Lade Inhalt...

Identitätsentwicklung im Jugendalter. Die Rolle des Sports bei der Ausbildung des Selbstkonzepts

Hausarbeit 2006 29 Seiten

Didaktik - Sport, Sportpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretische Grundlagen
2.1 Selbstkonzept
2.2 Körperkonzept
2.3 Identität

3 Merkmale der Jugendphase
3.1 Abgrenzung der Jugendphase
3.2 Entwicklungsaufgaben
3.3 Das Modell der produktiven Realitätsverarbeitung

4 Einfluss sportlicher Aktivität in der Jugendphase
4.1 Sport und jugendliches Selbstkonzept
4.1.1 Sport und soziales Selbstkonzept
4.1.1.1 Peer-Groups
4.1.1.2 Der Sportverein
4.1.2 Sport und Körperkonzept
4.1.3 Sport und Selbstwertgefühl
4.2 Der jugendliche Körper als Kapital
4.3 Selbstwahrnehmung von Jungen und Mädchen im Vergleich

5 Zusammenfassung

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

In der heutigen Zeit haben Jugendliche meiner Ansicht nach mit vielen Aufgaben und Problemen zu kämpfen, unter anderem mit sich selbst – also ihrem Selbstkonzept. Sie stecken in einer Phase voller Erwartungen, Anforderungen und Widersprüchen und sind auf der Suche nach einer eigenen Identität. Mit Sicherheit ist dies keine leicht zu bewältigende Aufgabe, da sie sich in einem Prozess befinden, in dem sie auf der einen Seite individuell sein möchten, sich auf der anderen Seite aber auch in die Gesellschaft integrieren sollen (Dorlöchter, Maciewski & Stiller, 1997, 259ff.). Bei der Bewältigung dieser so genannten Entwicklungsaufgaben spielen die Selbstwahrnehmung, die Zufriedenheit mit dem eigenen Aussehen sowie die Anerkennung durch das soziale Umfeld meiner Meinung nach eine große Rolle. Ich habe mich in dieser Hausarbeit für das Thema „Identitätsentwicklung im Jugendalter – Welche Rolle spielt der Sport bei der Ausbildung des Selbstkonzepts?“ entschieden, weil ich herausfinden möchte, wie weit reichend der Einfluss des Sports eigentlich ist. Das heißt, verhilft sportliche Aktivität beispielsweise zu einem stärkeren Selbstwertgefühl und wie ist dies zu erklären? Im Folgenden werde ich näher auf dieses Thema eingehen, indem ich – nach der Klärung einiger theoretischer Grundlagen - zunächst die Phase der Adoleszenz mit ihren jugendtypischen Merkmalen analysiere. Anschließend soll der Einfluss des Sports – sei es nun im Verein, als Freizeit- oder Leistungssport – auf das jugendliche Selbstkonzept herausgestellt werden. Das heißt, inwiefern leistet sportliches Engagement einen Beitrag zur subjektiven Wahrnehmung Jugendlicher in Bezug auf ihr Aussehen, ihre Leistungen, auf ihre gesamte Person? Wichtig dabei ist mir auch der Aspekt des jugendlichen Körpers, wobei der Einfluss der Medien hinsichtlich der zahlreichen, kaum zu erreichenden Schönheitsideale sicherlich eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt. Es soll also herausgestellt werden, ob es einen Zusammenhang zwischen sportlicher Aktivität und der Ausbildung des jugendlichen Selbstkonzepts gibt und wenn ja, wie sich dieser auf die Identitätsentwicklung auswirkt.

2 Theoretische Grundlagen

2.1 Selbstkonzept

Schmidt, Hartmann-Tews und Brettschneider (2003) definieren das Selbstkonzept als das selbstreflektierte Bild einer Person, welches durch Beurteilungen und Zuschreibungen, die man durch seine Umwelt erfährt, geprägt wird. Das heißt, es stelle die individuelle Auffassung einer Person hinsichtlich ihrer Fähigkeiten, Interessen, Wünsche, Gefühle, Handlungen etc. dar. Ebenso spiegle es das Resultat der Auseinandersetzung mit den Entwicklungsaufgaben im Jugendalter wider. Es handelt sich bei dem Selbstkonzept demnach um eine kognitive Struktur, die Empfindungen und Wahrnehmungen enthält, die wiederum durch Erfahrungen mit der Umwelt entstehen und zu einer subjektiven Wirklichkeit werden (Schmidt et al., 2003, S.211ff.).

