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Die Agoge. Erziehung und Ausbildung im antiken Sparta: Idealbürger oder Kriegsroboter?

Seminararbeit 1998 13 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I. Grausame Auslese

II. Das Elternhaus- Erste kurze Station

III. Die Gruppenerziehung

IV. Stehlen als Talent

V. Pädagogen und Päderasten

VI. Schlußbetrachtung

VII. Literaturverzeichnis

Einleitung:

„Grieche wird man nicht durch Geburt, sondern durch Erziehung, und sie ist es auch , die einen Griechen von einem Barbaren unterscheidet.“ (Isokrates, 436- 338 v. Chr.)

Dieser Ausspruch Isokrates galt auch für Sparta, obwohl die Erziehung über welche dieser einflußreiche Rhetoriklehrer und politische Schriftsteller Athens

sprach in dem Kriegerstaat anders ausgerichtet war als in anderen griechischen Staaten.

Sparta, dessen Gesellschaft sich streng in drei Klassen gliederte- die Heloten (Staatssklaven), die Periöken (Umwohner ohne politische Rechte) und die herrschende Klasse der Spartiaten- hatte nicht nur eine spezifische Staatsform, sondern auch ein von anderen griechischen Städten unterschiedliches Erziehungs- und Ausbildungssystem (agoge).

Über diese agoge des im Eurotastal gelegenen Stadtstaaten Sparta und die Frage ob sie zur Ausbildung von Idealbürgern oder zu Kriegsrobotern führte, soll in der folgenden Ausarbeitung Stellung genommen werden.

Zur weiteren Information soll nun kurz ein Umriß des Regierungssystems Spartas gegeben werden, bevor dann in Kapitel I die Ausarbeitung der eigentlichen Arbeitsfrage beginnt.

An der Spitze Spartas standen zwei Könige (aus den Familien der Agiaden und der Eurypontiden), deren Macht durch fünf jährlich wechselnden Ephoren, die Vorsteher der fünf Dörfer (aus denen sich Sparta zusammensetzte), eingeschränkt wurde. Diese Ephoren besaßen umfassende Vollmachten in der Verwaltung und der Gerichtsbarkeit. Sie wurden, gemeinsam mit der Gerousia, dem Rat der Alten von der Apella (die Volks- oder Heeresversammlung) gewählt. Zur Apella waren nur Spartiaten zugelassen, welche das 30. Lebensjahr vollendet hatten.

I. Grausame Auslese

Spartas Erziehung verstand es, mit den ihr eigenen strengen Mitteln, die jungen Menschen in der gewünschten Art zu formen.

Diesen strengen Formen mußte ein Spartiat schon von seiner Geburt an entsprechen. So wurde nicht jedes neugeborene Kind ohne weiteres der spartanischen Erziehung für würdig befunden. Jeder Vater mußte sein Kind an einen bestimmten Ort tragen, wo es von einem Ältestenrat auf seine „körperliche Tauglichkeit“[1] hin begutachtet wurde.

War das Kind gesund, stark und ohne körperliche Behinderung, so ließen die Ältesten es den Vater aufziehen und wiesen ihm eins der neuntausend Landlose zu.

Wurde das Kind als zu schwach und nicht lebensfähig eingeschätzt brachte man es ins Taygetosgebirge und setzte es dort aus oder warf es in die sogenannte Apothetai (ein tiefes Loch am Taygetosgebirge).

Die Spartaner glaubten, daß ein Mensch der schon von Geburt an schwach und gebrechlich war, sowohl sich selbst als auch dem Staat zu Lastfallen müsse.

Da das spartanische Erziehungsmodell ausschließlich auf den Staat ausgerichtet war und es nur Tugenden förderte die dem Staat Nutzen brachten ist diese grausame Auslese mit heutigen humanitären Empfindungen nicht zu erklären.

Zudem galt ein mißgebildetes oder auch geistig behindertes Kind als göttliche Strafe und brachte somit Schande über seine Familie.

Heute wird die spartanische Kindesaussetzung als Relikt uralter Vorstellungen aus der Wanderzeit der Dorier erklärt[2]

II. Das Elternhaus- erste kurze Station

Hatte ein Kind die Überprüfung durch den vom Staat beauftragten Ältestenrat positiv hinter sich gebracht, kam es für die ersten sieben Lebensjahre in den Familienbund.

Es ist zu erwähnen, daß Mädchen nach ihrer Geburt ebenso der „Tauglichkeitsprüfung“[3] unterzogen wurden wie die neugeborenen Jungen.

Im elterlichen Haushalt wurden die Kinder in die Anfangsgründe des spartanischen Lebens eingeführt. Zu diesem gehörte Sorgfalt aber auch schon die Gewöhnung an die künftige Strenge.

Die Erziehung wurde zumeist von den Eltern und von Ammen übernommen, die zum überwiegendem Teil aus den Reihen der Heloten und Periöken stammten. Diese besonders für ihren Beruf qualifizierten Kinderfrauen genossen, aufgrund ihrer Erziehungsmethoden, in ganz Griechenland einen guten Ruf.

Schon im frühen Kindesalter galt die spartanische Erziehung der Abhärtung. Die Kinder hatten mit jeder ihnen vorgesetzten Speise vorlieb zu nehmen. Man ließ sie, um jede Furcht zu verlieren, lange Zeit im Dunkeln und bestrafte jede Unartigkeit, Weinen oder Aufbegehren streng. Denn das Ziel der spartanischen agoge war die Vorbereitung auf ihren Beruf als Krieger bzw. Hoplit und nicht das heranbilden von kritischen und mündigen Staatsbürgern.

Im Mittelfeld der Erziehung, auch schon der Kleinsten, stand die körperliche Ertüchtigung und die Fähigkeit Schmerzen zu erleiden und Mangel zu erfahren.

Die Kindheit eines Spartaners verlief zum großen Teil recht freudlos, obwohl es sicherlich nie ganz gelang alle natürlichen kindlichen Regungen zu unterdrücken.

So zeigte man sich in der Gegenwart von Fremden seinen Kindern gegenüber streng und unerbittlich, aber in den Stunden wo man allein mit seinen Kindern war, wurde auch Zuneigung gezeigt und spielerischer Unfug mit den kleinen getrieben.

III. Die Gruppenerziehung

Wenn die Kinder das siebte Lebensjahr vollendet hatten, trennten sich die Wege der Jungen und Mädchen.

Die Knaben kamen in die Obhut von staatlichen Aufsehern, während die Mädchen eine „sorgfältige Ausbildung“[4] unter der Aufsicht der Mutter zu Hause genossen.

[...]


[1] Batrusch, Ernst, Sparta. Geschichte Gesellschaft Kultur, München 1998. S.34

[2] Weber, W. Carl, Die Spartaner. Enthüllung einer Legende, Herrsching 1989. S.55-70

[3] Baltrusch, Ernst, Sparta. Geschichte Gesellschaft Kultur, München 1998. S.82

[4] Baltrusch, Ernst, Sparta. Geschichte Gesellschaft Kultur, München 1998. S.122

Details

Seiten
13
Jahr
1998
ISBN (eBook)
9783638548335
ISBN (Buch)
9783638753005
Dateigröße
466 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v61361
Institution / Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Note
1,3
Schlagworte
Agoge Erziehung Ausbildung Sparta Idealbürger Kriegsroboter

Autor

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