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Arbeitsteilung - Formen, Vor- und Nachteile, Beispiele

Studienarbeit 2006 12 Seiten

VWL - Internationale Wirtschaftsbeziehungen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition und Formen der Arbeitsteilung in der Wirtschaft
2.1 Innerbetriebliche Arbeitsteilung
2.2 Zwischenbetriebliche Arbeitsteilung
2.3 Internationale Arbeitsteilung

3. Nachteile der Arbeitsteilung
3.1 Auswirkungen auf Politik und Gesellschaft
3.2 Gesamtwirtschaftliche Nachteile
3.3 Nachteile für den Einzelnen

4. Vorteile der Arbeitsteilung

5. Fazit

II. Anhang

III. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Früher waren die Menschen Jäger und Sammler. Für statische Tätigkeiten wie das Sammeln von Pflanzen war die Frau verantwortlich, dynamische Tätigkeiten wie die Jagd oblagen dem Mann. Für die menschliche Nahrungssuche entwickelte sich diese geschlechtliche Arbeitsteilung.

Noch vor einigen Jahrhunderten war das Leben im wirtschaftlichen Sinne nicht annähernd so komplex wie heute. Die meisten privaten Haushalte waren Selbstversorger. Sie produzierten folglich die Güter primär zur eigenen Bedürfnisbefriedigung. Im Laufe der Zeit entwickelte sich eine Tauschwirtschaft. Nun wurden Güter sowohl für den eigenen Bedarf als auch für Dritte produziert. Durch die Tauschwirtschaft entwickelten sich Märkte, die wiederum mit einer zunehmenden Arbeitsteilung eng verbunden sind.[1] Der rege Handel einer modernen Volkswirtschaft spiegelt deshalb den hohen Grad an Arbeitsteilung wider.

Heute stehen wir beispielsweise morgens auf, ziehen Kleidung an, setzen uns mit der Tageszeitung an den Frühstückstisch und essen dort ein Stück Brot. Unser T-Shirt, das wir anziehen, kann ursprünglich aus Usbekistan kommen. Dort wird Baumwolle geerntet, in der Türkei zu Garn versponnen, in Taiwan gewebt, in Frankreich mit Farbstoffen aus Polen und China bedruckt, in Bangladesch genäht und schließlich als fertiges T-Shirt in einem Kaufhaus in Deutschland verkauft. Die Tageszeitung wird von Redakteuren verfasst, von Maschinen auf Papier gedruckt, welches in einer Papierfabrik aus Holz hergestellt wird. Schließlich wirft ein Zeitungsbote das arbeitsteilige Produkt in den Briefkasten. „Für […] [die] Herstellung [des Brotes] musste Getreide gesät, geerntet, sortiert und gemahlen werden – und all das geschah bereits mit Geräten, die ihrerseits in komplexen, mehrstufigen Produktionsprozessen hergestellt wurden; […] das Brot wurde gebacken, verpackt, gelagert und verkauft.“[2]

Diese Arbeit befasst sich mit den Formen der Arbeitsteilung in der Wirtschaft, ihren Vor- und Nachteilen und der damit zusammenhängenden Problematik.

2. Definition und Formen der Arbeitsteilung in der Wirtschaft

Das klassische Beispiel der Arbeitsteilung ist die Herstellung von Stecknadeln: Adam Smith untersuchte die Produktivität bei der Herstellung von Stecknadeln in unterschiedlichen Fabriken mit folgendem Ergebnis: Würden die Arbeiter in der Fabrik so aufgeteilt, dass jeder von ihnen einfache, sich wiederholende Tätigkeiten verrichtet, könnte der Output eines Tages von ca. 20 Stecknadeln pro Arbeiter auf 4800, qualitativ hochwertigere Stecknadeln gesteigert werden.[3] Ausgehend von diesem Beispiel versteht man unter dem Begriff der Arbeitsteilung „die Zerlegung des Produktionsprozesses in einzelne selbstständige Arbeitsvorgänge, die von […] verschiedenen Wirtschaftseinheiten verwirklicht werden können.“[4] Wirtschaftseinheiten können Menschen, Betriebe oder Volkswirtschaften sein. Arbeitsteilung ist somit ein Verfahren zur Prozessoptimierung durch Spezialisierung des volkswirtschaftlichen Produktionsfaktors Arbeit. Findet die Spezialisierung innerhalb eines Betriebes statt, so spricht man von innerbetrieblicher Arbeitsteilung. Vollzieht sich die Spezialisierung zwischen Betrieben, nennt man dies zwischenbetriebliche Arbeitsteilung. Die Arbeitsteilung zwischen mehreren Volkswirtschaften wird als internationale Arbeitsteilung bezeichnet. Weitere Formen der Arbeitsteilung, wie z.B. personale und regionale, werden in dieser Arbeit nicht thematisiert.

