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David Hume "Dialoge über natürliche Religion"

Hausarbeit (Hauptseminar) 2002 23 Seiten

Philosophie - Philosophie des 17. und 18. Jahrhunderts

Leseprobe

Gliederung

1. Der historische und persönliche Kontext

2. Die Dialoge
2.1. Der teleologische Gottesbeweis
2.2. Der kosmologische Gottesbeweis
2.3. Das Theodizee Problem
2.4. Das Finale

3. Die Meinung Humes

4. Zusammenfassung

Bibliografie

1. Der historische und persönliche Kontext

Über kein Thema mit Ausnahme seiner Geschichtsbände hat David Hume mehr veröffentlicht als über die Religion. Für die Betrachtung der Humeschen Religionsphilosophie sind drei Werke von entscheidender Bedeutung[1]. Es handelt sich dabei um die hier thematisierten „Dialogues Concerning Natural Religion“ (kurz: Dialoge), „Natural History of Religion“ und den 10. Abschnitt, „Of Miracles“, der „Enquiry Concerning Human Understanding“. Zweifelsohne könnte man auch den 11. Abschnitt des letztgenannten Werkes zu diesem Kern zählen, welchen man aber auch ohne größere Probleme als eine Kurzfassung der Dialoge bezeichnen darf.

Bei seinen Werken folgte Hume der historischen Trennung von natürlicher Religion[2] und Offenbarung[3], als den zwei Säulen des Glaubens der orthodoxen Kirche der Aufklärung. Die Bereiche des Glaubens, die kraft der religiösen Erfahrung und des Verstandes erschließbar waren, zählte man zur natürlichen Religion. Alles was sich aus diesen Quellen nicht erschließen ließ, musste man mit Rückgriff auf klerikale Autoritäten wie das Evangelium, Propheten oder Ordensträgern, also aus der Offenbarung, legitimieren. Im Bereich der natürlichen Religion entwickelten Philosophen des Mittelalters eine Reihe von „logischen“ Beweisen für die Existenz bzw. Natur Gottes. Dabei waren drei Beweise besonders einflussreich für die natürliche Religion. Zum einen der teleologische Gottesbeweis[4], der die Existenz eines göttlichen Schöpfers aus der im Universum zu beobachtenden Ordnung ableitet. Weiterhin der kosmologische Gottesbeweis[5], bei dem sich die Existenz und Natur eines Gottes aus der existierenden Wirklichkeit mit ihren kausalen Zusammenhängen erschließt. Unter Zurückverfolgung dieser Kausalitätsbeziehungen kommt man auf einen letzten Grund, dem Ursprung alles Seiendens und Seiens - Gott. Der dritte populäre Beweis für die Existenz Gottes ist das ontologische Argument[6], nach dem zu unserer immanenten Vorstellung Gottes als vollkommenes Wesen auch zwingend seine Existenz gehört, um nicht kontradiktorisch zu sein. Während des 17. und 18. Jahrhunderts wurden diese Beweise weiter ausgebaut und die neuen Erkenntnisse aus der Wissenschaft (Biologie und Astronomie) flossen speziell zur Stützung des teleologischen Ansatzes ein.

In den Dialogen zur natürlichen Religion macht Hume vor allem den teleologischen Gottesbeweis zum Objekt seiner Betrachtung. Im Neunten Teil geht er weiterhin kurz auf den kosmologischen Beweis ein. Da man davon ausgeht, dass Hume wie die Mehrheit seiner Zeitgenossen nicht mit dem ontologischen Gottesbeweis vertraut war, ist es nicht verwunderlich, dass dieser in den Dialogen nur indirekt im Zusammenhang mit dem kosmologischen Beweis Berücksichtigung findet. Damit sind wir auch schon beim konkreten Objekt der folgenden Betrachtung, den „Dialogen über die natürliche Religion“.

Humes „Dialogues Concerning Natural Religion“ wird von vielen als sein wahrscheinlich bestes Werk, ja sogar der ganzen englischsprachigen Philosophie gesehen. Dieses Urteil beruht nicht nur auf dem philosophischen Gehalt, sondern auch auf der stilistischen Umsetzung in alter Tradition antiker Dialoge. Noch in Angesicht seines baldigen Ablebens machte Hume letzte Verbesserungen und sorgte mit Akribie[7] für die posthume Veröffentlichung. Daher lies er zuletzt mehrere Exemplare anfertigen und bestimmte seinen Neffen per Testament die Veröffentlichung umzusetzen, falls (wie dann auch eingetreten) die Verlage eine Publizierung und deren Konsequenzen zu meiden suchten. Humes allgemein vorsichtiges Vorgehen hatte hauptsächlich gesellschaftspolitische Wurzeln. Zwar hatte sich das Klima für Diskussionen religiöser Tatbestände in Anbetracht der Existenz verschiedener protestantischer Splittergruppen im England des 18. Jahrhunderts verbessert, aber auch nur solange man im christlichen Rahmen blieb. Die Macht der Kirche war ungebrochen und der Ruf ein Atheist oder Agnostiker zu sein, ein gesellschaftliches Todesurteil. So ist es auch zu verstehen das Hume auf Grund seiner kritischen Äußerungen nie in den Genuss eines (doch von ihm so begehrten) universitären Amtes kam.

