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Die 'Creative Economy' - Kreative Berufe als Chance für die Wirtschaft

Hausarbeit (Hauptseminar) 2006 27 Seiten

Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kultur und Staat – Gegner oder Partner?

3. Die „creative class“- “Why cities without gays and rock bands are losing the economic development race.”[1]

4. Die „Creative Class“- Ein internationaler Konkurrenzkampf?

5. Die „Talentbasierte Wirtschaft“ – Ein britisches Beschäftigungskonzept

6. Arbeitslosigkeit – Kunst – Berufseinstieg? – Das Liverpool Projekt

1. Einleitung

Die „Creative Economy“

Ist das ein Wirtschaftssystem, das Privilegien für besonders kreative Köpfe einräumt? Oder ist damit vielleicht gemeint, dass wer in der Wirtschaft aktiv ist, Kreativitätstechniken anwenden soll, um die Produktivität beispielsweise eines Unternehmens zu steigern?

Diese Ideen sind wohl auch interessante Ansätze, sind aber in der vorliegenden Betrachtung nicht gemeint, wenn es um den Begriff der „Creative Economy“ geht.

Die „Creative Economy“ ist hier nicht zu verstehen als kreative Wirtschaft, sondern als Wirtschaft der Kreativen. Es geht darum, zu hinterfragen, welchen Status der so genannte Dritte Sektor, also der Kunst- und Kultursektor, im gesamtwirtschaftlichen Komplex innehat.

Zunächst richten wir den Blick auf eine Studie aus dem Jahre 1988, die unter der Leitung des Ifo-Institutes München der Frage nachgegangen ist, welche volkswirtschaftliche Bedeutung Kunst und Kultur haben. Hier werden Fragen beantwortet, wie zum Bsp.: Welche Berufe fallen überhaupt in den Kunst- und Kultursektor und welche Beschäftigungs- bzw. Einkommensverhältnisse liegen vor? Wird Kunst und Kultur einzig vom Staat gefördert? Und als zentrale Frage: Sollte der Staat seine Zuschüsse nicht eher erhöhen als die Förderungen für Kunst und Kultur zu drosseln? Diesen und weiteren Fragen stellt sich die Studie und liefert erstaunliche Ergebnisse.

Weiter wird die Arbeit der Spur nachgehen, woher der Begriff der „Creative Economy“ eigentlich kommt und wie sein Urheber ihn begründet. In diesem Zusammenhang werden zwei Texte des amerikanischen Forschers Richard Florida analysiert. Nach diesem Exkurs in die USA, geht es wieder zurück nach Europa und der Blick richtet sich auf Großbritannien. In einem ersten Schritt soll ein kurzer Text von Angela McRobbie vorgestellt werden, der das Konzept der so genannten „Talentbasierten Wirtschaft“ vorstellt und damit eine neue Dimension eröffnet von dem, was es heißt, eine „Creative Economy“ zu sein. Am Schluss der Darstellung steht ein konkretes Projekt aus der Praxis namens „Acting up“, das sich zum Ziel gesetzt hat arbeitslose Jugendliche aus Liverpool über den Weg der Kunst und des kreativen Schaffen s auf den Berufseinstieg vorzubereiten.

2. Kultur und Staat – Gegner oder Partner?

Man könnte meinen das Verhältnis zwischen kulturellen Institutionen und dem Staat sei ein einseitiges. Der Staat verstünde sich als der große Geber und die kulturellen Institutionen beugten sich ihm als die kleinen Nehmer, die ständig in seiner Schuld stünden. Wie sonst sollte man sich erklären, warum immer wieder über staatliche Kürzungen im Kultursektor debattiert wird? Doch wohl nicht, weil dieser so floriert. Ist es denn wirklich so um Kunst und Kultur in Deutschland bestellt, dass sie im Grunde nur Mehrausgaben für den Staat bedeuten? Könnte es nicht sogar sein, dass Kunst und Kultur bislang verkannte Wirtschaftsfaktoren darstellen, die es nur noch richtig zu nutzen gilt?

