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Barbarossa und der lombardische Städtebund - Die Reichspolitik der Staufer in Oberitalien

Seminararbeit 2006 36 Seiten

Ethnologie / Volkskunde

Leseprobe

Gliederung

Quellen- und Literaturverzeichnis

Quellen

Literatur

Abkürzungsverzeichnis

Zeittafel

1. Die Kommunen in Oberitalien

2. Consules, Podestàs und Rat

3. Die wirtschaftliche Entwicklung der oberitalienischen Kommunen

4. Die historische Entwicklung der Lombardei
4.1 Die Langobarden
4.2 Das bischöfliche Regime

5. Kaiser und Lombardenbund
5.1 Die Zeit bis Barbarossa
5.2 Ziele und Politik Barbarossas
5.3 Barbarossa und Italien
5.3.1 Ziele und Politik in Italien
5.3.2 Mailand
5.3.3 Erster Italienzug (1154)
5.3.4 Der Reichstag von Roncaglia bei Piacenza (1158)
5.3.5 Vierter Italienzug (Oktober 1166)
5.3.6 Der Lombardenbund
5.3.7 Fünfter Italienzug (1174)
5.3.8 Friede von Konstanz und Anerkennung des Lombardenbundes (1183)

6. Der Zweite und Dritte Lombardenbund

Quellen- und Literaturverzeichnis

Quellen

1. Ottonis episcopi Frisingensis et Rahewini Gesta Frederici seu rectius cronica, übers. V. A. Schmidt, hrsg. v. Franz Josef Schmale [Schmale, Gesta Frederici II., Darmstadt, 1974], 2. Auflage, Darmstadt, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1974.

2. Ottonis et Rahewini Gesta Frederici II. Imperatoris (MGH. SS. Rer. Germ. 46) [ Gesta Friderici II., Hannover, 1912], hrsg. Von Waitz, Georg, Hannover, Hahn Verlag, 1912.

Literatur

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4. (Stabi)

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38. Wolf, Gunther (Hrsg.), Friedrich Barbarossa, Darmstadt, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1975 (Wege der Forschung, Bd. 390).

Abkürzungsverzeichnis

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Fremdwörter

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Zeittafel

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Die Kommunen in Oberitalien

Die Jahre von 1150 bis 1250 waren die entscheidenden in der Entwicklung der mittelalterlichen europäischen Städte und ihre Institutionen blieben bis in die Neuzeit ohne grundlegende Änderungen bestehen[xxxix]. In Italien bildeten sich Kommunen mit mehr Bürokratie als in den anderen europäischen Ländern[xl].

Die oberitalienische Region war neben Unteritalien, der Provence und Katalonien am offensten für Einflüsse aus der arabischen und der byzantinischen Welt[xli].

In Oberitalien ist die Kommune die Spitze einer Entwicklung, die schon in der fränkischen Zeit begann[xlii]. Im Gegensatz zu Gallien, wo sich die Stadt im 3. und 4. Jahrhundert auf eine Zitadelle reduzierte, wurde die italienische Stadt von einer Mauer umgeben[xliii]. In Gallien zog infolge dieser Entwicklung der Adel auf das Land und in Italien blieb die Aristokratie in der Stadt sesshaft[xliv]. Die Mauer war im römischen Rechtsdenken heilig und dies kam auch in der Sage vom Sprung des Remus über die Stadtmauer zum Ausdruckv[xlv]. Das städtische Umland, der comitatus, wurde oft von der Kommune unterworfen und es hatte auch keine Teilhaberechte an der Kommune[xlvi].

In der weiteren Entwicklung konnte sich der ländlich orientierte Lehnsadel zwischen die bischöflichen und städtischen Strukturen schieben und eine innere Stabilität erreichen[xlvii]. In der Fachwelt gilt frühestens die Zeit der karolingischen Machtergreifung als die Geburtsstunde der Entstehung der Kommune[xlviii]. Während dieses Werdevorgangs des mittelalterlichen Stadt in Oberitalien standen diese in engstem politischen Kontakt mit Deutschland[xlix].

