allerdings ist von diesen Veränderungen nicht nur ein Wertpapier betroffen, sondern alle Anlageobjekte der jeweiligen Anlagekategorie. So lässt sich zum Beispiel beobachten, dass Kursveränderungen des Deutschen Aktienindex DAX, als Synonym für den deutschen Aktienmarkt, bei den meisten der sich in ihm befindlichen Aktien gleichgerichtete Kursveränderungen bewirken.

Einflüsse auf Märkte können zum Beispiel politischer (Kriege, Wahlen etc.) oder wirtschaftlicher Art ( Steuerreform etc.) sein. Zum Teil wirken sich auch Naturkatastrophen (Erbeben, Missernten etc.) auf den Gesamtmarkt aus.[10] Das systematische Risiko einer Anlage kann nicht durch den Diversifikationseffekt beseitigt werden.

Anders verhält es sich mit dem unsystematischen Risiko. Es gilt:

unsystematisches Risiko = Gesamtrisiko – systematisches Risiko.

Das unsystematische Risiko, dass als objektspezifisches Risiko bezeichnet werden kann, wird nur durch objektbezogene Veränderungen beeinflusst. Beispiele könnten sein, dass ein Unternehmen, dass einer Aktie zugrunde liegt, geringere Gewinne erwirtschaftet, als im vorangegangenen Jahr oder dass die Geschäftsleitung gewechselt hat etc. Dieser Teil des Gesamtrisikos lässt sich durch den Diversifikationseffekt verringern und kann sogar, unter bestimmten Bedingungen, vollständig eliminiert werden.

Dazu wird von einer sehr großen Menge N Wertpapieren ausgegangen, die in ein fiktives Portfolio zu gleichen Anteilen 1/N aufgenommen werden. Es ergibt sich folgende Gleichung für die Portfoliovarianz:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Betrachtet man nun den Fall, dass N unendlich groß wird, dann folgt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Es bleibt also nur das durchschnittliche Kovarianzrisiko übrig.[11] Es ist das sogenannte nichtdiversifizierbare Risiko, dass bereits als systematisches Risiko bekannt ist. Abgeleitet aus dem Indexmodell von Sharpe wird es auch als Betafaktor (β) bezeichnet.

Der Teil des Gesamtrisikos, der im Gegensatz dazu diversifizierbar ist, ist das

unsystematische Risiko. Mit dieser Erkenntnis wird ein Anleger immer dann, wenn er mit seinem Anlagevermögen ein Portfolio bildet, versuchen, diesen Teil des Risikos soweit wie möglich zu verringern oder sogar zu beseitigen.[12]

Da das systematische Risiko beim Anleger verbleibt, selbst wenn er sein gesamtes Anlagevermögen in ein Portfolio investiert, sollte er versuchen, andere Methoden einzusetzen, um mit diesem Teil des Gesamtrisikos umzugehen. Eine Möglichkeit ist die Portfolioabsicherung, auf die später eingegangen wird.

1.2.4 Aktives und passives Portfoliomanagement

Die Anlagephilosophie beim Portfoliomanagement kann in ein aktives und ein passives Management von Aktienportfolios unterteilt werden. Dabei ist zu unterscheiden, ob der Anleger von informationsineffizienten oder informationseffizienten Märkten ausgeht.

Glaubt der Anleger, dass er an informationsineffizienten Märkten handelt, dann hält er es für möglich, Informationen zu erhalten und durch Analyse auszunutzen, die andere Marktteilnehmer nicht haben und damit eine höhere, als die vom Gesamtmarkt oder dem jeweiligen Marktsegment vorgegebene Rendite zu erzielen. Er sollte sich dann für ein aktives Portfoliomanagement entscheiden.[13] Das aktive Management verlangt eine umfassende Datenanalyse und –auswertung. Dieses verursacht Kosten. Dazu kommen erhöhte Transaktionskosten. Aktives Management ist sinnvoll, wenn die Überschussrenditen die erhöhten Kosten übersteigen.

Kann dieses nicht erreicht werden, sollte der Anleger das passive Management nutzen. Hierbei geht er von informationseffizienten Märkten aus. Das heißt, dass alle Informationen, die am Markt über einen Finanztitel existieren, sich bereits im Preis widerspiegeln. Der Anleger muß davon ausgehen, dass es keine Informationen gibt, die er als einziger besitzt und die er zu seinem Vorteil ausnutzen kann.

Beim passiven Management sucht sich der Anleger in der Regel einen Vergleichsmaßstab, die Benchmark, dieses kann zum Beispiel ein Kapitalmarktindex sein. An ihr richtet er sein Portfolio aus, bildet es also so exakt wie möglich nach, um die Rendite des Marktes zu erreichen. Eine Überschussrendite kann an informationseffizienten Märkten nicht erreicht werden, somit sind die hohen Kosten des aktiven Managements nicht zu kompensieren.[14]

1. Einführung in das Termingeschäft

2.1 Grundbegriffe

Nachdem die Grundlagen der Portfoliotheorie dargestellt wurden, soll nun eine Einführung in das Termingeschäft folgen.

Finanzinnovationen zeichnen sich insbesondere dadurch aus, dass bei ihnen Verpflichtungs- und Erfüllungsgeschäft zeitlich auseinanderfallen, die Erfüllung findet zu einem festgelegten Termin statt. Deswegen werden diese Art von Geschäften auch Termingeschäfte genannt. Außerdem sind die Bezeichnungen Finanzinnovationen oder Finanzderivate bekannt.[15]

Bereits seit Anfang der 80er Jahre wurden Finanzderivate entwickelt, die heute erst ein maßgeschneidertes Finanzmanagement ermöglichen.[16] Sie lassen sich kaum in einer allgemeingültigen Definition erklären, da es sie in einer großen Vielfalt gibt. Allerdings gibt es einige, für alle gültige Merkmale.