Diese Frage hat auch das Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung in München beschäftigt. Im Jahre 1984 hat die damalige Regierung im Besonderen das Bundesinnenministerium eine Studie beim Ifo-Institut in Auftrag gegeben mit dem Thema „Die volkswirtschaftliche Bedeutung von Kunst und Kultur“. Die Studie, welche 1988 veröffentlicht wurde, hat sich vier Kernfragen gewidmet.

1. In welchem wirtschaftlichen Verhältnis stehen Staat und Kultur zueinander? Das heißt, welche Einkommens- und Beschäftigungsverhältnisse bestehen? Hier ist zunächst zu fragen, welche Berufssparten unter den Dritten Sektor zu subsumieren sind.
2. Wie hoch sind die staatlichen Ausgaben im Kultursektor und welche Rückflüsse entstehen durch Steuereinnahmen und Sozialversicherungsbeiträge?
3. In welchem Maße wird der Kultursektor von Seiten der Unternehmer gefördert?
4. Welche Folgen ergeben sich aus einer Erhöhung der öffentlichen Kulturausgaben insbesondere in Bezug auf die öffentlichen Theater?[1]

Die Studie von Hummel und Berger soll in dieser Arbeit nicht erschöpfend thematisiert werden, sondern nur grob in ihrer Konzeption, Durchführung und Auswertung präsentiert werden. Es geht darum, dem Leser mit Hilfe der Studie einen Eindruck zu vermitteln, wie sich der Kultursektor im Einzelnen ausgestaltet und welche Vor- und Nachteile er der Wirtschaft einträgt.

Zunächst ein paar Wort zur Konzeption der Studie. Die Hauptfragestellungen wurden schon genannt, nun bedarf es einer Klärung der Untersuchungsgegenstände, d.h. es geht um die Frage, welche Bereiche in der Studie einer Untersuchung unterzogen werden. Hummel und Berger unterscheiden zwischen einem so genannten Kernbereich sowie den vor- bzw. nachgelagerten Bereichen. Die nachstehende Abbildung gibt einen genaueren Eindruck der Unterteilung.

- Untersuchungsgegenstände:

1. Die Schaffung
2. Die Verbreitung von künstlerischen Werke Kernbereich
3. Die Erhaltung
4. Vorgelagerte Bereiche: Bspw. Druckereien, Bindereien
5. Nachgelagerte Bereiche: Bspw. Groß- und Einzelhandel

Die einzelnen Bereiche werden von verschiedenen Berufssparten vertreten. Während die Schaffung künstlerischer Werke selbstverständlich von Künstlern repräsentiert wird, darunter fallen sowohl bildende als auch darstellende Künstler, wird der Bereich der Verbreitung künstlerischer Werke von den Medien repräsentiert, dazu gehören sowohl Rundfunk und Fernsehen als auch Museen, Theater- und Opernhäuser. Im Bereich der Erhaltung künstlerischer Werke ist im Besonderen die Denkmalpflege zu nennen. Die Vor- bzw. nachgelagerten Bereiche sind nicht die eigentlichen Orte künstlerischen Geschehens, für die Existenz des Kultursektors aber unerlässlich. Während Druckereien, Bindereien aber auch Kostüm- und Maskenbilder usw. gewissermaßen die Vorarbeit für die Künstler leisten, vollzieht sich im Vertrieb der künstlerischen Produkte durch den Groß- und Einzelhandel die notwendige Nachbereitung.

Die Studie geht so vor, dass sie zunächst eine Datenbasis ermittelt, aus der hervorgeht, wie viele Beschäftigungsverhältnisse es im Kunst- und Kultursektor gibt und welche Einkommen sowie Anlageinvestitionen damit einhergehen.

