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Bilderbuchanalyse 'Der Ernst des Lebens'

Hausarbeit 2005 33 Seiten

Pädagogik - Schulpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Inhaltsangabe

3. Autoreninformationen
3.1. Sabine Jörg
3.2. Ingrid Kellner

4. Analyse
4.1. Thema
4.2. Zentrale Inhalte des Bilderbuches
4.2.1. Szenen mit kurzer Inhaltserläuterung
4.2.2. Besonderheiten in diesem Bilderbuch
4.2.3. Hauptpersonen
4.3. Idealvorstellung eines Kindes im Bilderbuch
4.4. Bildanalyse
4.4.1. Malstil und Technik
4.4.2. Farben und Grundstimmung
4.4.3. Interdependenz der Bilder
4.4.4. Ikonische Verarbeitung der beiden Themen
4.4.5. Wirkung der einzelnen Bilder
4.5. Textanalyse
4.5.1. Erzählter Inhalt
4.5.2. Sprache
4.5.3. Sprachliche Mittel
4.5.4. Entwicklung der Geschichte
4.6. Interdependenz

5. Beitrag des Buches zur Entwicklung und
5.1. Vorbereitung auf die Schule
5.2. Entwicklung der Ängstlichkeit
5.3. Welche Funktion kommt dem Bilderbuch in der
5.4. Sprachentwicklung

6. Schluss

7. Verwendete Literatur

8. Anhang

Erklärung

1. Einleitung

Die vorliegende Bilderbuchanalyse beschäftigt sich mit dem Bilderbuch „Der Ernst des Lebens“, das für Vorschulkinder konzipiert ist.

Dieses Bilderbuch behandelt zugleich zwei Thematiken: die Vorbereitung auf die Einschulung und die Angstentwicklung durch die Worte der Erwachsenen. Somit stellt sich das Buch in einem besonderen Kontext dar, der noch genauer erläutert wird.

Zunächst bietet die Bilderbuchanalyse eine kurze Inhaltsangabe, sowie Informationen über die Autoren, um die Rahmenbedingungen aufzuzeigen.

Mit diesem Wissen und Verständnis wird im Folgenden dann das Thema, die zentralen Inhalte des Buches, die Idealvorstellung des Kindes im Bilderbuch, die Bilder und der Text, sowie ihre Interdependenz analysiert.

Schließlich beschäftigt sich die Analyse noch mit dem Beitrag des Buches zur Entwicklung und Sozialisation des Kindes.

Das Bilderbuch „Der Ernst des Lebens“ wurde eingehend untersucht und auch auf seine Tauglichkeit gegenüber dem Kind als Leser geprüft. Dabei wurde vor allem der kritische Umgang mit dem Buch in den Vordergrund gestellt.

2. Inhaltsangabe

Das Bilderbuch „ Der Ernst des Lebens“ bearbeitet die Thematik der Vorbereitung auf die Einschulung sowie das Thema der Angstentwicklung bei Kindern.

Es handelt von dem fünfjährigen Mädchen Annette, das kurz vor ihrem sechsten Geburtstag und ihrer Einschulung steht. Doch Annette kann sich nicht richtig auf ihren Schulanfang freuen, denn die Erwachsenen erzählen ihr immer wieder von dem „Ernst des Lebens“, der sie dort erwartet. Diesen „Ernst des Lebens“ malt sich Annette in ihren Gedanken aus und sieht ihn darin mal als großen Felsbrocken, der auf sie fällt, dann als Monster, das all ihre Geburtstagsgeschenke verschlingt und als Geier, der sich in der Zeitung versteckt und die Erwachsenen mit traurigen Schlagzeilen mürrisch stimmt.

Doch an ihrem sechsten Geburtstag sieht Annette kein böses Monster auf dem Geburtstagstisch sitzen und auch die Einschulung ist alles andere als traurig. Ganz im Gegenteil: Annette lernt mit Eifer und Freude schreiben, lesen und rechnen, aber noch mehr Spaß findet sie daran mit ihrem Tischnachbarn zu schwätzen. Dieser heißt Ernst und so hat Annette endlich ihren „Ernst des Lebens“ gefunden.

3. Autoreninformationen

Das Bilderbuch „Der Ernst des Lebens“ wurde von Sabine Jörg verfasst und von Ingrid Kellner illustriert. Erstmals erschien es 1996 im Thienemann Verlag in Stuttgart/ Wien.[1]

3.1. Sabine Jörg

Die Autorin des Bilderbuches, wurde in Alsfeld geboren, ging in Bremen zur Schule und studierte in Bochum.

Zunächst arbeitete sie einige Jahre in der Forschung, später ging sie zum Fernsehen. Kurz danach verfasste sie ihr erstes Kinderbuch und entdeckte ihre Leidenschaft dafür.

Seitdem schreibt sie nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene, macht zudem Hörfunk- und Fernsehsendungen und ist ebenso in der Medienforschung tätig.

