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Die staatliche Formierung der Mandschuren bis zur Machtübernahme in China 1644

Hausarbeit 2004 16 Seiten

Geschichte - Asien

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Chronologische Tabelle des behandelten Zeitraums

3. Der Aufstieg Nurhacis bis
Die Ausgangslage des Nurhaci
Einigungspolitik und Schaffung erster Strukturen
Der Machtzerfall der Ming
Schaffung einer eigenen Schrift
Die Niu Lu
Zwischenfazit I:

4. Politische Strukturierung zu Beginn des 17. Jhds
Das Bannersystem
Wendung gegen die Ming

5. Die Bürokratie des Abahai
Voraussetzungen für einen neuen Herrscher
Neue Organe werden geschaffen
Schwächung der Bannerführer
Das Wenguan
Die 6 Ministerien
Beamtenprüfungen
Weitere Umstrukturierungen und Die Ausrufung der Qing-Dynastie
Die Nei San Yuan
Zensorat und Li Fan Yuan
Zwischenfazit II:

6. Schlussbetrachtung

7. Literaturverzeichnis

8. Anhang
Chinesische Begriffe in Zeichen, Umschrift und Übersetzung.

1. Einleitung

Die Mandschuren der Qing-Dynastie (1644 – 1911) waren die bisher letzten fremden Herrscher über China. Sie lösten 1644 die vorausgegangene Ming-Dynastie ab und konnten die Herrschaft in China über fast drei Jahrhunderte halten. Das verdanken sie unter anderem einer guten Vorbereitung der Machtübernahme.

Bereits ein halbes Jahrhundert bevor die Mandschuren in Peking einmarschierten und die Qing-Dynastie begründeten, hatte der langwierige Prozess ihrer Reichsbildung begonnen.

Nurhaci, ein Stammesfürst der Dschurdschen, die sich später in “Mandschuren“ umbenannten, hatte die Stämme der östlichen Mandschurei geeinigt und ließ sich selbst 1616 zum Khan der Dschurdschen ausrufen. Er gründete die Dynastie der Späteren Jin und begann, nach und nach die Gebiete der Mandschurei einzunehmen. Nach seinem Tod 1626 führte sein Nachfolger Abahai sein Werk fort.

In der kurzen Zeit bis 1644 hatten es die ehemaligen Reiter- und Jägervölker geschafft, sich so gut zu organisieren, dass sie die Macht in Peking übernehmen konnten.

In dieser Hausarbeit möchte ich versuchen, die Entwicklung der staatlichen Formierung der Mandschuren während der Regierungszeiten Nurhacis und Abahais nachzuvollziehen.

Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei dem Aufbau von Verwaltungswesen und bürokratischen Strukturen.

Eine Anmerkung noch zur Verwendung chinesischer und mandschurischer Begriffe: Für die Umschrift chinesischer Wörter und Titel verwende ich in der Regel Pinyin, außer bei Bezeichnungen, die sich im Deutschen entsprechend eingebürgert haben (z.B. Mandschurei anstelle von Manzhou, Peking anstelle von Beijing). Eine Liste der chinesischen Begriffe mit Zeichen findet sich im Anhang. Die Wörter dieser Liste sind jeweils bei ihrer ersten Verwendung mit „(*)“ gekennzeichnet. Bei Wörtern aus dem Mandschurischen übernehme ich mangels eigener Kenntnisse die in der Literatur verwandte Transkription.

2. Chronologische Tabelle des behandelten Zeitraums

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[1]

3. Der Aufstieg Nurhacis bis 1600

Die Ausgangslage des Nurhaci

Die Gebiete der heutigen Mandschurei waren traditionell von Jägervölkern und Nomaden bewohnt. Trotzdem gab es dort schon im 10. Jahrhundert erste Reichsbildungen, und zwar durch die Dynastien Liao(*) (907-1125) und Jin(*) (1125-1234) der Kitan und Dschurdschen.

Nach dem Fall ihrer Dynastie 1234 zogen sich die Dschurdschen in den Norden zurück. Drei verschiedene Dschurdschen-Stämme (Jianzhou, Haixi und Yeren) verteilten sich dort auf unterschiedliche Regionen. Die Jianzhou-Dschurdschen hatten sich im Gebiet des Changbai Shan(*) („Langer weißer Berg“) nördlich der koreanischen Grenze angesiedelt.

