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Die Schlacht von Tannenberg aus der Sicht des ersten Weltkrieges

Hausarbeit 2004 13 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Schlacht von Tannenberg 1410
2.1 Die Vorgeschichte
2.2 Der Schlachtverlauf
2.3 Die Folgen der Schlacht von Tannenberg
2.4 Die polnische Darstellung der Schlacht

3. Die Schlacht von Tannenberg 1914
3.1 Vorgeschichte und Schlachtverlauf 1914
3.2 Folgen der Schlacht und die Propaganda nach dem Sieg

4. Mythos von Tannenberg am Beispiel des Tannenbergdenkmals:

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

7. Anhang

1.)Einleitung:

Thema der folgenden studentischen Hausarbeit ist die Schlacht von Tannenberg 1410 und ihre Darstellung, 504 Jahre später, im ersten Weltkrieg.

Warum wurde eine Schlacht des ersten Weltkrieges als Revanche für eine Niederlage gesehen , die man 504 Jahre zuvor erlitten hatte, obgleich weder Ort noch Kampfparteien vergleichbar waren ? Auf diese Frage verweist auch ein Zitat von Hindenburg , nach dem Sieg über die russische Armee 1914:

„Bei Tannenberg […] wurde 1410 das Ordensheer von den Polen und Litauern vernichtet. Jetzt nach 504 Jahren, kam die Revanche[1] “ Erst im Nachhinein wurde sie zu Propagandazwecken in Schlacht bei Tannenberg umbenannt. Die einzige in der deutschen Geschichtsschreibung bekannte Schlacht bei Tannenberg fand am 15 Juli im Jahre 1410 statt.

Zur Diskussion dieser Frage, werden in meiner Hausarbeit Quellen des 1.Weltkrieges und des Mittelalters herangezogen.

Hauptquellen sind der Schlachtbericht von General Ludendorff und die Bandria Prutenorum von Dlugosz. Zu Beginn steht ein Bericht, zu den Auslösern der Schlacht von Tannenberg 1410 und ihrem Ausgang. Außerdem befasse ich mich mit der Propaganda der Schlacht von Tannenberg 1914.

Hierbei gilt es die Parallelen und Unterschiede herauszustellen.

Der Schlachtverlauf selbst ist nicht vergleichbar, wohl aber die Hintergründe, die Menschen immer wieder veranlasst Kriege zuführen. Ein Teil meiner Arbeit ist auch die nähere Betrachtung der Strategie, die hinter dieser Propaganda stand.

2.)Die Schlacht von Tannenberg 1410:

2.1.)Die Vorgeschichte:

Am 15.Juli 1410 stehen sich bei Tannenberg das Heer des Deutschen Ordens unter Hochmeister Ulrich von Jungingen[2] und das Heer der polnisch-litauischen Union unter dem polnischen König Wladyslaw Jagiello und dem Großfürsten Witold[3] von Litauen gegenüber.

Die Schlacht gilt als Höhepunkt der Auseinandersetzungen des Deutschen Ordens mit dem polnischen König, dem sogenannten „grossen Streythe[4] “.

Der Schlacht voraus ging ein jahrzehntelanger „Heidenkampf“ des Ordens gegen die Litauer und Polen, legitimiert durch die goldenen Bullen von Rimini[5] (1226) und Rieti[6] (1234).

1386 wird der Litauer Wladyslaw Jagiello polnischer König und gründet zusammen mit seinem Vetter, dem Großfürsten Witold von Litauen, die Polnisch-Litauische Union. Für den Orden entstanden daraus zwei gravierende Probleme, die Entstehung eines starken Doppelstaates und die Gefahr eines Zweifrontenkrieges und den Verlust seiner Legitimationen für den Heidenkampf, da sowohl Polen als auch Litauen zum christlichen Glauben übertraten.

Dies führte dazu, dass König Wenzel (1399) und der Papst dem deutschen Orden, das Kreuzzugsrecht gegen die Litauer entzog..

