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Markteintrittsstrategien multinationaler Unternehmungen für die Volksrepublik China

Masterarbeit 2006 113 Seiten

BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Abstract

III. Abbildungsverzeichnis

IV. Tabellenverzeichnis

V. Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Fragestellung
1.2 Zielsetzung und Vorgehen

2. Investitionsstandort Volkrepublik China
2.1 Geographie, Klima und Bevölkerung
2.2 Politische Rahmenbedingungen
2.3 Rechtliche Rahmenbedingungen
2.4 Ökonomische Rahmenbedingungen
2.4.1 Wirtschaftliche Entwicklung der VR China
2.4.2 Außenwirtschaftliche Entwicklung
2.4.3 Entwicklung der ausländischen Direktinvestitionen
2.5 Bevorzugte Investitionsregionen
2.5.1 Bohai-Küsten-Region
2.5.2 Changjiang-Delta-Region
2.5.3 Zhujiang-Delta-Region
2.6 Soziokulturelle Rahmenbedingungen
2.6.1 Historie und Grundlage der chinesischen Kultur
2.6.2 Ausgewählte managementrelevante kulturelle Aspekte
2.7 Bewertung des Standortes China

3. Markteintrittsstrategien
3.1 Standortwahl
3.2 Markteintrittszeitpunkt
3.3 Markteintrittsformen
3.3.1 Grad der Lokalisierung
3.3.2 Art der Investition
3.3.3 Form der Organisation

4. Bezugsrahmen
4.1 Strategische Dimension
4.2 Interkulturelle Dimension
4.3 Politisch/Administrative Dimension
4.4 Ökonomische Dimension

5. Analyse der Organisationsformen
5.1 Sino-Foreign Contractual Joint Ventures
5.2 Sino-Foreign Equity Joint Ventures
5.2.1 Grundlagen
5.2.2 Voraussetzungen
5.2.3 Motive der Investoren
5.2.3.1 Aus chinesischer Perspektive
5.2.3.2 Aus ausländischer Perspektive
5.2.4 Prozess während des Lebenszyklus eines EJV
5.2.4.1 Initiierungsphase
5.2.4.2 Verhandlungsphase
5.2.4.3 Integrations- und Controllingphase
5.2.4.4 Liquidationsphase
5.3 Foreign Invested Company Limited by Shares
5.4 Wholly Foreign Owned Enterprises
5.4.1 Grundlagen
5.4.2 Voraussetzungen
5.4.3 Motive des Investors
5.4.4 Prozess während des Lebenszyklus einer WFOE
5.4.4.1 Initiierungsphase
5.4.4.2 Verhandlungsphase
5.4.4.3 Integrations- und Controllingphase
5.4.4.4 Liquidationsphase

6. Strategische Handlungsalternativen
6.1 Kooperative Akquisition
6.2 Multilaterales Netzwerk

7. Fazit
7.1 Allgemeine Ergebnisse
7.2 Ansatzpunkte zur individuellen Bewertung
7.3 Handlungsempfehlungen

VI. Literaturverzeichnis

VII. Anhang

VIII. Eidesstattliche Erklärung

Abstract

Für viele multinationale Unternehmungen stellt die Volksrepublik China, mit ihrem dynamischen Wirtschaftswachstum, einen attraktiven Investitionsstandort dar. Diese Arbeit zeigt Markteintrittsstrategien für internationale Investoren auf, die an dieser dynamischen Entwicklung partizipieren wollen. Sie stellt dabei insbesondere auf die Wahl der optimalen Organisationsform für langfristige Direktinvestitionen im chinesischen Umfeld ab. Analysiert werden hierbei alle in der Volksrepublik China gängigen Formen der Organisation, beginnend von der Kooperationsunternehmung bis hin zur hundertprozentigen Tochtergesellschaft, nach strategischen, interkulturellen, politisch/administrativen und ökonomischen Gesichtspunkten. Als Ergebnis dieser Studie lässt sich postulieren, dass sich im Allgemeinen Vorteile für Kooperationsunternehmen nur im politisch/administrativen Umfeld und teilweise bei interkulturellen Herausforderungen identifizieren lassen. Hundertprozentige Tochtergesellschaften hingegen punkten nicht nur aus interkultureller, sondern auch aus ökonomischer und strategischer Sicht. Eine abschließende Bewertung der zur Verfügung stehenden Organisationsformen kann jedoch nur auf den individuellen Fall bezogen durchgeführt werden. Um diese individuelle Bewertung durchführen zu können, zeigt diese Arbeit Aspekte auf, die bei der Wahl der Form der Organisation vom Management der multinationalen Unternehmung berücksichtigt werden müssen. Darüber hinaus zeigt diese Arbeit mit den hybriden Organisationsformen zwei Handlungsalternativen für das Management auf und ordnet diese in die Handlungsempfehlungen für die Wahl der optimalen Organisationsform ein.

Schlagwörter : China, Markteintrittsstrategie, Investitionsstandort, Organisationsform Joint Ventures, Equity Joint Ventures, Contractual Joint Ventures, Foreign Invested Company Limited by Shares, Wholly Foreign Owned Enterprises

III. Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Bevorzugte Investitionsregionen der VR China (Quelle: Eigene Darstellung)

Abbildung 2: Dimensionen der in der VR China existenten Markteintrittsformen (Quelle: Eigene Darstellung nach Welge et al., 2003: 99)

Abbildung 3: Entscheidungsbaum für den Grad der Lokalisierung (Quelle: Eigene Darstellung nach Welge et al., 2003: 73)

Abbildung 4:Bezugsrahmen zur Bewertung der Organisationsformen (Quelle: Eigene Darstellung)

Abbildung 5:Topographische Landkarte der VR China (Quelle: o.V., 2006: 1)

Abbildung 6: Administrative Landkarte der VR China (Quelle: o.V., 2006: 1)

Abbildung 7: Durchschnittliche jährliche Niederschlagsmenge (Quelle: o.V., 2006: 1)

Abbildung 8: Karte der Bevölkerungsdichte in der VR China (Quelle: o.V., 2006: 1)

Abbildung 9: Bodenschätze und natürliche Ressourcen in der VR China (Quelle: o.V., 2006: 1)

Abbildung 10: Bodennutzung für die Agrarwirtschaft in der VR China (Quelle: o.V., 2006: 1)

IV. Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Chance und Risiken von FDI in der VR China

Tabelle 2: Allgemeine Ergebnisse in Bezug auf die strategische Dimension

Tabelle 3: Allgemeine Ergebnisse in Bezug auf die interkulturelle Dimension

Tabelle 4: Allgemeine Ergebnisse in Bezug auf die politisch/administrative Dimension

Tabelle 5: Allgemeine Ergebnisse in Bezug auf die ökonomische Dimension

Tabelle 6: Ansatzpunkte zur individuellen Bewertung

V. Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Kaum ein Tag vergeht, an dem die Presse nicht über die dynamische wirtschaftliche Entwicklung der Volksrepublik China berichtet. Längst ist der wirtschaftliche Wiederaufstieg des „Reichs der Mitte“ auch in deutschen Haushalten und Unternehmungen spürbar. So verwundert es heute niemanden, dass sein Fernsehgerät mit „Made in China“ gekennzeichnet ist. Mit einer ähnlichen Selbstverständlichkeit bezieht auch die deutsche Industrie Teile ihrer Zulieferkomponenten aus China. Vertrieben werden diese Produkte dennoch unter Marken internationaler Konzerne wie zum Beispiel Sharp oder Bosch. Versteht man dies als Indiz, so lässt sich erahnen, wie sehr die Weltwirtschaft bereits vom Produktionsstandort China profitiert. Um an dem enormen Wirtschaftwachstum zu partizipieren, sind bereits heute die meisten der 100 größten Unternehmungen in der Volksrepublik China tätig (Holtbrügge et al., 2005: 1). Schenkt man Baron glauben, so ist der Zuwachs an Effizienz, den die chinesische Volkswirtschaft in den vergangenen zwei Jahrzehnten zu verzeichnen hatte, sogar fast ausschließlich durch internationale Investoren getrieben (Baron et al., 2005: 24). Es sind aber nicht nur die günstigen Produktionsbedingungen, die den Standort China so attraktiv machen, denn das Land verfügt über einen der weltweit größten Binnenmärkte, welchen es für viele Unternehmungen noch zu erschließen gilt.

Voraussetzungen für diese Entwicklungen waren „(...) market-orientated reforms and the »opening up« policy pursued by China (...)“ (Tseng at al., 2002: 2). Seit der außenwirtschaftlichen Öffnung des Landes im Jahre 1978 wurden inzwischen mehr als 500 Mrd. US-$ von ausländischen Unternehmungen in der Volksrepublik China investiert, wovon alleine 53,5 Mrd. US-$ auf das Jahr 2003 entfielen (vgl. Holtbrügge et al.,2005: 1). Legt man diese Zahlen zu Grunde, so ist offensichtlich, dass im Laufe der Zeit die Zahl der Unternehmungen, die sowohl von den chinesischen Produktionsbedingungen als auch von der Attraktivität des chinesischen Binnenmarktes überzeugt sind und deshalb ihre Expansionspolitik Richtung China ausrichten, ständig gewachsen ist.

