Lade Inhalt...

Mobbing - Psychoterror am Arbeitsplatz

von Rico Kullik Kristin Eberling

Hausarbeit 2006 30 Seiten

BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Was ist Mobbing?

2. Warum wird gemobbt?
2.1. Weshalb mobbt der Täter?
2.2. Gibt es „typische“ Mobbing-Opfer?
2.3. Gibt es mögliche Defizite in der Arbeitsorganisation?

3. Wie wird gemobbt?

4. Welche Folgen entstehen für Opfer und Täter?

5. Gibt es Schutzmöglichkeiten?

6. Quellenverzeichnis

1. Was ist Mobbing?

Feindseliges, drangsalierendes und schikanierendes Verhalten in der Arbeitswelt – das assoziiert die breite Öffentlichkeit mit Mobbing. Mobbing ist ein Modewort für ein Phänomen, das so alt ist wie das gemeinsame Arbeiten der Menschen und das, verbunden mit dem zunehmenden Leistungs- und verschärften Konkurrenzdruck am Arbeitsplatz, eine neue Dimension annimmt. Es geht auf das englische Wort „mob“ zurück. Als Verb „to mob“ hat das Wort die Bedeutung von „anpöbeln, angreifen, attackieren, lärmend über jemanden herfallen “. Das Substantiv „mob“ beschreibt einen „zusammengerotteten Pöbelhaufen; ein Gesindel, Bande, Sippschaft“. Heutzutage wird demnach der Terminus Mobbing benutzt, um die Handlung von Menschen zu bezeichnen, die - überwiegend am Arbeitsplatz - Mitarbeiter/innen, Kolleginnen/Kollegen oder Vorgesetzte schikanieren. Differenzierend kann von Bossing gesprochen werden, wenn die Schikane von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern durch deren Vorgesetzte stattfindet. Wird in der Schule unter Schülern gemobbt, hat sich der Begriff Bullying durchgesetzt.[1]

Es ist vorauszuschicken, dass es in der Literatur unzählige verschiedene Definitionen zu dem Begriff Mobbing gibt, die alle auf ihre Weise richtig und wahr sind. Die am weitesten verbreitete Definition ist die von dem wohl bekanntesten Mobbingforscher Leymann:

„Der Begriff Mobbing beschreibt negative kommunikative Handlungen, die gegen eine Person gerichtet sind (von einer oder mehreren anderen) und die sehr oft und über einen längeren Zeitraum hinaus vorkommen und damit die Beziehung zwischen Täter und Opfer kennzeichnen.“[2] Leymann hat nach empirischen Untersuchungen 45 Handlungen aufgelistet, die charakteristisch für das Mobben sind. Er behauptet, dass, wenn eine oder mehrere dieser 45 genau beschriebenen Aktionen über ein halbes Jahr oder länger mindestens einmal pro Woche vorkommen, von Mobbing gesprochen werden kann.

Diese Handlungen, auf die an späterer Stelle noch genauer eingegangen werden soll, beinhalten Angriffe auf die Möglichkeiten, sich mitzuteilen, Angriffe auf die sozialen Beziehungen, auf die Qualität der Berufs- und Lebenssituation sowie auf die Gesundheit und Auswirkungen auf das soziale Ansehen.[3] Da Leymanns Definition jedoch nicht alle relevanten Aspekte und Problematiken hinsichtlich eines Mobbingfalles aufweist, soll im Folgenden seine Definition ergänzt bzw. korrigiert werden. Laut Zuschlag zeichnet sich Mobbing durch schikanöses Handeln einer oder mehrerer Personen aus, das gegen eine Einzelperson oder eine Personengruppe gerichtet ist und meistens über einen längeren Zeitraum wiederholt wird. In den Aktionen ist grundsätzlich die Täter-Absicht involviert, das (die) Opfer bzw. sein(ihr) Ansehen zu schädigen oder einem unausweichlichen psychosozialen Stress auszusetzen und möglicherweise aus seiner (ihrer) Position zu vertreiben.[4] Diese Ergänzungen sollen ebenso dazu dienen, „normale“ Ärgernisse und Reibereien am Arbeitsplatz eindeutig von Mobbing-Aktivitäten abzugrenzen.

2. Warum wird gemobbt?

Es kann vorkommen, dass gemobbt wird, ohne dass der beteiligte Täter ebenso wenig wie das Opfer oder die Umgebung es erkennen. Dies zeigt, dass Mobbing nicht in jedem Fall absichtlich erfolgt. Klar davon abzugrenzen ist jedoch der Mobbing-Vorsatz, bei dem bewusst eine Schikane-Strategie eingesetzt wird, um einem anderen zu schaden. Davon differenziert sich auch noch einmal der krankhafte Mobbing-Antrieb. Hierbei können die Mobbing-Handlungen nicht mehr willentlich beeinflusst werden, sondern werden nahezu automatisch wie eine Zwangshandlung ausgeführt („Mobben als Sucht“).[5] Trotz allem sind die Ursachen für Mobbing nicht immer leicht aufzudecken, denn die Arbeitswelt ist durch ein komplexes Geflecht von persönlichen Beziehungen und institutionellen Rahmenbedingungen geprägt. Um die Frage beantworten zu können, warum nun gemobbt wird, müssen drei Komponenten näher betrachtet werden: die in den Mobbingprozess involvierten Parteien - sprich der Täter und das Opfer - und die Arbeits- und Betriebsorganisation.[6]

