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Vanessa Beefcroft

Seminararbeit 2006 14 Seiten

Kunst - Installationen, Aktionskunst, 'moderne' Kunst

Leseprobe

Inhalt

Vorwort

Biographie

VB01

VB03

VB39

VB45

Louis Vuitton und Vanessa Beecroft

Uniformierung

Rollen

Material

Fotografie und Film

Tableau vivant

Quellen

Vorwort

Es wird versucht anhand ausgewählter Beispiele einen Eindruck über Beecrofts Arbeit zu vermitteln. Anschließend werden einzelne Elemente ihrer Performances und der Dokumentation behandelt. Wir bezeichnen Beecrofts Arbeit als Performance und gehen im letzten Teil auch auf den Begriff des Tableau vivant ein.

Biographie

Vanessa Beecroft wurde 1969 in Genua geboren. Bis zu ihrem 18. Lebensjahr besuchte sie das künstlerischen Gymnasium in Genua, danach bis 1994 die Accademia di Belle Arti di Brera in Mailand. Während ihrer Studienzeit an der Akademie wollte sie keine Kunst machen – sie konzentrierte sich auf das Bühnenbild von historischen Theaterstücken und interessierte sich für Film. Sie lebt und arbeitet in New York.[1]

Seit dem Ende ihrer Studienzeit an der Akademie kreiert Beecroft Performances. Ihre Arbeiten sind mit ihren Initial VB und einer darauf folgenden fortlaufenden Nummer - startend bei 01 - chronologisch bezeichnet.

„Bis heute arbeite ich nur, wenn ich engagiert werde.“[2] Zitat Beecroft.

Anhand von Performancebeispielen soll ein Einblick in Beecrofts Arbeitsweise gegeben werden:

VB01

Vanessa Beecroft präsentierte 1993 ihre Aquarelle in der Inga-Pin Galerie in Milan. Außerdem ein weißes Buch – „The book of food“. Inhalt: eine Liste jener Nahrungsmittel, die Beecroft seit 1987 zu sich genommen hatte. Sie hatte über acht Jahre ein obsessives Essenstagebuch geführt, um ihre Diät zu überwachen.

„The book of food“ waren ihre persönlichen Aufzeichnungen, diese veröffentlichten ihre Beziehung zum eigenen Körper. Die zur Schau Stellung ihrer krankhaften Obsession mit Nahrungsmitteln wurde durch die Anwesenheit eines „speziellen Publikums“[3] verallgemeinert.

Dieses spezielle Publikum waren 30 Frauen, die als Bindeglied zwischen Zeichnungen und Buch herangezogen wurden. Das Buch war das konzeptuelle Dokument, das in Verbindung mit ihren Zeichnungen stand.

Die Frauen wurden von Beecroft selbst ausgewählt. Es waren Frauen, die an Figuren von Piero della Francescas Malerei, an Jean-Luc-Godars Filme oder an Modelle in der Vogue erinnerten. Sie ähnelten aber auch Heiligendarstellungen, die mit den Objekten ihres Martyrums gezeigt werden. Die Frauen, die Beecroft wählte, flanierten mit Äpfeln oder Thermoskannen herum. Sie hatten alle eine gewisse Obsession zu Nahrung. Sie waren groß und dünn und ihre Haare hatten kräftige und leuchtende Farbtöne. Zur Eröffnung trugen die sie Kleidungsstücke aus Beecrofts Garderobe. Durch das Einkleiden der Frauen war es Beecroft möglich, sie analog zu ihren Zeichnungen zu kolorieren.

Die Öffentlichkeit war nach dieser Performance irritiert. Die Mädchen[4] wurden zum visuellen Material.

VB03

Eine Performance mit Mädchen die rote Perücken tragen. Der Galerist, der mailändischen Galerie „Fac-simile“ wollte eigentlich nur die Zeichnungen, nicht die Mädchen, ausstellen. Beecroft malte große Fresken an die Wände, wie in einer Kapelle, und legte Schichten darüber. Zur Eröffnung nahm sie drei Frauen mit.