Die Entscheidung der multinationalen Unternehmungen für Investitionen in den Standort China ist getrieben durch Herausforderungen, mit denen sie sich auf den Weltmärkten konfrontiert sehen. Diese ergeben sich hauptsächlich aus dem gegenwärtigen Prozess der Globalisierung. Um vor dem Hintergrund eines zunehmenden Wettbewerbsdrucks auf den globalen Märkten erfolgreich operieren zu können, bedarf es oftmals einer strategischen Neuausrichtung der Unternehmungen. Als Konsequenz daraus gilt es für das Management der Unternehmungen, Erfolgsstrategien zu entwickeln und zu implementieren, die hinsichtlich der internationalen Kapitalmobilität und des internationalen Standortwettbewerbs nachhaltige Erfolge in den verschiedenen Ländern sicherstellen. Dies macht in zunehmendem Maße Direktinvestitionen in den Zielmärkten notwendig, da sich so komplexe nationale Märkte, wie der der Volksrepublik China effizienter erschließen lassen (vgl. Gutowski, 2005: 5).

1.1 Fragestellung

Die meisten multinationalen Unternehmungen „(...) agree that entering China is not an option but a strategic necessity for their future” (Teng, 2004: 381). Aus dieser Perspektive heraus stellt sich für viele multinationale Unternehmungen weniger die Frage, ob man in der Volksrepublik China investieren solle, sondern vielmehr, wie man im womöglich komplexesten Markt der Welt investieren und wie man das eigene Engagement strukturieren und managen solle (vgl. Schlevogt, 2000b: 201). Aus dieser Fragestellung heraus lassen sich die Zielsetzung sowie das weitere Vorgehen dieser Arbeit ableiten.

1.2 Zielsetzung und Vorgehen

Diese Masterarbeit leistet einen Beitrag zur Diskussion, welche Strategien multinationale Unternehmungen bei Direktinvestitionen in der Volksrepublik China verfolgen sollten. Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt dabei auf der Wahl der optimalen Organisationsform für eine internationale Direktinvestition. Hierfür werden die vier in der Volksrepublik China bekannten Organisationsformen für ausländische Direktinvestitionen, nämlich das Cooperative Joint Venture[1] (CJV, vertragliche Kooperation), das Equity Joint Venture[2] (EJV, Gemeinschaftsunternehmen), die Foreign Invested Company Limited by Shares[3] (FICLS, ausländische Kapitalgesellschaft) und die Wholly Foreign-Owned Enterprise[4] (WFOE, hundertprozentige Tochtergesellschaft), hinsichtlich ihrer konzeptionellen Eignung überprüft. Im Folgenden werden die geeigneten Organisationsformen auf strategischer, interkultureller politisch/administrativer, und ökonomischer Ebene untersucht und gegenübergestellt. Ziel dieser Analyse ist es, dem Management von multinationalen Unternehmungen prinzipielle Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Investitionsmöglichkeiten aufzuzeigen, einen Leitfaden für eine detaillierte und situative Bewertung der konkreten Möglichkeiten bereitzustellen und strategische Handlungsalternativen aufzuzeigen.

Um die Ziele dieser Untersuchung zu erreichen, gliedert sich diese Arbeit in sieben Kapitel. Im Anschluss an die obige Einführung in die eigentliche Thematik werden im zweiten Kapitel die Rahmenbedingungen am Investitionsstandort China näher beleuchtet. Um eine Einordnung der Thematik zu erreichen, werden im dritten Kapitel die Gegenstände der Untersuchung aus dem Kontext der Unternehmensstrategie abgeleitet. Im vierten Kapitel werden die für die Fragestellung relevanten Bewertungskriterien definiert, ausführlich erläutert und zu einem Bezugsrahmen zusammengefasst. Zur Anwendung kommt dieser Bezugsrahmen im nächsten Kapitel. Mit seiner Hilfe werden die im Laufe der Lebensphase einer Unternehmung auftretenden Aspekte auf ihre Entscheidungsrelevanz bezüglich der Organisationsform bewertet. Da die Lebensphasen von der Form der Organisation abhängig sind, wird diese Untersuchung für jede geeignete Organisationsform durchgeführt. Nachdem im weiteren Verlauf strategische Handlungsalternativen aufgezeigt wurden, werden im nächsten Kapitel die Ergebnisse dieser Untersuchungen erst allgemein gegenübergestellt. Im zweiten Schritt wird ein Leitfaden zur situativen Bewertung vorgestellt. Die Arbeit schließt mit konkreten Handlungsempfehlungen für potenzielle Investoren.

2. Investitionsstandort Volkrepublik China

Die Beschreibung des Standortes China[5] beginnt mit einer geographischen und klimatischen Einordnung des Landes. Die ebenfalls in diesem Abschnitt beschriebene Bevölkerungsentwicklung Chinas ist einer der Auslöser für den politischen Transaktionsprozess, welcher im nächsten Abschnitt beschrieben wird. Die Umsetzung dieses politischen Prozesses kommt in den rechtlichen Rahmenbedingungen zum Ausdruck, welche einerseits Einfluss auf die unterschiedlichen Unternehmensformen haben, und andererseits die Grundlage für den ökonomischen Erfolg der VR China bilden. Dieser Erfolg konzentriert sich, gesteuert durch Politik und Administrative, nach wie vor auf bevorzugte Investitionsregionen. Genau so wichtig wie die detaillierten Kenntnisse des Investors über diese Regionen ist die Kenntnis der soziokulturellen Rahmenbedingungen in der VR China, welche im letzten Abschnitt dieses Kapitels erläutert werden.

2.1 Geographie, Klima und Bevölkerung

Das Territorium der Volkrepublik China umfasst eine geographische Entfernung von mehr als 49 Breitengraden und erstreckt sich vom Fluss Heilongjiang bis zum Zengmu-Riff am südlichen Ende der Nansha-Inselgruppe im Südchinesischen Meer. Von Ost nach West umfasst China mehr als 60 Längengraden und erstreckt sich vom Zusammenfluss der Flüsse Heilongjiang und Wusulijiang bis zum Pamir-Hochplateau. Sowohl von Norden nach Süden als auch von Westen nach Osten beträgt die geographische Ausdehnung jeweils über 5.000 km (vgl. Holtbrügge et al., 2005: 5).

Das Land liegt in Asien und grenzt an 14 unterschiedliche Staaten. Im Osten grenzt China an Nordkorea, im Nordosten an Russland, im Norden an die Mongolei, im Nordwesten an Kasachstan, Kirgisien und Tadschikistan, im Westen an Afghanistan und Pakistan, im Südwesten an Indien, Nepal und Bhutan, sowie im Süden an Myanmar, Laos und Vietnam. Im Süden und Osten besitzt China ebenfalls eine lange Seegrenze. Hier grenzt das chinesische Festland an das Südchinesische Meer, das Ostchinesische Meer, das Gelbe Meer, und das Bohai-Meer. Innerhalb dieser Grenzen umschließt die VR China eine Landfläche von 9,6 Mio. km2 und ist damit nach Russland und Kanada das Land mit der drittgrößten Fläche weltweit (vgl. Abbildung 5 im Anhang).

Die Topologie der VR China lässt sich in eine vierstufige Formation aufteilen. Angefangen vom Hochplateau des Himalajas mit insgesamt sieben über 7000m hohen Bergen im äußersten Westen, fällt diese Formation in östlicher Richtung bis zum Festlandsockel allmählich ab. Auf dem Festlandsockel haben die mehr als 1500 Flüsse besonders große infrastrukturelle Bedeutung. Der längste dieser Flüsse ist der Changjiang[6] -Fluss. Mit seinen 6300 km Länge ist er nach dem Nil und dem Amazonas der drittlängste Fluss der Welt. Der Changjiang speist unter anderem den umstrittenen Drei-Schluchten-Staudamm[7] in der Provinz Hubei. Neben den natürlichen Wasserwegen hat vor allem der Jinghang-Kanal große Bedeutung für die Infrastruktur des Landes. Obwohl der Bau schon im 5. Jahrhundert v. Chr. begonnen wurde, ist der Kanal mit seinen 1801 km nach wie vor die längste künstliche Wasserstraße der Erde. Der damit auch älteste Kanal reicht von Beijing bis nach Hangzhou und verbindet auf seinem Weg die fünf großen Flusssysteme des Haihe, des Gelben Flusses, des Huaihe, des Yangtze und des Quiantangjian miteinander (vgl. Holtbrügge et al., 2004: 3).

