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Der lexikalische Transfer von Verben in dem automatischen Übersetungssystem T1

Magisterarbeit 1999 103 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0. Vorbemerkung

1. Einleitung

2. Der Transfer von der Ausgangssprache in die Zielsprache im maschinellen Übersetzungsprozess
2.1. Lexikalische und strukturelle Unterschiede zwischen Ausgangssprache und Zielsprache
2.2. Transfer von mehrdeutigen Lexemen
2.3. Struktureller Transfer

3. Entwicklung von T1
3.1. Entwicklung der maschinellen Übersetzung bis zu den Anfängen von METAL
3.2. Entstehung von METAL
3.3. Portierung auf PC, Arbeit mit T1

4. Die Wörterbücher bei METAL

5. Der Übersetzungsprozess bei METAL
5.1. Analyse
5.2. Transfer
5.3. Synthese

6. Veranschaulichung der Übersetzungsleistung von T1 anhand ausgewählter linguistischer Phänomene
6.1. Konditionalsätze
6.1.1. Allgemeines
6.1.2. Realis
6.1.3. Konditional I
6.1.4. Konditional II
6.1.5. Diskussion der Übersetzungsbeispiele
6.2. Phrasal Verbs, Prepositional Verbs und Phrasal-prepositional Verbs
6.2.1. Allgemeines
6.2.2. Phrasal Verbs
6.2.2.1. Intransitive Phrasal Verbs
6.2.2.2. Transitive Phrasal Verbs
6.2.3. Prepositional Verbs
6.2.4. Phrasal-prepositional Verbs
6.2.5. Diskussion der Übersetzungsbeispiele
6.3. Verbvalenzen
6.3.1. Allgemeines
6.3.2. Verbvalenzen in der MÜ
6.3.3. Der Transfer von Verben bei METAL, die Zuweisung von Kasusrollen und das Ausfüllen von Valenzrahmen
6.3.4. Übersetzung unterschiedlicher Valenzmuster mit T1
6.3.4.1. 0-wertige Verben
6.3.4.2. Obligatorisch 0-wertig, fakultativ 1-wertige Verben
6.3.4.3. Obligatorisch 1-wertige Verben
6.3.4.4. Obligatorisch 1-wertig, fakultativ 1-wertige Verben
6.3.4.5. Obligatorisch 1-wertig, fakultativ 2-wertige Verben
6.3.4.6. Obligatorisch 1-wertig, fakultativ 3-wertige Verben 6.3.4.7. Obligatorisch 2-wertige Verben
6.3.4.8. Obligatorisch 2-wertig, fakultativ 1-wertige Verben
6.3.4.9. Obligatorisch 2-wertig, fakultativ 2-wertige Verben
6.3.4.10. Obligatorisch 3-wertige Verben
6.3.4.11. Obligatorisch 3-wertig, fakultativ 1-wertige Verben
6.3.5. Statistik
6.3.6. Diskussion der Übersetzungsbeispiele
6.4. Subjekthebung
6.4.1. Allgemeines
6.4.2. Übersetzungsbeispiele
6.4.3. Diskussion der Beispielsätze
6.5. Englische Imperative als Imperative oder als Infinitive im Deutschen
6.5.1. Einleitung
6.5.2. Allgemeinsprachliche Aufforderungssätze
6.5.3. Aufforderungssätze, die einer Gebrauchsanweisung entnommen wurden
6.5.4. Diskussion

7. Übersetzung eines Beispieltextes
7.1. Ausgangstext
7.2. Tabelle mit Ausgangstext, Zieltext und Humanübersetzung
7.3. Diskussion der Beispielübersetzung

8. Statistischer Überblick

9. Die Problematik des lexikalischen Transfers von Verben im Beispieltext

10. Resümee

11. Literaturverzeichnis

12. Anhang: Vorstufe zur diskutierten Beispielübersetzung durch T1 ohne vorhergehende Lexikonarbeit und Dokumentation der Lexikonarbeit

Verzeichnis der Abkürzungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

0. Vorbemerkung

Das Übersetzungsaufkommen von Texten aus der englischen Sprache ins Deutsche ist ständig gestiegen und wird auch in Zukunft noch weiter ansteigen. Daher besteht ein großer Bedarf an Übersetzungen von englischen Texten ins Deutsche. Für die Übersetzung kürzerer und längerer Texte aller Art kommt das Übersetzungssystem T1 in Betracht, solange es sich nicht um literarische Übersetzungen handelt. In dieser Arbeit soll daher die Übersetzungsleistung von T1 in der Übersetzungsrichtung Englisch-Deutsch unter bestimmten Bedingungen überprüft und bewertet werden. Ziel der Arbeit ist es, ein Bild der Übersetzungsleistung aus Nutzersicht zu liefern und gleichzeitig Ansätze zur Optimierung des Systems aufzuzeigen. Grund­lage für die vorliegende Betrachtung ist die Version Standard 3.0 der Übersetzungssoftware. Die Software ist auf einer CD-ROM gespeichert,es wird ein Handbuch mitgeliefert. Das Paket hat einen Kaufpreis von DM 298,-.

1. Einleitung

Die Nutzerinteressen und -belange stehen bei der vorliegenden Arbeit im Vordergrund, d.h. das System wird aus Nutzersicht betrachtet. Dies liegt zunächst darin begründet, dass T1 als sog. Black-Box-System vorliegt, der Benutzer hat also keinen Einblick in die Systemvorgänge. Darüber hinaus ist bei der Entwicklung von automatischen Übersetzungsprogrammen das Nutzerinteresse letztlich ausschlaggebend, weil die Programme heutzutage kommerziell vermarktet werden und sich somit an den Nutzerbedürfnissen orientieren müssen. Im Mittelpunkt dieser Arbeit steht die Übersetzung von Verben, weil das Verb von den modernen Grammatiken ins strukturelle Zentrum des Satzes gestellt wird. Hier muß somit auch ein erfolgversprechender Ansatz für die Übersetzung des vollständigen Satzes zu suchen sein. Daher soll sich diese Arbeit mit dem Transfer von Verben beschäftigen und so durch Testläufe herausarbeiten, wo aus Nutzersicht Verbesserungsbedarf bei T1 besteht. Zunächst wird die Übersetzungsleistung von T1 anhand von einigen linguistischen Phänomenen beleuchtet. Die einzelnen Phänomene verlangen von der Software unterschiedliche Arten von Leistungen, sodass nach der Durchführung der Testläufe ein Profil von T1 erkennbar wird, das Rückschlüsse auf die Gesamtleistung zulässt. Im Anschluss wird die Übersetzung eines vollständigen, kohärenten Textes durchgeführt. So wird veranschaulicht, wie T1 sich in der Praxis bewährt. Als Beispieltext wurde ein Auszug aus einer Bedienungsanleitung gewählt; dies geschah deswegen, weil in der bisher geführten Diskussion Gebrauchsanweisungstexte als mögliche Anwendungen für die maschinelle Übersetzung (MÜ) oftmals genannt werden.

Die meisten heutigen automatischen Übersetzungssysteme übersetzen Texte satzweise. Dies trifft auch auf das Übersetzungssystem METAL zu, das dem in der vorliegenden Arbeit besprochenen System T1 zugrunde liegt.1 Das System zählt zu den transferbasierten Systemen. Dies bedeutet, dass das System den Übersetzungsprozess in drei Phasen unterteilt anstatt in zwei wie ältere Systeme oder Systeme, die mit einer Interlingua (s.u., 3.1.) arbeiten. Bei den transferbasierten Systemen werden die Ausgangs- und Zieltexte in Zwischenrepräsentationen umgewandelt, die frei von Mehrdeutigkeiten sind.2 Auf diese Begriffe wird weiter unten noch eingegangen.

