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Die Technik der Darstellung des Traumhaft-Fantastischen in The Narrative of Arthur Gordon Pym von Edgar Poe

Hausarbeit 2006 18 Seiten

Amerikanistik - Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Traum und Realität bei E.A. Poe

3. Verrätselung der Autorschaft

4. Farbensymbolik

5. Alles nur Phantasie?

6. Magie der Zahlen und der Zeit im Roman Edgar Poe´s

7. „In God we trust“

8. Schlussbetrachtung

9. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Edgar Allan Poe, der Meister des Genres der Kurzgeschichte, schrieb 1838 seinen ersten und einzigen Roman „The Narrative of Arthur Gordon Pym of Nantucket“. Der Roman fand zuerst wenig Zustimmung bei den Kritiker: „the majority found the plot too horrible and improbable... there are too many atrocities, too many strange horrors, and finally, there is no conclusion to it; it breaks off suddenly in a mysterious way, which is not only destitute of all vraisemblance, but is purely perplexing and vexatious”.[1] Das änderte sich später, indem dem Roman mehr Aufmerksamkeit geschenkt worden ist. Die Untersuchungen von Frederick S. Frank (1981) und Douglas Robinson (1982) belegen eine steigende Interesse für den Poe´s Roman[2].

Ein der Themen, das durch mehrere Werke Edgar Poe´s zieht, ist die Auseinandersetzung zwischen zwei Welten, der realen und der fantastischen. Im Mittelpunkt steht dabei das innere Welt und das Empfinden eines Einzelnen, eigene Wahrnemung der für einen selbst traumhaft erscheinenden Realität.

Das Thema der vorliegenden Hausarbeit ist die Technik der Darstellung des Traumhaft-Fantastischen im Roman Edgar Poe´s „The Narrative of Arthur Gordon Pym“. Als erstes wird die Auseinandersetzung zwischen dem Traum und Realität im Roman dargestellt. Danach wird auf die Verrätselung der Autorschaft im Roman eingegangen. Weiterere Kapitel der Arbeit beschäftigten sich mit dem Thema der Farbensymbolik, die eine wichtige Rolle in der Darstellung des Traumhaft-Fantastischen spielt, sowohl mit der Frage in wieweit die im Roman beschriebenen fantastische Eregnisse fantastisch sind oder ob es für sie eine Erklärung gibt. Danach wird auf die Rolle der Zahlen und der Zeit eingegangen und zum Schluss wird darauf eingegangen, in wie weit Edgar Poe das Fantastische durch das göttliche „Providence“ darzulegen versucht.

2. Traum und Realität by E.A. Poe

Ein wichtiger Element der Erzählungen Edgar Allan Poe besteht darin, dass die realen Ereignisse in eine traumhafte mystische Umgebung versetzt werden. Dabei rücken die Empfindungen des einzelnen Menschen in Mittelpunkt der Betrachtung. Die Gefühle, die meistens empfunden werden, sind die des Schocks, Horrors und der Ausweglosigkeit. Beim Erschaffen seiner Charaktere versuchte Edgar Poe sich in ihre Welt hineinzuversetzen: “He was at all times a dreamer – dwelling in ideal realms – in heaven or hell – peopled with creatures and the accidents of his brain. He walked the streets in madness or melancholy with lips moving in indistinct curses, or with eyes upturned in passionate prayers…”[3]

1838 schrieb Poe seinen ersten und einzigen Roman „The Narrative of Arthur Gordon Pym of Nantucket“ (der Name der Hauptfigur ist an den Sylbenrythmus von Poe angeglichen). Im Roman beschreibt er die Reise zum Südpol, die für die Reisenden zur Versenkung in den Abgrund wird, wo sie, umbgeben vom Horror, dem Tod und dem endlosen Chaos begegnen. Auch das Gegenüberstellen von Innenwelt und Aussenwelt wird im Roman deutlich. Sie tauchen in abgewandelter Form regelmäßig auf. Zwei mal wird der Protagonist lebendigen Leibes begraben – das ist ein Leitmotiv im Poe´s gesamtem Schaffen. Zunächst passiert das im Schiffsbauch, der durch das Faulen von Fleisch stärkste Züge eines Sarges trägt, später das Verschüttetwerden im Innern eines Berges, eine Vordeutung auf das eigentliche Ziel der Reise.

