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Analyse von Gorgias "Lobrede auf Helena"

Hausarbeit (Hauptseminar) 2006 13 Seiten

Philosophie - Philosophie der Antike

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung: Der Sophist Gorgias

2. Die Lobrede auf Helena
2.1. Die Schönheit als Wahrheit
2.2. Die Gründe für Helenas Gang nach Troja
2.3. Die Rede als Ursache und Wirkung
2.4. Der Einfluss der Götter
2.5. Zusammenfassung

3. Fazit: Die Wirkung der Enkomion

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung: Der Sophist Gorgias

Diese Hausarbeit handelt von dem Sophisten Gorgias von Leontinoi. Seine Schrift „Enkomion [Lobrede] auf Helena” (Datierung umstritten) soll die Grundlage dieser Arbeit sein. Das Ziel ist die Darstellung der typischen Merkmale der Sophistik in Verbindung mit der inhaltlichen Analyse des Textes. Dabei sollen die Elemente der Rhetorik aufgezeigt und mit einer möglichen Intention von Gorgias verglichen werden, um so den wahren Charakter dieser Schrift zu entblößen.

Gorgias von Leontinoi zählt zu einem der Hauptvertreter der antiken Sophistik. Er wurde etwa 490/485 v.Chr. in Leontinoi auf Sizilien geboren und starb vermutlich mehr als hundert Jahre später um 376 v.Chr. im nordgriechischen Thessalien. Einer der Lehrer Gorgias war Empedokles (ca. 495 - ca. 435 v.Chr.), der von sich behauptete der Erfinder der Rhetorik zu sein. Vielleicht ist es dem Einfluss von Empedokles zu verdanken, dass Gorgias zu einem der wirksamsten Gestalter der Rhetorik innerhalb der Sophistik war und die ursprünglichen Elemente von Empedokles perfektionierte. Die Redekunst von Gorgias war zur damaligen Zeit berühmt und weit bekannt. Er schaffte es, die Athener auf einer ihrer Volksversammlungen zu überzeugen, seine Heimatstadt Leontinoi gegen die Bedrohung der Syrakusaner zu unterstützen. Für seine Tätigkeit als Lehrer verdiente er ein so großes Honorar, dass er es sich leisten konnte eine Statue von seinem Abbild aus purem Gold anfertigen zu lassen (vgl. Taureck, 2005, S. 15).

Wie viele Sophisten der Antike, beschäftigt sich auch Gorgias in seinen Werken hauptsächlich mit der Technik (‚techné’) des Redens und der Rhetorik (vgl. ebenda). Durch Platons Dialoge, allen voran ‚Gorgias’, erhielt die Bezeichnung Sophist jedoch eine negative Bedeutung. In diesen vermeintlich fiktiven Gesprächen wurde der Sophist als Streitredner bezeichnet, der nur über Scheinwissen verfügt, sich aber anmaßend als Alleswisser aufspielt (vgl. Apelt, 1993, S. 26ff.). Platon sah dies als ein Problem an, denn mit einem rhetorischen Wissensanspruch gelangte der Sophist zu unrecht zu einem Machtanspruch infolge seiner Redekünste (vgl. Taureck, 2005, S. 7). Sokrates wurde dies zum Verhängnis, als er wegen Vielgötterei zum Tode verurteilt wurde, weil er sich entschied seinen Kopf nicht mit Hilfe der Rhetorik aus der Schlinge zu ziehen. Demnach kann man Platons Abneigung gegen die Sophistik nachvollziehen, da sein Lehrer Sokrates eine komplett entgegengesetzte Auffassung von der Redekunst vertrat (vgl. ebenda, S. 23). Platons Auffassungen prägten die neuzeitliche Philosophie, so dass der negativ behaftete Begriff der Sophisten bis heute erhalten ist. Als Sophist bezeichnet man bestimmte Personen, die in der Lage sind die Meinungen anderer Leute mit Hilfe der Rhetorik und Redekunst anstelle von stichhaltigen Argumenten zu ihren Gunsten zu überzeugen (vgl. Taureck, 2005, S. 8). In diesem Zusammenhang wurden sie von anderen antiken Denkern als “Huren des Wissens” (Taureck, 2005, S. 9) bezeichnet, weil sie die Kunst der Rhetorik in Unterrichtsstunden vermittelten und somit ihr Geld verdienten. Dabei wurde den Sophisten vielfach vorgeworfen, dass sie ihren Schülern eine Waffe in die Hand geben, die diese eher zum Missbrauch nutzen. Die Sophisten argumentierten jedoch, dass man auch einen Turnlehrer nicht zur Verantwortung ziehen kann, wenn seine Schüler die erworbene Körperkraft unrecht einsetzen (vgl. Gomperz, 1976, S. 28). Dieses Verhältnis von der Macht und des möglichen Missbrauchs der Rede beschäftigt Gorgias in dem hier zu behandelnden Text ‚Lobrede auf Helena’.