Neben großen Flächen von Wäldern, Ackerland und Weideland verfügt die VR China über weit ausgedehntes Grasland, Ödland und auch über große Wüsten. Konzentriert sich das Ackerland hauptsächlich im Osten, so ist im Norden und Westen hauptsächlich Grasland zu finden. Ausgedehnte Waldflächen finden sich dagegen im Nordosten und Südwesten (vgl. Abbildung 10 im Anhang). Obwohl die Ackerflächen in absoluten Zahlen beträchtlich sind, entfällt auf jeden Chinesen, dank der großen Bevölkerung, trotzdem nur ein Drittel der Ackerfläche des Weltdurchschnitts (vgl. Holtbrügge et al., 2005: 6).

Die VR China ist ein Land mit reichen Bodenschätzen. Bis heute wurden insgesamt 171 verschiedene Bodenschätze gefunden, wovon 158 in abbauwürdigen Mengen existieren. Obwohl das Land im internationalen Vergleich der Gesamtvorräte an Bodenschätzen auf dem 3. Platz rangiert, beträgt das Pro-Kopf-Aufkommen nur zwei Drittel des Weltdurchschnitts. Das mit rund 1000 Mrd. Tonnen größte Vorkommen besteht aus Kohle und ist in Nord- und Nordwestchina zu finden. Die gesicherten Reserven an Eisen betragen 45 Mrd. Tonnen und konzentrieren sich auf Nordost-, Nord- und Südwestchina. Unter den zahlreichen anderen über China verteilten Vorkommen befinden sich auch signifikante Erdöl- und Naturgasreserven in Nordost-, Nord- und Nordwestchina (vgl. Holtbrügge et al., 2004: 4; Abbildung 9 im Anhang).

Da die VR China im Osten des asiatischen Kontinents und am Pazifik liegt, hat das Land ein ausgeprägtes Monsunklima. Aufgrund des weiten Territoriums, der komplizierten Bodengestaltung und der großen Höhenunterschiede weist China vielfältige Klimazonen auf, die sich von Süden nach Norden nacheinander in die tropische, die subtropische, die warmgemäßigte, die gemäßigte und die kaltgemäßigte Zone unterteilen. Im Winter ist das Klima in den meisten Landesteilen durch Kälte und durch einen großen Temperaturunterschied zwischen dem Norden[8] und dem Süden[9] gekennzeichnet. Dieser Temperaturunterschied ist im Sommer deutlich weniger ausgeprägt, da hier landesweit hohe Temperaturen herrschen. Die Verteilung der Niederschläge verändert sich, im Gegensatz zu den Temperaturen, über ein Südost-Nordwest-Gefälle. Die meisten Niederschläge treten in den Sommermonaten auf, wobei sich auch hier regionale Unterschiede erkennen lassen (vgl. Holtbrügge et al., 2005: 6; Abbildung 7 im Anhang).

In der VR China lebt mit rund 1,3 Mrd. Menschen ein Viertel der Weltbevölkerung. Zwar konnte durch staatliche Regulierungsbemühungen das Bevölkerungswachstum gebremst werden, dennoch liegt die relative Wachstumsrate trotz Ein-Kind-Politik bei knapp einem Prozent.[10] Nimmt man die in den letzten 50 Jahren um 30 Jahre gestiegene durchschnittliche Lebensdauer hinzu, so wird deutlich, dass sich die Bevölkerungspyramide Chinas mehr und mehr der Urnenform westlicher Industrienationen annähert. Der überwiegende Teil der chinesischen Bevölkerung sind Han-Chinesen. Der restliche Teil unterteilt sich in 55 nationale Minderheiten und Ausländer mit chinesischer Staatsangehörigkeit. Ein Problem stellt die seit 1978 anhaltende Binnenmigration in die Städte und Küstenregionen dar (vgl. Abbildung 8 im Anhang). Ausgelöst wurde dieser Strom von geschätzten 80 bis 150 Mio. Menschen unter anderem durch einen politischen Umdenkprozess und die damit einhergehende schwächere Kontrolle der Migrationströme (vgl. Holtbrügge et al., 2004: 4f; Taubmann, 2003: 2ff; Schlevogt: 2000a: 100).

Der oben beschriebe politische Umdenkprozess ist nicht nur für die regionale Disparität in der VR China verantwortlich, sondern bildet vielmehr die Grundlage der politischen Rahmenbedingungen des modernen Chinas, auf die im nächsten Abschnitt detaillierter eingegangen werden soll.

2.2 Politische Rahmenbedingungen

Nach Jahrzehnten einer geschlossenen Volkswirtschaft und Abkopplung vom Weltmarkt, begann die chinesische Regierung unter der Führung von Deng Xioping zwei Jahre nach dem Tod von Mao Zedong mit einer vorsichtigen Liberalisierungs- und Öffnungspolitik. Ziel dieser Politik war es, durch eine zunehmende Integration Chinas in die Weltwirtschaft, den weltwirtschaftlichen Einfluss der Volksrepublik zu stärken (vgl. Holtbrügge et al., 2005: 6; Bühler, 2000: 9). Neben dieser außenwirtschaftlichen Öffnung leitete die kommunistische Partei Chinas[11] (KPCh) mit ihren Reformbeschlüssen aus dem Jahre 1978 auch eine Transformation des chinesischen Wirtschaftssystems ein. Diese Reform hatte zunächst eine Steigerung der Effizienz der bestehenden Strukturen in ökonomischer, politischer und sozialer Hinsicht zum Ziel (vgl. Meng, 2003: 1). Nach Gutowski konnte sich die KPCh aufgrund ideologischer Auseinandersetzungen bezüglich Richtung und Geschwindigkeit nicht für eine der typischen Transaktionsstrategien - Schocktherapie und Gradualismus – entscheiden. Deshalb verfolgte sie einen „(...) path of incremental reforms instead of fundamental changes, »shock therapies«, or »big bangs«“ (Schlevogt, 2000a: 93) als strategischen Ansatz für den nichtstaatlichen marktorientierten Sektor parallel zur bewährten Strategie für den staatlichen planorientierten Sektor (Gutowski, 2003: 11ff). Dieser zweigleisige Reformansatz lässt sich charakterisieren als „(…)a policy of opening and economic reforms (gaige kaifeng) while holding on to the communist ideology in the political sphere” (Schlevogt, 2000a: 88). Um diese Politik durchsetzen und kontrollieren zu können, entschied sich die KPCh, schrittweise marktwirtschaftliche Elemente in einen Teil des planwirtschaftlich organisierten Wirtschaftsystems einzuführen und den technischen und wirtschaftlichen Austausch mit dem Ausland zu fördern. Neben dem Ausbau der Außenhandelsbeziehungen wurden ausländische Direktinvestitionen[12] (FDI) gezielt gefördert, um den Ausbau des nichtstaatlichen marktorientierten Sektors voranzutreiben. Abgesehen von dem Zufluss ausländischen Kapitals versprach sich die chinesische Regierung Zugang zu modernen Technologien und Know-how, um damit die Voraussetzungen für ein langfristiges Wirtschaftswachstum zu schaffen (vgl. Meng, 2003: 3).

Schon von Beginn an war den politisch Verantwortlichen der VR China klar, dass „ (...) the reform process cannot be rolled back, but its speed is subject to debate” (Schlevogt, 2000a: 96). Wie jeder Prozess lässt sich auch der Reformprozess, hin zur so genannten sozialistischen Marktwirtschaft, in seine Prozessschritte zerlegen. Da die chinesische Staatsregierung traditionell in 5-Jahres-Schritten plant, würde sich eine an die 5-Jahrespläne angelehnte Aufteilung anbieten. Berücksicht man jedoch, dass die 1978 begonnene Reform noch heute andauert, so erscheint diese Aufteilung zu fein. Meng untergliedert den Reformprozess deshalb in eine erste Phase bis 1992, die man als „(...) Vorbereitungsphase auf den Bedarf marktwirtschaftlicher Gesetzmäßigkeiten identifizieren kann“, gefolgt von der zweiten Phase, die die „tatsächliche Umstrukturierung zur Marktwirtschaft“ zum Ziel hat und bis heute andauert (vgl. Meng, 2003: 1).

Als integraler Bestandteil des Reformprozesses spiegelt sich auch die Öffnung der VR China hinsichtlich FDI in den zwei Phasen wider, wobei die Summe der in jeder Phase zur Verfügung stehenden Investitionsmöglichkeiten als Indikator für den Grad der Öffnung dienen kann (vgl. Bühler, 2000: 13). Im Folgenden werden die beiden Phasen hinsichtlich der Investitionsmöglichkeiten und der chinesischen Zielsetzung kurz analysiert.

In der ersten Phase wurde neben der allgemeinen Wirtschaftsreform auch mit der Liberalisierung der bis dahin strengen Zulassungskontrollen für ausländisches Kapital begonnen. Hauptziel die Liberalisierung war es, die Auswirkungen von FDI auf die Wirtschaftsentwicklung ausgewählter Regionen zu analysieren, um diese Erfahrungen bei der weiteren Öffnung einfließen zu lassen. Neben vier neu errichteter Special Development Zones[13] (SDZ) wurden für diese Analyse auch einige chinesische Küstenstädte, so genannte Open Coastal Cities[14] (OCC) ausgewählt. Nicht zuletzt wegen des sicheren ökonomischen Umfelds der Standorte und den attraktiven Konditionen waren in der Folge einige internationale Investoren in der Lage, Produktionsvorteile zu realisieren. Da sich die Unternehmungen schon bei ihrer Gründung verpflichten mussten, den größten Teil ihrer Produktion zu exportieren, konnte somit der Zweck einer Integration in die internationale Arbeitsteilung über ein allmählich ansteigendes Exportvolumen erreicht werden (Schlevogt: 2000a: 97f).

