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NATO-Kernwaffenstrategie in den 50er Jahren - Die Glaubwürdigkeit der 'Massive Retaliation' Im Prozess des Wandels

Hausarbeit (Hauptseminar) 2005 21 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Nachkriegszeit, Kalter Krieg

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung

1. Historische Einordnung der NATO - Strategiedebatte

2. Bedrohungsperzeption und Strategieentwicklung
2.1. Einführung
2.2. Totalangriff + begrenzte Aggression
2.3. neue Bedrohungslagen und ihre Faktoren
2.4. „Die Lisbon Force Goals“ und der „long haul“
2.5. MC 48 – der „New Look“ der “Massive Retaliation”

3. Die Strategie der „Massive Retaliation“ – Elemente und Probleme
3.1. Die Grundlage der Strategie der massiven Vergeltung
3.2. Die Elemente der Glaubwürdigkeit der Strategie
3.2.1. Die Glaubwürdigkeit des Nuklearschlags
3.2.2. Die Glaubwürdigkeit des „begrenzten Konflikts“

4. Fazit

Literaturverzeichnis

0. Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit analysiert die historische Entwicklung der NATO-Nuklearstrategie in den 50er Jahren, unter besonderer Berücksichtigung der Strategie der „massiven Vergeltung“ in ihrer Entwicklung zur Strategie der „Flexible Response“ in der Ära Kennedy. Besondere Beachtung soll dabei der Aspekt der Glaubwürdigkeit finden, die als Determinante des Wandels zu untersuchen sein wird. Dabei wird es um die Frage gehen, welche Elemente die Strategie der „massiven Vergeltung“ besaß und wie diese unter dem Gesichtspunkt der Glaubwürdigkeit miteinander verbunden waren. Weiterhin wird die Fragestellung zu bearbeiten sein, inwieweit die Glaubwürdigkeit der Strategie der entscheidende Faktor des Wandels war und welche anderen historischen politischen und strategischen sowie technologischen Entwicklungen diesen Wandel bestimmten. Im Umfang einer Hausarbeit im Hauptstudium können die genannten Faktoren unter Zuhilfenahme von Sekundärliteratur jedoch nur angerissen werden. Die Betrachtung der Glaubwürdigkeit als Konzept der Außen- und Sicherheitspolitik, in bezug auf die Politik zwischen den Blöcken, wird in diese Analyse integriert. Im Mittelpunkt der Betrachtung wird die Strategie der „Massive Retaliation“ stehen, wobei es zu untersuchen sein wird, welche Faktoren des Wandels hin zu einer verlässlicheren Doktrin des nuklearen Waffeneinsatzes es gegeben hat und wie sie wirkten.

Die Glaubwürdigkeit der nuklearen Strategie wurde von Pommerin/Steinhoff sowie von Haftendorn beispielhaft für die Krise der 60er Jahre behandelt. Diese Untersuchungen sollen in Ihren grundsätzlichen Erkenntnissen zu diesem Thema auch für die 50er Jahre verwendet werden und in den Zusammenhang der Weiterentwicklung der NATO-Kernwaffenstrategie gestellt werden. Dabei soll der politische Übergang der Strategie, ausgehend von den USA, auf die Allianz nur in Hinblick auf die Entwicklungsgeschichte der NATO-Nuklearstrategie betrachtet werden. Zudem kann aus Gründen des Umfangs die Dokumentation der historischen Entwicklung der Strategienentwicklung nur nach Bedarfs stattfinden.

Die in dieser Arbeit verwendete Literatur zur Bedeutung des strategischen Luftkrieges mit Langstreckenbombern, denn nur auf diesem Wege war ein Nuklearkrieg bis zur Fortentwicklung der Raketentechnologie denkbar, sowie zum technischen Wandel der Kriegführung wird sich im wesentlichen auf Publikationen von Buckley und Armitage/Mason stützen. Literatur zur nuklearen Strategie der NATO wird durch die Publikationen von Heuser, Wiggershaus und Greiner in die Arbeit eingebracht. Die Analyse der Kritik von Peeters ist als zeitgeschichtliches Dokument zu sehen und dokumentiert die Kritik an der Strategie sowie die Reaktion auf diese Kritik. Auf Primärquellen und Dokumentenmaterial wird aus Gründen der Erreichbarkeit und des Umfangs der Arbeit verzichtet bzw. kann die Auswertung dieser Materialien nicht geleistet werden.