2. Der Transfer von der Ausgangssprache in die Zielsprache im maschinellen Übersetzungsprozess

Da diese Arbeit sich mit dem Transfer in einem bestimmten Übersetzungssystem beschäftigt, soll in diesem Kapitel zunächst eine allgemeine Darstellung des Transferprozesses erfolgen. Der Transferbegriff wird definiert als „die Umwandlung der Strukturen der Ausgangssprache in gleichwertige Strukturen der Zielsprache.“3 Er gilt als eigentliche Übersetzungsphase und zerfällt in den lexikalischen Transfer und den strukturellen Transfer. Beim lexikalischen Transfer werden Wörter der Ausgangssprache (AS) gegen entsprechende Wörter der Zielsprache (ZS) ausgetauscht.4 Der strukturelle Transfer bezieht sich nicht auf einzelne Lexeme, sondern auf Konstruktionen, die aus mehreren Lexemen bestehen. Hierbei ist es z.T. möglich, die Konstruktion aus der AS direkt in die ZS zu übernehmen, dies muß dann aber mit einem anderen Verb geschehen, d.h. nicht mit dem Verb der ZS, das dem direkten Transfer für das Verb der AS entspricht. Beim strukturellen Transfer findet zum anderen wo dies notwendig ist eine Umwandlung von grammatikalischen Konstruktionen statt, wenn die Konstruktion der AS so nicht in der ZS wiedergegeben werden kann.5 Dies geschieht dann unter Beibehaltung des Verbs, d.h. der Transfereintrag für das Verb der AS kann angewendet werden.

Der Transfer als Stufe des Übersetzungsprozesses ist zwischen den Abschnitten Analyse und Synthese angesiedelt (s.u., 3.1. und 5.). Das heißt, dass zunächst der zu übersetzende Text in seine Bestandteile zerlegt werden muß, um über die Transferfunktion zu einem dem Ausgangstext in der ZS adäquaten Ergebnis zu gelangen. Dieses Ergebnis wird daraufhin mit der Synthesefunktion generiert. Die Besonderheit bei den transferbasierten Übersetzungssystemen ist, dass es keine sprachenunabhängige Zwischenrepräsentation während des Transfers gibt, so wie dies in einem System der Fall ist, das mit einer Interlingua arbeitet. Die Repräsentation der AS wird für den Übersetzungsprozess sprachbezogen aufbereitet; gleichermaßen ist die Repräsentation der ZS sprachspezifisch.6 Dieser Umstand macht es zwar aufwendiger, einem transferbasierten Übersetzungssystem eine neue Sprache hinzuzufügen, weil jeweils Transfermodule für sämtliche Sprachpaarungen erstellt werden müssen;7 dies gilt für beide Übersetzungsrichtungen. Ein gut entwickeltes Transfermodul kann jedoch als Grundlage für die Entwicklung eines weiteren Transfermoduls für ein neues Sprachpaar dienen.8 Die Anzahl der Transfermodule beträgt n (n-1) ,9 wobei n die Anzahl der beteiligten Sprachen bezeichnet. Bei den transferbasierten Systemen wird so die Schwierigkeit umgangen, eine sprachenunabhängige Repräsentation (Interlingua) zu erarbeiten, die die Eigenheiten aller beteiligten Sprachen berücksichtigt. Zudem wird der Transferphase in transferbasierten Systemen viel Arbeit in den Schritten Analyse und Synthese abgenommen, weil die zwischensprachlichen Repräsentationen auf die Einzelsprache bezogen sind.

2.1. Lexikalische und strukturelle Unterschiede zwischen Ausgangssprache und Zielsprache

Für AS und ZS trifft es oft zu, dass Lexeme und ganze Strukturen sich nicht immer ein-eindeutig entsprechen. Auf lexikalischer Ebene treten Mehrdeutigkeiten auf. Dies hat zur Folge, dass kontextsensitiv entschieden werden muß, welches Lexem der ZS für die Übersetzung verwendet werden muß. Dies ist für die MÜ eine schwierige Aufgabe, die z.B. so gelöst werden kann, dass im Transferwörterbucheintrag des Lexems der AS Signalwörter kodiert sind, die in der Umgebung des fraglichen Lexems oder im selben Satz auftauchen können. Diese Signalwörter geben so den Ausschlag für das richtige Lexem der ZS. Auf struktureller Ebene können ebenfalls Mehrdeutigkeiten entstehen. Zumeist müssen die fraglichen Konstruktionen der AS mit anderen Konstruktionen in der ZS wiedergegeben werden, um die Mehrdeutigkeiten zu eliminieren. Andererseits kann es sein, dass an ein bestimmtes Lexem in der AS eine festgelegte Konstruktion gebunden ist und dass dieser Gesamtausdruck in der ZS strukturell anders wiedergegeben werden muß (s.u.).

2.2. Transfer von mehrdeutigen Lexemen

Im lexikalischen Bereich existieren mehrere Arten von Mehrdeutigkeiten.10 Die erste Gruppe ist stilistischer Art, d.h. es hängt vom Kontext ab, welches Lexem der AS durch welches Lexem der ZS ersetzt wird, wenn mehrere Lexeme der ZS für die Übersetzung in Betracht kommen. Ein Beispiel hierfür ist, ob man das englische Wort wife mit ‚Frau‘ oder ‚Gattin‘ übersetzt.

Grammatische Mehrdeutigkeiten birgt z.B. das Verb know im Englischen. Die Übersetzung im Deutschen mit ‚kennen‘ oder ‚wissen‘ hängt davon ab, ob das direkte Objekt im Englischen eine einfache NP ist oder ein Nebensatz.11 Hutchins / Somers erläutern dies durch die folgenden drei englischen Beispielsätze und liefern zugehörige deutsche Übersetzungen:

I know the right answer. - ‚Ich kenne die richtige Antwort.‘

I know who the author of that book is. - ‚Ich weiß, wer der Verfasser dieses Buchs ist.‘12

Es gibt allerdings auch Fälle, in denen man auf diese Weise nicht klären kann, wie der richtige Transfer lauten muß:

I know the quickest way to get from Norwich to Manchester.

- ‚Ich kenne den schnellsten Weg von Norwich nach Manchester.‘
- ‚Ich weiß, wie man am schnellsten von Norwich nach Manchester kommt.‘13

Zu den größten Schwierigkeiten in der MÜ zählen allerdings die begrifflichen Mehrdeutigkeiten ( conceptual translational ambiguities ).14 Sie treten auf, wenn ein Lexem im Englischen durch zwei oder mehr zugehörige im Deutschen repräsentiert wird. Zum Beispiel kann das englische Substantiv wall ins Deutsche sowohl mit ‚Wand‘ als auch mit ‚Mauer‘ übersetzt werden. Diese Mehrdeutigkeiten können nur mit Kenntnis des Sachzusammenhangs aufgelöst werden.

2.3. Struktureller Transfer

Für strukturelle Unterschiede in Ausgangs- und Zielsprache gilt, dass bestimmte Konstruktionen aus dem Englischen, um korrekt übersetzt zu werden, mit anderen Konstruktionen im Deutschen wiedergegeben werden müssen. Dies ist beim Sprachpaar Englisch-Deutsch z.B. nicht erforderlich bei der syntaktischen Position des finiten Verbs. Dieses Satzglied ist in beiden Sprachen stets nach der ersten NP zu finden.15 Ein Beispiel für eine strukturelle Abweichung ist die Übersetzung des Passivs.16 Im Deutschen ist es möglich, intransitive Verben passivisch zu benutzen: Es wurde getanzt. Die Grammatik des Englischen läßt keinen Satz der Form *It was danced zu, der Satz muß richtig übersetzt werden mit: ‚There was dancing.‘ Weiterhin kann im deutschen Passiv mit den Hilfsverben werden und sein entweder ein Vorgang oder ein abgeschlossener Zustand ausgedrückt werden, man spricht von Vorgangspassiv und Zustandspassiv.17 Im Englischen muß dieser Unterschied anders ausgedrückt werden. Bleibt man im englischen Passiv, wird der Unterschied zwischen Vorgang und Zustand nicht deutlich. Als Beispielsätze können dienen:18

Das Fenster wurde gebrochen. - ‚The window was broken.‘

Das Fenster war gebrochen. - ‚The window was broken.‘

Neben der systematischen Erscheinung des Passivs bestehen weitere Unterschiede zwischen dem Deutschen und Englischen in Bezug auf die Übersetzung von einzelnen Strukturen. Es handelt sich hier um Strukturen, die an bestimmte Lexeme gebunden sind. So wird z.B. der englische Satz I like swimming richtig im Deutschen wiedergegeben mit ‚Ich schwimme gern.‘ Der englische Satz His name is Julian wird richtig übersetzt mit der Konstruktion: ‚Er heißt Julian.‘19

3. Entwicklung von T1

3.1. Entwicklung der maschinellen Übersetzung bis zu den Anfängen von METAL

Die ersten maschinellen Übersetzungsprogramme arbeiteten ausschließlich auf der lexikalischen Ebene. Diese Übersetzungsmethode wurde bekannt unter der Bezeichnung Wort-für-Wort-Übersetzung.20 Die Gesamtheit der nach diesem Prinzip arbeitenden Systeme stellt die sog. erste Generation der automatischen Übersetzungssysteme dar. Die Leistungsfähigkeit dieser Systeme stieß bald an ihre Grenzen, und es wurde nach erfolgversprechenderen Ansätzen gesucht. Es wurden später Systeme entwickelt, die mit einer Interlingua oder die transferbasiert arbeiteten.21 Eine Interlingua ist in den meisten Fällen nicht nur für ein Sprachpaar gedacht, sondern die Interlingua soll eine abstrakte Repräsentation aller Sprachen darstellen, die am Übersetzungsprozess beteiligt sind. So kann von jeder beteiligten Sprache in jede andere übersetzt werden. Die Interlingua soll dabei jeder Sprache gerecht werden. Dies macht es nicht nur schwierig, eine geeignete Interlingua für eine Vielzahl von Sprachen zu entwickeln, es ist außerdem problematisch, dem Übersetzungssystem, ist es einmal fertiggestellt und die Interlingua fest installiert, eine weitere Sprache hinzuzufügen. Die Interlingua muß dann geändert und neu angepasst werden.