Zu Beginn der zweiten Phase wurde „(...)the move from the »socialist planned-commodity economy« to the »socialist market economy,« which initially had been agreed upon by the 14th National Party Congress one year earlier (…)” auch formal als langfristige Strategie der VR China bestätigt (Schlevogt, 2000a: 95). Zwar wurde die bis dato erfolgreiche Durchführung der Wirtschaftsreformen zusätzlich beschleunigt und ausgeweitet, doch standen von Beginn der zweiten Phase an kurzfristige Zugeständnisse vorteilhafter Konditionen an internationale Investoren weniger im Vordergrund als nachhaltige Maßnahmen zur Sicherung der langfristigen Engagements der internationalen Unternehmungen. Mit dieser Anpassung der Strategie will die VR China zusätzlich zur Umstrukturierung zur sozialistischen Marktwirtschaft auch eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung des Landes erreichen (vgl. Bühler, 2000: 20).

Um eine flächendeckende und nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung in China zu erreichen, muss die chinesische Führung einen Ausgleich der bereits erwähnten regionalen Disparität anstreben. Diese drückt sich nicht nur mit einem zunehmenden Einkommensunterschied zwischen Binnen- und Küstenregionen, sondern auch durch extreme Gefälle in den ohnehin unzureichenden Sozialsystemen aus (vgl. Schlevogt: 2000a: 101). Da die auf ausgewählte Regionen im Westen ausgerichtete erste Phase des Reformprozesses die Heterogenität zuungunsten des Binnenlandes noch verstärkt hat, konzentriert sich die politische Führung Chinas in der zweiten Phase auf den Ausgleich des Ungleichgewichts. Konsequenter Weise hat die Zentralregierung den neunten (1996 – 2000) und zehnten (2001 - 2005) 5-Jahres-Plan dem Ausgleich der Disparität gewidmet (vgl. Schlevogt: 2000a: 101; Pohl et al., 2004: 5). Es ist anzunehmen, dass sich mit der sukzessiven wirtschaftlichen Erschließung des Binnenlandes weit reichende Investitionsmöglichkeiten für ausländische Investoren ergeben werden.

Im Zuge der zweiten Phase des Reformprozesses strebte die Zentralregierung auch eine Privatisierung der staatseigenen Unternehmungen[15] (SOE) an. Auch hier sollte die Privatisierung durch einen langsamen und schrittweisen Rückzug des Staates erfolgen. Trotz hoher Subventionen in der Folgezeit konnten die meisten SOEs nicht zu konkurrenzfähigen Unternehmungen umgebaut werden, so dass die staatliche Unterstützung dieser Vorhaben heute weitestgehend eingestellt worden ist (Yan et al.. 2001: 6ff). Als weiteres Resultat dieses Misserfolgs änderte die Regierung ihre Strategie ab. Seit dem 15. Volkskongress soll durch Diversifikation des Besitzes versucht werden, unprofitable SOE zu reformieren (vlg. Schlevogt, 2000b: 220). Nach wie vor gilt jedoch: “The state will keep strategic control over large SOEs and selected important industries” (Schlevogt, 2000b: 220).

Den bislang größten Schritt hinsichtlich einer nachhaltigen Wirtschaftsentwicklung unternahm die VR China ebenfalls in der zweiten Phase des Reformprozesses. Mit dem Beitritt zur Welthandelsorganisation[16] (WTO) im Dezember 2001 konnte China seinen außenpolitischen Einfluss enorm stärken. Die Regierung in Beijing war dadurch in der Lage, nicht nur am weltwirtschaftlichen Geschehen zu partizipieren, sondern dieses sogar mitzubestimmen. Aus dem Beitritt ergaben sich aber auch hohe Ansprüche und Verpflichtungen. So musste sich China unter anderem zur weiteren Liberalisierung des Binnenmarktes, zur weiteren außenwirtschaftlichen Öffnung inklusive des Abbaus von Zöllen und zur Beseitigung noch vorhandener Markteintrittsbarrieren verpflichten (vgl. Gutowski, 2003: 13). Auch wird Beijing die omnipräsente Vermischung von politischen und wirtschaftlichen Entscheidungsträgern adressieren müssen, um den WTO Bestimmungen zu genügen (vgl. Holtbrügge et al., 2005: 15). „Ferner soll bis 2010 eine Vereinheitlichung der Investitionsbedingungen für ausländische und chinesische Unternehmen (...) stattfinden“, was auf eine weitere Besserung des Investitionsklimas hoffen lässt (Gutowski, 2003: 13).

Trotz der anhaltenden ökonomischen Liberalisierung des Landes geht diese bislang noch nicht mit einer politischen Pluralisierung einher. Aus diesem Grund besitzt neben der chinesischen Regierung und der lokalen Administration auch die KPCh einen sehr großen Einfluss auf die Tätigkeiten ausländischer Unternehmungen in der VR China. Dies drückt sich vor allem in den rechtlichen Bestimmungen für ausländische Direktinvestitionen aus, welche neben einer Einschätzung des aktuellen Rechtssystems im nächsten Abschnitt kurz vorgestellt werden.

2.3 Rechtliche Rahmenbedingungen

Die Verfassung der VR China wurde im Jahre 1949 ratifiziert und seitdem viermal revidiert. Sie besteht heute aus insgesamt 138 Artikeln und gliedert sich in Allgemeine Grundsätze, Grundrechte und Grundpflichten der Bürger , Staatsaufba u und die Staatsflagge, das Staatswappen und die Hauptstadt. In ihr werden jedem Bürger unter anderem Grundrechte wie das Wahlrecht, die Freiheit der Rede und der Versammlung, sowie die Glaubensfreiheit garantiert. Neben der Unverletzlichkeit der Würde und der Wohnung beschreibt die Verfassung auch das Recht auf Erholung und das Recht auf materielle Unterstützung seitens des Staates im Alter oder im Krankheitsfall (vgl. Holtbrügge et al., 2005: 17).

Änderungen der Verfassung sowie Gesetze können ausschließlich vom Nationalen Volkskongress als höchstem Organ der Legislative ratifiziert werden. Als höchstes Organ der Exekutive kann der chinesische Staatsrat Erlasse und Verordnungen formulieren. Erlasse und Verordnungen mit nur lokaler Gültigkeit können auch von den regionalen Volkskongressen beschlossen werden. Neben Erlassen und Verordnungen können so genannte Verfügungen spezielle Sachverhalte oder Zielgruppen adressieren. Solche Verfügungen können entweder von den lokalen Regierungen oder von Regierungsabteilungen, wie Ministerien und Kommissionen, formuliert werden. Im Gegensatz zu den landesweit gültigen Verordnungen der Regierungsabteilungen, haben die Verordnungen von lokalen Regierungen nur lokale Gültigkeit (vgl. Holtbrügge et al., 2005: 17f).

Neben der Begrenztheit einiger legislativer Instrumente ist auch die generelle Hierarchie der Normen geregelt. So besitzt die Verfassung absolute Priorität gegenüber Gesetzen, gefolgt von Erlassen, Verordnungen und Verfügungen. Im Konfliktfall gelten stets die spezielleren Normen (vgl. Holtbrügge et al., 2005: 18). Obwohl der Betrieb eines EJV also unter das Company Law fällt, muss auch dem Law on Joint Ventures Using Chinese and Foreign Investment genügt werden.

Auf Basis dieses Rechtssystems wurde Ende der siebziger Jahre begonnen, die rechtlichen Rahmenbedingungen für die politischen Vorgaben des Reformprozesses zu schaffen.

Die gesetzliche Grundlage für die erste Reformphase wurde mit der Ratifizierung des oben bereits erwähnten Law on Joint Ventures Using Chinese and Foreign Investment aus dem Jahre 1979 geschaffen. Ergänzt wurde dieses Gesetz im Jahre 1983 durch die Regulations for the Implementation of the Law on Joint Ventures Using Chinese and Foreign Investment . Sowohl mit dem eigentlichen Gesetz als auch mit dessen Durchführungsbestimmung wurde eine Liberalisierung der Zugangskontrollen für ausländisches Kapital realisiert (vgl. Tseng et al., 2002:12). Dennoch war ein Investment nur zusammen mit einem chinesischen Partner möglich. Erst im Jahre 1986 folgte mit dem Law on Enterprises Operated Exclusively with Foreign Capital die Möglichkeit der Gründung einer hundertprozentigen Tochtergesellschaft mit ausländischem Kapital, sogar auch außerhalb der Sonderwirtschaftszonen (vgl. Tseng et al., 2002:12).

