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Nacht- und Schichtarbeit

Hausarbeit 2000 13 Seiten

BWL - Personal und Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

EINLEITUNG

Warum dieses Thema?

DEFINITIONEN UND DARSTELLUNGEN
Definition Nacht- bzw. Schichtarbeit:
Eine freiere Definition wählten die Experten vom REFA-Verband:

REGELUNG DER ARBEITSZEITEN

EIN ÜBERBLICK VERSCHIEDENER SCHICHTSYSTEME
Diskontinuierliches Nachtschichtsystem
Kontinuierliches System
Spätschichtsysteme

WO WIRD SCHICHTARBEIT BENUTZT (BENÖTIGT)

LEISTUNGSANGEBOT EINES MENSCHEN
Leistungskurve des Menschen:
Faktoren der Leistungsminderung sind:

AUSWIRKUNGEN AUF DEN MENSCHEN
Schlafdefizit
Unfallgefährdung
Drogenkonsum
Privatbereich
Gesundheitliche Situation

ÖKONOMISCHER NUTZEN

FAZIT

QUELLENANGABE

DANKSAGUNG

Einleitung

Das Thema Schichtarbeit ist derart komplex, daß in diesem Referat nur Teilaspekte heraus gearbeitet werden können. So habe ich mich, wie aus der nachfolgenden Begründung zu ersehen, auf die Auswirkungen auf den Menschen als „Arbeitsfaktor” konzentriert. Nicht in meine Betrachtung einfließen wird, was auch nicht Ziel dieses Referates ist. So werde ich nicht auf die verschiedenen Schichtsysteme eingehen, noch deren Anwendungsgebiete genauer erläutern, oder gar deren Einführung in Betriebe beschreiben. Die wirtschaftliche Betrachtungsweise folgt, da wir auf grund unseres Studienganges zum Kostendenken erzogen werden. Dennoch ist der Mensch die wichtigste Größe im Spiel mit vielen unbekannten Variablen, weshalb dieser auch das Zentrum meiner Ausarbeitung darstellt.

Warum dieses Thema?

Die Themenwahl fiel auf die Tatsache zurück, daß Herr Gliwitzky und ich jeden morgen mit dem Auto in die Stadt fahren. Dies hat sich so ergeben, weil durch den Umbau des Bahnhofes und die schlechten Anschlüsse von und nach Bremen-Nord gegeben sind. So nahm es nun zu, insbesondere im Sommer letzten Jahres, daß die Autobahn immer voller wurde. Die ist sicher auch auf den verdichtenden Individualverkehr zurückzuführen, aber auch großenteils auf Bau- Reinigungs- und Reparaturarbeiten an Autobahn und Zubringern. So ereignete es sich eines morgens, daß wir eine geschlagene Stunde länger brauchten als gewohnt, weil die Unterführung in Bremen-Walle gereinigt wurde; hierdurch staute es sich bis Bremen-Lesum zurück.

Anderentags war die Fahrbahnmarkierung auf der A27 erneuert worden. Da es nur eine Maschine gab und nur eine Spur bearbeitet wurde, zog sich diese Aktion über drei Tage hin. Dies bedeutete pro Tag ca. 2 Stunden Zeitverlust und frustrierendes Warten in der Hitze.

Nun könnte man sicher sagen ich wäre ungnädig, und daß die Arbeiten doch der Erhalten der Sicherheit dienen. Dem stimme ich voll und ganz zu. Dennoch hat mich ein Bericht aus den USA auf den Mißstand aufmerksam gemacht, daß jede Minute Wartezeit einen enorm hohen, volkswirtschaftlichen Schaden verursacht. Daher würden die Arbeiten in USA auch nachts erledigt. Dies verursacht zwar zunächst höhere Ausgaben (Schichtzulage, etc), hält aber die Kosten niedriger.