Die Anfänge der transferbasierten Übersetzungssysteme liegen in den späten 60er und frühen 70er Jahren bei der Entwicklung des Systems TAUM; dieses System war das erste, das ausschließlich den transferbasierten Ansatz benutzte.22 Der Übersetzungsprozess der transferbasierten Systeme wird in die Schritte Analyse, Transfer und Synthese unterteilt. Der Transfer bildet das Kernstück des automatischen Übersetzungsprozesses, wobei die Transfermodule jeweils für ein Sprachpaar konzipiert sind und für jede Übersetzungsrichtung ein Wörterbuch enthalten.23 Die transferbasierten Systeme haben den Vorteil, dass die Transferwörterbücher lediglich für eine Übersetzungsrichtung geschrieben werden müssen; auf diese Weise vermögen sie eher die Komplexität zweier Sprachen abzudecken als eine Interlingua für eine unbegrenzte Anzahl von Sprachen dies kann.

3.2. Entstehung von METAL

METAL (Mechanical Translation and Analysis of Languages24 ) wurde von der Universität Texas im Linguistic Research Center (LRC) in Austin entwickelt, zählt heute zu den transferbasierten Systemen25 und wurde primär für die Übersetzung von technischen Fachtexten erarbeitet.26 Die Anfänge reichen bis ins Jahr 1961 zurück.27 Im Jahr 1981 schloss die Siemens AG mit dem LRC einen Vertrag über die Zusammenarbeit und die Weiterentwicklung von METAL. Seit dem Jahr 1982 arbeitete das System, und 1985 wurde die METAL-Version Deutsch-Englisch betriebsfähig.28 Die Produktentwicklung wurde fortgeführt, und ab 1988 wird das Übersetzungssystem unter dem Produktnamen METAL vertrieben. Bis 1991 war der Betrieb von METAL lediglich verteilt auf einer Symbolics LISP-Maschine und einem SINIX-MX-Rechner möglich, d.h. die eigentliche Übersetzung mit allen linguistischen Funktionen wurde von der LISP-Maschine durchgeführt, Deformatierung und Formatierung erledigte der SINIX-Rechner.29 Daher wird die Datenstruktur bei METAL auch in zwei Komponenten unterteilt, die linguistische und die sonstige Datenverarbeitung. Seit 1992 ist es möglich, METAL auf Sun-Workstations zu betreiben30 und so beide Komponenten zusammenzuführen. 1995 übertrug die Siemens-Tochter Sietec, die mittlerweile Inhaberin der Rechte an METAL war, diese Rechte und alle auf METAL beruhenden Entwicklungen auf die GMS (Gesellschaft für multilinguale Systeme) mit Sitz in Berlin und München, die seit 1993 besteht. Heute wird bei Siemens nicht mehr an METAL gearbeitet.31 Das System wurde 1989 als Gesamtprodukt (inkl. Hard- und Software) vertrieben. Damals wurde die Hardware als Mehrplatzversion für fünf Arbeitsplätze zum Preis von etwa DM 170.000,- verkauft, die Software für DM 80.000,-. Der Gesamtpreis belief sich somit auf DM 250.000,-.32

3.3. Portierung auf PC, Arbeit mit T1

Da das System einem breiten Benutzerkreis zugänglich gemacht werden sollte, war es notwendig, METAL auf PCs zu portieren. Der linguistische Teil von METAL lag in CommonLisp vor, die übrigen Anteile wie Textverarbeitung waren in C geschrieben.33 Damit das Programm auf PC-Basis genutzt werden konnte, mußte es vollständig nach C++ portiert werden. Um diese Portierung zu ermöglichen, wurde das Programm um einige Komponenten verkleinert; zudem wurde die Benutzeroberfläche benutzerorientierter gestaltet.34

Das nun vorliegende System mit dem Namen T1 ist als Abkömmling von METAL zu sehen, bei dem wesentliche Merkmale von METAL erhalten blieben.35 T1 arbeitet laut mitgeliefertem Handbuch mit zwei Lexika. Das Lexikon für die Übersetzungsrichtung Deutsch-Englisch enthält 230000 Einträge, das Lexikon für die Übersetzungsrichtung Englisch-Deutsch besteht aus 90000 Einträgen. Diese Lexika bestehen ihrerseits aus jeweils zwei Teilen: einem Systemlexikon und einem Benutzerlexikon.36 Das Systemlexikon umfaßt die mitgelieferten Einträge. Diese bestehen einerseits aus den nicht modifizierbaren Funktionswörtern wie Artikeln, Adverbien und Präpositionen, andererseits aus den übrigen Wortklassen. Diese Einträge können den Bedürfnissen des Benutzers entsprechend geändert und angepasst werden. Vor der Installation von T1 muß ebenfalls beachtet werden, dass die Hardware bestimmte Voraussetzungen erfüllt. Diese sind laut Handbuch: Mindestens ein Prozessor 80486 / 66 MHz, 8 MB Hauptspeicher, mindestens 105 MB freier Speicher auf der Festplatte, dazu ein virtueller Speicher bis 30 MB (je nach Hauptspeicher), ein CD-ROM-Laufwerk und als Betriebssystem mindestens Windows 3.1 oder höher. Außerdem wird T1 von der Textverarbeitung Word, Version 6.0 oder höher, unterstützt. Für den Betrieb der T1-Software ist diese Textverarbeitung jedoch nicht notwendig.37

Sollen vom Benutzer neue Verben in das T1-System eingegeben werden, so muß man dazu das Lexikon aufrufen. Bei METAL wird diese Komponente „Intercoder“ genannt, mit deren Hilfe neue Einträge interaktiv in das System eingegeben werden können.38 Ist das T1-Lexikon aufgerufen, wird, bleibt man bei der Sprachrichtung Englisch-Deutsch, zunächst das englische Ausgangswort eingetragen, und die Kategorie ‚Verb‘ wird markiert. Für den deutschen Transfereintrag muß ebenfalls das Zielwort eingetragen und die Kategorie markiert werden, denn T1 sieht grundsätzlich die Möglichkeit eines Wortklassenwechsels vor. Der Defaulter macht nun automatisch Vorschläge bezüglich des Valenzrahmens des Verbs, die man entweder übernehmen oder abändern kann. Gibt man z.B. pocket als Ausgangsverb ein und ‚einstreichen‘ als Zieltext, so setzt der Defaulter automatisch sb/sth hinter pocket und jdn/etw hinter einstreichen . Somit wurde der Valenzrahmen im Hinblick auf Transitivität automatisch erstellt. Wird Dativ anstatt Akkusativ verlangt, wird entweder sogleich jdm/etw vorgeschlagen, oder man muß den Eintrag entsprechend abändern. Zusätzlich können Sachgebiete vergeben werden. Dies bedeutet, dass ein Wort ein oder mehreren Sachgebieten zugeordnet werden kann. Voreingestellt ist immer „Allgemeines Vokabular“. Abweichend hiervon können auch andere Sachgebiete für einen Eintrag vergeben werden. Sind diese Sachgebiete bei der Übersetzung eines Textes aktiviert und kommen die gekennzeichneten Wörter in dem Text vor, so erhalten sie bei der Übersetzung die Präferenz. Die Markierung mehrerer Sachgebiete bewirkt eine Abfolge von Präferenzen, d.h. das zuerst vergebene Sachgebiet, in dem das Lexem vorkommt, erhält die oberste Präferenz.39 Insgesamt stehen neben dem Allgemeinen Vokabular 75 Sachgebiete zur Verfügung.