Wie bereits beschrieben, liegt der politische Fokus der zweiten Phase der Reform auf einer nachhaltigen und landesweiten wirtschaftlichen Entwicklung des Landes. Die rechtliche Umsetzung dieser Vorgabe erfolgte im Jahre 1995 mit der Ratifizierung der Interim Provisions on Guiding Foreign Direct Investment Direction . Mit Hilfe dieses, oft auch als Guidance Catalogue bezeichneten Erlasses, teilte das Ministerium für Außenhandel und wirtschaftliche Zusammenarbeit[17] FDI Projekte in die vier folgenden Klassen ein: encouraged , permitted , restricted and prohibited . Die Einordnung der FDI erfolgte nach den politischen Vorgaben und orientierte sich sowohl an geographischen Regionen als auch an industriellen Sektoren. So wurden zum Beispiel Projekte in ausgewählten Industriezweigen als encouraged und permitted eingestuft, die innovative Technologie einführen, die den Export ankurbeln und die sich auf die Mitte und den Westen Chinas konzentrieren. Restricted und prohibited wurden jedoch Vorhaben, die überholte Technologien einsetzen, in Konkurrenz zu lokalen Unternehmungen und Staatsbetrieben stehen oder eine Gefahr für die Umwelt bzw. die nationale Sicherheit darstellen (vgl. Tseng et al., 2002:12f, Holtbrügge et al., 2005: 11).

Mit dem Beitritt zur WTO verpflichtete sich die VR China generell dazu, sowohl chinesische als auch ausländische Unternehmungen nicht zu diskriminieren. Des Weiteren verpflichtete sich China zur bedingungslosen Einhaltung aller WTO-Regeln hinsichtlich „intellectual property right and elimination of various requirements on FDI including foreign exchange and trade balancing, technology transfer, local content and export performance“ (Tseng et al., 2002:13). Obwohl das Rechtssystem vorsieht, dass internationale Abkommen, denen China bedingungslos beigetreten ist, über dem chinesischen Recht stehen, sind auch 5 Jahre nach dem Beitritt zur WTO bei weitem nicht alle Anforderungen der WTO im chinesischen Recht verankert. Nach Baron werden nach wie vor nur diejenigen Klauseln einwandfrei umgesetzt, die auch aus Sicht der KPCh zielführend sind (Baron et al., 2005: 28). Ein Beleg für diese These stellt die permanente Existenz des Guidance Catalogues dar.

Nach anfänglicher Euphorie über den Beitritt Chinas zur WTO sind inzwischen so manche Illusionen verflogen. So ist inzwischen deutlich geworden, dass die Rechtskultur in China nach wie vor relativ schwach ausgeprägt ist. Vor diesem Hintergrund dürfen Gesetze weniger als verbindliche Normen, sondern viel mehr als zu interpretierende Grundlage von richterlichen Entscheidungen gesehen werden. Grund hierfür ist die nach wie vor fehlende Unabhängigkeit der Justiz von der Legislative und der Exekutive (vgl. Holtbrügge et al., 2005: 18). Hinzu kommt, dass das formale Rechtssystem noch nicht internationalen Standards entspricht, zumal für viele Sachverhalte des Wirtschaftslebens bis heute keine bzw. nur unzureichende Rechtsgrundlagen existieren. In Summe ist sowohl die mangelnde Rechtskultur als auch das unzureichende Rechtssystem für die hohe Volatilität von rechtssicheren Geschäftstätigkeiten und damit für die Verunsicherung vieler Investoren verantwortlich. Eine schnelle Verbesserung dieser Situation ist dank des traditionellen Nebeneinanders von formellem und informellem Rechtssystem in China nicht zu erwarten(Baron et al., 2005: 32). Dennoch lässt sich konstatieren, dass sich besonders nach dem Beitritt zur WTO die Bemühungen bezüglich des Ausbau des formellen Rechtssystems nach internationalen Standards deutlich verstärkt haben. Aus chinesischer Perspektive ist diese aus internationaler Sicht unzulängliche Situation zum großen Teil durch das informelle Rechtssystem kompensiert. Lücken im formellen Rechtssystem werden in den meisten Fällen mittels Beziehungen im so genannten „Guanxi -Netzwerk“ überbrückt. Problematisch an diesen Netzwerken ist oftmals die Verflechtung zwischen Politik und Recht, welche insbesondere Klagen gegen staatliche Organe zumeist aussichtslos macht (vgl. Holtbrügge et al., 2005: 18). Schwierigkeiten ergeben sich oftmals auch, wenn Behörden nach unveröffentlichten, von der KPCh erlassenen Politnormen handeln. Insbesondere westliche Investoren sehen sich deshalb oft mehr dem informellen Rechtssystem mit seinen Netzwerken ausgeliefert, als dieses als Chance zu begreifen.

Ingesamt betrachtet ist zu erwarten, dass das chinesische Rechtssystem in den nächsten Jahren nicht zuletzt unter dem Druck der WTO differenzierter, effizienter und transparenter ausgestaltet wird. Diese Tendenz wird ebenfalls Einfluss auf die chinesische Rechtskultur haben. Trotz der teils schwierigen rechtlichen Rahmenbedingungen waren viele internationale Unternehmungen dank der sich seit 1978 permanent verbessernden Investitionsmöglichkeiten ökonomisch erfolgreich. Diese Entwicklung soll im nächsten Abschnitt näher beleuchtet werden.

2.4 Ökonomische Rahmenbedingungen

Aufgrund der Reform- und Öffnungspolitik der Beijinger Regierung verzeichnet die chinesische Volkswirtschaft seit Jahrzehnten ein äußerst dynamisches Wirtschaftswachstum. Im Folgenden wird die bedeutende Rolle der FDI für diese Entwicklung retrograd abgeleitet.

2.4.1 Wirtschaftliche Entwicklung der VR China

Mit der jahresdurchschnittlichen Zuwachsrate von 9,5% des Bruttoinlandsproduktes (BIP), gerechnet über die letzten 25 Jahre, gehört die VR China zu einer der sich am schnellsten entwickelnden Volkswirtschaften der Welt. Derzeit rangiert die chinesische Volkswirtschaft mit einem Anteil von 4% an der Weltproduktion, nach den USA, Japan, Deutschlang, England, Frankreich und Italien, auf Rang sieben der „Weltrangliste“ (vgl. Sachverständigenrat, 2005: 56; Deutsche Bundesbank, 2005: 38). Im Jahre 1990 lag dieser Anteil bei nur 1,7%. China hat also insbesondere während der zweiten Reformphase deutlich aufgeholt. Die „Economist Intelligence Unit“ geht von einem Anhalten dieses Trends aus und prognostiziert auf dieser Basis, dass China bereits 2008 den vierten Platz einnehmen und damit wirtschaftliche Größen wie Frankreich oder England verdrängt haben wird (vgl. Pohl et al., 2004: 3). Trotzdem darf nicht verkannt werden, dass diese Erfolge von rund einem Viertel der Weltbevölkerung erwirtschaftet werden. Angesichts der 1,3 Mrd. Einwohner in der VR China resultiert daraus ein BIP pro Kopf von 1300 US-$, welches nur etwa einem Viertel des BIP pro Kopf des ärmsten EU Landes entspricht (vgl. Deutsche Bundesbank, 2005: 38).

Trotz politischer Bemühungen können die Provinzen im Landesinneren und im Westen nur zu einem geringen Ausmaß an den wirtschaftlichen Entwicklungen partizipieren. So erwirtschafteten die chinesischen Küstenprovinzen im Jahre 2004 rund 60 % des BIP. Sehr deutlich wird die enorme Disparität, wenn man die Küstenprovinz Shanghai mit 16,3 Mio. Einwohnern mit der im Süd-Westen gelegenen Provinz Sichuan vergleicht. Obwohl in der Provinz Sichuan mit 86,7 Mio. Einwohnern fast fünfmal so viele Menschen leben wie in der Provinz Shanghai, trug Sichuan mit nur 487,5 Mrd. RMB deutlich weniger zum chinesischen BIP bei als Shanghai mit 540,9 Mrd. RMB (vgl. Pohl et al., 2004: 6).

Neben einer regionalen Differenzierung der Beiträge zum BIP lassen sich diese auch nach Wirtschaftssektoren aufschlüsseln. Nach offiziellen Angaben des National Bureau of Statistics of China (NBS) entfielen im Jahre 2004 auf den primären Sektor (Land- und Forstwirtschaft sowie Bergbau) rund 15% des BIP, gefolgt von 53% für den sekundären Sektor (industrieller Sektor) und 32% für den tertiären Sektor (Dienstleistungssektor). Das stärkste Wachstum gegenüber dem Vorjahr verzeichnete der sekundäre Sektor mit 11,1%, gefolgt von 8,3% und 6,3% im tertiären und primären Sektor. Besonders hervorzuheben sind einige Industriezweige, die unter den industriellen Sektor fallen. Allen voran die High-Tech-Branche mit einem Zuwachs von 23,1% zum Vorjahr. Aber auch andere Branchen in diesem Sektor wie zum Beispiel die Energie-Branche, die Nutzfahrzeug-Branche und die Metall-Branche verzeichneten signifikante Zuwachsraten (vgl. NBS, 2005).