2.1 Innerbetriebliche Arbeitsteilung

Innerhalb eines Betriebes haben Arbeitnehmer unterschiedliche Aufgaben und Funktionen. Diese richten sich zunächst nach dem jeweiligen betrieblichen Funktionsbereich. In einem Industriebetrieb kann z.B. eine Unterteilung in die Bereiche Entwicklung, Einkauf, Produktion, Vertrieb, Marketing, Personal und Finanzen vorgefunden werden. Bei dieser funktionalen Organisation wird das Spezialwissen der Mitarbeiter effektiv genutzt. Jedoch verursacht diese Organisation ebenfalls ein „Abteilungsdenken“, bei dem Arbeitskollegen nicht immer an einem Strang ziehen, sondern als Konkurrenten auftreten können. Lange Informations- und Entscheidungswege können ebenfalls Folgen funktionaler Arbeitsteilung sein.

Ein weiterer Teil der innerbetrieblichen Arbeitsteilung ist die Arbeitszerlegung. Ein Beispiel hierfür ist die Fließbandarbeit in der Automobilindustrie. Bei der Arbeitszerlegung wird der Herstellungsprozess in Teilprozesse aufgeteilt, die jeweils von verschiedenen Gruppen von Arbeitern durchgeführt werden. Manchmal beschränkt sich die Arbeit des einzelnen dabei lediglich auf bestimmte Handgriffe. Die Tätigkeiten an der Montagelinie werden mit Hilfe von Arbeitsablauf- und Arbeitszeitstudien analysiert, jeder Bewegungsablauf erfasst, gegliedert und anschließend auf mehrere Personen verteilt.

2.2 Zwischenbetriebliche Arbeitsteilung

Bei der zwischenbetrieblichen Arbeitsteilung sind zwei Formen zu unterscheiden:

Die vertikale Produktionsteilung zeigt die Arbeitsteilung zwischen den Unternehmen nach dem Durchlauf des Produktes vom natürlichen Rohstoff bis zum Endprodukt (s. Abb. 1 auf S. 3).

In dieser Grafik sieht man den vertikalen Produktionsprozess der fünf Produktionsstufen anhand eines Industrieunternehmens. In diesem Beispiel möchte ein Unternehmen Möbel herstellen. Für das Unternehmen gilt es abzuwägen, welche Bestandteile im Unternehmen selbst gefertigt oder von anderen Unternehmen fremd bezogen werden sollen. Die erste Stufe der vertikalen Produktionsteilung ist die Rohstoffgewinnung. Ein Gewinnungsunternehmen beschafft die Rohstoffe, in unserem Falle ist dies die Gewinnung von Holz eines Forstwirts durch das Fällen von Bäumen. Das Holz wird dann in einem Aufbereitungsunternehmen, z.B. ein Sägewerk, zu genormten Brettern weiterverarbeitet. Diese Bretter können dann in einem Verarbeitungsunternehmen beispielsweise lackiert werden. Mit den bearbeiteten Brettern kann das Unternehmen beginnen Möbel jeglicher Art zu produzieren. Am Ende der Produktionskette steht dann ein Wiedergewinnungs-unternehmen, das z.B. Holzreste oder Späne oder auch ausrangierte Möbel recycelt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: vertikale Produktionsteilung

Die Arbeitsteilung innerhalb der gleichen Produktionsstufe nennt man horizontale Produktions-

teilung. Folgend wird das Möbel-Beispiel durch eine solche Produktionsteilung ergänzt. Der Möbelhersteller analysiert den Markt und sieht speziell für sein Unternehmen das größte Potential im Bereich der Herstellung von Küchenmöbeln, worauf er sich folglich spezialisiert. Eine der möglichen horizontalen Produktionsteilungen innerhalb des Möbelmarktes zeigt Abbildung zwei:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: horizontale Produktionsteilung

Unternehmen haben verschiedene Produktivitätsvorteile in bestimmten Bereichen. Während der oben beschriebene Möbelhersteller seinen Vorteil bei Küchenmöbeln sieht, beschränken sich die heutigen Automobilkonzerne überwiegend auf Montage und Vermarktung ihrer Modelle. Andere Bereiche wie beispielsweise Entwicklung und IT werden an externe Dienstleistungsunternehmen vergeben. So hat General Motors 2006 „einen der größten Aufträge verkündet, die es jemals für Informationstechnik-Dienstleistungen gegeben hat: GM [General Motors] wird in den kommenden fünf Jahren bis zu 15 Milliarden Dollar für Outsourcing-Dienstleistungen ausgeben“[5].

2.3 Internationale Arbeitsteilung

Arbeitsteilung verharrt in der Realität nicht in einem nationalen Rahmen. Folglich spricht man von internationaler Arbeitsteilung, wenn mehrere Volkswirtschaften an der Arbeitsteilung beteiligt sind. Die Komponenten eines PKWs der Mittelklasse kommen heute aus bis zu 80 verschiedenen Ländern.[6] Ursachen der zunehmenden internationalen Arbeitsteilung sind der technische Fortschritt, v.a. in Kommunikation und Transport, und der Ausbau des internationalen Freihandels. Die Volkswirtschaften müssen bei Produktivität oder Lohnniveau Unterschiede aufweisen, nur dann ist eine effektive Arbeitsteilung möglich.