4. Die Wörterbücher bei METAL

Die beiden einsprachigen Wörterbücher und das Transferwörterbuch enthalten die grundlegenden morphologischen, syntaktischen und semantischen Informationen. Bei METAL - wie auch bei T1 - sind die Wörterbücher hierarchisch angeordnet. Auf den untersten drei Ebenen befinden sich Funktionswörter, allgemeiner Wortschatz und allgemeiner technischer Wortschatz. Darüber hinaus existieren zahlreiche weitere Wörterbücher mit Wortlisten, die bestimmten Fach- oder Sachgebieten zugehören. Zu den Standardvorgaben kann der Benutzer seinen Bedürfnissen entsprechend weitere Prioritäten unter den übrigen Wörterbüchern vergeben. Die Zuschaltung von Wörterbüchern und die Reihenfolge ihrer Zuschaltung, d.h. die Vergabe der Prioritäten, kann bei METAL das Übersetzungsergebnis stark beeinflussen:40

Bei der Übersetzung sucht das System vom Spezifischen zum Allgemeinen hin. So erhält man als englische Übersetzung für das deutsche Wort „Fehler“ in einem Software-Text automatisch „error“, in einem Hardware-Text „fault“, in einem Maschinenbau-Text „defect“ und nur in einem allgemeinsprachlichen Text „mis­take“.41

Die Einträge in den einsprachigen Wörterbüchern beziehen sich auf Wortstämme, Redewendungen, Affixe, Interpunktion, Symbole etc.; es handelt sich somit um Grundformenlexika. Die Einträge bestehen aus einer Menge von Feature-Value-Paaren und werden ausschließlich für den lexikalischen Transfer verwendet.42 Als Features können vergeben werden: Stamm, grammatische Zugehörigkeit, morphologische Formen, Numerus, Person usw. Die Features sind unterteilt in system features und specific features .43 Die system features kommen in jedem Eintrag für Wörter jeder Sprache vor. Die specific features beziehen sich auf das einzelne Wort und machen Aussagen über individuelle Eigenschaften des Lexems oder Eigenschaften, die es so nur in einer bestimmten Sprache gibt. Darüber hinaus enthalten die Einträge die möglichen Affixe eines Worts und zudem Selektionskriterien, die die Entscheidung für die eine oder andere Lesart vereinfachen. Dies fällt in den Bereich der oben in 2.2. dargelegten stilistischen Mehrdeutigkeiten. Hierbei können auch die Sachgebiete hilfreich sein: Stehen mehrere Einträge für die Übersetzung zur Auswahl, kann es die Entscheidung erleichtern, wenn ein Eintrag einem Sachgebiet zugeordnet und dieses vor der Übersetzung aktiviert wurde.44

In Einträgen für Verben wird der Kasusrahmen im Sinne von Tiefenkasus festgelegt mit zugehörigen Werten für die semantischen Werte der Argumente. Daneben werden die Rollen der Argumente im Sinne von Satzkonstituenten festgelegt: S, VP, NP; außerdem werden in den Einträgen für Verben den Konstituenten ihre Rollen im Sinne einer Oberflächensyntax zugewiesen. Schließlich enthalten Verbeinträge Angaben über ihren Valenztyp in Form einer Angabe über die Transitivität.45 Weiter unten wird auf diese Besonderheit noch eingegangen.

Die einsprachigen Wörterbücher können unabhängig vom Sprachpaar eingesetzt werden. Wenn also bereits zwei einsprachige Wörterbücher vorhanden sind, muß für eine neue Übersetzungsrichtung lediglich das Transferwörterbuch für das neue Sprachpaar erstellt werden. Soll in beide Richtungen übersetzt werden, so sind zwei Transferwörterbücher notwendig. Aus Whitelock/Kilby soll ein Muster für einen Wörterbucheintrag zitiert werden:46

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Für die einsprachigen Wörterbücher bedeutet dies, dass für jedes Lexem eine Menge von Feature-Value-Paaren vergeben wird, in denen die Verwendung des Wortes und seine Flexion beschrieben werden. Die folgenden beiden Lexeme können als Beispiele dienen. Es handelt sich um die Einträge für das Wortpaar Ausgabe und Output :47

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der zugehörige Eintrag im Transferwörterbuch lautet:

(Ausgabe (NST DP) 0 output (NST DP) 0)

Die Einträge werden von Hutchins/Somers wie folgt kommentiert:

In both cases, the entries for these ‚noun stems‘ (NST) give a single variant (ALO = ‚allomorph‘), which must be word initial (WI), specify a data processing (DP) subject field, and state that they are N[eutral] in sex (SX). The other specifications are, of course, language-dependent: the inflectional CL[asses], the grammatical gender (GD) in the German entry and the noun type (ON) in the English entry. The semantic features (TY) attached to the German entry are ABS[stract] and DUR[ative]. The entry in the bilingual dictionary which links the two items is straightforward.48

Transferwörterbücher werden jeweils für eine Übersetzungsrichtung geschrieben. In ihnen werden z.B. Valenzrahmen bei Verben spezifiziert oder semantische Angaben gemacht. Es wird der Wechsel von aktiven zu unpersönlichen Konstruktionen, der Wegfall oder das Hinzutreten von Argumenten kodiert. Der Umfang des Transferwörterbuchs Deutsch-Englisch bei METAL betrug 20000 Einträge für Stammformen, aus denen alle Flexionsformen eines Wortes gebildet wurden.49

5. Der Übersetzungsprozess bei METAL

Die Phasen Analyse, Transfer und Synthese sind im METAL-System voneinander abgegrenzt, es handelt sich um die LISP-Funktionen PARSE, TRANSFE­R und GENERATE.50 Daher wird METAL der Klasse von transferbasierten Übersetzungssystemen zugeordnet. Allerdings laufen die Phasen Transfer und Synthese nicht immer eindeutig voneinander getrennt ab, aus diesem Grund wird METAL auch als modifiziertes transferbasiertes System bezeichnet.51

Die zu übersetzenden Texte werden zunächst von Disketten, Magnetbändern oder Festplatte ins METAL-System übertragen. Im Anschluss daran werden die Texte von Hilfsprogrammen deformatiert. In einer Vorstufe zur Übersetzung wird der zu übersetzende Text zunächst mit dem Systemwörterbuch verglichen. Danach werden, damit bei der eigentlichen Übersetzung dem System möglichst alle Wörter bekannt sind, folgende Wortlisten erstellt: Eine alphabetische Liste unbekannter Wörter, eine Liste unbekannter Komposita und eine Liste bereits bekannter Fachausdrücke, die in einem anderen Zusammenhang ihre Bedeutung ändern können.52 Der Benutzer kann an dieser Stelle noch Änderungen und Ergänzungen in den Wörterbüchern vornehmen, im Anschluss laufen die Wörterbücher mit ihren Programmen und letztlich das Übersetzungsprogramm ab. Der Text wird danach reformatiert. Die Übersetzung kann vom Nutzer nun überprüft und dann zur weiteren Verwendung z.B. in ein Textverarbeitungsprogramm portiert werden.53

Bei METAL laufen die einzelnen Schritte der Übersetzung und der Zugriff auf Daten, der dabei notwendig ist, getrennt voneinander ab. Bei diesen Daten handelt es sich um die einsprachigen Wörterbücher, das Transferwörterbuch und die Übersetzungsregeln der Grammatik. Diese Regeln werden während der Analyse und während des Transfers aktiv und verbinden so beide Phasen.54 Sie beziehen sich auf Morpheme, Wörter, Teilsätze, Nebensätze und ganze Sätze. Die Regeln können morphologische, syntaktische und semantische Befehle enthalten.55 Bei den Grammatikregeln von METAL handelt es sich um kontextfreie Phrasenstrukturregeln,56 das Regelsystem ist rekursiv.57 Dies bedeutet, dass das System Regeln enthält, die beliebig oft angewendet werden können. Auf diese Weise ist es nicht notwendig, für alle potentiell auftretenden Strukturen eine explizite Regel zu schreiben. Alle Regeln sind als LISP-Funktionen geschrieben und verbinden Prozesse der Analysephase mit Prozessen der Transferphase.58 Die Anzahl der Regeln betrug im Jahr 1983 400, die benötigte Anzahl wurde damals auf 1000 geschätzt. Die kommerziell vertriebene Version von METAL machte von etwa 600 Regeln Gebrauch.59

