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Währungskonkurrenz: Die europäische Währungsunion: Konkurrenzkampf mit dem Dollar oder Beitrag zur Stabilisierung der Finanzmärkte?

Hausarbeit (Hauptseminar) 2002 32 Seiten

Politik - Internationale Politik - Thema: Europäische Union

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Lage der US-Wirtschaft im Frühjahr 2002

3. Euro und Dollar – eine asymmetrische Beziehung

4. Der Dollar als Leitwährung

5. Euro und US-Dollar – Partnerschaft oder Boxkampf?

6. Die Finanzmärkte der Zukunft – Triadisierung der Währungen

7. Fazit: Alles ist möglich

8. Literaturverzeichnis

9. Webverzeichnis

10. Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

Tritt die europäische Währungsunion in eine Währungskonkurrenz mit dem US-Dollar oder trägt sie zur Stabilisierung der Finanzmärkte bei? Dieser Frage soll in den folgenden Abschnitten auf den Grund gegangen werden.

Diese Seminararbeit wurde im Rahmen des Hauptseminars „Die europäische Währungsunion und die Weltwirtschaftspolitik“ erstellt und bildet die schriftliche Ausarbeitung des gleichnamigen Referats, wobei die Fragestellung erweitert wurde und nun zusätzlich dem Aspekt nachgegangen wird, wie sich die Währungsunion aus amerikanischer Sicht auf den US-Dollar auswirkt.

Zum Zeitpunkt der Erstellung dieser Arbeit ebenso wie des Referats lagen der Autorin noch keine konkreten wissenschaftlichen Arbeiten vor, aus denen sich detaillierte Stellungnahmen zum Standpunkt Währungskonkurrenz oder Stabilisierung finden ließen. Dies führt die Autorin darauf zurück, dass seit der Einführung des Euro-Bargeldes erst sieben Monate vergangen sind, und es demnach für die meisten Experten verfrüht ist, bereits ein Fazit oder Ausblicke zu wagen. Es gibt auch explizite Aussagen von Analytikern, denen zufolge genauere Prognosen erst ab dem Jahr 2005 erwartet werden. Bis dahin beschränkt sich die Autorin dieser Seminararbeit hauptsächlich auf die Vorstellung von Meinungen und Ansichten auf die sich bei ihrer Recherche im Internet gestoßen ist. Bereits hier muss angemerkt werden, dass die meisten Autoren die Möglichkeit einer Stabilisierung der Finanzmärkte mit der europäischen Währungsunion nicht in Verbindung zu bringen scheinen. Zumindest finden sich nur in den seltensten Fälle konkrete Hinweise auf den Aspekt der Stabilisierung. Auch Wissenschaftler, die sich mit einer möglichen Konkurrenz zwischen Euro und Dollar auseinandersetzen, tun dies größtenteils mehr indirekt, ohne sich auf einen konkreten Standpunkt festzulegen.

Dennoch finden sich in zahlreichen Publikationen zwischen den Zeilen Hinweise auf den einen oder anderen Standpunkt. Im Rahmen der Seminararbeit sollen die verschiedenen Sichtweisen einander gegenübergestellt und unter Berücksichtigung der Für und Wider miteinander verglichen werden.

Bei der Erstellung der Seminararbeit hält sich die Autorin an folgende Vorgehensweise: Da viele Experten der Ansicht sind, dass der Wert des Euro nicht zuletzt von der Stärke der amerikanischen Wirtschaft abhängt, wird in Kapitel 2 zunächst ein Überblick über die aktuelle amerikanische Wirtschaftslage gegeben.

Da der Euro in gewisser Hinsicht ein ebensolch starkes Symbol für die Bürger Europas darstellt, wie der Dollar für die Amerikaner, beschäftigt sich Kapitel 3 mit den Hintergründen dieser Symbol-Bedeutung, seiner Auswirkungen und der speziellen Beziehung zwischen Euro und Dollar.