Derivate sind vertragliche Vereinbarungen, die zwischen zwei oder mehr Parteien bestehen

und aus denen sich zukünftige Zahlungen ergeben, wenn ein bei Vertragsabschluß festgelegter Zustand eintritt. Sie werden am Terminmarkt gehandelt.

Um die Begriffe Kassamarkt und Terminmarkt zu unterscheiden, sollte zuerst gezeigt werden, dass es im Allgemeinen Finanzmärkte und Warenmärkte gibt. Auf Finanzmärkten werden längerfristige Finanzierungsmittel gehandelt. Warenmärkte teilen sich auf in die beiden Hauptbereiche Rohstoffe und Nahrungs- und Genussmittel.[17] Diese Arbeit beschäftigt sich ausschließlich mit dem Finanzmarkt, der Warenmarkt wird aus der Betrachtung ausgeschlossen.

Der Terminmarkt unterscheidet sich vom Kassamarkt im Wesentlichen dadurch, dass Vertragsabschluss und Vertragserfüllung zeitlich auseinander fallen. Der Kaufpreis für das Handelsobjekt wird zwar bei Vertragsabschluss festgelegt, aber die Zahlung und Lieferung erfolgen erst an einem vorher festgelegten Termin in der Zukunft.

Der Handel mit Derivaten kann als sogenanntes OTC- Geschäft abgewickelt werden. OTC steht hier für over- the- counter und bedeutet, dass das Geschäft außerbörslich, zumeist über Telefon oder Computer stattfindet. Auch börslicher Handel ist möglich. Dafür wurde im Jahr 1990 die deutsche Terminbörse gegründet, die 1998 zu EUREX umbenannt wurde. Sie ist Teil der Deutsche Börse AG. Die EUREX ist keine Präsenzbörse, sondern es existiert das „Market- Maker- System“, bei dem bestimmte Börsenteilnehmer, die Market Maker, über Telekommunikationsmittel verbindliche Geld- und Briefkurse stellen und für ausreichende Marktliquidität sorgen müssen. Daneben gibt es die Clearing- Stelle, die als Kontraktpartner für jedes Geschäft eintritt und so alle Kontrakte erfüllt.[18]

Termingeschäfte können unbedingt oder bedingt sein. Sie unterscheiden sich hierbei durch die Frage, ob einer der Vertragspartner ein Wahlrecht bezüglich der Vertragserfüllung hat oder nicht. Bei unbedingten Termingeschäften besteht ein Erfüllungszwang für die Vertragsparteien. Darunter fallen zum Beispiel Forwards und Futures.

Bedingte Termingeschäfte beinhalten ein Ausübungsrecht für eine Partei, das heißt, dass das Geschäft unter der Bedingung abgeschlossen wird, dass sich beide Vertragsparteien zum vertraglichen Fälligkeitstermin über den Abschluss und die Bedingungen einig sind. Sollte dieses nicht der Fall sein, kann der Inhaber des Optionsrechts auf die Ausübung verzichten. Hierunter fallen Optionen.[19] Diese Arbeit beschäftigt sich nur mit Optionen und Optionsstrategien.

Das Handelsobjekt, welches bei einem Termingeschäft Gegenstand der Verhandlungen ist, wird auch als Underlying oder Basiswert bezeichnet. Das können Güter oder Finanzobjekte sein. Wie oben bereits erwähnt, beschäftigt sich diese Arbeit nur mit Derivaten, dessen Underlying Finanzobjekte sind.[20]

Damit wurden die wichtigsten Eckpunkte des Termingeschäfts erläutert.

[...]


[1] vgl. Mertens, 2004, S. 1

[2] vgl. Garz, Günther, Moriabadi, 2002, S. 32

[3] vgl. Steiner, Bruns, 1996, S. 7ff

[4] vgl. Garz, Günther, Moriabadi, 2002, S.42

[5] vgl. Poddig, Brinkmann, Seiler, 2005, S. 56 ff

[6] vgl. Auckenthaler, 1994, S. 177 f

[7] vgl. Loistl, 1994, S. 231ff

[8] vgl. Schmidt- von Rhein, 1996, S. 272ff

[9] vgl. Steiner, Bruns, 1996, S. 19

[10] vgl. Steiner, Bruns, 1996, S. 55f

[11] vgl. Garz, Günther, Moriabadi, 2002, S.40 f

[12] vgl. Auckenthaler, 2001, S. 83 f

[13] vgl. Poddig, Dichtl, Petersmeier, 2003, S. 281f

[14] vgl. Poddig, Brinkmann, Seiler, 2005, S.114

[15] vgl. Beike, Köhler, 1997, S. 2

[16] vgl. Bernstorff, 1996, S. 8

[17] vgl. Kotas, 1994, S. 2

[18] vgl. Lippe, Esemann, Tänzer, 1998, S. 729f

[19] vgl. Kotas, 1994, S. 5f

[20] vgl. Beike, Köhler, 1997, S. 3f

Details

Seiten
45
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638562898
ISBN (Buch)
9783638710190
Dateigröße
676 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v63180
Institution / Hochschule
Universität Bremen
Note
2,0
Schlagworte
Portfoliooptimierung Einsatz Finanzinstrumente

Autor

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