5.1. Analyse

Wenn der Übersetzungsprozess beginnt, wird die Funktion PARSE gestartet. Im ersten Analyseschritt wird eine lexikalische und morphologische Analyse durchgeführt: es werden für jedes Wort mögliche Stämme und Endungen isoliert. Um mögliche Wortstämme zu erhalten, werden die Wörter morphologisch zerlegt; dabei wird mit Suchbäumen gearbeitet. Die Buchstabenketten werden mit den Lexikoneinträgen und den Morphemketten der Syntaxregeln verglichen. Die Buchstabenketten werden um jeweils einen Buchstaben verlängert, wenn kein Morphem erkannt werden konnte. Die Abfrage erfolgt rekursiv, um sukzessive die Morpheme eines Wortes zu erkennen.60 Im Anschluss an die morphologische Analyse wird mit der Phrasenstrukturgrammatik versucht, mehrere alternative Parsingstrategien für den aktuellen Satz zu entwickeln; jede Parsingstrategie erhält eine Punktzahl, die ihrer Wahrscheinlichkeit entsprechend höher oder niedriger ist: „For syntactic analyses the highest scoring tree is selected.“61 Nach welchen Kriterien diese Punkte vergeben werden, wird in der Literatur nicht genauer spezifiziert.

Es werden anschließend die Regeln der Grammatik auf die Repräsentationen von Teilen der Satzstruktur angewendet, d.h. es wird versucht, Kasusrahmen auszufüllen, und es werden Transformationen durchgeführt; dieser Gesamtvorgang hat den Charakter einer Mehrweganalyse.62 Zu diesem Zeitpunkt wird noch keine semantische Überprüfung des Analyseergebnisses durchgeführt. Die meisten Homographien werden auf dieser Ebene aufgrund von lexikalischen Präferenzen aufgelöst. Auf der syntaktischen Ebene werden die vergebenen Punktzahlen miteinander verglichen; die Lesart mit der höchsten Punktzahl wird für den weiteren Übersetzungsprozess verwendet.

Der METAL-Parser arbeitet nach dem Bottom-up-Prinzip, geht also von den einzelnen Wörtern aus und versucht so, komplexere syntaktische Strukturen zu ermitteln. Das Bottom-up-Prinzip wird folgendermaßen erläutert: „Die Struktur wird von unten aufgebaut. Der Parser versucht zuerst, Paare, Tripel, ... von Wörtern durch passsende Regeln zu einer Konstituente zusammenzufassen, danach dasselbe für kleine Konstituenten usw.“63 Der METAL-Parser ermittelt jedoch nicht sämtliche möglichen Lesarten, sondern lediglich die wahrscheinlichsten, denn die Folgeoperationen lassen sich so einfacher durchführen ( prioritised chart parser ).64 Die Grammatikregeln sind zu Gruppen zusammengefasst, die verschiedenen Ebenen zugeordnet werden. Der Parser versucht stets, Regeln, die einer unteren Gruppe zugehören, anzuwenden. Selten angewendete Regeln sind solche, die einer höheren Ebene angehören und immer zuletzt berücksichtigt werden. Sobald eine oder mehrere Interpretationsmöglichkeiten feststehen, ist die Arbeit des Parsers erledigt. Der Parser geht dabei nicht linear vor, sondern das Programm sucht sich als Ausgangspunkt den vielversprechendsten Knoten und führt von hier aus das Parsing, d.h. die Anwendung von Grammatikregeln durch. Es können auch Teilstrukturen erkannt werden, von denen die aussichtsreichsten zu einer Gesamtstruktur verbunden werden. Dabei können wieder Zwischenergebnisse verworfen und neu errechnet werden.65 Das System arbeitet dabei nach dem Grundsatz der Parallelität, d.h. es werden mehrere Parsingstrategien gleichzeitig verfolgt, bis die erfolgreichste für den weiteren Ablauf ausgewählt wird und alle anderen verworfen werden. Dabei geht es um die Interpretation von Teilstrukturen; alle Interpretationsmöglichkeiten bleiben offen, bis eine von ihnen zusammen mit den Interpretationen für die anderen Teilstrukturen eines Satzes eine plausible Gesamtinterpretation für den gesamten Satz liefert.66

5.2. Transfer

Mit der Lisp-Funktion TRANSFER beginnt der nächste Übersetzungsabschnitt. Er wird von den Teilen der Grammatikregeln erledigt, die sich auf den Transfer beziehen. Die Lesart, die von PARSE am höchsten bewertet wurde, wird von TRANSFER weiter bearbeitet.67 Der Transfer arbeitet umgekehrt wie die Analyse, er durchläuft die Strukturbäume von oben nach unten und arbeitet somit nach dem Top-down-Prinzip.68 Der Transfer beginnt damit, dass TRANSFER die in Frage kommenden Regeln in Relation setzt zu dem Knoten, der von PARSE zum Ausgangspunkt für die Übersetzung bestimmt wurde.69 Im Transferprozess werden Grammatikregeln für den strukturellen Transfer und Informationen aus dem Transferwörterbuch für den lexikalischen Transfer miteinander kombiniert.70 Die Ergebnisse beider Transferabschnitte können sich gegenseitig beeinflussen und so das Gesamtergebnis bestimmen. Es ist auch möglich, dass TRANSFER von einem Tochterknoten ausgeht, der zu einer Teilstruktur gehört, die bereits übersetzt wurde. Es können auch bereits übersetzte Features oder Values als Ausgangspunkt dienen. Die Informationen können dann zum Ausgangsknoten rückübertragen werden und in die weitere Übersetzung der gesamten Struktur einbezogen werden.71

Der lexikalische und der strukturelle Transfer sollen auch in diesem Kapitel getrennt behandelt werden. Zunächst zum strukturellen Transfer: Die Daten, die TRANSFER als erstes bearbeitet, sind grobe Phrasenstrukturrepräsentationen mit zugewiesenen Kasusrollen und einigen semantischen Angaben. Ausgegeben werden die feststehende Wortfolge der Übersetzung und die morphologischen Angaben.72 In höheren Versionen von METAL übernimmt die Synthese, also die Komponente GENERATE, einige der Aufgaben, die in früheren Versionen von TRANSFER ausgeführt wurden.

Der lexikalische Transfer bei METAL läuft ebenfalls in mehreren Stufen ab. Zunächst wird das zweisprachige Transferwörterbuch konsultiert, um der kanonischen Form der AS eine solche in der ZS zuzuordnen. Die Einträge stehen ebenfalls im LISP-Format und haben bei Verben z.B. die folgende Form: (give (geben) VST (CAT VST) )

Das heißt, die kanonische Form geben, der das Merkmal CAT mit dem Wert VST zugeordnet wurde, wird mit der kanonischen Form give übersetzt, die ebenfalls den Wert VST hat.73 Wenn mehrere Übersetzungen für eine kanonische Form möglich sind, müssen weitere Merkmal-Wert-Paare spezifiziert werden, anhand derer der richtige Transfereintrag selegiert werden kann. Ist der richtige Transfereintrag bestimmt, so erfolgt der Zugriff auf das einsprachige Wörterbuch der ZS, wo das benötigte Lexem zu finden ist. Ist darüber hinaus das richtige Allomorph selegiert, wird es mit dem Stamm der ZS verknüpft. Der gesamte Ausdruck tritt dann zusammen mit der lexikalischen Information aus dem Wörterbuch der ZS im entsprechenden Knoten an die Stelle des Ausdrucks in der AS.

5.3. Synthese

Wurden dem gesamten Strukturbaum mit allen Verzweigungen Entsprechungen in der ZS zugeordnet, wird die so erzeugte Information an GENERATE weitergegeben. Den Knoten entsprechend werden hier morphologisch korrekte Ausdrücke in der ZS erzeugt, die dann aneinander gereiht werden können.74 Der Text wird schließlich reformatiert und für die weitere Bearbeitung bereitgestellt.

