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Das Weltwährungssystem von Bretton Woods

Hausarbeit (Hauptseminar) 2002 23 Seiten

VWL - Geldtheorie, Geldpolitik

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Die Währungssysteme bis Ende des 2. Weltkrieges
2.1. Der Goldstandard
2.2. Die Währungs- und Handelspolitik zwischen 1. und 2. Weltkrieg

3. Das System von Bretton Woods
3.1. Bestrebungen nach einem neuen Weltwährungssystem
3.2. Der Keynes-Plan
3.2.1. Historischer und politischer Hintergrund
3.2.2. Maßnahmen und ihre Ausgestaltung
3.3. Der White-Plan
3.3.1. Historischer und politischer Hintergrund
3.3.2. Maßnahmen und ihre Ausgestaltung
3.4. Betrachtung der Pläne im Kontext
3.5. Das Abkommen von Bretton Woods als Kompromiß zwischen beiden Plänen

4. Die Entwicklung des Weltwährungssystem
4.1. Das System in der Zeit zwischen 1946 und 1967
4.2. Scheitern des Bretton-Woods-Systems und die Gründe

5. Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Schon während des zweiten Weltkrieges wurden erste Versuche unternommen ein Weltwirtschaftssystem aufzubauen. Dazu gab es zwei Vorschläge. Der White-Plan, als amerikanischer Entwurf und der Keynes-Plan, als britischer Entwurf bildeten die Grundlage für das "Joint Statement by Experts on the Etablishment of an International Monetary Fund", welches seinerseits die Basis für die internationale Regierungskonferenz vom 1. bis 22. Juli 1944 im amerikanischen Bretton Woods war[1]. Die Konferenz legte den Grundstein für das internationale Währungssystem nach dem zweiten Weltkrieg, welches als das Bretton-Woods-System in die Geschichte einging.

Die Bemühungen um ein solches freies, multilaterales und stabiles Währungssystem ohne den Kreislauf kompetitiver Abwertungen der nationalen Währungen[2] lagen in den Erfahrungen aus dem Zusammenbruch des Goldstandards und der Zwischenkriegszeit begründet. Daher erscheint es im Rahmen dieser Arbeit sinnvoll auch den Goldstandard und die Zeit der zwanziger und dreißiger Jahre, in denen es keine internationalen Organisationen im Bereich der Währungs- und Handelspolitik gab, zu behandeln.

Um die teilweise unterschiedlichen Auffassungen der britischen und amerikanischen Entwürfe erklären zu können, müssen die historischen und politischen Hintergründe, die in den beiden Ländern zu dieser Zeit vorlagen, mit einbezogen werden. Diese liegen vor allem in der unmittelbaren Situation des jeweiligen Landes zum Ende des zweiten Weltkrieges verborgen.

Die ersten Aktivitäten für die Errichtung eines Weltwährungssystems begannen in den besagten Ländern bereits 1941, da man der Auffassung war, daß Frieden auch eine Folge eines internationalen Währungssystems und freien Welthandels ist[3].

2. Die Währungssysteme bis zum Ende des 2. Weltkrieges

2.1. Der Goldstandard

Der Goldstandard, als ein System fester Wechselkurse, war von 1870 bis 1914 die dominierende Währungsordnung. Die Grundlage dieser Ordnung war ein System

fester Wechselkurse, d.h. daß die Währungen der einzelnen Länder in festen Paritäten zum Gold fixiert waren. Das Papiergeld mußte jederzeit durch Gold ersetzt werden können, so daß das Gold in diesem System das einzige Reserveelement war. In dieser Zeit gab es keine Beschränkungen im internationalen Zahlungsverkehr. Die Veränderungen der Währungsreserven hatten direkte Auswirkungen auf das Geld- und Kreditvolumen. Es stieg bei Zuflüssen von Währungsreserven an und fiel bei Reserveabflüssen. Durch diesen Umstand hatte die Zahlungsbilanz einen entscheidenden Einfluß auf die inländische Geldversorgung. Der Ausgleich der Zahlungsbilanzen erfolgte zu dieser Zeit durch Preisanpassungen in den jeweiligen Ländern, jedoch hatten auch die Zentralbanken Eingriffsmöglichkeiten. Diese lagen bei defizitären Zahlungsbilanzen in der Erhöhung von Diskontraten und Offenmarktverkäufen und bei Zahlungsbilanzüberschüssen in Zinssenkungen. Offenmarktverkäufe werden im Rahmen restriktiver Wirtschaftspolitik genutzt, da sie einen Trend zur Zinssteigerung verursachen können, während Zinssenkungen expansiv wirken und die Geldmenge erhöhen.