Trotz Reformkurs und daraus resultierender zunehmender Privatisierung erwirtschafteten im industriellen Sektor im Jahre 2004 die SOEs noch immer über 40% des BIP-Anteils (vgl. NBS, 2005). Aufgrund mangelnder Konkurrenzfähigkeit ist davon auszugehen, dass dieser mit fortschreitender Reform weiter abnimmt. Ein deutliches Zeichen für den Erfolg der Reformbemühungen ist der im Vergleich zum Vorjahr um 22,8% gestiegene Zuwachs des BIP-Anteils privater Großunternehmungen in diesem Sektor (vgl. NBS, 2005).

Die durch den zunehmenden Anteil Chinas an der Weltproduktion steigende Bedeutung der Volksrepublik machte sich für den Rest der Welt in der innenpolitisch geforderten dynamischen außenwirtschaftlichen Entwicklung des Landes bemerkbar.

2.4.2 Außenwirtschaftliche Entwicklung

Während der Welthandel über die letzten 20 Jahre ein durchschnittliches Wachstum von 7% verzeichnen konnte, wuchs der Außenhandel der VR China im selben Zeitraum um durchschnittlich über 15% (vgl. Sachverständigenrat, 2005: 57). So stieg das chinesische Außenhandelsvolumen von rund 44 Mrd. US-$ im Jahre 1978 auf 1154 Mrd. US-$ im Jahre 2004. Davon entfielen im Jahre 2004 593 Mrd. US-$ auf den Export und 561 Mrd. US-$ auf den Import von Gütern (vgl. Holtbrügge et al., 2005: 10; NBS, 2005). Dies stellt ein Wachstum von rund 35% bzw. rund 36% zum Vorjahr dar (vgl. NBS, 2005; Deutsche Bundesbank, 2005: 39). Die Grundlage für diese Entwicklung legte die VR China in der zweiten Reformphase mit dem Beitritt zur WTO, welcher kontinuierlich steigende Wachstumsraten zur Folge hatte. Diese enormen Wachstumsraten konnte China allerdings erst in den letzten Jahren realisieren. Angesicht dieser Entwicklung ist es kaum verwunderlich, dass China mit einem Anteil von rund 6,5% am Welthandel, nach Deutschland und den USA heute schon den dritten Rang der wichtigsten Welthandelsnationen einnimmt (vgl. Deutsche Bundesbank, 2005: 39).

Dass Direktinvestitionen bei dieser außenwirtschaftlichen Entwicklung eine tragende Rolle spielen, zeigt die Tatsache, dass rund die Hälfte des chinesischen Exportvolumens des Jahres 2002 auf Töchter, Beteiligungen und Joint Ventures ausländischer Unternehmungen entfielen (vgl. Deutsche Bundesbank, 2005: 43).

2.4.3 Entwicklung der ausländischen Direktinvestitionen

“FDI rose gradually from the early 1980s to early 1991 and then rose dramatically through the mid-1990s” (Prasad et al., 2005: 5). Unterstrichen wird dies durch die Tatsache, dass in der letzten Dekade rund ein Drittel der für Schwellenländer bestimmte weltweiten FDI Zuflüsse nach China strömte (vgl. Prasad et al., 2005: 6). Akkumuliert betrug der Bestand an Direktinvestitionen in China Ende 2003 ca. 500 Mrd. US-$. Hinzu kamen im Jahre 2004 rund 61 Mrd. US-$, womit China im zweiten Jahr in Folge die Vereinigten Staaten auf den zweiten Rang verwies (vgl. Prasad et al., 2005: 5; Holtbrügge et al., 2005: 11; Deutsche Bundesbank, 2005: 43). Diese Entwicklung spiegelt exakt die beiden Reformphasen wider. Deutlich wird dies, wenn man die Korrelation zwischen BIP und Bestand an FDI betrachtet. Betrug dieser Wert während der ersten Reformphase 6%, so stieg dieser während der zweiten Reformphase auf beachtliche 35% (vgl. Deutsche Bundesbank, 2005: 43). Gründe für diesen anfangs zögerlichen Kapitalzufluss waren während der ersten Phase noch teils existente Kapitalverkehrskontrollen und die noch relativ hohe Unsicherheit der Investoren.

Betrachtet man die Herkunft der FDI Zuflüsse in den letzten Jahren (2001 – 2004), so kann konstatiert werden, dass ca. 60% aus nur fünf asiatischen Ländern, nämlich Hongkong SAR[18], Taiwan, Singapore, Korea und Japan kamen (vgl. Prasad et al., 2005: 6). Obwohl der Anteil von Hongkong SAR über die letzen zehn Jahre von 54% auf 32% abgenommen hat, ist dieser, gemessen an der volkswirtschaftlichen Größe des Landes, enorm hohe Anteil auffällig. Als Grund für diese Auffälligkeit kann die Tatsache, dass chinesische Investoren ihr Kapital oft über Länder wie zum Beispiel Hongkong SAR schleusen, um an den steuerlichen Förderungen für FDIs zu partizipieren, identifiziert werden (vgl. Prasad et al., 2005: 6). Zwar hat dieses Phänomen offensichtlich, zumindest was die asiatischen Länder angeht, an Bedeutung verloren, jedoch haben die Zuflüsse aus anderen kleinen Volkswirtschaften, wie zum Beispiel die aus den Virgin Islands, dafür zugenommen. Auch wenn ein Teil dieser Gelder aus China stammen könnten, ist es wahrscheinlicher, dass hierbei steuerliche Vorteile in den Herkunftsländern wie Japan, Taiwan und den USA im Vordergrund stehen. Nichtsdestotrotz deutet diese Beobachtung auf eine verdeckte Verschiebung der Kapitalherkunft hin. Entgegen der allgemeinen Perzeption nahmen die FDI aus den westlichen Industrieländern deutlich ab und betrugen in Summe zum Beispiel im Jahr 2004 nur 15%. Selbst wenn man zu dem deutschen und amerikanischen Anteil den Anteil der Virgin Islands hinzuaddieren würde, wäre dies mit rund 30% kein dominierender Anteil (vgl. Prasad et al., 2005: 6).

Aufgrund der im Dienstleistungssektor noch vorhandenen Restriktionen entfielen rund zwei Drittel der ausländischen Direktinvestitionen auf den industriellen Sektor. Herausragend für diesen Sektor sind die Elektronik- und Kommunikationsbranche, jedoch tragen auch unter anderem die Maschinenbau- und die Textilbranche, sowie die chemische Industrie zum stetigen Wachstum bei (vgl. Sachverständigenrat, 2005: 59). Die UNCTAD geht davon aus, dass China der größte Empfänger ausländischer Direktinvestitionen im produzierenden Gewerbe in Asien bleiben wird. Bei einer Beibehaltung des chinesischen Reformkurses prognostiziert die UNCTAD sogar neue Rekordwerte für den Zufluss an Direktinvestitionen in den nächsten Jahren (vgl. Sachverständigenrat, 2005: 59).

Die aus China heraus fließenden Direktinvestitionen spielen mit einem Volumen von 3,6 Mrd. US-$ eine noch untergeordnete Rolle. Empfänger waren in den letzen Jahren hauptsächlich Latein Amerika und andere asiatische Länder (vgl. Sachverständigenrat, 2005: 59; Prasad et al., 2005: 8).

Betrachtet man die regionale Verteilung der ausländischen Direktinvestitionen innerhalb Chinas, so lässt sich noch immer eine Konzentration in den östlichen Küstenprovinzen und deren SDZ und OCC feststellen. Auch wenn die aktuellen politischen Bemühungen greifen sollten, dürfte es wohl dennoch einige Zeit in Anspruch nehmen, bis die übrigen Provinzen die Vorteile der Küstenprovinzen egalisieren können. Im Vergleich unter den Provinzen konnte die Provinz Jiangsu mit 25% den größten Anteil der FDI anziehen. Grund hierfür ist ihr Standortvorteil durch die unmittelbare Nähe zur Wirtschaftmetropole Shanghai. Im Folgenden werden ausgewählte Regionen aufgezeigt, die ebenfalls mit Standortvorteilen aufwarten können und somit für potentielle Investoren von Relevanz sind.

2.5 Bevorzugte Investitionsregionen

Wie bereits dargestellt, ist die VR China ein geographisch und ökonomisch heterogenes Land mit großen politischen und administrativen Herausforderungen. Während sich der Westen noch immer auf dem Stand eines Entwicklungslandes befindet, entwickelt sich der Osten mit seinen Küstenprovinzen extrem dynamisch und zieht damit FDIs in zunehmendem Maße an. Vor diesem Hintergrund werden im Folgenden drei chinesische Regionen hinsichtlich Lage, Größe, Arbeitsmarkt, Wirtschaft und Bildung[19] vorgestellt, die besonders im Blickpunkt ausländischer Direktinvestitionen stehen (siehe Abb. 1).