6. Veranschaulichung der Übersetzungsleistung von T1 anhand ausgewählter linguistischer Phänomene

Die linguistischen Erscheinungen, die für dieses Kapitel ausgewählt wurden, sollen zeigen, was T1 leisten kann, wenn man die Übersetzungsqualität gezielt unter jeweils einem Aspekt betrachtet. Dabei geht es darum, charakteristische Defizite aufzuzeigen. Die Beispielsätze wurden überwiegend allgemeinen einsprachigen Wörterbüchern oder Grammatiken entnommen. Für diese Arbeit herangezogen werden sollen Konditionalsätze, Infinitiv-Konstruktionen, die sog. Phrasal Verbs , Subjekthebung und Verbvalenzen. Hierbei handelt es sich um Problemstellungen für die MÜ, die die englische Schrift­sprache laufend hervorbringt und die zudem in Texten, auf die sich die automatische Übersetzung geschriebener Sprache z. T. richtet, gehäuft auftreten. Bei der Übersetzung der Beispielsätze mit T1 wurde keines der Sachgebiete markiert, sondern es wurde die Voreinstellung „Allgemein“ belassen, weil die Beispielsätze der Alltagssprache entstammen. Die Erprobung der Übersetzung mit Sachgebietseinstellung erfolgt weiter unten.

Eigennamen wurden für die Übersetzung jeweils als Konstanten markiert, die als solche nicht mitübersetzt wurden. Wörter, die T1 nicht bekannt waren und die ins Lexikon aufgenommen werden mußten, werden unterstrichen wiedergegeben. Nach dem Pfeil - stehen jeweils die von T1 angebotenen Übersetzungen. Die Kennzeichnung der Übersetzungen durch T1 folgt nachstehendem Schema:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

6.1. Konditionalsätze

6.1.1. Allgemeines

Im Englischen wie im Deutschen existieren drei Grundformen von Konditionalsätzen, die jeweils aus zwei Teilsätzen, d.h. aus Prämisse und Conclusio, bestehen. Diese drei Arten von Konditionalsätzen werden in den heutigen Grammatiken unterschiedlich benannt, beispielsweise bei Eisenberg realer Konditionalsatz, potentialer Konditionalsatz und irrealer Konditionalsatz.75 In der Duden-Grammatik werden die Bezeichnungen Realis, Irrealis der Gegenwart und Irrealis der Vergangenheit verwendet:76

Diese drei Grundtypen unterscheiden sich hinsichtlich des Grades ihrer Erfüllbarkeit von Bedingung und Folge: Je nach Sichtweise kann der Sprecher / Schreiber von der Realität (= erfüllbare Bedingung und Folge) oder von der Irrealität (= nicht-erfüllbare Bedingung und Folge) des Besprochenen ausgehen und dementsprechend entweder den Indikativ oder den Konjunktiv setzen.77

In dieser Arbeit soll mit den konventionellen Begriffen Realis, Konditional I und Konditional II operiert werden. Wie die Erfüllbarkeit vor allem der ersten beiden Satzmuster gegeneinander abzugrenzen ist, wird weder bei Eisenberg, noch in der Duden-Grammatik (1995), noch in der Duden-Grammatik (1998)78 näher spezifiziert. Diese drei englischen und deutschen Konstruktionen sind gleichwohl jeweils direkt aufeinander beziehbar,79 sodass sich das Phänomen gut für diese Betrachtung eignet:

1. Realis (erfüllbare Bedingung). Die Annahme kann möglicherweise in der Gegenwart oder der Zukunft erfüllt werden. Beide Teilsätze stehen im Indikativ (Präsens):80 Wenn er gewählt wird, bleibt er .
2. Konditional I (nicht erfüllte Bedingung). Die Bedingung bezieht sich auf die Gegenwart oder die Zukunft und ist hinsichtlich ihrer Erfüllung offen. Beide Teilsätze stehen im Konjunktiv II:81 Wenn er gewählt würde, bliebe er .
3. Konditional II (nicht mehr erfüllbare Bedingung). Die Bedingung bezieht sich auf die Vergangenheit, in der sie nicht erfüllt wurde. In beiden Teilsätzen steht die umschreibende Form des Konjunktivs II:82 Wenn er gewählt worden wäre, wäre er geblieben .

Es werden nun T1 englische Testsätze zu den drei Typen zur Übersetzung angeboten.

6.1.2. Realis

Die gängigste Möglichkeit, um im Englischen die erfüllbare Bedingung (Realis) auszudrücken, ist die Kombination von Present tense mit Will-Future . Eine Folge von Testsätzen nach diesem Muster ergibt nachstehende Ergebnisse:

(1) If you work hard, you will pass your examination . - Wenn Sie hart arbeiten, werden Sie Ihre Prüfung bestehen .
(2) If he comes, I‘ll see him . - Wenn er kommt, werde ich ihn sehen .
(3) If he arrives, the band will play the National Anthem . - Wenn er ankommt, wird die Band die Nationalhymne spielen .

Die erfüllbare Bedingung (Realis) kann auch durch die Kombination zweier Teilsätze in Present tense ausgedrückt werden. Diese Form soll im Hinblick auf die folgenden Kapitel, in denen ein Beispieltext übersetzt und untersucht wird, gesondert betrachtet werden:

(4) If you can spare the time, please come to our garden party tomorrow . - Wenn Sie die Zeit erübrigen können, kommen Sie morgen bitte zu unserem Gartenfest.

In Bezug auf den Imperativ bietet T1 die Möglichkeit, die Einstellung „Infinitiv statt Imperativ“ zu aktivieren. Im Hinblick auf die in Kapitel 7 folgende Beispielübersetzung, in der „Infinitiv statt Imperativ“ aktiviert wird, soll die Übersetzung von Satz (4) ebenfalls mit dieser Einstellung durchgeführt werden:

(4') - Wenn Sie die Zeit erübrigen können, morgen bitte zu unserem Gartenfest kommen.

(5) If you put some thyme on pork chops, they taste delicious. - $ Wenn Sie irgendeinen Thymian auf Schweinefleischkoteletten stellen, schmecken sie köstlich.

Strukturell wird diese Konstruktion somit sicher beherrscht. Dabei ist es un­erheblich, ob im zweiten Teilsatz Will-Future oder Present tense steht. Unabhängig von der grammati­kalischen Konstruktion können allerdings lexikalische Trans­ferprobleme auftreten. So wird z.B. im folgenden Satz have a barbecue nicht mit ‚grillen‘ übersetzt:

(6) Unless it is raining tomorrow, we‘ll have a barbecue in the garden . - $ Außer wenn es morgen regnet, werden wir ein Grillfest im Garten haben .

6.1.3. Konditional I

Es folgen Testsätze zur Konstruktion nach dem Muster Konditional I, also der nicht erfüllten Bedingung. Im Englischen ist if als eindeutig konditionale und when als eindeutig temporale Konjunktion zu sehen. Dass wenn im Deutschen nicht eindeutig zugeordnet werden kann,83 wird in den folgenden Übersetzungen deutlich:

(1) If you worked hard, you would pass your examination . - Wenn Sie hart arbeiteten, würden Sie Ihre Prüfung bestehen .

Dieser Transfer ist zwar richtig, er funktioniert jedoch nur deshalb, weil sich in diesem speziellen Fall Präteritum und Konjunktiv II von arbeiten decken:

(2) If he came, I‘d see him . § - Wenn er kam, würde ich ihn sehen .

(3) If we had enough money, I wouldn‘t have to work so hard . § - Wenn wir genug Geld hatten, müßte ich nicht so hart arbeiten .

Im ersten Teilsatz der Sätze (2) und (3) liegt zudem die iterative Bedeutung von wenn vor.

6.1.4. Konditional II

(1) If you had worked hard, you would have passed your examination . § - Wenn Sie hart gearbeitet hatten, hätten Sie Ihre Prüfung bestanden .

In den nächsten beiden Beispielen spielen ebenfalls wieder lexikalische Transferfehler anderer Wortarten im Übersetzungsergebnis eine Rolle, diese sollen aber hier nicht diskutiert werden:

(2) If the girl had left in time, she wouldn‘t have been late for the theatre . § - $ Wenn das Mädchen mit der Zeit gegangen war, wäre sie für das Theater nicht spät gewesen .

(3) If I had known before, I could have got you a cheap ticket . § - Wenn ich schon früher gewusst hatte, hätte ich Ihnen eine billige Fahrkarte besorgen können .

