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Waldkindergärten in Deutschland – Ist diese Reformpädagogik eine Alternative in der Vorschulerziehung?

Hausarbeit 2006 14 Seiten

Pädagogik - Kindergarten, Vorschule, frühkindl. Erziehung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Allgemeines
1.1 Der Begriff „Waldkindergarten“
1.2 Geschichte der Waldkindergärten

2. Die pädagogische Praxis im Waldkindergarten
2.1 Vor- und Nachteile gegenüber Regelkindergärten
2.2 Lern-, Erziehungs- und Bildungsziele

3. Die Schulfähigkeit von Waldkindergartenkindern
3.1 Theoretische Grundlagen
3.2 Der Kindergarten als Vorschule
3.3 Der Waldkindergarten und sein Beitrag zur Schulfähigkeit
3.4 Untersuchungsergebnisse

Zusammenfassende Schlussbemerkungen

Literaturverzeichnis

Anhang

Einleitung

Die Kindergartenzeit ist vor allem für Kinder, aber auch für deren Eltern, eine wichtige Lebensphase. Montessori-, Waldorf-, Natur-, Wald-, Sport- oder doch Regelkindergarten? Die Auswahl ist groß – und damit auch die Verunsicherung bei den Eltern. Jeder Kindergarten-Typ verfolgt einen anderen pädagogischen Ansatz. Doch welcher ist der Richtige für mein Kind? Um bei Beantwortung der Frage behilflich zu sein, werde ich in meiner Arbeit den Waldkindergarten vorstellen, die Besonderheiten der pädagogischen Praxis hervorheben, die Schulfähigkeit von Waldkindergartenkindern überprüfen und die Eingangsfrage meines Themas durch gewonnenes Wissen versuchen zu beantworten.

1. Allgemeines

1.1 Der Begriff „Waldkindergarten“

Was ist eigentlich ein Waldkindergarten? Diese Frage habe ich in letzter Zeit öfter gehört nachdem ich erzählt hatte, dass ich eine Hausarbeit zu diesem Thema schreiben werde. Nun, die Definition ergibt sich eigentlich, wenn man es grob betrachtet, schon aus dem Wortsinn: Ein Kindergarten, der in den Wald verlegt wurde. Aber so einfach ist es zum Glück nicht.

Man unterscheidet zwischen reinen und integrierten Waldkindergärten und Regelkindergärten mit Waldgruppe. Ich werde mich auf die reinen Waldkindergärten konzentrieren, wo der Wald der Hauptaufenthaltsort der Kinder ist. Ein „Kindergarten ohne Dach und Wände“ (http://de.wikipedia.org, 07.04.06) also. Daher gibt es auch kein festes Gebäude, sondern nur einen Schutzraum, der bei extremen Witterungsbedingungen, wie zum Beispiel Sturm, Hagel oder Gewitter, genutzt wird. Dort können die Kinder ihre Ersatzkleidung anziehen und dann spielen oder basteln.

In einer Gruppe werden bis zu 20 Kinder im Alter zwischen drei und sechs Jahren von zwei Erzieherinnen beaufsichtigt und betreut (vgl. Miklitz 2005, S. 16 f).

1.2 Geschichte der Waldkindergärten

Wo liegen die Wurzeln des Waldkindergartens? Sie liegen in Skandinavien, genauer gesagt in Schweden, wo es seit 1892 eine Organisation gibt, die Aktivitäten in der Natur für Interessierte jeden Alters anbietet (vgl. Miklitz 2005, S. 14).

In Dänemark schloss sich in den 1950er Jahren eine Elterninitiative zusammen, die den ersten Waldkindergarten ins Leben rief. 1968 wurde dann der erste amtlich genehmigte Waldkindergarten in Deutschland gegründet. Aber erst 25 Jahre später, 1993, eröffnete der erste deutsche staatlich anerkannte Waldkindergarten – in Flensburg. Begründerinnen waren hier Kerstin Jebsen und Petra Jäger, die, von der Waldkindergartenbewegung in Dänemark angesteckt, Ende 1991, nach mehreren Besuchen in dänischen Waldkindergärten, einen Verein gründeten. Nach zahlreichen Besuchen bei zuständigen Behörden wird der Verein seit Oktober 1992 anerkannt und seit 1993 gefördert. Heute soll es schon 450 Waldkindergärten in Deutschland geben (vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Waldkindergarten, 07.04.06).