2.1. Weshalb mobbt der Täter?

Es stellt sich die Frage, weshalb mobbt genau dieser Täter gerade dieses Mobbing-Opfer mit genau dieser Methode zu eben diesem Zeitpunkt? Eine zentrale Rolle können mögliche Antipathien spielen; genauer ausgedrückt, man kann jemanden aus den verschiedensten Gründen einfach nicht leiden. Im Allgemeinen setzen sich die Mobbing-Antriebe bzw. -Motive aus persönlich angestrebten Zielen und möglichen Ängsten zusammen.[7] Der Selbsterhaltungstrieb steht dabei immer im Vordergrund. Der Mobber will seine Position behaupten, sie sichern und bewahren und hat Angst vor Autoritätsverlust und Machteinbuße. Vor allem in Betrieben mit hohem Erfolgsdruck und scharfer Konkurrenz wird nicht selten versucht, bestimmten Personen Fehler und Pannen zuzuschieben, um sich selbst zu schützen und möglicherweise sogar von eigenen Defiziten abzulenken. Mobbing kann daher gezielt als Karrierestrategie im harten Konkurrenzkampf Anwendung finden.

2.2. Gibt es „typische Mobbing-Opfer“?

Grundsätzlich kann jeder zu einem Mobbing-Opfer werden. Dennoch ist die Wahrscheinlichkeit nicht für jeden gleich. Denn bestimmte Verhaltensweisen, Fähigkeiten oder auch Äußerlichkeiten erhöhen oder verringern die Aussicht, als Zielscheibe für Mobbing-Schikanen zu agieren.

Ein Streitpunkt in der Mobbingliteratur ist die Frage, - ob das Opfer als Opfer ausgesucht wurde, sich geradezu „angeboten“ hat, möglicherweise weil es schwach ist und Fehler gemacht hat oder weil es auffällig abweichend ist, oder - ob eine vorher völlig normale Person zum Opfer degradiert wurde, indem sie so behandelt wurde, dass sie Fehler machte und abweichendes Verhalten aufwies.[8] In der Arbeitswelt ist mit Sicherheit beides anzutreffen. Die Alltagserfahrung zeigt, dass Mitmenschen allein auf Grund von stigmatisierenden Merkmalen, die sie zu Mitgliedern von Randgruppen machen, attackiert werden. Dazu gehören beispielsweise Menschen mit ansteckenden Krankheiten (z.B. HIV-Infizierte), Behinderte in Rollstühlen, bestimmte Menschengruppen im Dritten Reich (z.B. Juden, psychisch Kranke, Homosexuelle), Farbige, politisch Links- oder Rechtsradikale oder Autofahrer (z.B. MANTA-, Mercedes-Fahrer). Die Liste lässt sich noch erweitern. Im Berufsalltag werden jedoch noch zusätzlich Menschen gemobbt, die nicht zu jenen Risikogruppen zählen, die aber offenbar etwas ausstrahlen, so dass sie Anreize für Schikanen liefern. Leistungsprobleme (erforderliche Kenntnisse fehlen), eine gestörte Persönlichkeit (arrogant, hinterhältig, intrigiert, „schleimerisch“, hilflos), soziale Anpassungsprobleme (Diffamieren von Mitarbeitern, sich absondern, schüchtern sein) und Auffälligkeiten der äußeren Erscheinung (kleinwüchsig, zu groß, bucklig, fettleibig) sowie Krankheiten (Pubertätsakne, Tics, penetranter Körpergeruch) können an dieser Stelle genannt werden. Es muss jedoch darauf hingewiesen werden, dass diese Besonderheiten nicht automatisch Anstoß zum Mobben sind. Geeignete innerbetriebliche Interaktionsbedingungen und auch ein zum Mobbing bereiter Täter sind erforderlich.[9]

[...]


[1] Vgl. Zuschlag, B., Mobbing. Schikane am Arbeitsplatz, Göttingen 2001, S.3

[2] Ebenda, S.4

[3] Vgl. Zuschlag, B., a.a.O., S.5 ff

[4] Vgl. ebenda, S.6

[5] Vgl. ebenda, S.31 ff

[6] Vgl. Zuschlag, B., a.a.O., S.31 ff

[7] Vgl. ebenda, S.35 ff

[8] Vgl. Neuberger, O., Mobbing. Übel mitspielen in Organisationen,

München 1999, S.53

[9] Vgl. Zuschlag, B., a.a.O., S.39 ff

Details

Seiten
30
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638548816
Dateigröße
947 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v61415
Institution / Hochschule
Fachhochschule für Wirtschaft Berlin
Note
1,3
Schlagworte
Mobbing Psychoterror Arbeitsplatz Strategisches Management

Autoren

Teilen

Zurück

Titel: Mobbing - Psychoterror am Arbeitsplatz