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Aby Warburg als Begründer der Ikonologie

Hausarbeit 2004 16 Seiten

Kunst - Malerei

Leseprobe

Inhalt

1 MOTIVATION

2 ABY WARBURG – EINE KURZE BIOGRAPHIE
2.1 KINDHEIT UND JUGEND
2.2 WARBURGS STUDIENZEIT ALS PRÄGENDER ABSCHNITT
2.2.1 Erste Studienjahre
2.2.2 Weggang aus Bonn und Dissertation über Botticelli
2.3 WEITERE STUDIEN UND HART ERKÄMPFTES PRIVATES GLÜCK
2.4 BERUFLICHER ALLEINGANG UND KRISE
2.5 GENESUNG UND LETZTER WIEDEREINTRITT INS FORSCHUNGSLEBEN

3 ABY WARBURG UND DIE IKONOLOGIE
3.1 ZUM BEGRIFF IKONOLOGIE UND ABGRENZUNG ZUR IKONOGRAPHIE
3.2 WARBURGS WEG ZUR IKONOLOGIE
3.3 EXKURS: IKONOLOGIE BEI PANOFSKY

4 SCHLUSSWORT

LITERATURVERZEICHNIS

1 Motivation

Beschäftigt man sich mit dem Thema Ikonologie ist es nahezu unumgänglich, auf den Namen Aby Warburg zu stoßen. Scheint es für den Studienanfänger kaum möglich, zwischen den Begriffe Ikonographie und Ikonologie zu unterscheiden, wissen die meisten Zwischengeprüften, dass Aby Warburg es war, der auf dem X. Internationalen Kongreß für Kunstgeschichte 1912 in Rom das „Bilderrätsel“ im Salone dei Mesi des Palazzo Schifanoia zu Ferrara entschlüsselte.[1] Mit unermüdlichem Forscherdrang, einer großen Menge Glück und einer feinen Intuition hat der Kunsthistoriker sich dem Geheimnis der Gemälden genähert, diesen „rätselhaften Figuren“, die ihm keine Ruhe ließen.[2]

Die Biographie dieses Mannes ist so spannend wie tragisch, ließen ihn die „rätselhaften Figuren“ doch niemals mehr in Ruhe und trieben ihn letztendlich in Wahnvorstellungen hinein.

Nichtsdestotrotz sind die Verdienste Aby Warburgs bis heute unvergessen und seine Ideen noch immer Bestandteil einer jeden kunsthistorischen Ausbildung.

Leben und Ideen Warbugs als Begründer der Ikonologie sollen Thema dieser Arbeit sein.

2 Aby Warburg – Eine kurze Biographie

Das Leben Aby Warburgs war geprägt von der Hingabe zur Kunstgeschichte, der Arbeit an Beiträgen zur Kunstpsychologie und Mythologie, der Faszination für das Leben der Indianer und den unermüdlichen Besuchen von Kongressen. Hinter dieser arbeitsreichen Fassade, die sicher auch zur Berufung Warburgs gehörte, stand ein von Krankheit gezeichneter Mann, der sich aber aus seinen Tiefpunkten versuchte, selbst herauszuholen , der seiner Einsamkeit durch Flucht in die Öffentlichkeit entgehen wollte und sich ungemein breit und vielseitig angagierte.[3]

Von diesem Angagement zeugen heute unter anderem noch das Warburg Institut und die Warburg Bibliothek. Da Warburg in seinem Studium die entscheidenden Anstöße, Anregungen und Aufgaben für sein ganzes Lebenswerk erhielt, widme ich diesem Abschnitt seines Lebens ein ausführlicheres Kapitel.

Wie der „Vater der Ikonologie“[4] heranwuchs, soll im nächsten Kapitel aufgezeigt werden.