Zu den angesprochenen Vorsichtsmaßnahmen gehören weiterhin die Konzentration auf ein Standbein des Glaubens je Werk (natürliche Religion oder Offenbarung), der bis zum Schluss unklare Standpunkt Humes in den Dialogen, das Stilmittel der Ironie und eine Reihe von Ablenkungsmanövern, zu denen manche Kritiker auch das gesamte Zwölfte Kapitel zählen. Doch beginnen wir erst einmal von ganz vorn.

2. Die Dialoge

Im folgendem werde ich mich bei Zitaten auf die englische Originalfassung beziehen, da diese wohl ohne größere Probleme verstanden werden kann und ein unverfälschteres Bild der Intention Humes bietet.

Die Debatten der Dialoge spielen sich um die Figuren des Cleanthes, Philo und Demea ab. Dabei werden die Ereignisse von Pamphilus, einem Schüler Cleanthes, an Hermippus aus seiner Erinnerung heraus weitergegeben. Im Ersten und teilweise im Zweiten Kapitel werden die diskutierenden Charaktere mit Blick auf ihre philosophische Einstellung vorgestellt, in dem sie die vermeintlichen Schwachpunkte der opponierenden Position abklopfen. Dabei stehen sich bewusst ganz verschiedene geistige Strömungen gegenüber. Cleanthes verkörpert in den Augen Pamphiluses den „akuraten“ Philosoph. Er möchte a posteriori die Existenz und Natur Gottes beweisen, eine Position, die dem Theismus entspricht. Philo ist der Hauptkritiker von Cleanthes. Er wird als Skeptiker vorgestellt und zeichnet sich durch seine besonnene und aufgeschlossene Art aus. Insgesamt bestreitet er den größten Teil des Redepensums. Demea stellt den gläubigen Orthodoxen dar. Er verkörpert die herrschende Meinung im Volk zur damaligen Zeit. Die Existenz Gottes erschließt sich für ihn a priori, wobei man nichts über dessen Natur sagen kann. In der folgenden Auseinandersetzung wird er sich als einzig wirklich unterlegener Geist herausstellen, der die feinen Nuancen der Argumente nicht ausreichend erkennt und sich so fälschlicherweise mit Philo gegen Cleanthes zu verbünden sucht[8].

2.1. Der teleologische Gottesbeweis

Das Zweite Kapitel stellt einen zentralen Teil des Dialoges dar. Am Anfang scheint die Existenz Gottes für alle drei Beteiligten außer Frage zu stehen. Man konzentriert sich nun auf seine Natur und möchte klären inwieweit uns die Beweise darüber Aufschluss geben können. Demea und Philo sind sich einig, dass man nichts über die Natur Gottes wissen kann. Nur Cleanthes beharrt darauf, dass die Natur Gottes erfahrbar ist. Dabei präsentiert er den bereits angesprochenen teleologischen Gottesbeweis, welcher in den folgenden Kapiteln der Dialoge wie Thema und dessen Variationen behandelt werden wird.

[...]


[1] für eine weiterführenden Interpretation können diese durch eine Anzahl von Essays und Briefwechsel ergänzt werden, siehe Hume (1992)

[2] vgl. “Dialogues Concerning Natural Religion” (DNR) und “History of Natural Religion” (HNR)

[3] vgl. „Enquiry Concerning Human Understanding“ (EHU), Kapitel 10 „Of Miracles“

[4] vgl. „design argument“ in der englischsprachigen Literatur

[5] vgl. Gottfried Wilhelm Leibniz and Samuel Clarke

[6] vgl. Descartes und Mackie

[7] entgegen dem Anraten von Freunden wie Adam Smith

[8] vgl. Hume (1991): S. 98 (unten) – S. 99 (oben)

Details

Seiten
23
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638137355
ISBN (Buch)
9783638786935
Dateigröße
599 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v6051
Institution / Hochschule
Universität Bayreuth – Philosophische Fakultät
Note
1,0
Schlagworte
Hume Religion Philosophie Klassiker

Autor

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Titel: David Hume "Dialoge über natürliche Religion"