Heute lebt Sabine Jörg, mit ihrem „Ernst des Lebens“ und ihrer Tochter in München.[2]

3.2. Ingrid Kellner

Ingrid Kellner, die Illustratorin des Bilderbuches, wuchs auf dem Lindnerhof bei München auf.

In München besuchte sie die Schule, machte dort ebenfalls eine Lehre als graphische Zeichnerin und studierte an der Graphischen Akademie. Sieben Jahre lang arbeitete sie in Werbeagenturen und ging sogar für einige Monate nach New York.

Seit 1972 illustriert Ingrid Kellner jegliche Arten von Büchern, zum Beispiel Bilder-, Kinder-, Sach- und Schulbücher. Zudem schreibt sie aber auch eigene Geschichten und arbeitet ebenso wie Sabine Jörg für den Rundfunk und das Fernsehen.[3]

4. Analyse

4.1. Thema

Das Bilderbuch beinhaltet gleichzeitig zwei Themen.

Zum Einen behandelt das Buch die Einschulung beziehungsweise die Vorbereitung auf den Schulanfang. In diesem Kontext kommen auch die Ängste, Sorgen, Wünsche, Hoffnungen und Erwartungen vor, die zudem ihre Verwurzelung in dem zweiten Thema haben.

Dieses beschäftigt mit der Entwicklung der Angst unter ganz bestimmten Bedingungen. In diesem Falle werden die Worte der Erwachsenen in Betracht genommen. Denn die Erwachsenen, damit sind die Eltern, sowie die Schwester Annettes gemeint, erzählen ihr immer wieder von dem „Ernst des Lebens“, der sie in der Schule erwartet. Annette kann jedoch noch nichts mit dieser Redewendung anfangen und so stellt sie sich in ihren Gedanken ihren eigenen „Ernst des Lebens“ vor, der ihr Angst macht und sie traurig stimmt.

Beide Themen lassen sich gut miteinander verbinden, denn Annettes Einschulung könnte auch als Metapher für ein neues Denken stehen. Mit dem Schuleintritt und somit auch mit dem heranwachsenden Alter tritt das Kind von der prä-operationalen Stufe des Denkens in die konkret-operationale Stufe über. In dieser Stufe kann das Schulkind nun logische Denkprozesse tätigen und Denkprozesse umkehren. Diese erworbenen Fähigkeiten können das Kind nun in seinem Denken und Verstehen unterstützen, die Worte der Erwachsenen genauer und im richtigen Kontext zu überdenken.

Die Fülle der Themen in Bilderbüchern ist breit gefächert und reicht von neuen bis zu altbewährten Themen.[4] In dem nun vorliegenden Bilderbuch findet sich das Thema „Einschulung“ als altbewährt wieder.

Ob das andere Thema, die Herausbildung von Angst durch Worte der Erwachsenen, als ein altbewährtes Thema bezeichnet werden kann, bleibt wohl umstritten. Die Angst lässt sich zwar als Thema bezeichnen, das schon früh in Kinder- und Bilderbüchern seinen Ursprung fand, aber in dem nun vorliegenden Bilderbuch entsteht die Angst in einem neuen Kontext, denn sie wird durch Worte beziehungsweise einer für das Kind unverständlichen Redewendung der Erwachsenen ausgelöst. Doch auch diese Art von Kontext findet seine Bedeutung nicht nur heute, denn er kann mit dem „Nikolaus“ und dem „Bösen Mann“ verglichen werden. Wohl fast jedes Kind glaubte einmal an den Nikolaus, der wiederum durch die Redewendung der Erwachsenen entstand. Noch näher an den „Ernst des Lebens“ tritt der „böse Mann“, eine ebenso fiktive Figur, die in dem Kind Angst auslöst und die sich das Kind in seinen Gedanken selber zurecht malen muss.

Die Angst wird durch das altbewährte Thema der für Kinder unverständlichen Redewendungen hervorgerufen, aber dies steht alles in der Beziehung zur Einschulung, was dadurch ein neues Thema darstellt.

Fest steht, dass es sich in diesem Buch um wirklichkeitsnahe Themen handelt, die in der Umwelt des Kindes liegen. Der Erwachsene stellt in diesem Buch nur den Sekundärerleber dar.

4.2. Zentrale Inhalte des Bilderbuches

4.2.1. Szenen mit kurzer Inhaltserläuterung

Der auktoriale Erzähler schreibt in der Vergangenheit und die Handlung ergänzt sich fließend Szene an Szene. Die Szenen sind zum Teil auch monoszenisch dargestellt, dass heißt, pro Szene ein Bild. Jedoch könnte man einige Szenen auch zu einer übergreifenden Szene zusammentragen. So beinhalten die ersten drei Doppelseiten (= Bilder) die erste Szene, in der die Erwachsenen Annette den „Ernst des Lebens“ in verschiedenen Situationen erläutern.

Als zweite Szene, auf den Doppelseiten vier, fünf und sechs, folgen Annettes Gedanken, in denen sie sich den „Ernst des Lebens“ ausmalt.