2.1 Kindheit und Jugend

Am 13. Juni 1866 kam Aby Warburg als ältester Sohn eines Bankiers in Hamburg zur Welt. Die Zeugnisse seiner Kindheit und Jugend sind relativ dünn und hauptsächlich autobiographischer Art. Zusammen mit seinem Bruder Max schrieb er im Alter von etwa 50 Jahren die Erinnerungen an seine Jugendzeit als eine Art Therapieergänzung während seiner Krankheit nieder. Was wir aber genau wissen, ist, dass Warburg im Alter von sechs Jahren an Typhus erkrankte. Als sei für ein Kind ein solcher Zustand nicht schon belastend genug, verfolgten ihn auch noch in seinen Träumen die für eine unbedarfte Kinderpsyche gräßlichen Illustrationen Bertalls zu Balzac (Abb.1).[5] Verfolgt man Warburgs Leben weiter und erkennt, was für ein sensibler Geist in diesem Menschen wohnte, lässt sich leicht nachvollziehen, was diese Bilder in einem so zarten Alter ihm angerichtet haben müssen. Warburg erholte sich nie ganz von dieser Erkrankung.

Er verbrachte in den folgenden Jahren sehr viel Zeit mit Lesen und blieb auch seinen Geschwistern als begeisterter Büchernarr in Erinnerung. Wahrscheinlich musste er seinen Wissensdrang auf eigene Faust stillen, da er durch seine Krankheit und die damit verbundene Schwäche nicht mit seinen Altersgenossen eingeschult werden konnte und erst mit seinem Bruder Max zur Schule kam. Der junge Aby holte durch seine Begabung den Zeitverlust zwar wieder auf, zeigte aber eine einseitige Begabung auf, zu der eindeutig nicht Mathematik und Chemie gehörten[6]. Warburgs Elternhaus war jüdisch, doch teilte der eigensinnige Junge die Anhängerschaft zu dieser Religion nicht, ja er entwickelte sogar eine gewisse Abneigung gegen den jüdischen Glauben, bedingt durch verschiede Erlebnisse in der Kindheit. Dass er dem Vorschlag der Grossmutter, Rabbi zu werden, nicht gerade freudig begegnete, ist dann wohl verständlich. Ebenso vehement lehnte er die Vorschläge ab, Arzt oder Anwalt zu werden und eröffnete seiner Familie seinen Entschluss, Kunstgeschichte zu studieren. Da seine Realgymnasiumslaufbahn ihm aber nicht die dafür erforderlichen Anforderungen mitgegeben hatte, musste er vor Aufnahme seines Studiums noch eineinhalb Jahre Privatunterricht nehmen, um ausreichende Latein- und Griechischkenntnisse zu erlangen. Während dieser Zeit kam Warburg mit verschiedenen Schriften Lessings in Kontakt, die ihn nachhaltig prägten und Fragen in Bezug auf semiotische Ausdrucksmöglichkeiten in der Kunst aufwerfen sollten.[7]

2.2 Warburgs Studienzeit als prägender Abschnitt

2.2.1 Erste Studienjahre

Im Jahre 1886 nahm Aby Warburg sein Studium der Kunstgeschichte an der Universität in Bonn auf.

Aus dieser Zeit gibt es relativ viel Material, das Aufschluss über die Gedankenwelt des sensiblen jungen Mannes gibt. Unter anderem zeugen zahlreiche Briefe von seiner Entwicklung in dieser Zeit. An der Universität erhielt er Anregungen aus verschiedenen Richtungen. Von Henry Thode (1857 – 1920) wurde er zum Nachdenken über die Renaissance inspiriert, von Carl Justi (1832 – 1912) in die niederländische Malerei eingeführt und durch Hermann Usener (1834 – 1905) über Vorlesungen zur Mythologie mit der philosophischen Gedankenwelt des 19. Jahrhunderts in Kontakt gebracht.

Die Vorlesungen Useners waren so ganzheitlich und bezogen derart viele verschiedene Aspekte mit ein, dass Warburg von ihnen schlichtweg begeistert war.

