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Kinder und Medien

Ein kurzer Einblick

Hausarbeit (Hauptseminar) 2003 13 Seiten

Soziologie - Kinder und Jugend

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Mediales Nutzungsverhalten bei Kindern
2.1 Druckmedien
2.2 Radio und andere auditive Medien
2.3 Fernsehen
2.4 Computer und Videospiele

3. Die Nutzung der Medien und ihre Wirkung
3.1 Wirkung auf das Verhalten
3.2 Kognitive Fähigkeiten und Wissenszuwachs

1. Einleitung

In modernen Informationsgesellschaften wie unserer, sind die neuen Medien allgegenwärtig. Jedes Kind wird unweigerlich mit ihnen konfrontiert und muss sich damit auseinandersetzen. Ob dies in einer für das Kind positiven Weise geschieht, sich auf sein Verhalten bzw. auf seine Entwicklung im allgemeinen eher förderlich auswirkt oder einer positiven Entwicklung im Wege steht, ist multifaktoriell bedingt. Welche Vor- Nachteile die verschieden Medien für Kinder beinhalten, wie sie wirken und von welchen Faktoren diese Wirkungen abhängig sind, sind neben der Frage nach ihrer Verbreitung zentrale Fragestellungen vorliegender Arbeit.

2. Mediales Nutzungsverhalten bei Kindern

2.1 Druckmedien

Kinder werden schon früh an Druckmedien herangeführt. Ihre Eltern machen sie bereits ab dem Alter von ein bis zwei Jahren über Bilderbücher mit Printmedien bekannt (vgl. Bündel, Hurrelmann 1996, S. 222). Für 45% der Vorschulkinder gehört das Geschichtenvorlesen und für 34 % das gemeinsame Bilderbuchanschauen zu den täglich ausgeführten Beschäftigungen (vgl. Mundt 1980, zit. nach Lukesch 1993, S. 481). So ist es nicht verwunderlich, dass heute in fast jedem Haushalt Bilderbücher , Bücher, Zeitungen und Zeitschriften vorhanden sind (vgl. Bündel, Hurrelmann 1996, S. 222).

Bei der Heranführung von Kindern an Printmedien ist das Vorlesen von großer Bedeutung, denn der selbständige Zugang zu Printmedien muss zuerst, anders als der Zugang zu den AV- Medien, über den länger andauernden Prozess des Schriftspracherwerbs erlernt werden. Dieser Prozess beginnt spätestens mit dem Vorlesen, weil bereits durch dieses bekommen die Kinder eine Vorstellung von „konzeptioneller Schriftlichkeit.“ An diese Vorstellung wird beim Lesen- und Schreibenlernen in der ersten Klasse angeknüpft. Ist diese Grundlage jedoch nicht vorhanden, haben die Schüler meist große Schwierigkeiten beim vollständigen Erwerb der Schriftsprache.

In der Kleinkindpädagogik haben Bilderbücher nach wie vor einen hohen Stellenwert. Geschichten, die der Phantasie der Kinder freien Raum lassen und Märchen, die die Ängste, Wünsche und Hoffnungen der Kinder thematisieren, deren Handlungsmuster überschaubar sind und gemäß den kindlichen Moralvorstellungen einem Gut- böse- Schema folgen, sind bei Kindern beliebt und gelten als pädagogisch wertvoll (vgl. Bündel, Hurrelmann 1996, S. 123).

Mit Beginn der Vorschulzeit nimmt das Lesen bis zum Alter von 15 Jahren zu. Danach geht die Lesehäufigkeit wieder signifikant zurück Bei den etwa 20jährigen steigt sie durch z.T. längere Zeitungslektüre wieder an (vgl. Bonfadelli u.a. 1986, zit. nach Lukesch 1996, S. 482).

