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Die "Individuellen Mythologien" des Michael Buthe

Hausarbeit 2005 19 Seiten

Kunst - Installationen, Aktionskunst, 'moderne' Kunst

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Hauptteil
1. Farben, Materialien, Gegenstande und Zeichen
2. „Weltkarte“
3. „Hommage an die Sonne“
4. „Le Dieux de Babylon“
5. Die Zeichnungen
6. Schluß

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Einleitung

„Wenn ich reise, tue ich das ja nicht, um irgendwie auszuflippen, sondern die Länder, in die ich fahre, interessieren mich, vor allem die Menschen.“

Michael Buthe

Michael Buthe verbrachte zwischen 1970 und 1972 mehrere Monate in Marrakesch und Essaouira, bis er schließlich 1973 in der Altstadt von Marrakesch ein Haus erwarb um dort zu leben und zu arbeiten. Von nun an pendelte er beständig zwischen Köln und Marokko, unternahm von dort aus weitere Reisen, unter anderem in den Maghreb, den Nahen Osten und nach Persien. So wurden nach und nach die Fetische der afrikanischen Stammeskultur, der zoroastische Feuerkult Persiens und die Mystik der islamischen Dichtung Elemente seiner künstlerischen Auseinandersetzung. Dabei interessierten ihn archaische Gesellschaftsformen ebenso wie verschüttete Ausdrucksformen, die empfangenen Anregungen trug er zurück in die westlich zivilisierte Welt. Der größte Teil seines Schaffens war der intensiven Auseinandersetzung mit der westlichen und der östlichen Mystik gewidmet und verband diese beiden unterschiedlichen Vorstellungen von der Welt in seiner Kunst.

Das interkulturelle Leben des Künstlers schlug sich in einer Fülle von Ausdrucksmöglichkeiten nieder. So schuf er Bilder, Objekte, Installationen, Environments, Performances und Texte. Dabei fanden sowohl die Architektur, das Handwerk und die Buchmalerei der islamischen Welt, als auch europäische Kulturvorstellungen Eingang in sein Werk.

War er Ende der sechziger Jahre eher der puristischen und farbarmen Konzeptkunst und der Arte povera zugewandt, entwickelte er nach seinen Reisen in das nördliche Afrika eine Kunst, die sich durch opulente Farbigkeit, ornamentale Muster, bizarre Gegenstände, enigmatische Zeichen auszeichnet. Fremdartigkeit und Exotik wurden von nun an die unverwechselbare Handschrift Buthes.

Dabei hat er sich nie in die Grenzen der kunstimmanenten Dialoge eingefügt. Daraus ist etwas entstanden, was Stephan von Wiese[1] „neue Welthaftigkeit“ und „Spiritualität“ in der Kunst genannt hat. Buthe transportierte durch seine Bilder- und Gedankenwelt den Kultus der Kunst in eine „heilige Kunst“, einer Kunst, die mit Symbolik, magischen Zeichen, Spuren, Relikten und Aktionsformen archaischer Gesellschaftsformen operiert. Diese „individuellen Mythologien“ sind als Gegenbilder zu einer immer mehr ökonomisch und durchrationalisierten Gesellschaft zu verstehen und verweisen so auf die Defizite des modernen Lebens.

Im folgenden werde ich versuchen, dies an einigen exemplarischen Werken Buthes zu verdeutlichen. Zunächst aber möchte ich mich wesentlichen Gestaltungsmittel zuwenden, mit denen er seine künstlerische Welt geschaffen hat.

Hauptteil

1. Farben, Materialien, Gegenstände und Zeichen

Buthe verwendete in seinen Arbeiten oft die Farben Rot und Blau, ähnlich wie Klee und Macke, die diesen Kontrast auf einer Tunisreise in dem Jahr 1914 für sich entdeckt hatten. Buthe bemerkte zu der Farbe Blau: „Das Blau ist aus Marrakesch, sehr dunkel und sehr konzentriert. Das gilt dort zu Ehren von Fatima, als Abwehrmittel gegen den bösen Blick.“[2] Diese Aussage war typisch für ihn, denn er zog immer wieder Bedeutungsebenen heran, die dem westlichen Menschen meist verschlossen sind.

Buthes Farbskala umfasst alle Buntfarben sowie deren unterschiedlichste Tonabstufungen vom Hellen und zum Dunkelen. Klee, der eine ähnliche Farbpalette nutzte, ist hinsichtlich der poetisch- märchenhaft anmutenden Wirkung seiner Werke sicherlich mit Buthe vergleichbar. Silber und Gold kommen ebenfalls häufig vor. Gold war für ihn auch keine Farbe im eigentlichen Sinne, sondern beschreibt einen Glückszustand. Das zentrale Motiv in seinem Werk, die Sonne, ist meist golden und wird so zu einem positiv besetzten Symbol.[3]

Der Eindruck des Orientalischen wird durch die Verwendung von Ornamenten unterstützt, die im arabischen Kunsthandwerk vor allem in der Keramik und der Textilkunst verwendet werden. Häufig überdecken die ornamenthaften Partikel die gesamte Bildfläche. So entsteht die Vorstellung einer Räumlichkeit hinter dem Schleiermuster, wie in dem Bild „Sterne“ (Abb.1) von 1988/89. Diese 200 x 200 cm große Collage besticht zunächst durch seine akzentuierte Farbigkeit. Die Farbschichten wurden lasierend aufgetragen, dabei verzichtete der Künstler in einigen Bildpartien darauf, die Leinwand erneut mit Farbe zu benetzen. So wechseln die Farben beständig zwischen kräftigem Rot und zartem Rosa, hellsten Spuren von violett und sparsam eingesetztem Gelb. Buthe scheint hier nicht mit Kalkül gearbeitet zu haben, der „flecken- und schleierhafte“ Charakter des Bildes lassen eher die Vermutung zu, dass der Zufall wesentlich die Wirkung des Bildes beeinflusst hat. Die schon erwähnte Räumlichkeit entsteht durch drei Gestaltungselemente: Buthe hat nicht direkt auf die Leinwand gemalt, sondern hat zunächst ein Raster aus quadratischen Papierstücken geschaffen, das durch die diffuse Bildstruktur so eben wahrnehmbar ist. Dieses geometrische Bildelement wird durch die schleierhafte Farbigkeit der Malerei aufgehoben. Obwohl hier kein Raum vorhanden ist hat man das Gefühl von Nähe und Ferne. Das kräftige Rot steht im Vordergrund, die eher blassen Farbschichten im Hintergrund. Der Betrachter kann aber dennoch nicht in diesen Tiefenraum „eintauchen“ da über das ganze Werk kleine violettfarbene Sterne verteilt sind, die sich wie eine Wand vor die Räumlichkeit schieben.

[...]


[1] von Wiese, Stephan: „Künstlerische Globalität- Zur Aktualität des Werks von Michael Buthe.“ In: von Wiese, Stephan/ Martin, Sylvia (Hg.) (1999):Michael Buthe- MICHEL de la SAINTE BEAUTE.Heidelberg 1999, S. 11.

[2] Martin, Sylvia: „Die Störche sind die direkte Linie zwischen Marrakesch und Köln- Zur Orientrezeption Michael Buthes.“ In: von Wiese, Stephan/ Martin, Sylvia (Hg.) (1999):Michael Buthe- MICHEL de la SAINTE BEAUTE.Heidelberg 1999, S. 28.

[3] ebenda.

Details

Seiten
19
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638552141
Dateigröße
554 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v61855
Institution / Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Note
2,5
Schlagworte
Individuellen Mythologien Michael Buthe

Autor

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