Der Begriff Stadt[l] bedeutete in Italien civitas, die der Mittelpunkt des umliegenden Territoriums war, das mit der Christianisierung zum Bischofssitz wurde[li]. In den Urkunden des Lombardenbundes wird die Bezeichnung civitas den Bischofsstädten vorbehalten[lii].

In den Kommunen wurde der hierarchisch-herrschaftlichen Ordnung des Mittelalters eine neue Form des menschlichen Zusammenwirkens mit neuen Formen der politischen Organisation entgegengesetzt[liii].

Der Auslöser für die Ausbildung der städtischen Kommune war der seit der Herrschaft der Salier andauernde Investiturstreit zwischen Kaiser und Papst: die Bedeutung der Bischöfe in den italienischen Städten hat durch diese Auseinandersetzung mehr zugenommen als in den Städten des Alten Reichs[liv]. Infolge der mit dem Investiturstreit einhergehenden Doppelwahlen kam es zur Entstehung von stärkeren sozialen und politischen Unruhen in den italienischen Kommunen[lv].

Besonders im Bereich der Judikative machte sich dieses Machtvakuum bemerkbar und es kam im religiösen und sozialen Bereich zum Umbruch und zu einer Einigung der verschiedenen Schichten in den Kommunen: das Element der eingeschworenen Eigenossenschaft konnte zu einer der Grundlagen der kommunalen Verfassung werden[lvi]. Diese Schwurgemeinschaften waren anders als die Adelspyramide strukturiert, denn sie hatten eine Basis, die auf Gleichberechtigung fußte[lvii].

Die bisherige feudale Gesellschaftsordnung wurde durch den Aufbau dieser neuen kommunalen Verfassung auf breiter Basis durchstoßen[lviii]. Die ersten Zeichen bürgerschaftlichen Selbstbewusstseins konnten sich besonders in Italien bemerkbar machen, weil es dort seit der ausgehenden Spätantike immer noch eine gebildete Laienschicht gab, die dazu in der Lage war, einen bürokratischen Verwaltungsapparat in die Hand zu nehmen und weiterzubilden[lix].

Die Ausgestaltung und Durchsetzung der Kommune war also nicht Folge eines gewaltsamen Umsturzes der bestehenden Ordnung, sondern diese entstand in einem langsamen Prozess[lx]. Erst in einer späteren Phase in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts sind die bisherigen Einwohnergemeinden zu Kommunen geworden[lxi].

Die Grundlage dafür bot das alte herrschaftliche System[lxii]. Die erreichte politische Autonomie der Kommunen in Reichsitalien bzw. ihr Verhältnis zur Reichsgewalt bezeichnet man als „Städtefreiheit“ im Gegensatz zur „städtischen Freiheit“ in Deutschland, die den persönlichen Rechtsstand des Bürgers charakterisiert[lxiii]. Im Gegensatz zu den Städten nördlich der Alpen, wo die Einwohner einer Stadt unterschiedliche Rechtskreisen zugeordnet waren[lxiv], bildeten die Einwohner in Oberitalien eine einheitliche, jedoch in ständischer Hinsicht sehr differenzierte Kommune[lxv].

Bis ca. 1120 wurde der Begriff commune in Italien adjektivisch oder adverbial für die Bezeichnung der Stadtgemeinde und ihrer legalen Organe verwendett[lxvi]. Danach wurde mit diesem Begriff der bisher verwendete Begriff civitas ersetzt, der die gemeinsam handelnde Gemeinde meinte und nicht mehr nur die räumliche Einheit Gemeinde[lxvii].

Nur in den Randregionen Oberitaliens konnten sich ausgedehntere Territorien entwickeln wie in Nizza, Saluzzo, Savoyen Como und Tirol unter markgräflicher Herrschaft und Aquileia unter erzbischöflicher Herrschaft oder Trient unter bischöflicher Herrschaft[lxviii].