6.1.5. Diskussion der Übersetzungsbeispiele

Bei der Übersetzung von Konditionalsätzen bestehen systematische Schwierigkeiten, lediglich die Sätze der Gruppe „Realis“ werden schematisch richtig übersetzt. Bei den Sätzen nach dem Muster „Konditional I“ wird im ersten Teilsatz, der Prämisse, stets das Präteritum anstatt Konjunktiv gesetzt. Auch in der Konstruktion Konditional II wird stets eine falsche finite Verbform benutzt. Anstatt der Umschreibung des Konjunktivs II, womit die Konstruktion richtig übersetzt wäre, wählt T1 hier Plusquamperfekt in der Prämisse; die Conclusio ist immer einwandfrei.

6.2. Phrasal Verbs , Prepositional Verbs und Phrasal-prepositional Verbs

6.2.1. Allgemeines

Im Englischen gehen einige Verben mit Präpositionen oder adverbialen Partikeln oder beidem feste Verbindungen ein. Nur wenige der phrasal verbs , prepositional verbs und phrasal-prepositional verbs haben eine Bedeutung, auf die von der Bedeutung des Ursprungsverbs geschlossen werden kann. So bildet die Präposition oder die adverbiale Partikel mit dem Verb eine neue Einheit mit einer eigenen Bedeutung. Es kann vorkommen, dass die Phrasal Verbs , Prepositional Verbs und die phrasal-prepositional verbs ihrerseits verschiedene Bedeutungen haben, sodass man von Polysemie spricht.84 In diesem Kapitel seien einige englische Verben dieser drei Gruppen betrachtet. Die sichere Verwendung solcher Ausdrücke macht einen guten englischen Text aus, und ihre Übersetzung sollte daher auch von einem automatischen Übersetzungsprogramm geleistet werden.

Im engeren Sinn unterscheidet man phrasal verbs , die transitiv sind, solche, die intransitiv sind und prepositional verbs , also solche Verben, an die eine Präposition gebunden ist. Hinzu kommt die kleine Gruppe der phrasal-prepositional verbs , die zugleich eine adverbiale Partikel und eine Präposition an sich binden können.85 In der Zielsprache wird das jeweils betrachtete Verb fett gesetzt; so wird bei mehreren Verben deutlich, welches im speziellen Satz untersucht wird.

6.2.2. Phrasal Verbs

6.2.2.1. Intransitive phrasal verbs

(1) The children were sitting down . - Die Kinder setzten sich hin.

(2) When will they give in? - Wann werden sie nachgeben ?

(3) The plane has now taken off . § - Das Flugzeug nimmt jetzt von.

In Satz (3) geht das Hilfsverb und somit das Tempus verloren.

Das Verb im nächsten Beispielsatz kann sowohl transitiv als auch intransitiv verwendet werden. Das Beispiel wird unten wieder aufgegriffen:

(4) Drink up quickly . - Trinken Sie schnell aus. / Schnell austrinken.86

6.2.2.2. Transitive phrasal verbs

(1) They are bringing over the whole family . § - Sie bringen die ganze Familie hinüber.

(2) I can‘t make out what he means . - Ich kann nicht feststellen, was er meint .

(3) Drink up your milk quickly. - Trinken Sie Ihre Milch schnell aus./ Ihre Milch schnell austrinken.87

Aber:

(4) They turned on the light . § - Sie drehten sich auf dem Licht .

6.2.3. Prepositional Verbs

(1) They called on him . - Sie besuchten ihn .
(2) He walked into a tree . § - Er ging in einen Baum .
(3) A steward looked after the old lady. - Ein Steward passte auf die alte Dame auf.

6.2.4. Phrasal-prepositional verbs

(1) He puts up with a lot of teasing. - Er findet sich mit vielem Necken ab.
(2) He let me in on the secret. § - Er ließ mich auf dem Geheimnis herein.
(3) Quietly, I let myself out of her apartment. § - Ich lasse mich ruhig aus ihrer Wohnung.

6.2.5. Diskussion der Übersetzungsbeispiele

Es wird schnell deutlich, dass bei allen Erscheinungsformen der phrasal verbs punktuell Fehler entstehen. Dies ist ebenso der Fall bei der Gruppe der prepositional verbs und der der phrasal-prepositional verbs . Die richtige Übersetzung eines phrasal verbs hängt also nicht von seiner Transitivität oder Intransitivität ab. Dies zeigt anschaulich das Beispiel Drink up your milk quickly . Bei allen Gruppierungen der Verbklasse phrasal verb wird somit deutlich, dass es erforderlich ist, sie als Ganzes in das Lexikon einzugeben, da sie andernfalls nicht adäquat übersetzt werden und sie die Übersetzung eines gesamten Satzes stark beeinträchtigen können. Dies sollte auf jeden Fall für so geläufige Verben wie turn on geschehen. Es zeichnet sich ebenfalls ab, dass T1 in vielen Fällen richtig eine anaphorisch-reflexive Lesart eines englischen Verbs im Deutschen wiedergibt (hier: put up with - ‚sich abfinden mit‘). Dies führt allerdings auch oft zu ungewollten anaphorischen Reflexivierungen, z.B. turn on - ‚sich drehen auf‘ anstatt ‚anschalten‘.

6.3. Verbvalenzen

6.3.1. Allgemeines

Die Valenztheorie besagt, dass Lexeme syntaktische Leerstellen um sich eröffnen:

Valenz ist die Fähigkeit eines Lexems (z.B. eines Verbs, Adjektivs, Substantivs), seine syntaktischen Umgebungen vorzustrukturieren, indem es anderen Konstituenten im Satz Bedingungen bezüglich ihrer grammatischen Eigenschaften auferlegt.88

Transitivität gilt als „eine Valenzeigenschaft von Verben, die ein direktes Objekt regieren.“89 Dieses Kriterium wird auch für die Beschreibung von Kasusrahmen im METAL-System verwendet.90

Für die Betrachtung von Verbvalenzen in der MÜ ist es notwendig, die Definition von Bußmann enger zu fassen, um angemessen damit operieren zu können. Helbig/Schenkel haben in ihrem Wörterbuch zur Valenz und Distribution deutscher Verben 91 einen Valenzbegriff entwickelt, der in dieser Arbeit benutzt wird. Helbig/Schenkel stellen das Verb ins strukturell-grammatische Zentrum des Satzes.92 Die syntaktische Valenz eines Verbs wird verstanden als die Fähigkeit des Verbs, bestimmte Leerstellen um sich herum zu eröffnen, die durch obligatorische oder fakultative Mitspieler zu besetzen sind. Als solche Mitspieler sind aufzufassen bestimmte Substantive (oder deren Äquivalente) in den verschiedenen Kasus, bestimmte Präpositionalkasus und bestimmte Adjektive oder Adverbien, Infinitive, Partizipien und Nebensätze.93

Die Leerstellen, die das Verb um sich herum im Satz eröffnet, werden also durch obligatorische und fakultative Satzglieder gesättigt. Dabei hat jedes Verb seine spezifische Ergänzungsbedürftigkeit.94 Welche Satzglieder für ein bestimmtes Verb als fakultativ und welche als obligatorisch anzusehen sind, wurde für das einzelne Verb im Wörterbuch von Helbig/Schenkel kodifiziert. Die Einträge dort sind in die Sektionen I, II und III gegliedert. Es werden nacheinander die Anzahl und die Art der obligatorischen und fakultativen Aktanten und die syntaktische und die semantische Valenz der Verben beschrieben. Zu den obligatorischen und fakultativen Aktanten können freie Angaben treten, die nicht an das Verb gebunden und zahlenmäßig unbegrenzt sind. Sie können daher „nahezu in jedem Satz beliebig weggelassen und hinzugefügt werden.“95

Die Verbvalenz ist besonders für den Fremdsprachenunterricht und unter kontrastivem Aspekt interessant. Für denjenigen, der eine Fremdsprache erlernt, ist es von großer Bedeutung, die richtige Valenz eines Verbs zu kennen, denn auf ihrer Grundlage kann er grammatisch richtige Sätze der Fremdsprache bilden. Unter kontrastivem Aspekt kann, wie in der vorliegenden Arbeit, untersucht werden, ob sich die Valenz eines Verbs einer Sprache auf die Valenz des entsprechenden Verbs einer weiteren Sprache abbilden läßt:

Once a number of complements are defined for both languages, they are „matched“. [...] Complements that regularly translate into each other, constitute a match. If they additionally share features (identical word class of the head/ structural make up/ morphological features such as case or agreement) they may be given the same name in both languages, though it should not be forgotten that they are strictly speaking not identical because their distribution will differ.96

Zudem kann es, wie allgemein bekannt sein dürfte, vorkommen, dass die Anzahl und die Reihenfolge der Aktanten eines Verbs in der AS nicht mit der des entsprechenden Lexems in der ZS übereinstimmt.97 Auf dieses Frage wird als Problem in der MÜ im folgenden Kapitel eingegangen.