Wie viele andere junge Studenten wurde auch Warburg durch eine Vorlesung Karl Lamprechts

(1856 – 1915) zu grundlegenden Überlegungen zur Geschichte angeregt. Wenngleich die Polemik Lamprechts noch nicht allzu offensichtlich war, zeigte sein Ansatz der „wissenschaftlichen Sozialpsychologie“ doch Wirkung bei seinen Hörern.[8]

Die für den Kunsthistoriker wichtige Quintessenz seiner Thesen beläuft sich auf die Annahme, dass Kunst der beste Indikator für die psychologische Verfassung einer gegebenen Periode sei.[9]

Lamprecht scheint für die Interessenentwicklung Warburgs eine zentrale Rolle gespielt zu haben. Inspiriert durch seine Ansätze und Auffassungen beschäftigte Warburg sich mit Aspekten des kulturellen Lebens, besuchte Vorlesungen über den Symbolismus, über Rituale, Rechtspraktiken und Brauchtum[10], kurzum Vorlesungen zu Themenbereichen, die eigentlich typisch für die Ethnologie sind. Derart vorgebildet verlässt Aby Warburg nach dem dritten Semester Bonn.

2.2.2 Weggang aus Bonn und Dissertation über Botticelli

Das nächste Sommersemster verbringt er in München, besucht die Vorlesungen des dortigen Lehrstuhlinhabers Riehl nur unregelmäßig, was wohl daran lag, dass Warburg eher die dortige Kunstausstellung interessierte. Die große Chance, bei Professor Schmarsow ein Semester in Florenz zu verbringen, sollte sein ganzen späteres Forschungsleben nachhaltig beeinflussen. Schmarnows Aufgabe an Warburg und zwei seiner Kommilitonen war es, das Verhältnis zwischen Masolino und Masaccio in der Branacci – Kapelle zu untersuchen.[11] Durch intensive, produktive Arbeit gelangte der Student zu handfesten Ergebnissen, die er stolz 1889 bei seiner Rückkehr nach Bonn präsentierte. Mit einem so gestärkten Selbstvertrauen in die eigene Arbeit studierte er in Straßburg bei Hubert Janitschek weiter. Sein archäologisches Wissen erweiterte er während dieser Zeit bei Adolf Michaelis. Seine Dissertation reicht Warburg recht spät ein, vollendet sie erst 1891. In dieser sollte es zunächst eigentlich um ein bloßes Problem der Stilfragen der späten Quattrocentos gehen, mit Botticelli als Untersuchungsgrundlage. Doch der Gegenstand der Arbeit wandelte sich nun in die Frage, warum Botticelli bestimmte Themen in einer besonderen Weise darstellte und welches Bild er und seine Auftraggeber von der Antike hatten. Warburg betonte, dass es humanistische Ratgeber gegeben haben musste. Diese gaben Künstlern u.a. literarische Hinweise, mit Hilfe derer sie dann ihre Kunstwerke konzipieren konnten.[12] Zentrales Thema seiner Dissertation ist die Untersuchung des Gemäldes „Geburt der Venus“. Warburg versuchte herauszufinden, auf welchen mythologischen Stoff dieses Werk zurückgehe und stellte im Verlauf der Arbeit verschiedene Thesen dazu auf. Weiterhin war ein zentrales Thema die Wechselwirkung zwischen den Themen des Künstlers und der Art ihrer Darstellung, eine Fragestellung, die auch für Warburgs späteren Arbeiten ausschlaggebend sein sollten.

[...]


[1] Vgl. Schenkluhn (Hrsg.), 1999, S.57.

[2] Vgl. Kaemmerling (Hrsg.), 1979, S.118.

[3] Vgl. Gombrich, 1992. S.21.

[4] Kaemmerling (Hrsg.), 1979, S.113.

[5] Vgl. Gombrich, 1992, S.35.

[6] Vgl. Gombrich, 1992, S.38.

[7] Vgl. Gombrich, 1992, S.40f.

[8] Vgl. Gombrich, 1992, S.42ff.

[9] Gombrich, 1992, S. 51.

[10] Vgl. Gombrich, 1992, S.55.

[11] Vgl. Gombrich, 1992, S.63f.

[12] Vgl. Gombrich, 1992, S.76f.

Details

Seiten
16
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638541848
Dateigröße
412 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v60528
Institution / Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald – Caspar-David-Friedrich-Institut
Note
1,5
Schlagworte
Warburg Begründer Ikonologie Einführung Kunstgeschichte

Autor

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