2. Consules, Podestàs und Rat

In den oberitalienischen Städte wurden einhergehend mit dem wirtschaftlichen Aufschwung und infolge des Fehlens von Herrschern nach der „päpstlichen Revolution“ neue Ämter wie z. B. die consules geschaffen, die um und nach 1100 in den meisten Städten Ober- und Mittelitaliens nachzuweisen sind[lxix]. Diese Ämter waren auch für Barbarossa etwas völlig neues, weil es solche Positionen im Alten Reich nicht gab. Es war jetzt auch Angehörigen der unteren Schichten möglich, in den Militärstand aufzusteigen und in solche Ämter gewählt zu werden[lxx]. Die consules verfügten als Magistrate über Rechtsprechungsbefugnis und Regalienverwaltung und nahmen dadurch die Positionen der Bischöfe und des Hochadels ein[lxxi].

Diese Einrichtung der consules gilt als ein Indiz für eine funktionierende städtische Organisation[lxxii]. Sie stellte jedoch noch nicht den Anfang des goldenen Zeitalters der Kommunen dar[lxxiii]. In Mailand gab es diese consules seit 1081, in Cremona seit 1112 und in Lodi seit 1142[lxxiv]. Die Kommunen durften ihre consules grundsätzlich selbst wählen, mussten für sie aber alle fünf Jahre vom Kaiser die Investitur einholen[lxxv]. Unabhängig davon blieb der Kaiser oberster Gerichtsherr, da in allen wichtigen Rechtsfällen an ihn appeliert werden konnte[lxxvi]. Die Amtsgewalt der consules war von unten begründet und es gab in der Regel mehr als einen Konsul[lxxvii].

In Mailand stellte im Jahr 1202 jede Machtgruppe einen Konsul, wodurch die Stadt aus der Sicht des Chronisten Galvano Fiamma „in zwei Städte und zwei Personengruppen geteilt war“[lxxviii].

Infolge dieser Spannungen in den einzelnen lombardischen Städten aufgrund der kommunalen Machterweiterung durch diejenigen Familien, die die consules stellten und deswegen miteinander in Konkurrenz standen, mussten unparteiische Verwalter von außerhalb berufen werden[lxxix]. Das stellte den Beginn für ein neues Amt, den podestá, dar, der erstmalig um ca. 1150 für Ferrara bezeugt ist[lxxx]. Neben der kommunalen Machterweiterung bot auch das Kirchengut Anlass zu inneren Spannungen[lxxxi]: die Kommunen versuchten immer mehr die Königslehen der geistlichen Welt (Bischöfe und Klöster) in ihre Gewalt zu bringen[lxxxii].

Diese Städtekämpfe und die Gegensätze zwischen den Städten, der geistlichen und weltlichen Welt stellten den Nährboden für die Bildung von klar erkennbaren Interessengruppen in jener Zeit dar[lxxxiii]. Die Reichsunmittelbarkeit als Steuerungsmittel blieb unangetastet, die übrigen Kontrollfunktionen aber besorgte nunmehr der Lombardenbund[lxxxiv].

Zwischen 1120 und 1140 wird die frühere Kommune umgeformt: neben die consules tritt der Rat, der oft anstelle der Volksversammlung die eigentlichen Entscheidungen trifft[lxxxv].

3. Die wirtschaftliche Entwicklung der oberitalienischen Kommunen

Die Bedeutung der italienischen Städte war seit der Antike größer geworden als in anderen europäischen Ländern[lxxxvi]. Den größten Bevölkerungszuwachs seit dem elenden und miserablen 10. Jahrhundert hatten die Städte im mittleren und östlichen Oberitalien[lxxxvii]. Im 11. Jahrhundert erlebte Italien eine Art Hochblüte, die nicht zuletzt durch die Auswirkungen des ersten Kreuzzuges mitverursacht wurde, wodurch Reichsitalien wie kein anderes Gebiet in Europa von einem starken Fernhandel erfasst wurde und sich neue Formen des Lebens wirtschaftlich, sozial und verfassungsgeschichtlich durchsetzten[lxxxviii]. Eine bedeutende Stellung erlangte dadurch die Kaufmannsschicht, die dabei am meisten von den neuen Verhältnissen profitierte[lxxxix].