1. Historische Einordnung der NATO - Strategiedebatte

Die Geschichte des Kalten Krieges und seiner Ausprägungen in den frühen 50er Jahren lassen sich aus den hervortretenden Konflikten erklären, die bis zum Ende des 2. Weltkrieges in Europa unter dem Mantel der Waffenbrüderschaft verdeckt waren. Schon während des Zweiten Weltkrieges bestanden ideologische und machtpolitische Spannungen zwischen den späteren Siegermächten. Solange Deutschland nicht geschlagen war, mussten die Alliierten pragmatisch vorgehen und ihre Differenzen zugunsten der gemeinsamen Sache vorerst zurückstellen. Doch als unmittelbar nach dem Krieg die politische Landschaft in Europa neu zu gestalten war und sich grundlegende Entscheidungen nicht mehr vertragen ließen, brachen die, in den Kriegsjahren unterdrückten, Konflikte offen aus. Im Westen Europas und in den Vereinigten Staaten verbreitete sich bald nach der Kapitulation Deutschlands die Angst vor einer kommunistischen Unterwanderung und einer expansionistischen Politik der Sowjetunion. Der Zweite Weltkrieg hatte die gesamte europäische Staatenwelt zerrüttet und ein Machtvakuum auf dem Kontinent hinterlassen, das die Sowjetunion nun zu füllen drohte. Die Rote Armee war bis ins Zentrum Deutschlands vorgerückt, hatte große Gebiete in Osteuropa annektiert, hielt noch größere Teile Europas besetzt und schien die Schwäche vieler mittel- und osteuropäischer Staaten zum Ausbau ihrer eigenen Machtposition auszunutzen. Bei Kriegsende hatten bei den Westmächten und der Sowjetunion noch etwa gleich viele Soldaten unter Waffen gestanden. Bis 1946 hatte sich dieses Gleichgewicht schon stark zugunsten der Roten Armee verschoben. Während im Westen demobilisiert worden war, hatte die UdSSR ihre Truppenstärke und Rüstungsindustrie auf dem hohen Kriegsniveau belassen. Das Nukleare Monopol der USA wirkte in den Nachkriegsjahren fort und bewirkte eine europäische Sicherheitspolitik, die sich auch aus Kostengründen auf die nukleare Abschreckung der USA und ihrer strategischen Bomberflotte verließ. Die Bedrohungsperzeption der USA und ihrer Verbündeten[1], die genannte technische Überlegenheit sowie die politischen Präferenzen der Allianz[2] beeinflussten die Strategieentwicklung der USA und damit auch der NATO. Der Wandel der nuklearen Strategie vollzog sich vor allem unter dem Einfluss der politischen Entwicklung des Kalten Krieges[3], der technischen und numerischen Fortentwicklung der strategischen Nuklear-Streitkräfte der Sowjetunion sowie neuer strategischer Szenarien im Laufe der 50er und 60er Jahre. Ausgehend vom amerikanischen Präsidenten Kennedy, wurde die Kritik an der Strategie in den frühen 60er Jahren vorangetrieben. Im Zusammenhang mit einer umfassenden Bilanz der amerikanischen Außen- und Sicherheitspolitik, wurde nach dem Amtsantritt des Präsidenten Kennedy 1961 auch die Grundlagen der Verteidigungspolitik überprüft. Bereits im März 1962 stellte Kennedy neue Anforderungen an die Strategie der Allianz. Sie sollte in Zukunft glaubwürdiger sein. Dies sollte mittels einer flexiblen „counter force“ - Strategie erreicht werden, die eine nicht-nukleare Option offen hielt. Der Zusammenhalt der Allianz war auch unter dem Eindruck der bisherigen Erfahrungen mit der „Massive Retaliation“ zu modifizieren. Die bisherige alleinige Zusammenstellung von konventionellen Streitkräften für einen Atomkrieg sollte durch die Neudefinition der Bündnisaufgaben gelingen.

[...]


[1] Auf die Studie JIC 435/12 u.a. wird einzugehen sein

[2] Heuser nennt hier vor allem das europäische Problem der „ökonomisch-finanziellen Beschränkungen“ sowie die Frage der politischen Opportunität des Wehrdienstes in den Staaten der Allianz (ÖMZ);

[3] hier sind vor allem der Korea-Krieg, die Suez-Krise, die Invasion Ungarns sowie die Niederschlagung des Aufstands vom 17. Juni 1953 in der DDR zu nennen

Details

Seiten
21
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638539647
ISBN (Buch)
9783638766630
Dateigröße
526 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v60239
Institution / Hochschule
Universität Potsdam – Historisches Institut
Note
1,7
Schlagworte
NATO-Kernwaffenstrategie Jahren Glaubwürdigkeit Massive Retaliation Prozess Wandels Hauptseminar Luftmacht Luftkrieg Jahrhundert

Autor

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