Zwei Drittel aller 8- 12jährigen Kinder, die bei der Studie des Deutschen Jugendinstituts (1992) befragt wurden, gaben an, täglich außerhalb der schulischen Pflichtlektüre zu lesen (vgl. Bündel, Hurrelmann 1996, S. 123). Mädchen lesen häufiger als Jungen und Kinder der oberen Mittelschicht häufiger als Kinder der unteren (vgl. Ledig 1992, zit. nach Bündel, Hurrelmann 1996, S. 223). „Das Leseverhalten von Kindern ist ganz entscheidend abhängig von der Bildungs- und Berufssituation der Eltern, vom Familienklima, dem allgemeinen Kommunikationsverhalten innerhalb der Familie und von Flexibilität versus Rigidität des erzieherischen elterlichen Verhaltens“ (B. Hurrelmann 1991, zit. nach Bündel, Hurrelmann 1996, S. 223).

Nach Bonfadelli (1988, zit. nach Bündel, Hurrelmann 1996, S. 223) hat das Leseverhalten in allen Altersstufen abgenommen. Diesen Rückgang sieht Glogauer (1993, zit. nach Bündel, Hurrelmann 1996, S. 223) im Zusammenhang mit dem gestiegenen Konsum anderer Medien. Wichtig ist es aber an dieser Stelle zu erwähnen, dass bei den Lesern das Lesen zugenommen hat, bei gleichzeitiger Zunahme des Anteils der Nichtleser (vgl. Payrhuber 2002). Somit klafft die Schere zwischen Lesern und Nichtlesern weiter auseinander. Problematisch ist hierbei vor allem, dass an das Lesen selbst auch die Lesekompetenz geknüpft ist und dass, ohne diese, die Teilhabe an unserer modernen Informationsgesellschaft nur sehr bedingt, wenn überhaupt, möglich ist. Dies führt zu einer extremen Benachteiligung der Nichtleser in unserer Gesellschaft.

2.2 Radio und andere auditive Medien

Die Radionutzung liegt zwar quantitativ über der Verwendung von Hörkassetten und Schallplatten, trotzdem haben Hörkassetten bei Kindern zunächst eine größere Bedeutung, da bei diesen der gezielte auditive Medienkonsum mit dem Kassettenhören beginnt (vgl. Aregger, Steinmann 1989, zit. nach Lukesch 1993, S. 483). Hörkassetten machen Kindern sowohl traditionelle, als auch aktuelle Geschichten und Figuren aus anderen Medien zugänglich.

Aus den Ergebnissen einer Schweizer Untersuchung wird ersichtlich, dass Kassettengeräte weitestgehend allein von den Kindern benutzt werden dürfen (73% allein) und eine elterliche Beschränkung auch des Radiohörens selten ist (unbegrenztes Hören bei Deutschschweizer Kindern 4-6 Jahre: 56%, 13-14 Jahre: 89%). Hieraus kann gefolgert werden, dass Hörkassetten und Radio bei den meisten Eltern als pädagogisch nützlich, zumindest aber als harmlos, eingestuft werden (vgl. Lukesch 1993, S. 483).

Etwa ab dem 16. Lebensjahr wird dem Radio mehr Zeit gewidmet als dem Fernsehen, wobei das Musikhören als ständiger Begleiter den höchsten Stellenwert einnimmt (vgl. Bonfadelli u.a. 1986, zit. nach Lukesch 1993, S. 483).

Das Radio dient also hauptsächlich dem Musikhören. Musik dient als Hintergrund für Tagträume (vgl. Infratest Medienforschung 1978, zit. nach Lukesch 1993, S. 483) und ist ein bedeutender Bestandteil der Jugendkulturen, unter anderem mit der Funktion, die Gleichaltrigengruppe nach innen zu einen und gegenüber Erwachsenen abzuschirmen.