Allerdings kann man den Sophisten nicht nur auf ihre Wortverdrehungen reduzieren. Denkern wie Protagoras, Lykophron oder Gorgias ist es zu verdanken, dass sich die Philosophie der Antike mit anthropologischen Fragen beschäftigt hat. Die Wendung zum Menschen war das primäre Thema der Sophisten. Der Mensch wird nicht mehr nur auf eine Substanz reduziert, sondern vielmehr in Bezug zu seinen Lebensumständen betrachtet. Für die Sophisten war es wichtig, wie sich der Mensch in der Praxis zu seinem Staat oder der Natur verhält (vgl. Taureck, 2005, S. 8).

2. Die Lobrede auf Helena

2.1. Die Schönheit als Wahrheit

In seiner Lobrede auf Helena will Gorgias beweisen, dass es nicht Helenas Schuld sei, dass der Trojanische Krieg ausbrach. Nach der Überlieferung in Homers ‘Ilias‘ hat Paris, der Sohn des Priamos (König von Troja), die schöne Helena von Sparta nach Troja mitgenommen. Da Helena allerdings zu diesem Zeitpunkt noch mit Menelaos, dem Bruder von Agamemnon (König von Sparta), leiert war, sann dieser auf Rache und begann einen Feldzug gegen Troja, welcher die zehnjährigen trojanischen Kriege einleiten sollte (vgl. Szlezák, 2006, S. 47).

Gorgias stellt sich gegen die allgemeine Auffassung und Überlieferung von Homer, der Helena die Schuld an dem Drama gab. Er versucht Homer zu widerlegen und die Unverborgenheit, also die Wahrheit (‚alétheia’) aufzuzeigen (vgl. Franz, 1999, S. 117).

Im ersten Abschnitt definiert Gorgias das Lob, indem er darauf hinweist, was des Lobens wert wäre. Dabei knüpft er eine Verbindung von der Schönheit Helenas zur Wahrheit bzw. zur Unverborgenheit der Rede. Wenn es also wahr ist, dass Helena so schön war, stellt dies das erste Argument für ihre Unschuld dar. Nur so ist es möglich, dass die Rede gleichzeitig auch wahr sein kann. Eine unwahre Rede verdient kein Lob, sondern muss getadelt werden. Gorgias setzt sich schon am Anfang seiner Argumentation unter Druck, indem er sie mit ‚Lobrede auf Helena’ tituliert, setzt er gleichzeitig den Anspruch für seine Rede fest, dass sie wahr sei und somit gelobt werden sollte.

Dies beschreibt er im zweiten Abschnitt genauer, indem er noch einmal herausstellt, dass er es als seine Aufgabe ansieht, Helena von den üblen Verleumdungen zu befreien. Seine Rede soll die Wahrheit zeigen (vgl. Franz, 1999, S. 118).

Der dritte Absatz beschäftigt sich mit der Entstehung Helenas. Gorgias behauptet, dass nur ein Gott für die Schönheit Helenas verantwortlich sein kann. So soll sich Zeus, der Göttervater, in einen Schwan verwandelt haben, um mit der Sterblichen Leda Helena zu zeugen.

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Details

Seiten
13
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638556644
ISBN (Buch)
9783656068235
Dateigröße
454 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v62422
Institution / Hochschule
Universität Erfurt
Note
1,0
Schlagworte
Gorgias Lobrede Helena Nagarjuna Gorgias

Autor

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Titel: Analyse von Gorgias "Lobrede auf Helena"