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Luigi Pirandello - Wahnsinn und Aufbau der Intrige in Enrico IV

Seminararbeit 2005 13 Seiten

Romanistik - Italienische u. Sardische Sprache, Literatur, Landeskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0 Abstract und Einleitung

1 Luigi Pirandello und seine innere Beziehung zu Enrico IV

2 Die Entwicklung des Wahnsinns in Enrico IV

3 Der Aufbau der Intrige in Enrico IV
3.1 Erster Akt
3.2 Zweiter Akt
3.3 Dritter Akt

4 Schluss

Literaturverzeichnis

0 Abstract und Einleitung

Il tema principale di questa tesina scritta è la struttura dell' intreccio nel dramma Enrico IV di Luigi Pirandello. Ma per capire la relazione di questo testo del Novecento è anche importante rivolgere l' attenzione alla vita di Luigi Pirandello e lo sviluppo della pazzia di Enrico IV. I risultati mostrano che Enrico non vuole un vero cambiamento della sua parte e della situazione perché il suo proprio mondo è un rifugio per lui. Poiché Enrico ha assassinato Tito Belcredi non è possibile ritornare alla realtà delle altre persone.

Im Mittelpunkt dieser Hausarbeit stehen der Wahnsinn und der Aufbau der Intrige in dem Stück Enrico IV von Luigi Pirandello.

Dieses Thema eignet sich besonders gut für eine Untersuchung, da in dem zu behandelnden Drama der ständige Kampf des Lebens mit all seinen Ängsten besonders deutlich wird. Pirandello hat die Realität seines eigenen Daseins in dieses Werk miteinfließen lassen. In dem Proseminar zu Luigi Pirandellos Theater wurde durch Referate schon ein Überblick über Enrico IV und dessen Bedeutung für die neuere Literaturgeschichte gegeben. Die vorliegende Hausarbeit soll nun die wichtigsten Aspekte dieses 1921 geschaffenen Theaterstücks auch in Bezug auf dessen Autor darstellen.

Als Einleitung in die Thematik werden zunächst ein kurzer Überblick über die Lebensumstände Luigi Pirandellos und die daraus resultierende Wahl des deutschen Salierkaisers Heinrich IV als Hauptfigur seines historischen Dramas gegeben.

Darauf aufbauend wird die Entwicklung des Wahnsinns in Enrico IV erläutert, auch im Hinblick auf einen sich zunächst zurückgedrängten und sich später neu entwickelnden Mythos.

Nachdem diese elementaren Bestandteile und auch der Wahnsinn als Rückzugsmöglichkeit in das eigene Innere dargelegt worden sind, folgt nun die Darstellung des wichtigsten Bestandteils dieser Hausarbeit, und zwar der Aufbau der Intrige in Enrico IV, aufgeteilt in drei Akte. In diesem Kapitel wird zunächst etwas Allgemeines zur Erklärung des Begriffs der Intrige im Drama gesagt, um die danach folgenden Ausführungen deutlicher zu machen. Danach wird der Intrigenverlauf interpretiert, der die Verwicklung von Spiel und Wahrheit, gerade in Bezug auf die Hauptfigur, zeigt. Als Spiel beschreibt Luigi Pirandello die Umgehensweise besonders seiner Hauptfigur gegenüber seinen Gästen, die Enrico von seinem angeblichen Wahnsinn befreien wollen. Die Wahrheit ist für ihn, idealistisch ausgedrückt, das eigentlich Innere. Gerade die Verwicklung von Spiel und Wahrheit macht das Werk so interessant und gleichzeitig schwierig zu interpretieren.

Im Schlussteil der Arbeit wird schließlich ein Résumé gezogen, welches die Figur Enricos als wichtiges Ausdrucksmittel für Luigi Pirandellos Gefühle und Ansichten verdeutlichen soll.

1 Luigi Pirandello und seine innere Beziehung

zu Enrico IV

Im ersten Kapitel der vorliegenden Hausarbeit werden Luigi Pirandellos Lebensumstände und die daraus resultierende enge geistige Beziehung zu der Figur von Enrico IV beschrieben.