Dies sei an einem Beispiel erläutert:

Der durchschnittliche Bremer stand an einem Stau-Tag etwa eine Stunde im Stau. Nun gehe ich davon aus, das tägliche Pendleraufkommen liege bei etwa 30.000 Personen. Wenn jetzt der durchschnittliche Stunden-Verdienst (brutto) eines jeden zu DM 50,- angesetzt würde, sind das reine Lohnkosten von DM 1.500.000,- pro Stunde. Hierzu käme noch die dadurch verursachte Umweltverschmutzung der stehenden Pkw, sowie theoretische Regreßforderungen der Arbeitgeber für entstandenen Arbeitsausfall.

Definitionen und Darstellungen

Definition Nacht- bzw. Schichtarbeit:

Schichtarbeit ist gegeben, wenn eine bestimmte Arbeitsaufgabe über einen erheblichen, längeren Zeitraum als die wirkliche Arbeitszeit hinaus anfällt und daher von mehreren Arbeitnehmern oder Arbeitnehmergruppen in einer geregelten zeitlichen Reihenfolge erbracht wird. (Bundesarbeitsgericht)

Nachtzeit ist, gem. §2 ArbZG, von 23 bis 6 Uhr. Es kann jedoch Ausnahmeregelungen geben. So ist z.B. in der Stahlbranche durch den Manteltarifvertag (§ 6 MTV) diese Nachtzeit von

22 bis 6 Uhr festgelegt.1

Eine freiere Definition wählten die Experten vom REFA-Verband:

„Unter Schichtarbeit werden alle Formen der Arbeitszeitorganisation verstanden, in denen Arbeit entweder zu einer regelmäßig wechselnden Tageszeit oder zu einer festen, aber ungewöhnlichen Tageszeit ausgeführt wird (Rutenfranz, Knauth, 1987)”2

Regelung der Arbeitszeiten

Ähnlich wie vielen Rechtsgeschäften (Kaufvertrag) auch, gibt es bei der Gestaltung von Arbeits- und Schichtplänen eine Reihe von Vorschriften, die beachtet werden müssen.

Diese sind, ähnlich der Bedürfnispyramide nach Maslow, hierarchisch geordnet.

Gesetze Es gilt in Einzelverträgen (unterste Stufe) die in Betriebsvereinbarungen getroffenen Regelungen Verordnungen einzuhalten, letztere wiederum sind an Tarifverträge gebunden, und diese an Gesetze undVerordnungen3.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle:eigene Darstellung

Um den Abschluß von Arbeitsverträgen einfacher zu gestalten, werden übergeordnete Regelungen herangezogen, welche dem Vertrag als Grundlage dienen. Da diese Vorgehensweise mit dem Vertragsschluß im Kaufrecht vergleichbar ist, können zum besseren Verständnis Analogien dargestellt werden. So entspricht im Prinzip die Betriebsvereinbarung den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) der Unternehmung.

Wie auch beim Erstellen der AGB sind bestimmte Vorgaben einzuhalten. Der Gestaltungsspielraum geht hier soweit, daß es entweder durch übergeordnete Instanzen ausdrücklich erlaubt, wenigstens aber nicht verboten sein muß.4

So darf z.reitB. nicht in einer Betriebsvereinbarung (respektive Tarifvertrag) nicht ein Überschen der täglichen Arbeitszeit von 13 Stunden vorgesehen werden. Dies verstößt gegen das Arbeitszeitgesetz.

Im speziellen Fall der Schichtarbeit geht es rechtlich um einen arbeitszeitgesetzlichen Aspekt. Daher unterliegen sämtliche Regelungen dem Arbeitszeitgesetz (ArbZG). Hierin sind z.B. der Gesundheitsschutz, Verbot von Sonntagsarbeit und einheitlicher Schutz von Männern und Frauen bei Nachtarbeit geregelt. Insbesondere spricht der §6 ArbZG im Absatz 1 die Arbeitszeit der Nacht- und Schichtarbeiter an, welche „nach den gesicherten arbeitswissenschaftlichen Erkenntnissen über die menschengerechte Gestaltung der Arbeit festzulegen” ist.5