6.3.2. Verbvalenzen in der MÜ

Betrachtet man die maschinelle Übersetzung von Verben, so ist es, wenn der lexikalische Transfereintrag in der ZS ermittelt ist, erforderlich, den Valenzrahmen des Verbs richtig in die ZS zu überführen bzw. den Valenzrahmen der AS der Valenz des Verbs in der ZS anzupassen. Ein Beispiel hierfür ist das Satzpaar: He likes the girl. - ‚Ihm gefällt das Mädchen.‘, bei dem sich das Valenzmuster ändert, denn die Aktanten vertauschen die Rollen von Subjekt und Objekt.98 Weiterhin müssen die Fälle berücksichtigt werden, in denen sich die Anzahl der Aktanten von AS zu ZS ändert.99 Die Menge dieser Verben ist jedoch klein.100 Zum Beispiel bei den englischen Verben wash , shave und turn around kann es aber vorkommen, dass im Englischen Aktanten wegfallen, die im Deutschen vorhanden sind. Gleichwohl ist in beiden Sprachen die gleiche Anzahl von Argumenten vorhanden. Dies kommt dadurch, dass eine Reflexivierung im Deutschen weitaus häufiger ist als im Englischen.101 Dies wird durch die folgenden Beispielsätze102 veranschaulicht:

(1) He is washing the car. - ‚Er wäscht das Auto‘.

(1') He is washing. - ‚Er wäscht sich.‘

(2) He has not shaved a single customer today. - ‚Er hat heute keinen einzigen Kunden rasiert.‘

(2') He has not shaved today. - ‚Er hat sich heute nicht rasiert.‘

(3) He turned me around. - ‚Er drehte mich um.‘

(3') He turned around. - ‚Er drehte sich um.‘

[...]


1 Kunze, a.a.O., 1997, S. 153

2 Hutchins/Somers, a.a.O., 1992, S. 4

3 Bruderer, a.a.O., 1978, S. 30

4 ebd.

5 Hutchins/Somers, a.a.O., 1992, S. 113

6 ebd., S. 75

7 ebd., S. 76

8 ebd.

9 ebd.

10 Hutchins / Somers, a.a.O., 1992, S. 99 ff.

11 ebd., S. 100

12 Hutchins/Somers, a.a.O., 1992, S. 100

13 ebd.

14 ebd., S. 101 f.

15 ebd., S. 103

16 ebd., S. 103 f.

17 Duden-Grammatik , a.a.O., 1995, S. 170 ff.

18 aus: Hutchins/Somers, a.a.O., 1992, S. 104

19 ebd., S. 103 ff.

20 Bruderer, a.a.O., 1978, S. 20

21 Hutchins / Somers, a.a.O., 1992, S. 6

22 Machine translation systems , a.a.O., 1988, S. 12

23 Hutchins / Somers, a.a.O., 1992, S. 75

24 Machine translation systems , a.a.O., 1988, S. 11

25 Whitelock / Kilby, a.a.O., 1995, S. 172

26 Kunze, a.a.O., 1997, S. 130

27 Whitelock / Kilby, a.a.O., 1995, S. 171

28 Schwanke, a.a.O., 1991, S. 157

29 Hutchins / Somers, a.a.O., 1992, S. 260

30 Köchling, a.a.O., 1998, S. 24

31 Kunze, a.a.O., 1997, S. 129

32 Schlenker, a.a.O., 1989, S. 23

33 Schneider, a.a.O., 1992, S. 586

34 Köchling, a.a.O., 1998, S. 25

35 Kunze, a.a.O., 1997, S. 153

36 Langenscheidts T1 , a.a.O., 1996, S. 100

37 Langenscheidts T1 , a.a.O., 1996, S. 9

38 Hutchins / Somers, a.a.O., 1992, S. 263

39 Langenscheidts T1 , a.a.O., 1996, S. 93

40 Hutchins/Somers, a.a.O., 1992, S. 262

41 Schlenker, a.a.O., 1989, S. 42

42 Whitelock / Kilby, a.a.O., 1995, S. 174

43 ebd., S. 175-179

44 Schneider, a.a.O., 1992, S. 589

45 Whitelock/Kilby, a.a.O., 1995, S. 185, Hutchins/Somers, a.a.O., 1992, S. 263

46 Whitelock/Kilby, a.a.O., 1995, S. 174

47 Hutchins / Somers, a.a.O., 1992, S. 263

48 ebd.

49 Schlenker, a.a.O., 1989, S. 25

50 Whitelock / Kilby, a.a.O., S. 173

51 Hutchins / Somers, a.a.O., S. 271 und Whitelock / Kilby, a.a.O., S. 172

52 Schlenker, a.a.O., 1989, S. 25

53 Hutchins/Somers, a.a.O., S. 261/262 und Schlenker, a.a.O., 1989, S. 25

54 Hutchins / Somers, a.a.O., 1992, S. 266

55 ebd., S. 262

56 Whitelock/Kilby, a.a.O., 1995, S. 179

57 Schlenker, a.a.O., 1989, S. 26

58 Hutchins/Somers, a.a.O., 1992, S. 266 - 269

59 Schneider, a.a.O., 1992, S. 587

60 Schlenker, a.a.O., 1989, S. 28

61 Hutchins/Somers, a.a.O., 1992, S. 272

62 Kunze, a.a.O., 1997, S. 64

63 ebd., S. 61

64 Hutchins/Somers, a.a.O., 1992, S. 272

65 vgl. Scholle, a.a.O., 1995, S. 7

66 Schlenker, a.a.O., 1989, S. 27

67 Whitelock/Kilby, a.a.O., 1995, S. 192

68 Machine translation systems , a.a.O., 1988, S. 29

69 Whitelock/Kilby, a.a.O., 1995, S. 192

70 Hutchins/Somers, a.a.O., 1992, S. 273

71 Whitelock/Kilby, a.a.O., 1995, S. 192

72 Hutchins/Somers, a.a.O., 1992, S. 273

73 Whitelock/Kilby, a.a.O., 1995, S. 194

74 Whitelock/Kilby, a.a.O., 1995, S. 195/196

75 a.a.O., 1994, S. 128f.

76 a.a.O., 1995, S. 771

77 Duden-Grammatik , a.a.O., 1995, S. 771 f.

78 a.a.O., 1998

79 Vgl . Duden-Grammatik , a.a.O., 1995, S. 771 ff. und Quirk/Greenbaum, a.a.O., 1996, S. 324 f.

80 Duden-Grammatik , a.a.O., 1995, S. 771

81 ebd., S. 770

82 Duden-Grammatik , a.a.O., S. 770

83 Duden-Grammatik , a.a.O., 1995, S. 862

84 A grammar of present-day English , a.a.O., 1990, S. 39

85 Quirk/Greenbaum, a.a.O., 1996, S. 346 ff.

86 je nach Einstellung, s.u.

87 wiederum je nach Voreinstellung, s.u.

88 Bußmann, a.a.O., 1990, S. 824

89 ebd., 1990, S. 806

90 Whitelock/Kilby, a.a.O., 1995, S. 185

91 a.a.O., 1991

92 Helbig/Schenkel, a.a.O., 1991, S. 26

93 Helbig/Schenkel, a.a.O., 1991, S. 49

94 Duden-Grammatik , a.a.O., 1995, S. 651

95 Helbig/Schenkel, a.a.O., 1991, S. 34

96 Fischer, a.a.O., 1997, S. 71

97 Weissgerber, a.a.O., 1983, S. 60 ff.

98 Somers, a.a.O., 1987, S. 263

99 ebd., S. 268

100 Hutchins/Somers, a.a.O., 1992, S. 37

101 Somers, a.a.O., 1987, S. 274

102 ebd.

Details

Seiten
103
Jahr
1999
ISBN (eBook)
9783638139090
Dateigröße
671 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v6305
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin – Institut für Deutsche Sprache
Note
1,8
Schlagworte
automatische Übersetzung Englisch-Deutsch T1 Verbvalenzen

Autor

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Titel: Der lexikalische Transfer von Verben in dem automatischen Übersetungssystem T1