Die siebte Doppelseite stellt eine Einzelszene dar, nämlich Annettes sechsten Geburtstag. Allerdings steht diese Szene schon als Einleitung für die Wende ins Positive.

Somit erläutern die Bilder acht, neun und zehn die vierte Szene, in der Annette ihre Einschulung und die ersten Tage in der Schule erlebt.

Die elfte Doppelseite stellt die fünfte Szene als Einzelszene dar. Annette zeigt hier die Ironie der Redewendung der Erwachsenen auf, indem sie ihren „Ernst des Lebens“ ihrer Familie vorstellt.

In allen Szenen steht Annette im Vordergrund, dies ist allein schon aus der Farbgebung erkennbar, denn Annette steht meist im Kontrast zu dem Raum, in dem die Szene spielt. Dies wird noch ausführlicher in 4.4 behandelt.

Bis zur 4. Szene ist die Wohnung der Raum des Bilderbuches, danach steht das Klassenzimmer beziehungsweise der Schulweg als Raum dar, und in der letzten Szene spielt sich wieder alles in der Wohnung ab.

4.2.2. Besonderheiten in diesem Bilderbuch

Die Besonderheit in diesem Bilderbuch liegt an den zwei Themen, die eigenständig in eine Geschichte verpackt sind. Jedoch scheint es, bei der Betrachtung des Ablaufes der Geschichte und der Anordnung der Bilder, als sei das Thema der Einschulung in das Themenfeld der Angstentwicklung eingebettet. In diesem Kontext erhalten beide Themen eine neue Bedeutung.

4.2.3. Hauptpersonen

Die Hauptperson des Bilderbuches ist Annette, die in jeder Szene und auf jedem Bild zu finden ist. Sie bedingt durch ihre Gedanken eine weitere Hauptperson: „Den Ernst des Lebens“. Zunächst wird der dieser in fiktiven Figuren in den Gedanken Annettes dargestellt, später erscheint er jedoch als Person, als Annettes realer Schulfreund.

Die Erwachsenen (= die Familie Annettes) sind zwar nicht als Hauptpersonen des Bilderbuches herauszustellen, aber da sie der Auslöser für Annettes Gedanken und somit ihre Angst sind, sollte auch ihnen ein besonderer Grad an Bedeutung verliehen werden.

4.3. Idealvorstellung eines Kindes im Bilderbuch

„Es wird in den Bilderbüchern eine Vorstellung dessen präzisiert, wie Kinder der jeweiligen Zeit sind oder waren bzw. wie sie von Erwachsenen gewünscht werden oder wurden.“[6][5]

Dieses Zitat erläutert den Wandel, den das Bilderbuch im Laufe der Zeit mitmacht. Kinder von heute denken und handeln oft schon in anderen Maßstäben, als es die Kinder vor 50 Jahren gemacht haben.

Dieses Bilderbuch behandelt das Thema der Einschulung in einem anderen Kontext als es vergleichbare Bücher gemacht haben. So ist mir aus meiner eigenen Grundschulzeit das Bilderbuch „Die Hasenschule“ bekannt, das nur auf die Schulzeit und nicht auf äußere Bedingungen eingeht. In dem nun vorliegenden Buch wird allerdings einen Schritt weiter gegangen und das Thema Angst miteinbezogen.

Hier stellt sich dann auch die Idealvorstellung vom Kind heraus. Annette wird zunächst noch in ihrem kindlichen Egozentrismus dargestellt und zeigt prä-operationale Denkmuster auf, die das naive Denken im Vorschulbereich als typisch charakterisieren. Die Erwachsenen erscheinen zunächst als Vorbild, doch Annette erschließt sich im Laufe der Geschichte ihre eigene Welt und lässt somit die Worte der Erwachsenen als ironisch erscheinen. Weiterführend lässt sich somit die Gedankenwelt Annettes erläutern, die in dem vorschulischen Stadium bereits strukturierte Denkmuster aufweist.

[...]


[1] Der Ernst des Lebens; Jörg, Sabine; Kellner, Ingrid, Seite 23, 24

[2] Der Ernst des Lebens; Jörg, Sabine; Kellner, Ingrid, Seite 23, 24

[3] Der Ernst des Lebens; Jörg, Sabine; Kellner, Ingrid, Seite 23, 24

[4] Das Bilderbuch in der pädagogischen Diskussion, Niermann, M. Monika, 1979, S. 113

[5] Das Bilderbuch in der pädagogischen Diskussion, Niermann, M. Monika, 1979, S. 16

[6] Das Bilderbuch in der pädagogischen Diskussion, Niermann, M. Monika, 1979, S. 16

Details

Seiten
33
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638555975
Dateigröße
539 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v62333
Institution / Hochschule
Pädagogische Hochschule Freiburg im Breisgau – Institut für Erziehungswissenschaft
Note
2,5
Schlagworte
Bilderbuchanalyse Ernst Lebens Bilderbuch

Autor

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Titel: Bilderbuchanalyse 'Der Ernst des Lebens'