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Die Unabhängigkeitserklärung der USA und ihre Auswirkungen auf die Menschenrechte

Seminararbeit 2005 19 Seiten

Politik - Internationale Politik - Thema: Völkerrecht und Menschenrechte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Entstehungsgeschichte der Unabhängigkeitserklärung
2.1. Aufbau der Unabhängigkeitserklärung
2.2. Naturzustand, Vertragstheorie und die Unabhängigkeitserklärung

3. Einflüsse und Nachwirkungen:
3.1. Französische Menschenrechtserklärung
3.2. Selbstbestimmungsrecht (19./20.Jh.)
3.3. Afrikanische Charta der Menschenrechte und der Rechte der Völker (1961)

4. Universalität der Menschenrechte und damit verbundene Probleme („humanitäre Intervention“)

5. Exkurs: Durchsetzung der Menschenrechte als Kulturimperialismus?

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

"Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.

Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen."

Aus der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte

(Generalversammlung der UN, 1948).

1. Einleitung

Die Beschäftigung mit der Unabhängigkeitserklärung der USA scheint aus vielen Gründen heraus interessant. Die globale Dominanz der USA unter politischen und noch mehr unter militärischen Aspekten legt es nah, die politischen Ursprünge der einzig verbliebenen Weltmacht zu betrachten und Parallelen und Unterschiede zu europäischen Politikvorstellungen heraus-zuarbeiten.

Insbesondere scheint es wichtig zu sein, auf den häufig vergessenen Aspekt hinzuweisen, dass die politischen Normen und Verfassungen der europäischen Staaten in vielen Fällen die Entwicklung der USA als Vorbild genommen haben, oder zumindest Ansätze daraus übernommen haben. Der Zusammenhang zwischen der US- Unabhängigkeitserklärung und die französische Revolution ist eines der bekannteren Beispiele.

Aber auch die “Grundrechte des deutschen Volkes“, die 1848 von der deutschen Nationalversammlung in der Paulskirche verabschiedet wurden, hatten die Unabhängigkeitserklärung als Vorbild. Die Weimarer Reichsverfas-sung von 1919 und das Bonner Grundgesetz von 1949 haben an diese Grundrechte angeknüpft. Auch unter Berücksichtigung der Tatsache, dass die USA die föderalistische Struktur der BRD entscheidend mit beeinflusst haben, scheint eine Betrachtung legitim. So wird die Bedeutung der USA für die westeuropäischen Demokratien, insbesondere Deutschland, sowohl historisch als auch aktuell, deutlich.

Bei dieser Arbeit soll es um die Frage gehen, welche Vorstellung über die Menschenrechte in der Unabhängigkeitserklärung formuliert wurde und welche historischen Auswirkungen folgten.

Anhang von drei Beispielen soll deutlich werden, inwiefern die Vorstellungen von 1766 Bestand hatten und welche Neuerungen und Anpassungen stattfanden. In diesem Zusammenhang sind die Beispiele der französischen Menschenrechtserklärung, des Selbstbestimmungsrechtes und der Afrikani-schen Charta der Menschenrechte als Weiterführung und Weiterentwicklung von bürgerlichen Freiheiten zu völkerrechtlichen, sozialen und kollektiven Menschenrechtsdefinitionen zu verstehen.

Dieser Aspekt scheint in der aktuellen Debatte um eine neue Weltordnung, und somit auch um die Frage nach Vereinbarkeit zwischen staatlicher Souveränität und politischer Verantwortung der Weltgemeinschaft für Stabilität und individuelle Freiheiten, an Bedeutung zu gewinnen.

Die aktuelle Situation der Menschenrechte in den USA wird dagegen hier nicht untersucht. Zum einen wäre es nötig, darüber eine separate Arbeit zu verfassen, allein um den Umfang der Fälle möglicher Menschenrechts-verletzungen zu bearbeiten, zum anderen wäre die Analyse der aktuellen Politik der jetzigen US-Administration für den ideengeschichtlichen und historischen Überblick nicht hilfreich.

2. Entstehungsgeschichte der Unabhängigkeitserklärung

Die Konflikte zwischen dem englischen Mutterland und den Kolonien in Nordamerika nahmen seit Mitte der 1760er Jahre zu. Der Hauptkonflikt drehte sich um die Forderung der Kolonisten, keine Besteuerung ohne parlamenta-rische Repräsentation zu akzeptieren ("no taxation without representation"). Die Kolonisten waren im englischen Parlament in London nicht vertreten, sollten aber Steuern an das englische Mutterland abtreten. Die Forderungen der Kolonisten wurden 1767 durch das britische Parlament abgelehnt. Dies führte z.B. 1773 zu der "Boston Tea Party". Dabei hatten nordamerikanische Kolonisten aus Protest gegen Steuererhöhungen durch London große Mengen Tee der englischen "East India Company" in den Hafen geworfen.

1774 trat der erste Kontinentalkongress mit allen 13 Kolonien in Nordamerika zusammen. Die Kolonien beschlossen, den Handel mit England zu stoppen, woraufhin England ein Handelsembargo gegen Nordamerika verhängte. Im April 1775 kam es zum ersten militärischen Kampf zwischen Kolonisten und britischen Truppen. Dieser Kampf wird später als der Anfang des Unabhängigkeitskrieges der USA angesehen.