Dies erscheint mir besonders wichtig. Denn die modernen Ansätze gehen davon aus, daß die Mitarbeiter einer Unternehmung das Kapital der Firma darstellen. Es bedarf daher eines besonderen Schutzes und einer Pflege des Personalstammes. Die physischen und psychischen Auswirkung der Nacht- und Schichtarbeit habe ich unter dieser Prämisse näher beleuchtet, und werde die Problematik im Folgenden noch genauer darstellen. Zunächst jedoch sei ein kurzer Überblick über die existierenden Systeme gegeben. 6

Ein Überblick verschiedener Schichtsysteme

Zwei Schichtsysteme dominieren. So sind dies zum einen die Nachtschichtsysteme, welche sich in diskontinuierlich und kontinuierlich teilen. Ferner die Spätschichtsysteme, welche keine Nachtschichten beinhalten.

Diskontinuierliches Nachtschichtsystem

In der Industrie gebräuchlichste Form des Schichtsystems. Hierbei tritt eine gleichmäßige

Schichtwechselrhythmik von fünf (drei) Tagen auf. Die Tag-, Spät- und Nachtschicht dauert jeweils 8 Stunden und wird von drei Schichtenbelegschaften geleistet. Schichtwechsel ist zu 6, 14 und 22 Uhr.

Diese Form der Schichtarbeit heißt deswegen diskontinuierlich, weil Unterbrechungen (z.B. Wochenenden, Feiertage) die Schichtenfolge unterbrechen.

Kontinuierliches System

Im Gegensatz zum diskontinuierlichen System zählt hierbei jeder Kalendertag als Arbeitstag. Durch die höhere Anzahl an zu leistenden Stunden wird eine vierte Schicht benötigt. In der Praxis werden diese Schichten oft als 12-Stunden-System gefahren, und als „Durchfahrbetrieb” bezeichnet. Dieser ist vor allem in der Stahlerzeugung prozessual vorgeschrieben.

Spätschichtsysteme

Schichtwechsel erfolgt im 5-Tage-Rhythmus. Eine Schicht dauert 8 Stunden, wobei nur zwei Belegschaften benötigt werden, da kein Nachtbetrieb vorgesehen ist. Die Schichtwechsel finden zu 6 und zu 14 Uhr statt (Tag- und Spätschicht).

Wo wird Schichtarbeit benutzt (benötigt)

Wenn man sich die Frage stellt, warum überhaupt Schichtarbeit benötigt wird, sehen wir „Teil-BWLer” wohl zunächst einen Kostenaspekt. Jedoch gibt es auch andere Gründe, die z.T. einen 24-Stunden-Betrieb erfordern. Hierzu gehören auf jeden Fall die Stahlhütten. Denn die Öfen der Hütten müssen durchgefahren werden, weil einmal erstarrtes Eisen nicht -oder nur schwer- wieder schadensfrei verflüssigt werden könnte. Ähnliches gilt natürlich auch für andere Industriezweige. Denn auch Gerbereien in der Textilindustrie und Chemieunternehmen haben prozessual bedingte, nicht unterbrechbare Fertigungsprozesse. Als Beispiel könnte eine Lauge eines Chemiewerkes dienen, die nicht sedimentieren darf, und nur bestimmte Nutzungszeiten hat. Ein weiteres sind die Entwickler von Fotolaboren, welche ähnlichen Gesetzen unterliegen. Zwar ist das Entwickeln von Fotos schon weit automatisiert, doch eine „Restgröße” an Mitarbeitern ist immer noch nötig, so daß Nachtarbeit hier obligatorisch ist.

Man kann sagen, daß die Erfordernisse für Schichtarbeit entweder technischer, wirtschaftlicher, oder gesellschaftlicher Natur sind.

Technische Gründe liegen in der prozessual bedingten Kontinuität. So kann insbesondere in Grundstoffindustrien (Eisen, Stahl, Chemie) der Prozeß nicht angehalten oder unterbrochen werden.