In Kapitel 4 soll schließlich die Leitwährungsrolle des Dollar näher betrachtet und gegebenenfalls auch in Frage gestellt werden. Im Rahmen eines kurzen historischen Rückblicks wird erläutert, wie der Dollar in die Rolle der alleinigen Leitwährung gelangte und diese Funktion über einen solch langen Zeitraum aufrechterhalten werden konnte. Anschließend folgt der Versuch zu klären, ob diese Funktion nach wie vor gerechtfertigt ist.

Kapitel 5 bietet eine abschließende Gegenüberstellung verschiedener Meinungen und Autoren, die auf ein Fazit hinsichtlich der Frage „Euro und Dollar – Währungskonkurrenz oder Stabilisierung der Finanzmärkte?“ in Kapitel 6 vorbereiten sollen. Diese Absätze konzentrieren sich hauptsächlich auf die Ansichten amerikanischer Autoren, werden jedoch von den Äußerungen anderer internationaler Experten ergänzend dargestellt.

2. Die Lage der US-Wirtschaft im Frühjahr 2002

In den Veröffentlichungen der verschiedenen Wirtschaftsexperten und sonstiger Autoren lassen sich verstärkt Hinweise darauf finden, dass die potentielle Stärke der gemeinsamen europäischen Währung nicht zuletzt von der Lage der US-Wirtschaft abhängt. Im folgenden Kapitel soll deshalb zunächst einmal die wirtschaftliche Situation der Vereinigten Staaten[1] vorgestellt werden. Die folgenden Erkenntnisse beziehen sich auf die Beurteilung der Wirtschaftslage durch die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Wirtschaftswissenschaftlicher Forschungsinstitute e.V. Hamburg[2]

Die Mitglieder kommen in ihrem Bericht zu dem Schluss, dass sich die USA im Frühjahr 2002 am Beginn eines kräftigen Aufschwungs befanden. Gesamtwirtschaftliche Nachfrage und Produktion seien im Winterhalbjahr wieder spürbar gestiegen (vgl. Abb. 1.1)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[Quelle: http://www.diw.de/deutsch/publikationen/wochenberichte/docs/GD-gutachten4_2000.pdf ]

Den Erläuterungen der Arbeitsgemeinschaft zufolge sei die Rezension bereits im vergangenen Jahr zu Ende gegangen. Speziell der private Verbrauch habe ungewöhnlich stark zugenommen. Zusätzlich wurde der staatliche Konsum maßgeblich ausgedehnt.

Die Wissenschaftler geben jedoch zu bedenken, dass die Stärke der konjunkturellen Erholung „durch verschiedene Sondereffekte überzeichnet sei.“ Beispielsweise wurden nach den dramatischen Ereignissen des 11. September staatliche Ausgabenprogramme aufgelegt. Durch Steuersenkung und niedrigere Energierechnungen wurde der Privat-Konsum ebenso angeregt, wie durch ungewöhnlich kostengünstige Finanzierungsangebote für Kfz-Käufe. Hypothekenzinsen, die im Verlauf der Zinssenkungen ebenfalls rückläufig waren, ermöglichten außerdem vielen US-Bürgern eine Um- und Neuverschuldung zu erheblich günstigeren Konditionen. Die Kaufkraft wurde durch die dadurch freigewordenen Mittel zusätzlich gestärkt.

Die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Wirtschaftswissenschaftlicher Forschungsinstitute e.V. Hamburg erklärte daraufhin, dass viele Indikatoren erwarten ließen, dass der Aufschwung der amerikanischen Wirtschaft weiter fortschreiten werde. Die folgende Übersicht gibt diese Indikatoren wider:

- Konsumklima hat sich wieder verbessert, und die Verbrauchsausgaben legten kräftig zu
- Geschäftsklima hat sich seit Oktober beträchtlich aufgehellt
- Industrieproduktion steigt seit Jahresbeginn wieder, nachdem sie im Abschwung regelrecht eingebrochen war; Kapazitätsauslastung sinkt nicht mehr
- Beschäftigung seit Jahresbeginn nicht mehr gesunken

Hinzu kommt laut Arbeitsgemeinschaft, dass der Einkaufsmanager-Index (ISM), dessen Überschreiten der 50-Punkte-Marke eine Expansion der Wirtschaft signalisiere, zuletzt deutlich über dieser Marke lag.