2.5.1 Bohai-Küsten-Region

Die im Nord-Osten Chinas gelegene Bohai-Küsten-Region trägt ihren Namen vom angrenzenden Bohai Meer. Sie dehnt sich über die Provinzen Lioaning, Hebei, Tianjin und Shandong sowie über die regierungsunmittelbare Stadt Beijing aus. Auf der 518712 km2 Fläche leben etwas mehr als 227 Mio. Menschen. Neben der Hauptstadt Beijing lebt ein Großteil der Bevölkerung in den großen Städten wie Shenyang, Shijiazhuang, Tianjin oder Jinan. Durchschnittlich sind nach offiziellen Angaben in der Bohai-Küsten-Region nur 3,7% der Bevölkerung arbeitslos[20], wobei die im nord-östlichen Teil der Region gelegene Provinz Lioaning mit 6,4% die größte und die Hauptstadt Beijing mit 1,3% die geringste Arbeitslosigkeit aufweisen konnte. Dank der relativ niedrigen Arbeitslosigkeit war die Region in der Lage, ein BIP von rund 3842 Mrd. RMB zu erwirtschaften, was eine Steigerung zum Vorjahr von durchschnittlich 14% darstellt. Motor dieses Erfolges

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Bevorzugte Investitionsregionen der VR China (Quelle: Eigene Darstellung)

war der industrielle Sektor der Region und hier insbesondere die Stahl-, Automobil-,Chemie-, Petrochemie-, Maschinenbau- und Rohstoffindustrie. Unterstützt wurde dies durch die zunehmende Ansiedelung von High-Tech-Industrie in den Provinzen Beijing und Tianjin. Speziell Produzenten von Software und Mobilfunkgeräten scheinen hier ein ideales Umfeld vorzufinden. Ein zusätzlicher Wachstumsschub für die Region ist durch die Austragung der Olympischen Spiele 2008 zu beobachten, wobei dieser zeitlich begrenzt sein dürfte (vgl. Holtbrügge et al., 2005: 34) Das hohe Bildungsniveau ist nicht zuletzt der Provinz Beijing zu verdanken. Alleine in der Hauptstadt befinden sich 77 Universitäten und Hochschulen, welche fast alle Fakultäten abdecken dürften. Ingesamt wurden im Jahr 2004 in der Region 614000[21] Schüler an weiterführenden Schulen und 897000[22] Studenten an Universitäten und Hochschulen aufgenommen, was einen signifikanten Anstieg der Schüler- und Stundentenzahlen bedeutet. Dieser Trend setzt sich auch bei den 99691 Studenten fort, die sich für eine Promotion oder ein Weiterbildungsstudium entschieden haben. Dieses Investitionsumfeld zog im Jahr 2004 FDI in Höhe von 22,76 Mrd. US-$ an. Verglichen zum Vorjahr stellt dies eine Steigerung um durchschnittlich 49% dar. Besondere Aufmerksamkeit verdient hierbei die Provinz Lioaning, die ein Wachstum von knappen 92% an ausländischen Direktinvestitionen verzeichnen konnte.

2.5.2 Changjiang-Delta-Region

Die Changjiang-Delta-Region trägt ihren Namen aufgrund ihrer geographischen Konzentration rund um die Mündung des Changjiang-Flusses. Die insgesamt 350340 km2 große Region setzt sich aus den Provinzen Jiangsu, Anhui, Zhejiang und der regierungsunmittelbaren Stadt Shanghai zusammen und ist von gut 197 Mio. Menschen bevölkert. Neben der Konzentration auf die großen Ballungsräume wie Nanjing, Hefei, und Hangzhou ist besonders die Konzentration von über 13 Mio. Einwohnern der Stadt Shanghai auf nur 6340 km2 erwähnenswert. Dank eines Anstiegs von 13,8% zum Vorjahr war die Changjiang-Delta-Region im Jahre 2004 in der Lage, ein BIP von knapp 4002 Mrd. RMB zu erzielen. Dies stellt im Vergleich der Regionen den höchsten Wert dar, obwohl die Region zugleich mit 4,2% die höchste Arbeitslosigkeit aufweist. Der industrielle Schwerpunkt dieser Region liegt auf der Computer- und Halbleiterbranche, jedoch ist auch die Schwerindustrie, die Chemie- und Pharmaziebranche sowie die Maschinen- und Schiffsbaubranche vertreten. Besonders in Shanghai konzentriert sich in zunehmendem Maß High-Tech-Industrie. Einen zusätzlichen, dafür aber temporär begrenzten Boom dürfte die Region durch die Weltausstellung „Expo 2010“ erleben. Ingesamt absolvierten 2004 477100 Studenten ihr Studium und 33373 Akademiker promovierten oder schlossen ihr weiterführendes Studium ab. Die Anzahl der im selben Zeitraum neu aufgenommen Studenten lag bei 819200 bzw. bei 67390 für ein weiterbildendes Studium oder eine Promotion. Dies deutet auf einen enormen Anstieg der bildungsbereiten Bevölkerung hin und stellt die Schulen, Hochschulen und Universitäten vor eine große Herausforderung. Ende 2004 gab es alleine in Shanghai 59 Universitäten. Aufgrund des enormen Ansturms ist langfristig mit einer Erhöhung dieser Zahl zu rechnen. Ingesamt konnte dieses Investitionsumfeld im letzten Jahr 25,87 Mrd. US-$ an ausländischen Direktinvestitionen anlocken. Hervor sticht hierbei die Provinz Anhui, welche verglichen mit dem durchschnittlichen regionalen Wachstum an FDIs von 22%, mit einem Wachstum von 40% ein überdurchschnittlich gutes Ergebnis erzielen konnte.

2.5.3 Zhujiang-Delta-Region

Die Zhujiang-Delta-Region hat ihren Namen dem Perlfluss zu verdanken, welcher im Chinesischen auch als Zhujiang bezeichnet wird. Neben den beiden Provinzen Guangdong und Fujian gehören auch die beiden Sonderverwaltungszonen Hongkong und Macao zu dieser Region. Obwohl neben den beiden bereits genannten Metropolen auch Großstädte wie Guangzhou und Fuzhou Teil dieser Zone sind, ist die Zhujiang-Delta-Region mit nur 125 Mio. Einwohnern und einer Fläche von 316528 km2 die kleinste der drei vorgestellten Wirtschaftsregionen. Dafür kann die Region mit der im Vergleich geringsten Arbeitslosenquote von 2,4%[23] aufwarten. Trotz signifikanter Größenunterschiede erwirtschaftete die Region ein mit den anderen beiden Wirtschaftsregionen durchaus vergleichbares BIP von 3709 Mrd. RMB, was einem Wachstum von 13,6%[24] gleich kommt. Neben der stark dominierenden Leichtindustrie lässt sich sowohl in Hongkong SAR als auch in einigen Sonderwirtschafszonen wie zum Beispiel der SDZ Shenzhen High-Tech-Industrie finden. Ein direkter Vergleich in Sachen Bildung scheint aufgrund der noch nicht adaptierten Bildungssysteme der Sonderverwaltungszonen nicht indiziert. Generell lässt sich konstatieren, dass das Bildungsniveau aufgrund des westlichen Einflusses während der Kolonialzeit auf höchstem Niveau liegt. Die beiden Provinzen Guangdong und Fujian verhalten sich analog zum Bildungstrend in den andern Wirtschaftsregionen. Im Jahr 2004 wurden 384500 Studenten an den Hochschulen und Universitäten aufgenommen und 177800 Studenten absolvierten ihr Studium. Ähnlich verhält sich die Situation bei den Weiterbildungsstudiengängen und Promotionen. Hier wurden 22074 Studenten aufgenommen und 9720 Akademiker schlossen ihre Weiterbildung ab. Die Provinzen Guangdong und Fujian[25] zogen mit diesem Umfeld ausländische Investitionen in Höhe von 15,33 Mrd. US-$ an. Dies kommt einer Steigerung von 10,4% zum Vorjahr gleich.

Aufgrund ihrer östlichen Lage wurden in allen drei Regionen schon sehr früh SDZ eingerichtet und Städte zu OCC erklärt. Diese schon sehr frühe Exposition mit westlicher Kultur führte in diesen Gebieten zu einer Minimierung der kulturellen Distanz. Von vielen Investoren wird dem Aspekt bei der Planung ihrer Investitionsvorhaben sehr hohe Bedeutung beigemessen. Da die soziokulturellen Unterschiede dennoch eine maßgebliche Rolle bei FDI spielen, wird im nächsten Abschnitt näher auf sie eingegangen.