Für sie waren die Frauen Hinweis für Anne Wiazemsky in „La Chinoise“, eine bourgeoise Maoistin, die rotes Haar hatte.[5]

VB39

1999 iszenierte Beecroft in den Räumen des Museum of Contemporary Art in San Diego eine Performance mit dem „geradezu idealen Gegenstück zu einer hypertrophen Weiblichkeit„[6], nämlich den US Navy Seals. Nacktheit bei Frauen verweist auf Dinge wie „Schönheit, Missbrauch Verwundbarkeit, Sex“[7] – männliche Nacktheit verweißt auf andere Dinge. Völlig bekleidet, visuell ganz und gar homogenisiert formierten sich die Männer in Reih und Glied zu einer minimalistischen Skulptur. Eine Show wo Macht, die Beziehung zu Regeln, U.S. Navy Grundwerte, wie Mut und Ehre im Raum standen. Das Bild der Navy wirkt rigide und anachronistisch, es ist Symbol für furchtbare Dinge und gleichzeitig für menschliche Werte.

Ohne Regeln würden die Mädchen auseinanderfallen. Das Militär kann ohne Regeln nicht existieren. Drill ist ein Befehlston, eine Hierarchie zwischen Künstlerin und Modellen, der Drill, was die makellose Körperlichkeit angeht, herrscht unter Soldaten wie auf den Laufstegen der Haute Couture.

VB45

45 junge Frauen bekleidet mit schwarzen, hochgeschlossenen Stiefeln stehen zur Eröffnung der Kunsthalle Wien 2001 beinahe regungslos herum. Die Frauen erhalten wie immer dieselben Anweisungen: kein Wort, kein Lachen, kein Blickkontakt, keine schnellen Bewegungen. „Keine Wirklichkeiten. Sie sind vervielfachte Coverfotos und bilden erotische Klischees nach: Schulmädchen, Jungfrauen, Venus der Hinterhöfe oder Stripperinnen“ – schreibt die FAZ über diese Beecroft Performance. „ Mit „VB45“ inszeniert Beecroft eine auf das Militär anspielende Fantasie. Die Frauen tragen militärische Stiefel und stehen wie zur Parade in fünf strengen Reihen. Als kleine Irritation des kompakten Bildes sitzt vorne eine stiefellose Nackte auf dem Boden. Drei Stunden dauert diese Vorführung. Die Besucher treten ein, gruppieren sich wie um einen Boxring eng gedrängt im reglementierten Abstand um die Gruppe. Einige setzen sich nieder. Alle warten. Worauf? Nichts passiert. Nichts wird passieren. Die Frauen stehen, werden müde, setzen sich, stehen wieder auf. Das Bild pendelt zwischen militärischer Geschlossenheit und der lockeren Unordnung einer müden Herde.“[8]

[...]


[1] Beccaria, Marcella (Hg.): Vanessa Beecroft. Milan: Skira, 2003

[2] Matt, Gerald (Hg.): Interviews. Kunsthalle wien. Triton: 2003. S44

[3] Matt, Gerald (Hg.): Interviews. Kunsthalle wien. Triton: 2003. S45

[4] Matt, Gerald (Hg.): Interviews. Kunsthalle wien. Triton: 2003. S44

[5] Beccaria, Marcella (Hg.): Vanessa Beecroft. Milan: Skira, 2003. VB03

[6] Kröner Magdalena: „Wenn eine nackte Frau der Auslöser des Chaos ist, nehme ich sie und stelle sie ins Auge des Sturms“. In: Kunstforum international. Nr 172: 2005. S263

[7] Kröner Magdalena: „Wenn eine nackte Frau der Auslöser des chaos ist, nehme ich sie und stelle sie ins Auge des Sturms“. In: Kunstformum Nr 172: 2005. S258

[8] Vogel, Sabine: Vanessa Beecroft im Saal lässt sich durch keinen Newton an der Wand ersetzen. 19. 02.2001: www.faz.net/s/RubEBED639C476B407798B1CE808F1F6632/Doc~E5D5446EEADA448AC9828ABDD1B0749C2~ATpl~Ecommon~Scontent.html 02.07.2006

Details

Seiten
14
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638547550
Dateigröße
459 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v61262
Institution / Hochschule
Universität für angewandte Kunst Wien – Kunstgeschichte
Note
Sehr Gut
Schlagworte
Vanessa Beefcroft Proseminar What’s Aktuelles Kunst
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Titel: Vanessa Beefcroft