Marsh (1990) vertritt eine ganz ähnliche Auffassung. Er sagt, unter dem Begriff Selbstkonzept seien die Wahrnehmungen und Vorstellungen, die eine Person über ihre Fähigkeiten, Verhaltensweisen, persönlichen Handlungsmöglichkeiten sowie deren Bedeutung und Qualität besitzt, zu verstehen. Es sei das Produkt eines selbstreflexiven Erfahrungs- und Verarbeitungsprozesses und in den Rahmen der biografischen Entwicklung eingebettet. Das Selbstkonzept wirke „als subjektive Theorie des Individuums über sich selbst handlungssteuernd“ (Marsh in Brettschneider und Brandl-Bredenbeck, 1997, S.163). Laut Marsh (1990) entsteht es also aus den Erfahrungen, die der jugendliche Mensch im Laufe seiner Entwicklung macht – sei es mit sich selbst, wie z.B. seinen eigenen Leistungen, oder in Bezug auf sein soziales Umfeld, wie seine Freunde beispielsweise - und wirkt sich auf Handlungen und Entscheidungen des Jugendlichen aus, die wiederum seine persönliche Biografie mit beeinflussen (Brettschneider und Brandl-Bredenbeck, 1997, S.163f.).

Auch Filipp (2000) betrachtet das Selbstkonzept nicht nur als die Wahrnehmung des Jugendlichen, sondern es steuert ihm zufolge zugleich auch sein Verhalten, wodurch es eine bedeutende Rolle in der Identitätsentwicklung des Heranwachsenden zugeschrieben bekommt. Dies ist so zu verstehen, dass das Verhalten des Einzelnen immer Reaktionen des sozialen Umfeldes zur Konsequenz trägt, welche wiederum die Entwicklung der eigenen Identität sowie des Selbstkonzepts beeinflussen. Filipp vertritt die Auffassung, das Selbstkonzept entwickle sich durch unterschiedliche Erfahrungen in verschiedenen Lebensbereichen und -abschnitten. Damit sind zum einen verschiedene soziale Gruppen wie die Familie, die Schulklasse, der Sportverein oder die Freunde gemeint und zum anderen die verschiedenen Altersabschnitte der gesamten Jugendphase. Das Selbstkonzept ist also als kontextspezifisches Gebilde zu betrachten, welches sich im Laufe der menschlichen Entwicklung verändert (Filipp in Schmidt et al, 2003, S.211f.).

Miethling beschreibt das Selbstkonzept als

strukturiertes Kategoriensystem […], dessen Funktion darin besteht, selbstbezogene Informationen aufzunehmen und zu verarbeiten (Miethling in Kurz und Brinkhoff, 1990, S.107).

Er nimmt weiterhin an, dass sich das Selbstkonzept folgendermaßen in vier Hauptdimensionen gliedern lässt: Zunächst nennt er die intellektuellen Fähigkeiten und schulischen Leistungen (academic self-concept), des Weiteren die sozialen Beziehungen und interpersonellen Fertigkeiten (social self-concept), als dritten Bereich legt er die emotionalen Zustände und Reaktionsweisen (emotional self-concept) fest und als letzten das physische Leistungsvermögen gekoppelt mit der Attraktivität (physical self-concept). Wie positiv oder negativ das Selbstwertgefühl, die Selbstwahrnehmung, die Einschätzung der eigenen Fähigkeiten und das Selbstvertrauen des Jugendlichen sind, hänge von den Erfahrungen ab, die er in diesen oben genannten Bereichen bereits gemacht hat. In dieser Hausarbeit werde ich mich vor allem auf die beiden Dimensionen der sozialen Beziehungen sowie des physischen Leistungsvermögens und der Attraktivität beziehen, da der Sport in diesen Bereichen meiner Meinung nach eine bedeutende Rolle spielt (Miethling in Brettschneider et al., 1990, S.107).

Zusammenfassend ist nun zu sagen, dass alle vier Autoren die Auffassung vertreten, dass das Selbstkonzept eine Struktur im Inneren des Individuums ist, das Wahrnehmungen über sich selbst enthält - sei es in Bezug auf sein jeweiliges Aussehen, seine Fähigkeiten oder Kompetenzen. Somit wird klar heraus gestellt, dass es hierbei um die Frage geht: „Wie nehmen Jugendliche sich selbst wahr ?“ – und nicht: „Wie sind Jugendliche?“.

2.2 Körperkonzept

Unter dem Begriff „Körperkonzept“ versteht Miethling das selbstreflektierte Bild einer Person, welches, im Gegensatz zum Selbstkonzept, ausschließlich auf den Körper fokussiert wird. Er unterteilt es – ebenso wie das Selbstkonzept – in verschiedene Facetten, wozu er das Aussehen, die Figur und Körperbau, die Gesundheit, die Fitness, die Sportlichkeit und als letztes die Gewichtskontrolle und Ernährung zählt (Miethling in Kurz und Brinkhoff, 1990, S.107f.). Hier wird nun nicht nur die Vielfältigkeit dieses Konzeptes deutlich, sondern auch die Verbundenheit zum Bereich Sport, da all diese Aspekte in gewisser Weise durch sportliche Aktivität beeinflusst werden können. Beispielsweise können durch intensives Krafttraining die Muskeln und somit der gesamte Körper gekräftigt werden, oder der Sport kann in Form von Ausdauertraining zu Gewichtsverlust führen, u.s.w..