Aus der „Preface“ geht Poes Versuch hervor, eine Art Reisebuch herauszugeben, allerdings soll man den Roman nicht als eine Parodie auf ein Reisebuch betrachten. Im Gegenteil, weist er die Merkmale und das Vorgehen der so genannten „tales of effect“. Sie beschreiben genau die Empfindungen des Protagonisten, der sich in einer Horrorsituation befindet, die so schrecklich ist, dass sie Visionen und Halluzinationen hervorruft und letztendlich zu dem absoluten Kollaps und Bewustlosigkeit führt. Nachdem der Protagonist seine Kräfte wieder erlangt, beschreibt und erklärt das, was mit ihm geschehen ist. Aufgrund des Aufeinandertreffens der realen Welt und der der Illusionen, entsteht im „tale of effect“ ein doppelte Ablauf. Die Erklärung der Geschehnisse des Protagonisten hat eine Wirkung der Gegenerzählung, zweite Erzählung der Geschichte, die eine Täuschung des Protagonisten bezüglich der „Wahrheit“ aufweist. Der eigentliche „effect“ in „tale of effect“ ist es, die Macht der Realität und des Verstandes zu bestätigen.

Im Roman sind zwei Sujets zu beobachten: zum einen, ist es die eigentliche Handlung – die Seereise und die erlebten Abenteuer, zum aderen, das Thema des Unabwendbaren und Geheimnisvollen[4]. Der Protagonist des Romans Arthur Gordon Pym fühlt sich zum Meer und dem Abendteuer hingezogen. Sein Wunsch ist es, die Weiten des Meeres zu erkunden und die neue Entdeckungen zu machen. Die erste Erfahrung auf dem kleinen Boot „Ariel“ mit seinem Freund August und der Sturm,die ihm fast das Leben kosteten haben ihn nicht abgeschreckt. Im Gegenteil, er fand die Idee seines Freundes, dieses Abenteuer zu unternehmen „mad idea one of the most delightful and most reasonable things in the world“.[5] Gezwungen sich selbst und seinen Freund zu retten, aber überwältigt von der Wirkung des Alkohols und der Situation des Terrors, in der er sich befand, erliegt er letzendlich der Ohnmacht und dem „loud and long scream or yell, as if from the troats of a thousand demons“[6]. Als Pym zu sich kommt, ist er in der Lage seine Geschichte, bzw seine Version der Geschichte zu erzählen: „I found myself, upon reviving, in the cabin of a large whaling-ship bound to Nantucket... The mystery of our being in existence was now soon explained”.[7] Der Schrei, den Arthur für den der Dämonen hielt, war in Wirklichkeit die Warnsignale des Schiffes, der sich gerade neben dem sinkenden „Ariel“ befand. Diese Situation ist nur eine aus der Serie von Gefahrsituation, aus denen Arthur sich noch retten wird, um die Mission der Erforschung des Südpoles zu erfüllen.[8]

Die Literaturforscher sehen in den sich immer wiederholenden Episoden von Irreführung und glücklichen Rettung eine lineale Entwicklung und einen thematischen Zusammenhang: „a symbolic parable of how the mind moves from an assumed coherence and reality of things to a recognition that everything, even the most logivally substantial, is an illusion“[9]. Der charakteristische Merkmal Poes Geschichten und auch des Romans „Arthur Gordon Pym“ besteht darin, dass er seine Charaktere nicht nur an die Grenze ihres Bewusstseins und des Fassbaren führt, sondern auch zurück ins Reale, damit sie das „Erlebte“ erzählen können.