Aus den oben genannten Gründen prognostizieren die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft, zu der das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), das Hamburgische Welt-Wirtschafts-Archiv (HWWA), das Münchener Institut für Wirtschaftsforschung (ifo), das Institut für Weltwirtschaft an der Universität Kiel, das Institut für Wirtschaftsforschung Halle und das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung, Essen, gehören, dass sich „alles in allem der Anstieg von gesamtwirtschaftlicher Nachfrage und Produktion im Jahresverlauf weiter fortsetzen wird.“[3]

Im nächsten Kapitel soll ein Aspekt näher untersucht und erläutert werden, der die These unterstützt, dass die Stärke des Euro von der wirtschaftlichen Lage der USA abhängig ist.

3. Euro und Dollar – eine asymmetrische Beziehung

Verschiedene Wissenschaftler und Wirtschaftsexperten vertreten die Ansicht, dass Euro und Dollar in einer asymmetrischen Beziehung zueinander stehen. Die beiden Ökonomen des Credit Suisse Private Banking: Benedikt Germanier, Foreign Exchange, und Beat Schumacher, Fixed Income, Forex and Economic Analysis betonten im Mai 2002 in einem Interview mit Bulletin Online diesen Standpunkt. „Das heißt, die Euro-Anleger investieren nicht in erster Linie in den Euro, weil sie ihn als stark einschätzen, sondern vor allem, weil sie denken, dass die US-Konjunktur länger in ihrem Tief verharren wird.“[4] Dies führe dementsprechend zu einer tieferen Einstufung des Dollar. Im Gegensatz dazu seien die Dollar-Anleger von der US-Wirtschaft und von einem starken Dollar überzeugt.

Kann es der Euro demzufolge in Zeiten einer neu erstarkten US-Wirtschaft überhaupt schaffen, seinen Wert zu steigern und so mit der amerikanischen Währung zu konkurrieren? Wie in Kapitel 2 beschrieben, befindet sich die US-amerikanische Wirtschaft im Aufschwung, und es ist kein Geheimnis, dass der Euro nach wie vor weit unter dem Wert des Dollar liegt. Investieren die Anleger im wiedergewonnenen Vertrauen in die Stärke der US-Wirtschaft inzwischen wieder verstärkt in den Dollar? Eine Frage, die sich im Rahmen dieser Seminararbeit leider nicht beantworten lässt. Falls dies jedoch der Fall wäre, ließe es den Schluss zu, dass die Stabilität der internationalen Finanzmärkte weniger von der Stabilität der verschiedenen Währungen als vielmehr von den „Stimmungsschwankungen“ der Anleger abhängig wäre. Ein Aspekt, den zu untersuchen für Wirtschaftswissenschaftler sicherlich lohnenswert ist, im Rahmen dieser politikwissenschaftlichen Hausarbeit kaum hinreichend verfolgt werden kann.

4. Der Dollar als Leitwährung

Das nun folgende Kapitel beschäftigt sich näher mit der Geschichte des US-Dollar. Unter anderem soll untersucht werden, wie er in die Funktion der Leitwährung gelangte und inwieweit diese Bezeichnung heute noch gerechtfertigt ist. Außerdem werden Meinungen für und gegen den Dollar in dieser Funktion einander gegenübergestellt. Diese Untersuchungen sind notwendig, um einen tieferen Einblick in die Frage zu erhalten, ob Dollar und Euro eine Währungskonkurrenz bilden können.

Während sich die Wissenschaftler uneinig darüber sind, ob die Rolle des Dollar als Leitwährung nach wie vor gegeben ist, stimmen viele von ihnen darin überein, dass in der Vergangenheit der Dollar unumstritten die Leitwährung auf den internationalen Finanzmärkten war, diese Rolle heute jedoch nicht länger gerechtfertigt sei.