Weshalb Arbeitsteilung sinnvoll ist, lässt sich durch das Prinzip der komparativen Kosten am Beispiel der internationalen Arbeitsteilung zeigen. Wir nehmen an, dass es auf unserer Welt zwei autarke Volkswirtschafen gäbe. Während „Tigerstaat“ (TS) 10 Laib Brot oder 100 PKW pro Tag produzieren kann, stellt „Entwicklungsland“ (EL) 6 Laib Brot oder 2 PKW her. Wie man sieht ist Tigerstaat gegenüber Entwicklungsland wirtschaftlich sowohl in der Brot- als auch in der PKW-Produktion überlegen. Daher liegt die These nahe, dass Tigerstaat keinen Vorteil daran haben könnte mit Entwicklungsland Handel zu treiben. Folgend wird diese These auf Stichhaltigkeit geprüft: Eine mögliche Produktionskombination von Tigerstaat wäre 5 Laib Brot und 50 PKW, Entwicklungsland könnte zeitgleich 3 Laib Brot und 1 PKW herstellen. Wir betrachten nun die Opportunitätskosten beider Länder, d.h. auf wie viel von Gut B verzichtet werden muss, wenn zusätzlich ein Gut A mehr produziert wird:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 1: Opportunitätskosten

Wie man anhand dieser Tabelle erkennt, ist Entwicklungsland bei der Herstellung von Brot produktiver; denn würden sie ein Brot mehr produzieren, müssten sie nur auf 1/3 PKW verzichten, umgekehrt jedoch auf 3 Laib Brot. Hier besteht ein komparativer Kostenvorteil von Entwicklungsland. Im Zuge der Grenzöffnung zwischen den bis dahin autarken Volkswirtschaften, konzentriert sich Entwicklungsland nun auf die Herstellung von Brot mit der Tagesproduktion von 6 Laib. Tigerstaat entdeckt daraufhin ein Handelspotential und ändert seine Produktion beispielsweise auf 4 Laib Brot und 60 PKW. Es werden nun insgesamt 10 Laib Brot und 60 PKW produziert (bei Autarkie: 8 Brot und 51 PKW), folglich ist eine Produktivitätssteigerung um 2 Laib Brot und 9 PKW durch die Arbeitsteilung zu verzeichnen (s. Tab. 2 auf S. 5). Entgegen vorhergehend beschriebener These stellt man fest, dass Handel auch bei absoluten Kostenvorteilen sinnvoll ist, da die Ertragssteigerung nicht von den absoluten sondern den komparativen Kostenvorteilen abhängt. Nun ist es Angelegenheit der beiden Länder für einen fairen Handel zu sorgen. Eine Möglichkeit wäre, dass Tigerstaat 2 Laib Brot von Entwicklungsland bekäme und im Gegenzug 5 PKW eintauscht. Tigerstaat hätte dann gegenüber der Autarkie einen Produktivitätsgewinn von 1 Brot und 5 PKW, Entwicklungsland von 1 Brot und 4 PKW (s. Tab. 2 auf S. 5).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 2: Entwicklung von Produktion und Konsum bei Arbeitsteilung

Aus einem solchen Produktivitätsunterschied resultiert dann ein unterschiedliches Lohnniveau von Billig- und Hochlohnland. Dem beschriebenen Szenario zufolge gäbe es eine Win-Win-Situation, von der beide Länder profitieren können. Deshalb schreitet die weltweite Arbeitsteilung fort. Ein anderer Begriff für diese Form der Arbeitsteilung ist Globalisierung.

3. Nachteile der Arbeitsteilung

3.1 Auswirkungen auf Politik und Gesellschaft

Globalisierung ist in erster Linie eine ökonomische Erscheinungsform, ihre Auswirkungen sind jedoch vielfältiger. In der Politik verringert die Globalisierung die staatliche Steuerungsfähigkeit. Traditionelle wirtschafts- und finanzpolitische Instrumente eines Staates, wie z.B. Steuern, Zinsen und Zölle, nehmen kaum Einfluss auf global handelnde Unternehmen. Staatliche Souveränität wird durch die Globalisierung beschnitten. Entscheidungen, die eine Regierung früher eigenständig treffen konnte, müssen nun im Staaten-Verbund getroffen werden.

[...]


[1] Vgl. Baßeler, U. (Grundlagen und Probleme der Volkswirtschaft) S. 49

[2] Homann, K./Suchanek, A. (Ökonomik Eine Einführung) S. 152

[3] Vgl. Bofinger, P. (Grundzüge der Volkswirtschaftslehre) S. 48

[4] Wagenblaß, H. (VWL, öffentliche Finanzen und Wirtschaftspolitik) S. 32

[5] o.V. (General Motors vergibt Milliardenauftrag), Frankfurter Allgemeine Zeitung

[6] Vgl. Wannenwetsch, H. (Vernetztes Supply Chain Management) S. 6

Details

Seiten
12
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638546799
ISBN (Buch)
9783638775793
Dateigröße
430 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v61166
Institution / Hochschule
Duale Hochschule Baden Württemberg Mosbach
Note
1,3
Schlagworte
Arbeitsteilung Formen Vor- Nachteile Beispiele

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Titel: Arbeitsteilung - Formen, Vor- und Nachteile, Beispiele