Luigi Pirandello hat das Werk Enrico IV aus vielen verschiedenen Gründen geschrieben. Zunächst einmal ist anzumerken, dass es unmittelbar nach der gescheiterten Aufführung des Vorgängerstücks Sei personaggi in cerca d'autore eigentlich auch als Parodie auf die auf der Bühne inszenierten geschriebenen Stücke entstanden ist. Die Darstellung auf der Bühne war für Pirandello auch ein Verlust an Realität, obwohl die Darsteller für die Zuschauer realer wurden. Obwohl seine Mischung aus Tragischem und Komischen gerade Enrico IV prägt, blieb Pirandello doch vom teatro del grottesco unabhängig, da seine persönlichen Erlebnisse eine große Rolle spielten (Matthaei 1967: 23). Sein Hauptthema war der Zerfall der Menschen in einer mechanisierten Welt. Schon zu Beginn des Dramas zeigt sich, dass Pirandello nur auf den ersten Blick großen Wert auf ein detailgetreues Bühnenbild legt, was der Nebentext „Salone nella villa rigidamente parato in modo da figurare quella che poté essere la sala del trono di Enrico IV nella casa imperiale di Goslar“ (Pirandello 1988: 127) verdeutlicht. Dadurch, dass die Inszenierung eher konstruiert erscheint, wollte Pirandello die zu dieser Zeit in der Gesellschaft vorherrschenden Konventionen parodieren. Die Frage, warum Pirandello gerade den vorletzten deutschen Salierkaiser als seine Hauptfigur ausgewählt hat, lässt sich beantworten, wenn man die Geschichte Heinrichs des Vierten und das Leben Pirandellos näher betrachtet.

Heinrich IV ist zwangsläufig mit dem Begriff ‚Canossa‘ verbunden, mit dem der Großteil der Bevölkerung auch in der heutigen Zeit eine Art von Buße assoziieren kann. Mit dem Gang nach Canossa wollte der Kaiser im 11. Jh. durch Papst Gregor VII von dem Kirchenbann befreit werden. Zu diesem Zweck musste er im Büßerhemd nach Canossa gehen, stundenlang im Schnee warten und sich damit sichtbar der Souveränität der Kirche unterwerfen. Durch diese Erniedrigung durch den Papst und die Gräfin Matilde bot sich in der Realität ein Grund zur Rache (Dashwood 1996: 125). Auch in Enrico IV will sich der tragische Held am Ende des Stücks für sein Leben rächen. Im wirklichen Leben Heinrichs des Vierten gab es genau wie in dem Drama Pirandellos auch nur zwei Seiten. Auf der einen stand der Kaiser, auf der anderen die Prinzen, seine geschiedene Frau Bertha und die Kirche. In Enrico IV steht der Held auch allein, am Schluss verraten von seinen Geheimen Räten und er steht auch gegen seine Gäste, die eigentlich nur gekommen waren, um ihn zu heilen. Der reale Heinrich hatte als weiteren bedrohlichen Gegenspieler neben der Kirche seinen ältesten Sohn und Nachfolger, der sich ihm widersetzte und ihn einsperren ließ, woraufhin Heinrich an gebrochenem Herzen starb. Besonders hervorzuheben ist hierbei jedoch die Rolle des alternden Vaters, der genau wie die Figur Enrico IV's den positiven Teil seines Lebens in seiner Jugend gesehen hat, was durch die übergroßen modernen Ölbilder in dem Stück deutlich wird, die am Ende des dritten Akts lebendig werden („tableaux vivants“) (Dashwood 1996: 131). Genau diese Aspekte bilden eine Parallele zu dem Leben Luigi Pirandellos, gerade zur Zeit des Ersten Weltkriegs. Beide Söhne wurden zur Armee eingezogen. Einer von ihnen erkrankte schwer, der andere geriet in Kriegsgefangenschaft. Zu diesem Zeitpunkt verschlechterte sich auch der Zustand seiner Frau, die an Verfolgungswahn litt und den Rest ihres Lebens in einer Heilanstalt verbrachte. Man kann also sagen, dass Pirandello selbst direkt gerade vom Wahnsinn betroffen war und besonders auf die geschilderten Ereignisse keinen Einfluss nehmen konnte, was ihn zu einem Aussenstehenden machte und eine direkte Verbindung zu seinem tragischen Helden erkennen lässt (Dashwood 1996: 135). Dieser besitzt paradoxerweise große Authorität, was zur Zeit Pirandellos zu den deutschen Tugenden zählte. Die Tatsache, dass Enrico IV von seinen Geheimen Räten seine Öllampe verlangt, nachdem er ihnen von seiner Genesung erzählt hat, zeigt, dass Pirandello hier einen persönlichen Bezug zu der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg herstellen möchte, als sein Leben noch weitgehend positiv verlief (Dashwood 1996: 138/ 140).

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Details

Seiten
13
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638557313
Dateigröße
395 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v62501
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – Romanisches Seminar
Note
2,7
Schlagworte
Luigi Pirandello Wahnsinn Aufbau Intrige Enrico Pirandellos Theater

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Titel: Luigi Pirandello - Wahnsinn und Aufbau der Intrige in Enrico IV