Die Kommunen wurden in dieser Zeit zur stärksten Macht in Italien[xc]. Handel (Messen und Märkte), Handwerk und Gewerbe sowie der Übergang von der weniger ertragreichen Naturalwirtschaft zum Geldverkehr und die Entstehung des Bankwesens trugen zu dieser Entwicklung bei[xci]. Begünstigt wurde diese Entwicklung durch eine Verbesserung der klimatischen Bedingungen, den Rückgang der Seuchen, das Nachlassen der Invasionen und Raubzüge aus dem slawischen Osten und der arabischen Welt, was zu einem großen Bevölkerungswachstum, zur Intensivierung der Landwirtschaft und Gewinnung neuen Kulturlandes führte[xcii]. Adel und Klerus waren infolge der zunehmenden Inflation und des erhöhten Geldumlaufs nicht mehr in der Lage, mit dieser Entwicklung mitzuhalten, weil sie lediglich von den fixierten Abgaben ihrer ländlichen Güter lebten[xciii]. Dazu kam, dass der steigende Lebensstandard und die günstigen wirtschaftlichen Aussichten die Menschen in großer Zahl in die Städte trieben[xciv]. Es kam infolge dieser Landflucht zu Verboten von Kornexport aus den Kommunen und auch die Mauerbauten der Städte nahmen wegen der Sicherung der sich immer mehr vergrößernden Städte zu[xcv]. 1172 baute Florenz einen zweiten Mauerring, Pistoia 1192 und Lucca 1206[xcvi]. Im Konstanzer Vertrag von 1183 hatten die Kommunen ausdrücklich das Recht zum Stadtmauerbau zugestanden bekommen, ohne Kaiser oder Bischof darum gebeten haben zu müssen[xcvii]. Die immer komplizierter werdenden Wirtschaftsverflechtungen schufen neue Bedürfnisse: im Bankwesen übertrafen Mailand, Piacenza und Genua die anderen Städte, die im zwölften Jahrhundert über sehr viel Edelmetall verfügten[xcviii].

[...]


[i] Engels, Die Staufer, 1998, S. 94.

[ii] Engels, Die Staufer, 1998, S. 94.

[iii] Jakobs, Kirchenreform und Hochmittelalter 1046-1215,1994, S. 39.

[iv] Engels, Die Staufer, 1998, S. 102.

[v]Schumann, Geschichte Italiens, 1983, S. 77.

[vi] Engels, Die Staufer, 1998, S. 102.

[vii] Dilcher, Stadtkommune, 1967, S. 11.

[viii] Schumann, Geschichte Italiens, 1983, S. 77.

[ix] Schumann, Geschichte Italiens, 1983, S. 77.

[x]Jakobs, Kirchenreform,1994, S. 39.

[xi] Kramer, Geschichte Italiens, Band I, 1968, S. 83

[xii] Engels, Die Staufer, 1998, S. 141.

[xiii] Engels, Die Staufer, 1998, S. 93.

[xiv] Bedürftig, Taschenbuch Staufer, 2000, S. 144. Vgl. auch Fuhrmann, Deutsche Geschichte, 1993, S.

166.

[xv] Knefelkamp, Das Mittelalter, 2003, S. 207.

[xvi] Knefelkamp, Das Mittelalter, 2003, S. 207.

[xvii] Bedürftig, Taschenbuch Staufer, 2000, S. 144.

[xviii] Haverkamp, Herrschaftsformen, 1970, S. 184.

[xix] Knefelkamp, Das Mittelalter, 2003, S. 207.

[xx] Knefelkamp, Das Mittelalter, 2003, S. 207.

[xxi] Engels, Die Staufer, 1998, S. 91.