Dort kam 1559 als Sohn einer Adelsfamilie der Jianzhou Nurhaci zur Welt. Seine ausführliche Lebensgeschichte hatte mit Sicherheit großen Einfluss auf seine politische Laufbahn, trotzdem will ich sie hier vernachlässigen, da das wohl für diese Arbeit zu weit führen würde. Nur soviel dazu: Als junger Mann verdiente Nurhaci seinen Lebensunterhalt zeitweilig durch Handel, u.a. auf dem Markt in Fushun(*). So hatte er intensiven Kontakt zu China, lebte teilweise sogar dort und lernte die chinesische Schrift zu lesen. Außerdem machte er sich mit chinesischer Geschichte und den militärischen Strategien der Ming-Dynastie vertraut. Später sollte ihm dieses Wissen gute Dienste im Kampf gegen die Ming erweisen.[2]

Einigungspolitik und Schaffung erster Strukturen

Vater und Großvater von Nurhaci waren mächtige und anerkannte Herrscher. Sie fielen 1582 in einer Schlacht gegen einen militärischen Führer der Ming, Li Chengliang aus Liaodong(*), sodass Nurhaci schon in jungen Jahren zum Stammesfürst der Jianzhou-Dschurdschen aufstieg. Er setzte sich zum Ziel, den Tod seines Vaters und Großvaters zu rächen. Das hatte wohl Einfluss auf seine ganze Laufbahn, seine Strategie und seine Herrschaft.[3]

Schon kurz darauf begann Nurhaci, seine Macht immer weiter auszudehnen. Er verband die benachbarten Dschurdschen- und Mongolenstämme durch geschicktes Heiraten mit seinem Klan. Wer dazu nicht bereit war, wurde im Krieg annektiert.[4]

Der Machtzerfall der Ming

Die äußeren Voraussetzungen waren dabei für ihn recht günstig: der Machtzerfall der Ming-Dynastie schritt immer weiter voran und ihre Versuche, die Gebiete der Dschurdschen (und deren Nachbarn) unter ihre Kontrolle zu bringen, schlugen fehl. Sie verschafften den Führern der Dschurdschen sogar eher Vorteile im Kampf. Denn aufgrund der Sinisierungsmaßnahmen der Ming hatten die Dschurdschen genaue Kenntnisse ihrer Taktiken und beherrschten Schrift und Sprache. Sie waren somit in der Lage, ihre Position den chinesischen Machthabern gegenüber auszubauen damit den inneren Zusammenhalt zu stärken.[5]

Schaffung einer eigenen Schrift

1599 unternahm Nurhaci einen weiteren wichtigen Schritt im Einigungsprozess der Dschurdschen: er ließ eine eigene Schrift entwickeln, die auf dem Mongolischen aufbaute.[6] Eine einheitliche Schrift, das zeigt nicht zuletzt auch die chinesische Geschichte, schafft eine wichtige Grundlage für den erfolgreichen Zusammenhalt unterschiedlicher Gruppen, wie es sie auch unter den Dschurdschen gab. Sie grenzt ihre Nutzer von anderen ab und schafft ein Zugehörigkeitsgefühl.

Zuvor wurde die schriftliche Kommunikation der Dschurdschen auf Mongolisch geführt. Die Einführung einer Schrift für ihre eigene Sprache bedeutete also auch, dass nun nicht mehr ausgebildete Spezialisten, die des Mongolischen mächtig waren, für die Korrespondenz benötigt wurden.[7]

Die Niu Lu(*)

Nachdem er nun die Dschurdschen unter sich geeinigt hatte, schuf Nurhaci 1601 die militärische Einteilung seiner Armee in Niu Lu, die Einheiten, die dem 1615 folgenden erweiterten Bannersystem[8] zu Grunde lagen. Damit konnte er den inneren Aufbau der Dschurdschen straffen und vereinheitlichen.[9]

Der Begriff Niu Lu stammte von dem Wort der Dschurdschen für „Bogen“ und wurde zuvor bereits benutzt, um militärische Gruppen zu benennen. 1601 nun wurde die gesamte Armee in jeweils 300 Mann starke Niu Lu unter Führung ausgewählter Offiziere eingeteilt.[10]

[...]


[1] Chinesich: Nu´erhachi.

[2] vgl. Roth Li. S. 28.

[3] Vgl. Crossley 1997: S. 50-52.

[4] vgl. Spence. S. 44.

[5] vgl. Linke: S. 22, 23.

[6] Vgl. Dabringhaus: S. 20.

[7] Vgl. Linke: S. 34, 35.

[8] Siehe auch Kapitel 4: Politische Strukturierung zu Beginn des 17. Jahrhunderts, Absatz:
Das Bannersystem.

[9] vgl. Linke: S. 34.

[10] Vgl. Michael: S. 64.

Details

Seiten
16
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638550925
ISBN (Buch)
9783656792970
Dateigröße
538 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v61685
Institution / Hochschule
Philipps-Universität Marburg – Geschichte und Kulturwissenschaften
Note
1,0
Schlagworte
Formierung Mandschuren Machtübernahme China Geschichte Chinas

Autor

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Titel: Die staatliche Formierung der Mandschuren bis zur Machtübernahme in China 1644