2. Die pädagogische Praxis im Waldkindergarten

2.1 Vor- und Nachteile gegenüber Regelkindergärten

Warum sollte mein Kind einen Waldkindergarten besuchen bzw. warum nicht?

Im Gegensatz zu Regelkindergärten sind Waldkindergärten mit ihren Möglichkeiten durchaus konkurrenzfähig und bieten einige Vorteile:

- Eine geringe Gruppenstärke:

Eine geringe Gruppenstärke von bis zu 20 Kindern ist sowohl für Kinder als auch ErzieherInnen „gut überschaubar und erleichtert die Entwicklung von sozialen Fähigkeiten.“ (www.wakiga.de, 07.04.06). Es bleibt genügend Zeit zum Zuhören und für die Beschäftigung miteinander. Somit bieten Waldkindergärten günstige Bedingungen zur Entwicklung und Förderung des gegenseitigen Vertrauens und eines festen Zusammenhalts.

- Neues entdecken:

Die Lebenskompetenz der Kinder erweitert sich durch den Umgang mit unerwarteten, ungeplanten Situationen, wie zum Beispiel Begegnungen mit Tieren, von den Bäumen herabfallendes Laub usw. Physisch und psychisch werden Kinder belastbarer.

- Das freie Spiel in der Natur:

Es gibt kein vorgefertigtes Spielzeug! Die Materialien im Wald sind schlicht aber kostenlos und regen die Fantasie der Kleinen in hohem Maße an. Durch verschiedenste Experimentiermöglichkeiten im Bereich des Spielens und Bauens werden die Kinder selbstbewusster und gehen mutig und neugierig auf neue Dinge zu (vgl. www.wakiga.de, 07.04.06).

- Viel Bewegung:

Der Bewegungsdrang von Kindern kann im Wald ausreichend befriedigt werden. Aufgrund häufiger Unfälle in Regelkindergärten startete eine Versicherungsanstalt eine Untersuchung mit der sie herausfinden wollte warum ausgerechnet in Kindergärten mit höchsten Sicherheitsstandards vermehrt Unfälle passieren. Das Risiko lag in der zu großen Sicherheit, wie der Versicherungspsychologe herausfand. Es können Gefahren von den Kindern nicht eingeschätzt, Dinge nicht ausprobiert und das Fallen nicht geübt werden, wenn jedes noch so kleine Risiko ausgeschaltet wird. In unserer geregelten, organisierten und strukturierten Lebenswelt brauchen Kinder „ein Reservat für Wildheit und Bewegung.“ (www.waldkindergarten-emmendingen.de, 13.12.05). Kinder erfahren viel über ihre eigenen Fähigkeiten im Bewegungsspiel und lernen Schritt für Schritt ihre Kräfte und Grenzen einzuschätzen. Sie spüren sich also selbst, was sich natürlich positiv auf ihr Selbstbewusstsein auswirkt. Und ganz nebenbei wird das Immunsystem durch die Bewegung an frischer Luft und bei Wind und Wetter gestärkt (vgl. www.waldkindergarten-emmendingen.de, 13.12.05).

- Der ganze Körper wird gefordert:

In der Natur werden die Sinne der Kleinen geschärft, Fantasie angeregt, Kreativität gefördert, sowie die Grob- und Feinmotorik geschult, was wiederum sehr wichtig für die Selbständigkeit ist (vgl. www.wakiga.de, 07.04.06). Nicht zu vergessen ist die Zunahme an Kraft, Ausdauer, Sicherheit und Selbstvertrauen der Kinder beim freien Spiel, wenn sie zum Beispiel auf Baumstämmen balancieren, auf Bäume klettern oder über den verwurzelten Waldboden laufen (vgl. www.waldkindergarten.de, 07.04.06).