Hiermit kommen wir zum ersten Ergebnis der Studie, das heißt zu einer Antwort auf Frage 1 (sieh S. 2). Im Untersuchungsjahr 1984 wurden:

- 680 000 Beschäftige in allen untersuchten Bereichen ermittelt (44% aus den Bereichen 1-3)
- -Der Beitrag von Kunst u. Kultur zum Einkommen im Inland lagt bei 40 Mrd. DM
- Die Anlageinvestitionen belief sich auf eine Summe in Höhe von 5 Mrd. DM

Dass der Kunst- Kultursektor besonders im Hinblick auf die Zahl der Beschäftigten von ökonomischer Relevanz ist, zeigt sich, vergleicht man die Zahl mit der im gleichen Zeitraum für die Energieversorgung ermittelten Beschäftigungszahl. Bei vergleichbarer wirtschaftlicher Leistung (39,6 Mrd. DM) liegt die Zahl der Beschäftigten bei 226 000.[2]

„Diese Kenngrößen zeigen, dass dem Kultursektor gerade im Hinblick auf die Beschäftigungsmöglichkeiten eine besondere wirtschaftliche Bedeutung zukommt.“[3]

Es folgen nun die Ergebnisse der Studie zu den weiteren drei Fragestellungen. Zu Frage 2 (siehe S.2) hat die Studie herausgefunden, dass das Übertragungssaldo insgesamt positiv ist. Im Jahre 1984 betrug das Übertragungssaldo 9 550 Mill. DM.[4] Positiv waren vor allem die Übertragungen aus den vor- und nachgelagerten Bereichen sowie dem Verwaltungssegment des Kultursektors. Negativ ins Gewicht fielen die Bereiche Theater, Orchester und Museen sowie der Bereich der Kulturpflege.[5]

„ Unter einer rein saldenmechanischen Betrachtung „rechnen“ sich damit öffentliche Kulturausgaben“[6]

Wer an dieser Stelle nähere Informationen über die genaue Verteilung der staatlichen Förderungen und der Rückflüsse aus Kunst und Kultur bekommen möchte, sei auf eine anschauliche Graphik (Nr.1) im Anhang verwiesen. Dass der Bereich des Theaters auch bei der Förderung durch Unternehmen nicht sehr gefragt ist, hat die Studie bei der Beantwortung der 3. Frage (siehe S.2) ermittelt. Folgende Daten wurden in Bezug auf die Förderung von Kunst und Kultur durch Unternehmen ermittelt:

- 689 Unternehmen förderten 1984 mit insgesamt 45. Mill. DM
- Beliebt in der Förderung: Heimat- und Brauchtumspflege (57,9%), Musik (44,2%), Bildende Kunst (43,4%)
- Letzte Plätze: Theater (20,7%), Film und Photographie (9,9%)[7]

Die begrüßenswerte hohe Zahl der fördernden Unternehmen darf jedoch nicht zu dem Schluss verleiten, der Staat könne bzw. müsse seine Förderung verstärkt in die Hände von Unternehmen geben. Denn

„die kulturellen Leistungen der öffentlicher Hand sind keineswegs durch die Leistungen privater Förderer zu ersetzen,“[8]

heißt es in der Studie. Und dies lässt sich auch leicht nachvollziehen, so stehen doch die Unternehmen zwar in der Verantwortung für die von ihnen geförderten Institutionen; sie sind jedoch nicht rechtlich an ihre Förderung gebunden. Die Fluktuation in der unternehmerischen Förderung ist weitaus höher als auf staatlicher Seite. Eine konstante und sichere Förderung geht daher in erster Linie vom Staat aus.

[...]


[1] Vgl. Hummel, Marlies; Berger, Manfred. Die volkswirtschaftliche Bedeutung von Kunst und Kultur. München 1988 S.1

[2] Vgl. Ebd. S.6/7

[3] Ebd. S.6

[4] Vgl. Ebd. S.9

[5] Ebd. S. 7

[6] Ebd. S.9

[7] Ebd. S.9

[8] Ebd. S. 10. Zitiert nach: Kulturkreis im Bundesverband der Deutschen Industrie (Hrsg.), Die Wirtschaft als Kulturförderer, Köln 1987 7. Schlusswort 20

[1] Florida, Richard. The rise of the creative class. 2002 In: Richard Florida/Irene Tinagli. Europe in the creative age. 2004 Untertitel

Details

Seiten
27
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638540575
ISBN (Buch)
9783638667388
Dateigröße
548 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v60357
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin – Institut für Erziehungswissenschaft
Note
1,3
Schlagworte
Creative Economy Kreative Berufe Chance Wirtschaft Kreativität Erziehung Innovation“

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