Um seinen Wunsch eine Meerreise zu unternehmen zu erfüllen, versteckte sich Arthur mir der Hilfe seines Freundes August im Laderaum eines Schiffes, der ... . Die absolute Isolation von der Aussenwelt, wie er dachte nur für Paar Tage, beunruhigte ihn nicht. Seine Ensamkeit dauerte aber anstatt nur Paar Tage immer länger und länger und wurde mehr und mehr unerträglicher. Die Gedanken über die Irrealität des Geschehens besuchten den Arthur immer öfter. Das Wasser und die Luft zum Atmen wurden immer weniger. Er kämpfte mir dem Schrecken, nicht mehr überleben zu können bis ein tiefer Schlaf ihn aus der Welt der Realität geholt hat. Seine Träume waren wirklich vom Horror erfüllt: „Every species of calamity and horror befell me. Among other miseries, I was smothered to death between huge pillows, by demons of the most ghastly and ferocious aspect. Immense serpents held me in their embrace, and looked earnestly in my face with their fearfully shining eyes. Then deserts, limitless, and of the most forlorn and awe-inspiring character, spread themselves out before me”[10]. Arthur träumte von dem riesigen tiefen Sumpf mit dem schwarzen Wasser. Es schien so zu sein, als würde ihn der Traum auf die Reise vorbereiten, die ihm Trauer und Tod bereiten soll. Als würde der Traum ihm den Umfang des Leidens, der ihm bevorsteht, vor Augen führen. Als Arthur voller Angst und Horror aus seinem Traum erwachte, konnte er im ersten Augenblick nicht die Realität von dem was er gerade geträumt hat unterscheiden. Da seine Uhr, die ihm vom Augustus gegeben worden war, stehen geblieben war, konnte er nicht einschätzen wie lange er geschlaffen hat. Das noch übrig gebliebene Hummelfleisch, das sein Leben aufrechterhalten sollte war nicht mehr essbar und wurde damit zum Zeichen des Todes und des ewigen Schlafes. Das Angstgefühl verliess ihn weiterhin nicht und brachte ihn immer mehr um seinen Verstand: “I have before stated more than once that my intellect, for some period prior to this, had been in a condition nearly bordering on idiocy. There were, to be sure, momentary intervals of perfect sanity, and, now and then, even of energy; but these were few”[11].

Schon auf den ersten Seiten des Romans bekommt der Leser die Möglichkeit, sich in die Innenwelt des Protagonisten hinein zu versetzen. Er setzt dabei auch für sich die Grenzen für eine Gefahr, die er in der Lage wäre selbst zu überstehen. Das Fantastische geschiet nicht nur auf den Seiten des Romans, sonder auch im Bewusstsein des Lesers. Edgar Po bietet ihm damit einen Spiegel, in dem der Leser die Tiefe eines eigenen Bewusstseins und Unterbewusstseins erforschen kann[12].

[...]


[1] Richard Kopley (Hrsg): Poe´s Pym: Critical Explorations, 1992, S.48-49.

[2] Ebd, S. 1.

[3] Edgar Allan Poe: The Narrative of Arthur Gordon Pym of Nantucket, New York 2005, S. vi (weiter zitiert als Arthur Gordon Pym)

[4] H.L. Borges: Discussion, 1932, S. 57.

[5] Arthur Gordon Pym, S. 4.

[6] Arthur Gordon Pym, S. 6.

[7] Ebd.

[8] Curtis Fukuchi: Poes Providential Narrative of Arthur Gordon Pym, in: ESQ: A Journal of the American Renaissance, 27:3, 1981, S. 150.

[9] Richard Kopley (Hrsg): Poe´s Pym: Critical Explorations, 1992, S. 50-51.

[10] Arthur Gordon Pym, S. 17.

[11] Ebd., S. 23.

[12] Jack Turner: Dream Journey: An Approach to Pym, in: Consciousness, Literature and the Arts. Archive, Vol 5, Nr 1 2004, S. 5.

Details

Seiten
18
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638556255
Dateigröße
494 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v62367
Institution / Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn – Englisches Seminar
Note
2,0
Schlagworte
Technik Darstellung Traumhaft-Fantastischen Narrative Arthur Gordon Edgar Romantik

Autor

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