2.6 Soziokulturelle Rahmenbedingungen

Im Zeitalter der Informations- und Kommunikationstechnologie herrscht vielfach die Auffassung, dass kulturelle Unterschiede an Bedeutung für die internationale Wirtschaft verlieren. Dennoch negieren Praktiker diese Aussage aufgrund ihrer Erfahrungen aus dem Managementalltag oft. Zwar gibt es Beispiele dafür, dass die Distanz zwischen den diversen Kulturen durch die Globalisierung minimiert wird, doch ist auch langfristig nicht mit einem Verschwinden dieser Kulturen und der Etablierung einer internationalen Kultur zu rechnen. Aufgrund der großen kulturellen Distanz sind westliche Unternehmungen in China in besonderem Maße durch interkulturelle Managementkonflikte betroffen. Aus diesem Grund soll der folgende Abschnitt Hintergründe zum besseren Verständnis der chinesischen Kultur liefern. Hierzu werden zunächst Historie und Grundlagen der chinesischen Kultur aufgezeigt. Anschließend werden ausgewählte kulturelle Aspekte dargestellt, die für das Management multinationaler Unternehmungen von Relevanz sind.

2.6.1 Historie und Grundlage der chinesischen Kultur

Die traditionelle chinesische Kultur kann heute auf eine über 5000 Jahre lange Entwicklung zurückblicken. Während dieser Zeit wurden die Chinesen von verschiedensten Einflüssen geprägt, aus denen zahlreiche philosophische Schulen und Denkrichtungen resultierten. Man unterscheidet heute neben den drei großen Schulen des Konfuzianismus, des Daoismus[26] und des Buddhismus auch eine Vielzahl neuer Denkrichtungen, wie zum Beispiel den Legalismus, den Mohismus oder die Lehren von Sunzi[27] (vgl. Darimont, 2005: 3). Zwar haben einige früher als grundlegend angesehene Denkweisen während des politischen Reformprozesses an Bedeutung verloren, jedoch haben sich viele Werte und Traditionen bis heute einem grundlegenden Wandel erfolgreich widersetzt und sind somit auch Teil der heutigen chinesischen Kultur (vgl. Holtbrügge et al., 2005: 20). Vor diesem Hintergrund werden im Folgenden kurz die Schulen und Denkweisen vorgestellt, die insbesondere den wirtschaftlich relevanten Teil der chinesischen Kultur geprägt haben.

Der Konfuzianismus stellt die bedeutendste chinesische Philosophie dar. Trotz einiger Gegenbewegungen – die letzte große Gegenbewegung wurde von Mao Zedong propagandiert – übt die konfuzianische Weltanschauung seit Jahrhunderten großen Einfluss auf die Denkweisen, das Verhalten und das gesellschaftliche Leben in China aus. Konfuzius (551 – 479 v. Chr.) selbst lebte in einer Zeit, in der mythologische und religiöse Wertesysteme im Reich der Mitte weit verbreitet waren. Als Ausweg aus dem resultierenden politischen und sozialen Chaos sah er die Rückbesinnung auf die klassischen Tugenden: gegenseitige Liebe, Rechtschaffenheit, Gewissenhaftigkeit, Ehrlichkeit und Gegenseitigkeit. Aus diesen fünf Tugenden leitete er die drei sozialen Normen Loyalität[28], kindliche Pietät[29] und Anstand und Sitte ab. Der Konfuzianismus lässt sich also als Philosophie beschreiben, bei der die Erziehung, die harmonische Beziehung zum Nächsten, die gegenseitigen Verpflichtungen, die Hierarchie und die gesellschaftliche Ordnung große Bedeutung haben (vgl. Holtbrügge et al., 2005: 20; Holtbrügge et al., 2002: 33). Gerade die aus der Loyalität abgeleitete Denkweise findet sich heute in der Wirtschaft wieder. So berichten Praktiker oft von fehlendem Mut, Entscheidungen auf einer unteren Hierarchieebene zu treffen. Diese Eskalationsmentalität ist die logische Konsequenz des durch Konfuzius geprägten vertikalen Führungssystems[30], bei dem auch unbedeutende Entscheidungen mit der oberen Systemebene abgestimmt werden müssen. Besonders oft ist die absolut hierarchische Organisationsform heute noch in Staatsbetrieben und Behörden zu finden (vgl. Holtbrügge et al., 2004: 20).

[...]


[1] Die Termini Cooperative Joint Venture , CJV und vertragliche Kooperation werden fortan als Synonyme gebraucht.

[2] Die Termini Equity Joint Venture , EJV und Gemeinschaftsunternehmen werden fortan als Synonyme gebraucht.

[3] Die Termini Foreign Invested Company Limited by Shares , FICLS und ausländische Kapitalgesellschaft werden fortan als Synonyme gebraucht.

[4] Die Termini Wholly Foreign-Owned Enterprise , WFOE und hundertprozentige Tochtergesellschaft werden fortan als Synonyme gebraucht.

[5] Die Termini „China“, „VR China“ und „ Volksrepublik China“ beziehen sich in dieser Arbeit auf das Gebiet der Volksrepublik China exklusive der Sonderwirtschaftszonen Hongkong und Macao. Taiwan wird ebenfalls nicht unter diesen Begriffen subsumiert. Die Begriffe können mit dem in der Literatur ebenfalls verwendeten Terminus „Mainland China“ gleichgesetzt werden.

[6] Auch Yangtze genannt

[7] Der Staudamm (Baubeginn des Hauptdammes 1997) soll den Changjiang zu einem rund 1045 km2 großen Stausee aufstauen und der Hochwasserregulierung und Energiegewinnung dienen. Für das umstrittene Projekt wurden ungefähr 1,5 Mio. Menschen umgesiedelt. Umweltschützer befürchten u. a. Klimaveränderungen und Erdverschiebungen durch den Bau des Dammes.

[8] Durchschnittliche Temperatur in Mohe (Nordchina) im Januar etwa 30° C unter Null

[9] Durchschnittliche Temperatur in Hainan (Insel im südchinesischen Meer) im Januar etwa 20° C

[10] Im Gegensatz zu den meist negativen relativen Wachstumsraten der meisten westlichen Industrienationen

[11] Im Folgenden wird auf die Abkürzung KPCh zurückgegriffen.

[12] Die Termini Foreign Direct Investment , FDI und ausländische Direktinvestition werden fortan als Synonyme gebraucht.

[13] Die Termini Special Development , SDZ und Sonderwirtschaftszone werden fortan als Synonyme gebraucht

[14] Die Termini Open Coastal City , OCC und freie Küstenstadt werden fortan als Synonyme gebraucht

[15] Die State-Owned Enterprise , SOE und staatseigene Unternehmung werden fortan als Synonyme gebraucht.

[16] Die Termini World Trade Organisation , WTO und Welthandelsorganisation werden fortan als Synonyme gebraucht

[17] Die Termini Ministry of Foreign Trade and Economic Cooperation , MOFTEC und Ministerium für Außenhandel und wirtschaftliche Zusammenarbeit werden fortan als Synonyme gebraucht. Das MOFTEC wurde im Frühjahr 2003 umorganisiert und erhielt unter anderem einen neuen Namen: Ministry of Commerce (MOFCOM).

[18] Die Abkürzung SAR steht hier für Special Administrative Region und wird fortan als Synonym für den Terminus Sonderverwaltungszonen verwandt.

[19] Die im Folgenden aufgezeigten Daten basieren - falls nicht explizit anderes aufgeführt - auf dem Jahr 2004. Die Daten der Regionen stellen eine Zusammenfassung der Daten der jeweiligen Provinzen dar, welche aus der Datenbank des China Internet Information Center (vgl. CIIC, 2005) extrahiert wurden. Als Quelle für die Daten von Hongkong SAR und Macao SAR wurden Daten der jeweiligen Behörden und des Auswärtigen Amtes herangezogen (vgl. Auswärtiges Amt, 2006; Hongkong; 2006; Macao; 2006)

[20] Die Angaben zur Arbeitslosigkeit spiegeln ausschließlich die in den Städten und Gemeinden registrierten Arbeitslosen wider. Die Zahl der De-facto-arbeitslosen dürfte alleine aufgrund der hohen Zahl an Wanderarbeitern deutlich höher liegen.

[21] Aufgrund fehlender Angaben exklusive der Provinzen Hebei und Tianjin

[22] Aufgrund fehlender Angaben exklusive der Provinz Tianjin

[23] Aufgrund fehlender Angaben exklusive Hongkong SAR

[24] Aufgrund fehlender Angaben exklusive Hongkong SAR

[25] Aufgrund fehlender vergleichbarer Angaben exklusive Hongkong SAR sowie Macao SAR

[26] Alternative Transkription: Taoismus

[27] Alternative Transkriptionen: Sun Tsu, Sun Tzu, Sun Tse

[28] Wörtliche Übersetzung: Untertanentreue

[29] Wörtliche Übersetzung: Verehrung der Eltern und Ahnen

[30] Im Konfuzianismus wurden jedem Chinesen seine Stellung und sein Verantwortungsbereich direkt von der jeweiligen Führung zugewiesen.

Details

Seiten
113
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638554701
Dateigröße
1.7 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v62179
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg – Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche
Note
1,3
Schlagworte
Markteintrittsstrategien Unternehmungen Volksrepublik China

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Titel: Markteintrittsstrategien multinationaler Unternehmungen für die Volksrepublik China