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Positionierung der europäischen Bahnen im Güterverkehr

Seminararbeit 2006 22 Seiten

VWL - Verkehrsökonomie

Leseprobe

Einleitung

Die Europäische Union hat sich verpflichtet, das innergemeinschaftliche Wirtschaftsleben wettbewerblich zu organisieren und gleichzeitig auf umweltbewusstes Handeln Wert zu legen, d. h. Ressourcen zu schonen und Emissionen zu senken. Unter diesen beiden Aspekten ist das Ziel dieser Arbeit, einen Überblick über die Entwicklung des Güterverkehrs in Europa zu geben. Wie steht es dabei um die Eisenbahn als sauberes und umweltfreundliches Transportmittel im Vergleich zu anderen Verkehrsträgern? In welchen Staaten stellt die Bahn eine wirkliche Alternative zum LKW dar, und wie unterstützen sie den Transport auf der Schiene? Was wird für den Abbau technischer sowie politischer Barrieren getan, arbeiten die nationalen Bahnen zusammen, wird es eine „Europäische Bahn“ geben?

1. Die Bahn als umweltfreundlicher Verkehrsträger

Auch in einem grundsätzlich wettbewerblich zu gestaltenden Markt können staatliche Institutionen sich nicht der Aufgabe entziehen, die Lebensgrundlagen Ressourcen und Umwelt zu schützen. Im Verkehrsmarkt gibt es verschiedene Verkehrsträger, die sich hinsichtlich des Energieverbrauchs und der Schadstoffemission voneinander unterscheiden (Abbildung 1 und 2)[1].

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1 Abb. 2

So verbraucht ein Lkw 5mal soviel Energie wie die Bahn und der Schadstoffausstoß (CO2) ist mehr als 5mal so hoch. Neben diesen beiden Pluspunkten spricht für die Bahn auch die Entlastung des Straßennetzes, denn ein Zug kann 50 bis 60 LKW-Ladungen ersetzen. Das verringert die Abnutzung des Straßenbelags und die Staugefahr, mit der unnütze Schadstoffemissionen und vielfache Zeitverschwendung verbunden sind.

Mit technischen Innovationen lassen sich weitere umweltökonomisch positive Potentiale der Bahn heben. Am Beispiel Deutschlands seien kurz konkrete Maßnahmen der Bahn zum Umweltschutz aufgezeigt.

1.1 Umweltschutzmaßnahmen der Deutschen Bahn

Die Deutsche Bahn AG verfolgt mehrere Programme zum Thema Umweltschutz. Mit dem „Energiesparprogramm 2005“ wurde der Energieverbrauch bis Ende 2005 gegenüber 1990 um 25% gesenkt. Das Klimaschutzziel, den CO2-Ausstoß bis 2005 ebenfalls um 25% zu senken, wurde schon 2002 erreicht, und bis 2020 will die Bahn noch einmal 15% an CO2-Emissionen einsparen. Alte Dieselloks werden nach und nach mit schadstoffarmen Motoren ausgerüstet.

Zur Lärmminderung im Schienenverkehr sollen jährlich ca. € 50 Mio. für Schallschutzmaßnahmen (Schallschutzwände und -fenster) aufgewendet werden. Des Weiteren werden Güterwagen mit leiseren Bremssohlen[2] oder neuen Bremssystemen versehen. Alle entsprechenden Maßnahmen zusammen sollen den Schienenverkehrslärm bis 2020 um die Hälfte reduzieren.[3]

Über die umweltökonomische Wirksamkeit solcher Anstrengungen entscheidet letztlich aber die Verteilung der zu transportierenden Güter auf die verschiedenen Verkehrsträger („Modal Split“).

2. Entwicklung im Güterverkehr

Der Gütertransport in Europa ist bis zur Mitte der neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts hinsichtlich Transportmenge und Verkehrsleistung stets gewachsen – vor allem auf der Straße. Demgegenüber verzeichnete der Schienengüterverkehr in Europa in den letzten dreißig Jahren einen „drastischen“ Rückgang[4]: Sein Anteil am Gesamtgüterverkehr (Seeverkehr ausgenommen) sank von 30% im Jahr 1970 auf 13,2% im Jahr 2004 (Abbildung 3).

Der Schienengüterverkehr der Deutsche Bahn AG[5] entwickelte sich auch infolge der europäischen Integration differenziert: Die von ihr transportierte Gütermenge sank zwar in den Jahren 1994 – 2004 von 309,1 Mio. t auf 283,6 Mio. t, die Verkehrsleistung stieg jedoch von 70.556 Mio. tkm auf 83.982 Mio. tkm (+19 %; +1,6 % p. a.). Dagegen kletterte die mittlere Reichweite eines LKW-Transportes innerhalb von nur acht Jahren (1995 – 2002) um 44%[6] (+4,7% p. a.). Dieser Trend wird – gestützt durch die EU-Erweiterung – voraussichtlich bis zum Jahr 2015 anhalten[7]. In diesen Zahlen spiegeln sich eine Verringerung der Fertigungstiefe des produzierenden Gewerbes in Europa und eine zunehmende Arbeitsteilung wider.

Gleichzeitig verlangen die Verlader von den Transportdienstleistern immer mehr Service-Leistungen (z. B. Grenz- / Zollabfertigung, Handling, Lagerung, Kommissionierung). Diese bietet ihnen der begleitete Straßengütertransport vermeintlich eher als der unbegleitete Transport per Schiene. Tatsächlich spricht häufig die Summe aus den Argumenten Preis, Zuverlässigkeit, Flexibilität und Schnelligkeit für den Transport per Straße. Gerade die Transportpreise sind im Straßenverkehr infolge des Markteintritts mittel- und osteuropäischer Güterkraftverkehrsunternehmen, die den dortigen Markt dominieren, deutlich gesunken[8].

[...]


[1] Allianz pro Schiene:"Umweltschonend mobil - Bahn, Auto, Flugzeug, Schiff im Umweltvergleich". S.7,9

[2] Gemeinsame Erklärung der DB AG und des VDB zur Lärmminderung im Schienenverkehr: Die Bahn setzt Lärmschutzprogramm der Bundesregierung um. Umrüstung bestehender Güterwaggons mit leiseren Bremssohlen.

[3] DB AG Umweltbericht 2005. S.5

[4] Vgl. Europäische Kommission, Generaldirektion Energie und Verkehr: „Eisenbahnverkehr: Stand der Dinge und Initiativen der Kommission“, Brüssel 2006

[5] DB AG: Daten & Fakten 2004. S.36/37

[6] Umweltbundesamt: Determinanten der Verkehrsentstehung. S.22

[7] Vgl. Verband der deutschen Automobilindustrie: Jahresbericht 2001;

Umweltbundesamt: Positionspapier des Umweltbundesamtes zur Novellierung der EU-Wegekostenrichtlinie

[8] BAG- Marktbeobachtung: Bericht Herbst 2005. S.22

Details

Seiten
22
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638545990
ISBN (Buch)
9783656068273
Dateigröße
591 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v61069
Institution / Hochschule
Universität Regensburg
Note
2,0
Schlagworte
Positionierung Bahnen Güterverkehr

Autor

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