Diese Maßnahmen verstärkten zumeist die Anpassungen und konnten auch nachteilig wirken, wenn sie zu stark waren. Solche nachteiligen Wirkungen zeigten sich dann als deflatorische oder inflatorische Veränderungen im binnenwirtschaftlichen Bereich[4].

Es läßt sich also erkennen, daß in der Zeit des Goldstandards die Wirtschaftspolitik unter dem Diktat der Zahlungsbilanz und des Wechselkurses stand, da die Sicherung des Wertes der Währung allgemein als wichtigstes Ziel angesehen wurde. Dieses Diktat der Zahlungsbilanz ist als ein typisches Problem fester Wechselkurssysteme zu sehen.

Ebenso nicht unproblematisch an der Konstruktion dieses Währungssystem war die Tatsache, daß die Veränderungen der Geldmenge, bei gegebenen Deckungsquoten bzw. Paritäten der einzelnen Währungen, wesentlich durch die Abbaurate der Goldvorkommen bestimmt wurden[5]. Da die Relationen zwischen Papiergeld und Gold gesetzlich fixiert waren, konnten aus diesen auch die Wechselkurse der einzelnen Währungen abgeleitet werden.

Diese Art des Weltwährungssystems war nie vertraglich fixiert, wurde jedoch weltweit akzeptiert. Dies war ziemlich bemerkenswert und gleichzeitig als größter Vorteil zu sehen, da so eine feste und freiheitliche Währungsordnung möglich wurde.

2.2. Die Währungs- und Handelspolitik zwischen 1. und 2. Weltkrieg

Nach dem 1. Weltkrieg waren die Voraussetzungen für das Aufrechterhalten der Goldwährung nicht mehr gegeben. Während des Krieges waren die Spielregeln des Goldstandards verlassen worden, was eine starke Ausweitung der Geldmenge zur Folge hatte.

Vor allem in der Endphase des Krieges finanzierten die Regierungen Nahrungsmittel und Kriegsmaterial mit "gedrucktem" Geld, so daß die Paritäten der Vorkriegszeit nicht mehr erreicht werden konnten. Dadurch hatten viele europäische Staaten, aber auch die USA starke Inflationen erfahren und es war nicht mehr möglich den Goldstandard mit den Vorkriegsparitäten wieder einzuführen[6]. Die meisten Goldreserven lagen nach dem Krieg in den Vereinigten Staaten und viele andere Länder litten unter Goldmangel[7].

Des weiteren war nun ein großes Problem fester Wechselkurse zum Tragen gekommen. In einem solchen System sind Inflation und Beschäftigungsschwankungen Weltphänomene, die vom Ausland ins Inland übertragen werden können. Dadurch hatten die nationalen Volkswirtschaften viel von ihrer Flexibilität eingebüßt.