Da der Orden die „Christianisierung“ Polens bzw. Litauens nicht anerkennt und seine Heidenkämpfe fortsetzte, kam es zum Konflikt zwischen dem Orden und der litauischen/polnischen Union. Jagiello und Witold standen dem Orden nach außen hin zuerst freundlich gegenüber. Im Jahre 1409 unterstützten beide gemeinsam einen Aufstand der Samaiten gegen den Orden mit Soldaten und Waffen. Ulrich von Jungingen erklärte daraufhin Witold den Krieg. Nachdem ein Vermittlungsversuch von König Wenzel scheiterte, kam es am 15.Juli 1410 zu der Entscheidungsschlacht bei Tannenberg.

2.2.) Der Schlachtverlauf:

Über die Heeresgröße ist nicht viel bekannt, die Schätzungen liegen bei 30.000 Mann auf der polnisch-litauischen Seite und 20.000 Mann auf Seiten des Ordens . Gesichert ist, dass die Polnisch-Litauische Union dem Deutschen Orden zahlenmäßig überlegen war. Diese Ungleichheit wurde jedoch durch die bessere Ausrüstung der Ordenkrieger ausgeglichen.

Jagiello und Witold bekamen Unterstützung durch Hilfstruppen der Tataren, Russen, Walachen[7] und Tschechen. Ulrich von Jungingen standen neben seinen Ordensrittern auch noch angeworbene Söldner zur Verfügung. Der verbündete livländische[8] Hochmeister verweigerte seine militärische Unterstützung, mit der Begründung, er habe vor kurzem einen Vertrag mit Witold geschlossen, den er nicht brechen könne. Diese ausbleibende Unterstützung schwächte den Orden entscheidend und ist nach Meinung von Marian Tummler der Grund für die Niederlage.

Die Frontlinie verlief ca.3km zwischen den Dörfern Grundwald, Tannenberg und Ludwigsdorf. Das hochgerüstete Ordensheer wurde nach anfänglichen Erfolgen vernichtend geschlagen. Hauptgründe waren vor allem Abstimmungsprobleme unter den einzelnen Regimentern. So flohen nach dem Tod des Hochmeisters Ulrich von Jungingen, viele Ritter und ermöglichten den Polen und Litauern den Sieg.

Die Anzahl der Gefallenen ist bis heute nicht erforscht, sicher ist nur, dass der Hochmeister Ulrich von Jungingen[9] starb, so auch ein großer Teil der Ordens- führung.

Jan Dlugosz beschrieb in seiner Darstellung[10] die Schlacht und betont, die Habgier und der Hochmut der Ordensritter seien durch Gott selbst bestraft worden. Das Heereslager wurde , so beschrieb er, innerhalb einer Viertelstunde von den siegreichen polnischen Rittern verwüstet und geplündert.

2.3.) Die Folgen der Schlacht von Tannenberg

Die Schlacht von Tannenberg kann als Anfang vom Niedergang des Deutschen Ordens gesehen werden, diese Ansicht vertreten ein Großteil der Historiker, wie zum Beispiel, Hartmut Boockmann. Preußen und der deutsche Orden verlor in dieser Schlacht seine „Führungselite“.

Der Mythos der Unbesiegbarkeit des Ordens war endgültig gebrochen, wobei der psychologische Verlust den strategischen bei weitem übertraf . Zumal hiermit der Nimbus der Unbesiegbarkeit zerstört wurde. Dieses hatte zur Folge, dass die Kreuzfahrerhilfe aus anderen Ländern rapide abnahm. So mußte der Orden noch mehr Söldner anwerben, was kaum noch zu finanzieren war. Hinzu kamen die Lösegeldforderungen für hohe Ordenmitglieder und andere Forderungen seitens der Sieger. Der Orden musste erstmals in seinem Gebieten Steuern erheben, um die Ordenskasse zu füllen, was zu starken Widerstand der Bevölkerung führte. Auch spätere Konflikte[11], blieben für den Orden ebenfalls erfolglos und auch aus den folgenden Friedensverträgen[12] ging der Orden geschwächt hervor. Weitere Gründe für den Niedergang sieht Hartmut Boockmann die Konflikte innerhalb des Ordens. Es gab immer wieder Streit um das Amt des Hochmeisters und die Macht im Orden. Verschiedene Landesgruppierungen versuchten an Einfluss zu gewinnen.