[xxii] Engels, Die Staufer, 1998, S. 91.

[xxiii] Knefelkamp, Das Mittelalter, 2003, S. 211.

[xxiv] Engels, Die Staufer, 1998, S. 91 f.

[xxv] Engels, Die Staufer, 1998, S. 92.

[xxvi] Engels, Die Staufer, 1998, S. 92.

[xxvii] Engels, Die Staufer, 1998, S. 93 f.

[xxviii] Jakobs, Kirchenreform,1994, S. 68.

[xxix] Engels, Die Staufer, 1998, S. 97. Vgl. auch Goez, Geschichte Italiens, 1988, S. 158 , 165 und Dilcher,

Stadtkommune, 1967, S. 3.

[xxx] Jakobs, Kirchenreform,1994, S. 68.

[xxxi] Jakobs, Kirchenreform,1994, S. 76.

[xxxii] Engels, Die Staufer, 1998, S. 172 f. Vgl. auch Dilcher, Stadtkommune, 1967, S. 11

[xxxiii]Engels, Die Staufer, 1998, S. 173.

[xxxiv] Goez, Geschichte Italiens, 1988, S. 165.

[xxxv] Engels, Die Staufer, 1998, S. 179.

[xxxvi] Engels, Die Staufer, 1998, S. 179.

[xxxvii] Engels, Die Staufer, 1998, S. 168.

[xxxviii] Knefelkamp, MA, S. 247. Vgl. auch Görich, a.a.O., 2006, S. 108.

[xxxix] Hyde, Society, 1973, S. 94.

[xl] Hyde, Society, 1973, S. 94.

[xli] Ennen, Europäische Stadt, 1987, S. 155.

[xlii] Dilcher, Stadtkommune, 1967, S. 181.

[xliii] Keller, Entstehung, 1976, S: 172. Vgl. auch Goez, Geschichte Italiens, 1988, S. 160

[xliv] Keller, Entstehung, 1976, S: 172.

[xlv] Ennen, Frühgeschichte, 1981, S. 225.

[xlvi] Jakobs, Kirchenreforn, 1994, S. 39.

[xlvii] Dilcher, Stadtkommune, 1967, S. 185.

[xlviii] Keller, Entstehung, 1976, S: 175.

[xlix] Dilcher, Stadtverfassung, 1964, S. 225.

[l] In Urkunden auch in vico, in loco, in castro, in castello genannt. Vgl. auch Dilcher, Stadtkommune,

1967, S. 2.

[li] Dilcher, Stadtkommune, 1967, S. 2.

[lii] Dilcher, Stadtkommune, 1967, S. 2.

[liii] Keller, Einwohnergemeinde, 1977, S. 561.

[liv] Fasoli, Barbarossa, 1975, S. 154. Vgl. auch Dilcher, Stadtkommune, S. 185. und Kramer, Geschichte

Italiens, Band 1, 1986, S. 66 ff.

[lv] Fasoli, Barbarossa, 1975, S. 154. Vgl. auch Dilcher, Stadtkommune, S. 185.

[lvi] Dilcher, Stadtkommune, 1967, S. 3, 187, 190 und Fasoli, Barbarossa, 1975, S. 154 ff.

[lvii] Dilcher, Stadtkommune, 1967, S. 187, 190 und Fasoli, Barbarossa, 1975, S. 155 f. Vgl. auch Dilcher,

Renovatio, 2003, S. 634

[lviii] Appelt, Barbarossa, 1975, S. 87.

[lix] Engels, Die Staufer, 1998, S. 97.

[lx] Keller, Entstehung, 1976, S: 170.

[lxi] Keller, Einwohnergemeinde, 1977, S. 562.

[lxii] Dilcher, Stadtkommune, 1967, S. 182. Vgl. auch Opll, Lodi, 1987, S. 63, 188.

[lxiii] Keller, Einwohnergemeinde, 1977, S. 561

[lxiv] Bischofsburg, Kaufmannssiedlung, Königsbezirk, Klosterimmunität.