Wirtschaftliche Gründe erwachsen, wenn die eingesetzten Betriebsmittel hohe Anschaffungskosten verursachen, und nur ein Schicht- bzw. Dauerbetrieb dieser zu akzeptablen Herstellungskosten (Stückkosten) führt.

Zu gesellschaftlichen Gründen zählen alle Bereiche der Ver- und Entsorgung, der Sicherheit (Polizei, etc), Krankenhäuser, Personen- und Güterverkehre, sowie Mediendienste und sonstige Dienstleistungen.7

Auf der Folgseite möchte ich eine Zusammenfassung der Industriezweige geben, in der Schichtarbeit eingesetz wird oder werden muß.

Zusammenfassend eine Aufstellung der Industriezweige:8

-Keramische und Glasindustrie -(Süddeutsche) Eisen- und Stahlindustrie
-Textil- und Bekleidungsindustrie
-Maschinenbau und Kleineisenindustrie
-Chemische Industrie

Ein Problem vieler Betriebe ist, daß die Arbeitszeiten der Mitarbeiter in den letzen Jahren deutlich abgenommen hat. Nicht zuletzt auch durch die Erfolge der Gewerkschaften.

Dennoch sammelt sich durch die Reduzierung der Arbeitszeit bei gleichzeitiger Erhöhung der Maschinenlaufzeiten eine beträchtliche Zahl von Überstunden an. Wie untenstehende Grafik zeigt, hat die Betriebszeit sich von 1984 bis 1996 von 61 auf 72 Wochenstunden erhöht. In gleichem Maße nahm jedoch die Arbeitszeit der Mitarbeiter von 40 auf 36,5 Stunden ab. Die aufgebaute Mehrarbeit wird „entkoppelt”. Dies wird zu 60 Prozent durch Überstunden erreicht. Weitere 28 Prozent werden in freien Tagen ausgeglichen. Dicht gefolgt ist die Schichtarbeit hierbei schon auf Rang 3 mit 27 Prozent.

Es muß hierbei beachtet werden, daß nicht in jedem Betrieb eine Schichtarbeit sinnvoll ist, da die Prozesse nicht autonom laufen können (weil abhängig von Arbeitszeiten Dritter), oder weil sonst eine Überproduktion erzeigt werden würde.

Es ist aber auch betriebsgrößenspezifisch. So ist die Sichtarbeit sinnvoller, je größer der Betrieb, und je höher der Automatisierungsgrad in der Fertigung ist.

Änderung der tariflichen Arbeitszeit und der Maschinenlaufzeiten (1984 bis 1996)9

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(c) VDI-Nachrichten

[...]


1 vgl. „Arbeitszeit- und Schichtplanreport” Seite 7

2 vgl. „Ausgewählte Methoden zur Prozeßorganisation”, Seite 110

3 vgl. Grafik aus „Arbeitszeit- und Schichtplanreport -Stahlwerke Bremen-”, Seite 4 2

4 vgl. ArbZG § 7 vom 06. Juni 1994

5 § 6 Abs. 1; Zitat aus ArbZG vom 6. Juni 1994

6 vgl. „Erfolgsfaktor Schichtarbeit”, Seiten 19,20

7 vgl. „Ausgewählte Methoden zur Prozeßorganisation”, Seite 110 4

8 vgl. „Erfolgsfaktor Schichtarbeit”, Seite 115

9 aus VDI-Nachrichten, Ausgabe 03.12.1999

Details

Seiten
13
Jahr
2000
ISBN (eBook)
9783638138895
ISBN (Buch)
9783638756716
Dateigröße
861 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v6284
Institution / Hochschule
Hochschule Bremen – Wirtschaftsingenieurwesen
Note
1,7
Schlagworte
Arbeitszeitmodelle Schichtarbeit Nachtarbeit Personal Personalwirtschaft Human Ressource Management Drogenkonsum Privatleben Schichtsysteme kontinuierlich diskontinuierlich Gewerkschaften

Autor

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Titel: Nacht- und Schichtarbeit