Daher betont Hartmut Boockmann, dass nicht nur die äußeren Bedingungen den Deutschen Orden schwächten, sondern auch innere Streitigkeiten.

Im zweiten Thorner Frieden von 1466 musste der Orden sogar Polen als Macht anerkennen und wurde zu Tributzahlungen an Polen verpflichtet. Darüber hinaus gingen große Teile seines Ordensstaates[13] verloren, unter anderem auch die Marienburg.

2.4.)Die polnische Darstellung der Schlacht

In der polnische Geschichtsschreibung wurde die Schlacht als Schlacht von Grunwald bezeichnet und gilt als ein wichtiges Ereignis in der polnischen Geschichte. Den Stolz auf den Sieg über den Deutschen Orden zeigte auch die Tatsache, dass die in der Schlacht eroberten Feldzeichen bzw. Banner in der Kathedrale auf dem Wawel als Trophäen und Zeichen des Sieges hängen .

Besonders im 19.Jahrhundert stieg die Schlacht von 1410 zu einem polnischen „Nationalmythos“ auf. Henryk Sienkiewicz[14] beschrieb in seinem 1900 erschienen Buch „Krzyzacy - Die Kreuzritter“ die Skrupellosigkeit der Ordensritter und ihres Heidenkampfes und den Einfluss dieser Zeit auf die polnische Volksseele. Seiner Meinung nach kam das Wort Krzyacy einer Verwünschung gleich. Die Schlacht von Grunwald wurde nicht nur ein bevorzugtes Thema in der Literatur, sondern auch polnische Maler wie Jan Matejko[15] (1872) beschäftigten sich mit diesem Thema.

So wurde dieses Ereignis von den Beteiligten beliebig interpretiert und in die eigene Geschichtsschreibung eingeordnet. Offensichtlich verstärkte der aufkommende Nationalismus des 19.Jahrhunderts in Europa diese Neigung zur idealisierten Interpretation und schwärmerischer Identifikation .

[...]


[1] Hindenburg in einem Brief an seine Frau am 30.August 1914.

[2] 25.Hochmeister des deutschen Ordens von 1393 bis 1407

[3] Russisch auch Vytautas genannt, der Vetter des polnischen Königs Jagiello

[4] Begriff der Geschichtsschreiber des Orden für den Konflikt zwischen dem Deutschen Orden und dem Königtum Polen-Litauen.

[5] Urkunde von Kaiser Friedrich II enthielt den Auftrag zum Kampf gegen die heidnischen Pruzzen und auch die Zusicherung Landeshoheit über die eroberten Gebiete

[6] Urkunde von Papst Gregor IX. bestätigt dem Orden die Herrschaft über das Kulmer Land und über die eroberten Gebiete im Pruzzenland. Damit korrespondierte diese Urkunde mit der Goldene Bulle von Rimini

[7] Volk in Südosteuropa

[8] Livland: Region des heutigen Estland und Lettland.

[9] Indiz dafür sind zum Beispiel Umstände der Wahl des Komturs Heinrich von Plauen zum Hochmeister

[10] Banderia Prutenorum von 1448

[11] wie den 13.jährigen Krieg des Orden gegen die Polnisch-Litauische Union von 1454 bis 1466

[12] zum Beispiel erster Frieden von Thorn 1411 und zweiter Frieden von Thorn 1466

[13] unter anderem Gebiete wie die Samaiten, die Pomerellen, das Kulmerland und mit Putzig und Mewe auch den Anschluss ans Reichsgebiet

[14] polnischer Historiker 1846-1916

[15] polnischer Historienmaler 1838-1893 Berühmte Werke wie die Darstellung der Schlacht von Tannenberg/Grunwald um 1878.

Details

Seiten
13
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638551052
Dateigröße
404 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v61702
Institution / Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover – Historischen Seminar
Note
1,5
Schlagworte
Schlacht Tannenberg Sicht Weltkrieges Geschichte Deutschen Ordens

Autor

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