Trotzdem gab es Versuche den Goldstandard wieder herzustellen. Da die meisten Länder jedoch einer Goldknappheit gegenüber standen wurde der Golddevisenstandard eingeführt oder zur Goldkernwährung übergegangen, bei denen die Goldeinlösepflicht gegenüber Privaten endete und auch andere Devisen als Reserven gehalten wurden. Ein anderer Versuch stellte die Konferenz von Genova 1922 dar, bei der festgelegt wurde, daß für alle Länder Dollar und Sterling als Zahlungsmittel gelten, außer für die USA und Großbritannien in denen Gold die Währungsreserve blieb. Dieser Versuch scheiterte schnell. England versucht gar ganz zum Goldstandard zurückzukehren. Alle Bemühungen konnten den Goldstandard langfristig nicht aufrecht erhalten, bis er schließlich 1936 völlig zusammenbrach. Es bestand nun ein System flexibler Wechselkurse. Die großen Inflationen, vor allem in den europäischen Ländern, verursachten aber stark schwankende Wechselkurse, was langfristig Zweifel über die Stabilität eines flexiblen Kurssystems bewirkte. Genau genommen gab es also seit dem Ende des ersten Weltkrieges keine globale, einheitliche währungspolitische Richtung mehr. Dieser Weg des unorganisierten Wechsels zwischen festem und flexiblem System ist zum großen Teil für den Zusammenbruch der damaligen Währungsordnung verantwortlich.[8]

In dieser Zeit gab es auch keine internationalen Abkommen über Währungszusammenarbeit oder über internationale Handelszusammenarbeit. Die europäischen Länder hatten während des Krieges viele Kredite von den Vereinigten Staaten aufnehmen müssen und Deutschland wurde im Versailler Vertrag mit hohen Reparationszahlungen belegt. Die Industrie der Vereinigten Staaten hingegen hatte während der Kriegszeit stark expandiert und fürchtet nun die ausländische Konkurrenz. Auch andere Nationen hatten diese Befürchtungen, so daß eine Regierung nach der anderen Handelsschranken errichtete. In einigen Staaten wurden Zölle eingeführt, andere legten Importquoten und weitere nicht-tärifäre Handelshemmnisse fest. Jedes Land versuchte nur seine eigenen Interessen und Volkswirtschaften zu schützen. Dies zeigte sich in der Ausweitung der Kredit- und Geldpolitik, sowie der gerade beschriebenen Wiederbelebung des Protektionismus und gipfelte in einem Wettlauf von Wechselkurssenkungen, da der Protektionismus deflatorische Wirkungen hatte und die nationalen Konjunkturen immer wieder ins Stocken brachte. Mit dem Zusammenwirken dieser verschiedenen Faktoren begann das langsame Abrutschen der Weltwirtschaft in die große Depression, die durch den schwarzen Freitag von 1929 ausgelöst wurde. Trotzdem oder gerade deswegen setzte man die restriktive Handelspolitik fort um die heimischen Volkswirtschaften zu stimulieren. Diese Maßnahme bewirkte, daß der globale Handel nach der Depression weniger stark zunahm als die Produktion.[9]

Als 1939 der zweite Weltkrieg ausbrach, waren die Länder, welche noch nicht zur restriktiven Politik übergingen, nun dazu gezwungen.

3. Das System von Bretton Woods

3.1. Bestrebungen nach einem neuen Weltwährungssystem

Wie schon erwähnt wurden bereits während des zweiten Weltkrieges Anstrengungen zum Aufbau einer Weltwährungsordnung unternommen. Die Planungen für eine solche internationale Währungsordnung gab es in Großbritannien seit 1940 und in den USA seit 1941. In erster Linie sollten die Fehler der Zwischenkriegszeit vermieden werden. Den Planern ging es insbesondere um die Vereinbarung eines internes und externes Gleichgewichtes, sowie um die Begrenzung internationaler Konflikte.[10] In den letzten 20 Jahren hatte man sowohl feste als auch völlig flexible Wechselkurse vorgefunden. Theoretisch haben flexible Wechselkurssysteme eindeutige Vorteile, aber es gibt drei erhebliche Nachteile. Erstens kreieren sie Risiken, die den internationalen Handel beeinträchtigen; zweitens werden Wechselkursänderungen, welche Veränderungen bei der Beschäftigung induzieren, als Instrument der Zahlungsbilanzanpassung genutzt und drittens können diese Kursänderungen Kapitaltransfers spekulativer Art hervorrufen. Die festen Wechselkursen machen diese Nachteile wett, da hier mehr als eine Währung von Änderungen betroffen sind, so daß die Wechselkursstabilisierung nicht länger ein nationales Problem ist. In der Zeit des Goldstandards definierte man eine Währung immer im Verhältnis zum Gold und nicht im Verhältnis zu einer anderen Währung. Dieser Punkt war von Beginn an die Ursache für Spannungen in diesem System. Die Erfahrung zeigte dann auch, daß die Wechselkursstabilität nicht durch die Anpassung des jeweiligen nationalen Einkommens erreicht werden kann, wenn diese Anpassungen Depressionen und Arbeitslosigkeit induzieren.[11]