- Der Genuss von Stille:

Kinder sind laut und erzeugen Lärm bzw. machen Krach, doch durch die Weite des Raumes Wald bleibt die Atmosphäre trotzdem entspannt und die Geräusche der Kinder stressen uns weniger als in geschlossenen Räumen (vgl. www.waldkindergarten-emmendingen.de, 13.12.05). Auch die Kinder erleben wieder Stille, was heutzutage ein seltenes Gut geworden ist. Stille ist von unschätzbarem Wert für die „allgemeine Differenzierung des Wahrnehmungsvermögens, das Finden von Stabilität durch innere Ruhe und die Konzentrationsfähigkeit.“ (www.waldkindergarten.de, 07.04.06). Die Kinder werden für die Vorgänge im Wald sensibilisiert. Weiterhin werden Kinder im Alltag von Reizen, wie zum Beispiel grelle, leuchtende Farben, Neon-Licht etc. regelrecht überflutet. Der Wald hingegen bietet für das Auge angenehme Naturfarben bzw. –töne, also einen eher neutralen Hintergrund vor dem die Kinder ihrer Fantasie freien Lauf lassen können. Die Möglichkeiten im Wald sind unbegrenzt. Sie können Geschichten erfinden, matschen, bauen, klettern, balancieren, in Pfützen springen, beobachten, sammeln usw.

- Einfach nur Natur:

Kinder erleben im Wald den Rhythmus der Natur und den Lauf der Jahreszeiten am eigenen Leib. Dadurch werden sie auch natürliche Zusammenhänge begreifen und logische Schlüsse ziehen können.

Doch leider können selbst im Waldkindergarten nicht alle Bereiche, die zur Kindesentwicklung wichtig sind, ausreichend gefördert werden. Beispiele für solche Bereiche sind das Schneiden mit der Schere, gelenkte Bewegungsabläufe, Zuordnung von Farben und Formen (zum Beispiel durch Puzzle) und die Stifthaltung (vgl. Miklitz 2005, S. 74).

2.2 Lern-, Erziehungs- und Bildungsziele

ErzieherInnen in Waldkindergärten verpflichten sich nicht auf einheitliche pädagogische Richtlinien, damit die Kinder nach ihrem Tempo mit der Natur vertraut werden und ihren natürlichen Rhythmus spüren. Das Hauptanliegen von Waldkindergärten ist der selbstverständliche Bezug zur Natur, den die Kleinen gewinnen sollen. Im Vordergrund steht hierbei die Erfahrungs- und Erlebniswelt des Kindes. Ihre Ideen, Interessen und Probleme sind wichtig. Somit kommt der situationsbezogene Ansatz verstärkt zum Tragen.

Die „Umwelt-Bildung“ ist neben dem sozialen Lernen, der Geschicklichkeit und Motorik besonders hervorzuheben. Hier soll laut Neumeister „keine Idealisierung der Natur als ‚die gute und schöne Natur’ vorgenommen werden.“ Die Kinder sollen vielmehr „schon im Vorschulalter erleben und begreifen, wie der Mensch mit seiner natürlichen Umwelt verbunden und dass er auf die Natur angewiesen ist.“ (Neumeister, 12.04.06). Kinder sind im Vorschulalter besonders empfänglich für Naturerfahrungen. Umweltpädagogen und Psychologen versichern, dass gerade in dieser Zeit ein intensives Verhältnis zur Natur aufgebaut wird. Waldkindergärten geben Kindern, vor allem Stadt-Kindern, die Chance, „zu ihrem natürlichen Umfeld im täglichen Erleben eine emotionale Beziehung aufzubauen.“ (Neumeister, 12.04.06). Die Kinder sollen verantwortungsvoll mit der Natur umgehen und die Namen von Pflanzen und Tieren kennen lernen (vgl. Häfner 2002, S. 40).

Geschicklichkeit, Motorik und soziales Lernen lassen sich im Wald besonders gut erreichen. Oberstes Erziehungsziel ist hier das Lernen von Sozialkompetenzen, auch innerhalb der Gruppe. Im Wald sind die Kinder aufeinander angewiesen (beim Klettern, beim Überqueren eines Baches usw.) und entwickeln dadurch ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl und Hilfsbereitschaft. Dabei kommunizieren die Kinder miteinander, was wiederum der Sprachentwicklung zugute kommt. Gerade heutzutage in unserer „Ellbogen- und Mobbing-Gesellschaft“ hat die soziale Erziehung höchste Priorität. Der Grundstein „für den gesellschaftlichen Umgang mit anderen Menschen im späteren Leben“ (Häfner 2002, S. 39) wird im Kindergartenalter gelegt.

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Details

Seiten
14
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638553629
ISBN (Buch)
9783638792981
Dateigröße
516 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v62038
Institution / Hochschule
Ernst-Abbe-Hochschule Jena, ehem. Fachhochschule Jena
Note
1,7
Schlagworte
Waldkindergärten Deutschland Reformpädagogik Alternative Vorschulerziehung Bildungs- Erziehungstheorien

Autor

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