So schreibt beispielsweise Edelbert Richter in der Frankfurter Rundschau vom 21.12.2001, „dass der Dollar nach wie vor als Leitwährung fungiert, an der sich alle anderen messen

lassen müssen. Und das obwohl er seit dem Ende des Systems von Bretton Woods[5] formal kein politisches Mandat dazu hat und dem Dollar zugleich durch die voranschreitende Integration in Europa und die Herausbildung der Eurozone zunehmend die realwirtschaftliche Legitimation fehlt, die Funktion der alleinigen Leitwährung auszufüllen.“ Die Frage nach einer neuen, tragfähigen globalen Finanzarchitektur könne gar nicht ernsthaft gestellt werden, ohne die Hegemonie des Dollar in Frage zu stellen[6]

Benedikt Germanier und Beat Schumacher vom Credit Suisse Private Banking sind sich hingegen sicher, dass der Dollar seine Vormachtstellung auch weiterhin behaupten kann. Die Ursache dafür sei, dass Währungsreserven hautsächlich in Dollar angelegt würden und dass der Dollar die wichtigste Handelswährung sei. Zwar hätten die US-Rezension und die Terroranschläge im vergangenen Jahr dem Dollar zugesetzt und ihn geschwächt, dennoch würde es nicht zu einem Ausverkauf kommen. Liest man sich die folgende Aussage der beiden Ökonomen genauer durch, so geht daraus hervor, dass sie nicht einmal in Erwägung ziehen, dass der Euro für den Dollar zur Konkurrenz werden könnte. „Strukturelle Vorteile und fehlende Alternativen werden den Dollar weiter unterstützen.“[7]

Waltraud Schelkle von der Fachuniversität Berlin hingegen, vertritt die Meinung, dass der Dollar in währungspolitischer Hinsicht die Funktion eines Währungsankers verloren hat. Schelkle führt außerdem an, dass der US-Dollar als Reserve- und Interventionsmedium bei den Industrieländern kontinuierlich an Bedeutung verliert. Die Ursachen hierfür führt sie auf das Europäische Währungssystem zurück, geht aber nicht näher auf ihre Motive dafür ein. Laut Schelkle habe der Dollar auch in den Entwicklungsländern als Reservemedium Verluste erlitten, sich seitdem aber relativ konstant gehalten. Sie sei überrascht, dass der Dollar im Rahmen der privatwirtschaftlichen Nutzung für die Handelsfakturierung und als Vehikel im Zahlungsverkehr kaum an Gewicht verloren hat. Deutliche Verluste zeigten sich bei ihm allerdings als Medium der Vermögenshaltung. „Waren 1981 noch mehr als zwei Drittel (67,3%) des globalen Portfolio[8] in Dollar denominiert, waren es 1993 weniger als 45%.“ Schelkle führt außerdem an, dass der US-Dollar Mitte der 80er Jahre unter der konservativen Reagan Regierung zu einer Schuldnerwährung wurde. Demzufolge betrugen die Auslandsschulden Ende 1996 etwas mehr als 831 Mrd. US-Dollar, und diese Schulden seien zum überwiegenden Teil in Dollar denominiert.[9]

[...]


[1] Stand: Frühjahr 2002

[2] vgl. http://www.diw.de/deutsch/publikationen/wochenberichte/docs/GD-gutachten4_2000.pdf

[3] vgl. http://www.diw.de/deutsch/publikationen/wochenberichte/docs/GD-gutachten4_2000.pdf

[4] vgl. http://www.bulletin.credit-suisse.ch/themen/1008765630.html

[5] Ort in New Hampshire, USA; Tagungsort der Währungs- und Finanzkonferenz der UNO vom 1. bis 23.7. 1944 bei der der internationale Währungsfond und die Internationale Bank für Wiederaufbau und Entwicklung gegründet wurden

[6] siehe: http://edelbert-richter.de/presse/01_12_21.pdf

[7] vgl. http://www.bulletin.credit-suisse.ch/themen/1008765630.html

[8] Wertpapierbestand

[9] vgl. Schelkle, Waltraud; Globalisierung oder multipolares Währungssystem – die monetäre Integration Europas im Licht widerstreitender Hypothesen, erschienen in: von Bülow, W. et al (Hg); Globalisierung und Wirtschaftspolitik; Marburg 1999

Details

Seiten
32
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638138871
Dateigröße
696 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v6282
Institution / Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf – Sozialwissenschaftliches Institut
Note
2,0
Schlagworte
EU; Dollar; Euro; Konkurrenz

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