Am 4. Juli 1776 erklärten die 13 ehemaligen britischen Kolonien in Nordamerika in der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten von Amerika ("Declaration of Independence") ihre Loslösung vom englischen Empire. Der Text basiert auf dem Entwurf von Thomas Jefferson. Ein Komitee, bestehend aus John Adams, Benjamin Franklin, Robert R. Livingston und Roger Sherman, beriet Jefferson. Der Kontinentalkongress nahm den Entwurf an, allerdings wurde die Verurteilung der Sklaverei gestrichen, um die Zustimmung der sklavenhaltenden Kolonien zu ermöglichen.

2.1. Aufbau der Unabhängigkeitserklärung

Die Unabhängigkeitserklärung besteht aus drei Teilen. Der erste Abschnitt legt, ausgehend von der Staatsphilosophie und Naturrechtvorstellung Lockes, die Prinzipien darüber fest, wann die Menschen das Recht haben, eine Regierungs-form durch eine andere zu ersetzen, und wie[1] das politische System gestaltet werden soll. Dabei wird betont, dass die Kolonien gegenüber dem englischen Mutterland geduldig ausgeharrt haben und die Unabhängigkeit zur einer zwingenden Notwendigkeit geworden ist. Der zweite Abschnitt beschäftigt sich mit den englischen Handlungen, die die natürlichen Rechte der Kolonisten verletzen, so z.B. die Auferlegung von Steuern ohne Zustimmung der Kolonisten oder Unterbindung des Handels mit bestimmten Staaten. Der dritte Abschnitt beinhaltet die Schlussfolgerung, dass die Loslösung der Kolonien vom englischen Empire und die Gründung von unanhängigen und souveränen Staaten nötig und gerechtfertigt ist.

2.2. Naturzustand, Vertragstheorie und die Unabhängigkeitserklärung

Um die Unabhängigkeitserklärung historisch einzuordnen, sollen zuerst die ihr vorgehenden politischen und philosophischen Vorstellungen angeschaut werden. Der Schwerpunkt liegt dabei auf John Locke, auf den sich die Autoren der Unabhängigkeitserklärung in vielen Punkten beziehen. Andere Philosophen und Staatstheoretiker werden insofern erwähnt, als dass sie die Ideen Lockes ergänzen oder ihnen widersprechen.

In den Vertragstheorien des 17. und 18. Jh. wurde der Mensch als von Natur aus frei und gleich geschaffen betrachtet. Die Vorstellung, dass Menschen ein Ebenbild Gottes sind und nur ihm als Schöpfer unterstehen, war die Begründung für diese Vorstellung über Individuen (1) (Bruckberger, 1960, S.87-89).

Der Mensch verfügt über sich selbst, über seine geistigen und körperlichen Fähigkeiten, und mit deren Hilfe über die Natur, aber nicht über andere Menschen. Er ist so nach Locke sein eigenes Eigentum. Die US-Unabhängigkeitserklärung basiert auf diesem Menschenbild, wenn sie davon spricht, dass „alle Menschen von ihrem Schöpfer gleich geschaffen“ sind.

Die Menschen im Naturzustand haben Rechte (die natürlichen Rechte): Das Recht auf Selbsterhaltung („life“), das Recht auf Freiheit („liberty“), das Recht Verletzungen der Naturrechte zu bestrafen, sowie das Recht auf Eigentum („property“). Bei Locke wird das Recht auf Eigentum dabei von der Arbeit hergeleitet (vgl. Locke, 1690, §27 & §87). Der Mensch nimmt aus der Natur etwas, was er dann bearbeitet, also mit seiner Arbeit „anreichert“, und dadurch bildet er sich (Privat-) Eigentum. In der US-Unabhängigkeitserklärung wird das Recht auf Eigentum ersetzt durch das Recht nach Glück zu streben („Pursuit of Happiness“).

Durch den Gesellschaftsvertrag verlassen diese voreinander unabhängigen Menschen den (fiktiven) Naturzustand und schließen sich zu einer Gemeinschaft zusammen. Für die Überwindung des Naturzustandes existierten zwei unterschiedliche philosophische Vorstellungen. Nach Hobbes war die Unterwerfung unter einen Souverän (Leviathan) nötig, um den Naturzustand zu überwinden und so eine menschliche Gesellschaft zu erhalten. Dies hat aber nur dann seine Berechtigung, solange die Individuen aus freier Entscheidung zustimmen (vgl. Hobbes, 1651, 17Kap.). Locke dagegen stellte sich die politische Macht als einen Zusammenschluss der Individuen vor und lehnte einen unbeschränkten, totalitären Souverän (Leviathan) ab.

[...]


1 Bruckberger betont die religiösen Ursprünge der Unabhängigkeitserklärung, und folgert daraus, „dass das politische Ideal Amerikas eine Republik ist, die außer Gott nichts kennt, was über der in einem Volk von Staatsbürgern verankerten [...] Staatsautorität stände“. Nach seiner Leseart sind die Vorstellungen von Locke und die Traditionen der Puritaner die beiden Grundlagen für die Unabhängigkeitserklärung.

Details

Seiten
19
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638541091
ISBN (Buch)
9783638752848
Dateigröße
475 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v60433
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
1,3
Schlagworte
Unabhängigkeitserklärung Auswirkungen Menschenrechte Seminar Politischer Liberalismus

Autor

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