Die Vorstellungen von den USA und Großbritannien waren unterschiedlich, jedoch gab es eine gemeinsame Haltung in wichtigen Fragen: Man war bestrebt Wechselkursänderungen einer internationalen Kontrolle zu unterwerfen, die

Währungsreserven. durch zusätzliche internationale Fazilitäten, zu ergänzen, die Zahlungspolitik zu überwachen und die Voraussetzungen für multilaterale Zahlungsmöglichkeiten zu schaffen.[12] Ziel war somit die Schaffung einer internationalen Finanzverfassung. Die britischen Pläne, ausgearbeitet von John Maynard Keynes, und die amerikanischen Pläne, ausgearbeitet von Harry Dexter White, waren die Grundlage für die Konferenz von Bretton Woods vom 1. bis 22. Juli 1944, an der 44 alliierte Staaten teilnahmen und die durch Großbritannien und die USA, als derzeit einflußreichste Länder, bestimmt war.

In der Literatur werden aber auch andere Gründe als die rein wirtschaftlichen genannt. So wird auch das Eingeständnis eines mißlungenen Friedensmanagments, sowie die Erkenntnis, daß es eine Fehlentscheidung war Deutschland die Reparationszahlungen des Versailler Vertrages mit ihren negativen Auswirkungen auf die Wirtschaft aufzubürden als ein Anstoß für die Konferenz von Bretton Woods gesehen.[13]

Keynes und White strebten beide nach einer offenen Weltwirtschaft und nach stabilen, aber veränderbaren, Wechselkursen. Die Unterschiede bestanden vor allem im Umgang mit Handelsungleichgewichten und mußten verhandelt werden. Keynes war der berühmteste Ökonom seiner Zeit, aber White repräsentierte die Nation, die damals die Hälfte des statistisch gemessenen Weltsozialprodukts erzeugte.

3.2. Der Keynes-Plan

Das Vereinigte Königreich wurde bei den Expertenverhandlungen 1943, welche erst zum "Joint Statement by Experts on the Etablishment of an International Monetary Fund" führten, der eigentlichen Grundlage der Konferenz von Bretton Woods, von John Maynard Keynes und seiner eigenen Studie vertreten. Diese Studie wird in der Literatur allgemein als Keynes-Plan bezeichnet.

[...]


[1] Vgl. Aschinger, 1973, S. 25.

[2] Vgl. Aschinger, 1973, S. 15.

[3] Vgl. Bordo, 1999, S. 429.

[4] Vgl Aschinger, 1973, S. 16.

[5] Vgl. Vahlens Kompendium, 1999, S. 578.

[6] Vgl. Husted/Melvin, 1995, S. 465.

[7] Vgl. Aschinger, 1973, S. 16.

[8] Vgl. Kenen, 2000, S. 445f.

[9] Vgl. Kenen, 2000, S. 213f.

[10] Vgl. Ethier, 1994, S. 628.

[11] Vgl. Kenen, 2000, S.448f.

[12] Vgl. Jarchow/Rühmann, 1993,

[13] Vgl. Grabbe, 1996, S. 2.

[14] Vgl. Jarchow/Rühmann, 1993, S. 107f.

Details

Seiten
23
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638138543
ISBN (Buch)
9783638911702
Dateigröße
532 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v6236
Institution / Hochschule
Universität Leipzig – Wirtschaftspolitik
Note
2,3
Schlagworte
Weltwährungssystem Bretton Woods Hauptseminar Weltwährungsordnung

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Titel: Das Weltwährungssystem von Bretton Woods