2.3 Fernsehen

Eine Mütterbefragung ergab, dass von dreijährigen Kindern bereits 57 % eine einjährige und 29% eine halbjährige Fernseherfahrung aufweisen (vgl. Firnkes u.a. 1973, zit. nach Lukesch 1993, S. 484) War die Qualität des Fernsehens bis zum 2. Lebensjahr durch kurzfristige Zuwendung und hohe Ablenkbarkeit gekennzeichnet, so lässt sich ab dem 3. Lebensjahr eine, durch Etablierung fester Sehzeiten und Spartenkenntnisse (z.B. Werbung) gezielte Fernsehzuwendung beobachten (vgl. Lukesch 1993, S. 484).

Etwa zwei Drittel aller 6- 13jährigen Kinder sehen täglich fern und verbringen in Schnitt 1,5 Stunden vor den Bildschirm. Vorschulkinder schauen durchschnittlich die Hälfte fern, also etwa eine dreiviertel Stunde. (vgl. Darschin, Frank 1983, S. 344). Von der Grundschulzeit bis zur Sekundarstufe 1 nimmt die Fernsehzeit kontinuierlich zu (vgl. Darschin 1977, S. 215, zit. nach Lukesch 1993, S. 484), bei den 12- 15jährigen ist sie schließlich am höchsten und fällt bei Präadoleszenten (16- 19jährige) deutlich ab (vgl. Bonfadelli u.a. 1986, zit. nach Lukesch 1993, S. 484).

Als Trend ist festzuhalten, dass heute mehr Kinder am Abend fernsehen dürfen als früher (Deutschschweiz 1979 nach 20 Uhr 27% , 1978 58%) und weniger Kindern die Sehzeit durch die Eltern beschränkt wird (vgl. Lukesch 1993, S. 485). Des weiteren lässt sich konstatieren, dass Kinder aus unteren sozialen Schichten häufiger fernsehen (vgl. Lukesch u.a. 1990, zit. nach Lukesch 1993, S. 485) und Jungen eine stärkere Bindung an das Fernsehen zeigen als Mädchen (vgl. Lukesch u.a. 1993, S. 485).

Eine Saisonale Betrachtung der Fernsehnutzung konnte zeigen, dass sich der Fernsehkonsum erhöht, wenn die außerhäusigen Aktivitäten beschränkt sind.

Nach Paus- Haase (1992, zit. nach Bündel, Hurrelmann 1996) hat es Kinderfernsehen in seiner heutigen Form früher nicht gegeben. In den 50er Jahren beinhaltete das Kinderprogramm fast ausschließlich Turn-, Bastel- und Malanleitungen sowie Märchen- und Puppengeschichten. Die Programmkonferenz der ARD einigte sich 1960 aus pädagogischen und psychologischen Gründen keine Sendungen für Kinder unter 6 Jahren auszustrahlen. Ende der 60er kam dann doch auch das Vorschulkind als möglicher Fernsehkonsument in Frage. Man billigte ihm ein Recht auf Information und Unterhaltung zu. Ab diesem Zeitpunkt sprach man dem Fernsehen einen hohen Wert für die Erziehung und Bildung auch von Kleinkindern zu und akzeptierte es als Mittel der Frühförderung. Sendungen wie Sesamstrasse und Rappelkiste rückten nun in den Mittelpunkt des Kinderfernsehens (vgl. Lukesch 1993, S. 242). Mitte der 70er Jahre gab es neben den pädagogisch durchdachten Sendungen schon eine große Auswahl an amerikanischen Zeichentrick- und Serienfilmen, die als heimliches Kinderprogramm, obwohl für Erwachsenen gemacht, auch von Kindern gesehen wurden (vgl. Paus- Haase 1992, zit. nach Lukesch 1993, S. 224).

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Details

Seiten
13
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638541305
ISBN (Buch)
9783638752831
Dateigröße
406 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v60456
Institution / Hochschule
SRH Fachhochschule Heidelberg
Note
2
Schlagworte
Kinder Medien Kindheit Wandel

Autor

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Titel: Kinder und Medien