Schmidt et al. (2003) hingegen gliedern das Körperkonzept in nur zwei verschiedene Aspekte. Auf der einen Seite stehe die körperliche Leistungsfähigkeit (physische Fitness) und auf der anderen Seite die Darstellung der eigenen körperlichen Attraktivität (ästhetisches Äußeres). Das bedeutet, der Jugendliche erhalte die Möglichkeit, sich auf der einen Seite durch sportliche Leistungen Anerkennung von der Gesellschaft zu verschaffen, auf der anderen Seite könne er den Sport nutzen, um seine körperliche Attraktivität unter Beweis zu stellen oder zu verbessern. Die Autoren sind der Meinung, der jugendliche Körper gewinne in der heutigen Zeit immer mehr an Bedeutung, wobei besonders der ästhetische Aspekt immer mehr in den Vordergrund rücke (Schmidt et al, 2003, 221ff.). Auch Brettschneider und Kleine (2002) vertreten die Auffassung, dass die Bedeutung des leistungsbezogenen Körperkonzepts mit zunehmendem Alter abnehme, während der Einfluss des attraktivitätsbezogenen Aspekts immer größer werde, was sich beispielsweise in einer höheren Aufmerksamkeit bezüglich Figur und Ernährungsverhalten äußert. In jedem Fall stellen beide Aspekte des Körperkonzepts - der leistungsbezogene sowie der ästhetische - relevante Kapitalformen für den Jugendlichen und „wichtige Ressourcen im Streben nach sozialer Anerkennung“ dar (Brandl-Bredenbeck in Schmidt et al., 2003, S.226). Da ich diese These im Hinblick auf die Thematik meiner Hausarbeit als relativ wichtig einschätze, werde ich sie erneut in Kapitel 4.3 aufgreifen und näher beleuchten.

2.3 Identität

Identität wird (…) nicht als ein für allemal gelungener, feststehender und verlässlicher Besitz eines Menschen verstanden, sondern als ein Zustand des Selbsterlebens, der ständig neuen Interpretations- und Aushandlungsprozessen mit der äußeren Umwelt und der eigenen inneren Natur unterliegt (Hurrelmann in Dorlöchter et al., 1997, S.275).

Der Auffassung Hurrelmanns zufolge ist unter der menschlichen Identität also etwas Veränderbares zu verstehen, was sich zum einen durch Interaktionen mit dem sozialen Umfeld sowie durch Auseinandersetzungen mit sich selbst entwickelt. Diese Definition von Identität stellt auf der einen Seite die Dynamik des Prozesses der Identitätsfindung und auf der anderen Seite die Schwierigkeit dessen heraus, denn – bezogen auf den Jugendlichen – sollte immer ein Gleichgewicht zwischen gesellschaftlichen Anforderungen und eigenen Bedürfnissen hergestellt werden, was oftmals zu Widersprüchen führen kann.

Auch Mead (1968) vertritt die Auffassung, Identität sei eine Struktur, die aus gesellschaftlichen Interaktionssituationen heraus entwickelt werde. Das heißt, sie entstehe innerhalb des Individuums durch gesellschaftliche Erfahrungs- und Tätigkeitsprozesse und ist als das Ergebnis dieser Prozesse zu verstehen. Diese Definition ist stark mit der des Selbstkonzepts verbunden, da auch das Selbstkonzept als eine Struktur beschrieben wird, die durch Erfahrungen mit dem sozialen Umfeld entsteht. Der Autor beschreibt Identität weiterhin als Fähigkeit, reflexiv aus sich selbst herauszutreten und sich damit zum Objekt zu werden, um sich ein Bild von sich selbst machen zu können. Somit wird auch hier der Zusammenhang zum Selbstkonzept, dem „Bild von sich selbst“, deutlich. Kurz gefasst bedeutet dies, dass das Selbstkonzept aus der Identität heraus entstehe (Mead, 1968, S.179ff.).

[...]

Details

Seiten
29
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638553131
ISBN (Buch)
9783638668347
Dateigröße
590 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v61979
Institution / Hochschule
Technische Universität Dortmund – Sportpädagogik
Schlagworte
Identitätsentwicklung Jugendalter Welche Rolle Sport Ausbildung Selbstkonzepts Einführung Sportpädagogik

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Identitätsentwicklung im Jugendalter. Die Rolle des Sports bei der Ausbildung des Selbstkonzepts