[lxv] Keller, Entstehung, 1976, S: 171.

[lxvi] iuramentum commune, deliberare in commune, sancire communiter. Vgl. auch Keller,

Einwohnergemeinde, 1977, S. 575.

[lxvii] Keller, Einwohnergemeinde, 1977, S. 575.

[lxviii] Jakobs, Kirchenreform, 1994, S. 39.

[lxix] Dilcher, Renovatio, 2003, S. 622. Vgl. auch Opll, Lodi, 1987, S. 192. Vgl. auch Bedürftig, a.a.O., S. 144

[lxx] G esta FriedericiI II., Hannover, 1912, S. 14: “(…) non de uno, sed de singulis predicti

consules eliguntur (…) Ut etiam ad comprimendos vicinos materia non careant, inferioris conditionis

iuvenes vel quoslibet contemptibilium tiam mechanicarum artium opifices (…)”.

[lxxi] Dilcher, Renovatio, 2003, S. 622.

[lxxii] Opll, Stadt und Reich, 1986, S. 318.

[lxxiii] Keller, Einwohnergemeinde, 1977, S. 575.

[lxxiv] Opll, Stadt und Reich, 1986, S. 318.

[lxxv] Engels, Die Staufer, 1998, S. 103.

[lxxvi] Engels, Die Staufer, 1998, S. 103.

[lxxvii] Dilcher, Renovatio, 2003, S. 636.

[lxxviii] Hyde, Society, 1973, S. 108.

[lxxix] Schumann, Geschichte Italiens , 1983, S. 75 f. Vgl. auch Keller, Entstehung, 1976, S. 169-211.

[lxxx] Schumann, Geschichte Italiens , 1983, S. 77.

[lxxxi] Schumann, Geschichte Italiens , 1983, S. 77.

[lxxxii] Schumann, Geschichte Italiens , 1983, S. 77.

[lxxxiii] Schumann, Geschichte Italiens , 1983, S. 79.

[lxxxiv] Engels, Die Staufer, 1998, S. 103.

[lxxxv] Keller, Einwohnergemeinde, 1977, S. 575.

[lxxxvi] Kramer, Geschichte Italiens, Band I, 1968, S. 74.

[lxxxvii] Kramer, Geschichte Italiens, Band I, 1968, S. 74.

[lxxxviii] Bedürftig, Taschenbuch Staufer, 2000, S. 144. Vgl. auch Engels, a.a.O., S. 97, Previté-Orton,

Italian Cities, 1929, S. 208, Haverkamp, Herrschaftsformen, 1970, S. 37 und Keller, Entstehung, 1976,

S. 173.

[lxxxix] Engels, Die Staufer, 1998, S. 97.

[xc] Goez, Geschichte Italiens, 1988, S. 159.

[xci] Goez, Geschichte Italiens, 1988, S. 159. Vgl. auch Kramer, 1968, S. 74.

[xcii] Bedürftig, Taschenbuch Staufer, 2000, S. 144.

[xciii] Goez, Geschichte Italiens, 1988, S. 159.

[xciv] Goez, Geschichte Italiens, 1988, S. 159.

[xcv] Goez, Geschichte Italiens, 1988, S. 160

[xcvi] Goez, Geschichte Italiens, 1988, S. 160. Vgl. Keller, Entstehung, 1976, S: 172.

[xcvii] Goez, Geschichte Italiens, 1988, S. 160

[xcviii] Goez, Geschichte Italiens, 1988, S. 160 f.

Details

Seiten
36
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638561600
ISBN (Buch)
9783638666367
Dateigröße
588 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v63033
Institution / Hochschule
Universität Augsburg – Lehrstuhl Volkskunde
Note
2,0
Schlagworte
Barbarossa Städtebund Reichspolitik Staufer Oberitalien Reichsstadt Mittelalter

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Titel: Barbarossa und der lombardische Städtebund - Die Reichspolitik der Staufer in Oberitalien