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Die zeitgenössische Rezeption des Films Nosferatu

Hausarbeit 2006 28 Seiten

Filmwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der historische Kontext
2.1 Die Filme der Nachkriegszeit von 1919 bis 1924
2.2 Der historische Hintergrund

3 Die Entstehungsgeschichte des Films Nosferatu (1922)
3.1 Die Produktion des Films
3.2 Die Hintergründe des Stummfilms

4 Motiv des Vampirs
4.1 F.W. Murnaus Nosferatu als erster visualisierter Vampir
4.2 Der Vampir in Barm Stokers Dracula und F.W. Murnaus Nosferatu

5 Die Ästhetik des Films Nosferatu
5.1 Das ästhetische Potential der beweglichen Kamera
5.2. Die Erzählstruktur des Films Nosferatu

6 Die zeitgenössische Rezeption des Films Nosferatu (F.W. Murnau, 1922)
6.1 Die Faszination des Phantastischen
6.2 Die Wirkung des Phantastischen auf das zeitgenössische Publikum
6.3 Die zeitgenössische Rezeption (1922)

7 Fazit

8 Anhang: Nosferatus “Erben“

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Im Jahre 1922 entstand unter der Regie von Friedrich Wilhelm (F. W.) Murnau in Deutschland der berühmte Stummfilmklassiker Nosferatu - Eine Symphonie des Grauens, mit dem legendären Max Schreck in der Hauptrolle. Die Handlung wurde in groben Zügen dem weltweit bekannten Roman Dracula nachempfunden, der 1897 von dem Professor für englische Sprache und Literatur Bram Stoker in Großbritannien veröffentlicht wurde.

Die grundsätzliche Problematik, bezüglich der zeitgenössischen Rezeption des Films Nosferatu von F.W: Murnau, mit der ich mich im Zuge meiner Arbeit befasst habe, bestand darin, dass Rezeption von subjektiver Wahrnehmung bestimmt ist.

Die zeitgenössische Rezeption impliziert jedoch auch die Problematik des Vergangenen, so dass ich mich in meinen Ausführungen nur auf die Texte der zeitgenössischen Filmkritiker basieren konnte, welche die Rezeption des damaligen Publikums darstellen.

Der Aspekt der Objektivität spiegelt das Problem dieser Filmkritikerkommentare zu F.W. Murnaus Nosferatu wider, da Wahrnehmung von Subjektivität beeinflusst wird.

Im Verlauf meiner Hausarbeit, werde ich zunächst F.W. Murnaus Nosferatu in den historischen Kontext einbeziehen, unter Berücksichtigung von anderen zeitgenössischen Filmen.

Des Weiteren, werde ich den Inhalt des Films und das Motiv des Vampirs kurz erläutern.

Im Folgenden werde ich auf die Entstehungsgeschichte des Films eingehen und die Hintergründe der Filmproduktion, hinsichtlich ihrer Konsequenzen für die Prana-Film GmbH, reflektieren.

Anschließend nehme ich Stellung zur Ästhetik des Films Nosferatu und dessen ästhetisches Potential.

Zum Ende meiner Hausarbeit, werde ich mich im Detail mit der Fragestellung, wie der F.W. Murnaus Film Nosferatu vom zeitgenössischen Publikum rezipiert wurde, anhand von diversen zeitgenössischen Filmkritiken, befassen.

Im Anhang erläutere ich dann die immer noch starke Faszination, die von F.W. Murnaus Nosferatu ausgeht und bis heute Filmregisseure inspiriert.

Nach dieser kurzen Einleitung, folgt nun die eigentliche Analyse hinsichtlich der zeitgenössischen Rezeption des Films Nosferatu.

2 Der historische Kontext

Im ersten Kapitel meiner Hausarbeit werde ich die Filme der Nachkriegszeit von 1919 bis 1924 erwähnen und in Bezug auf F.W. Murnaus Stummfilm Nosferatu setzten.

Des Weiteren werde ich kurz auf den historisch-politischen Hintergrund, der die damalige deutsche Filmindustrie bedingte, eingehen.

Anhand der Aussagen von Gaston Haustrate, Magrit Dorn, Siegfried Kracauer und Jerzy Toeplitz werde ich auf die zeitgenössischen Ereignisse, welche ein revolutionäres Aufbegehren der Arbeiterklasse zur Zeit der Weimarer Republik widerspiegeln, eingehen.

2.1 Die Filme der Nachkriegszeit von 1919 bis 1924

Zwischen 1919 und 1933 wurden in Deutschland Filme produziert. Diese Filme waren aber nicht alle Meisterwerke einige jedoch, wie Nosferatu von F.W. Murnau ermöglichen uns heute ein Bild über die Anfänge der deutschen Filmkunst der 20er Jahre zu gewinnen.[1]

Außer F.W. Murnaus Nosferatu wurden noch andere Filme, die Aspekte des Phantastischen beinhalten, gedreht: Das Cabinett des Dr. Caligari (1919) R: Robert Wiene), Der Golem, wie er in die Welt kam (1920 R: Paul Wegener, Carl Boese), Wachsfigurenkabinett (1924 R: Paul Leni) Mertropolis (1926 R: Fritz Lang).

Die Vampirfigur in F.W. Murnaus Nosferatu ist die erste Verfilmung von der literarischen Vampirfigur des Draculas nach Bram Stoker.[2] Nach Magrit Dorn, sei der Vampir für die Filmemacher des Phantastischen eine Projektion von Schuldgefühlen und Ängsten, die zwischen den beiden Weltkriegen die Menschen belasteten.[3]

Des Weiteren macht Magrit Dorn darauf aufmerksam, dass die Filme dieser Epoche eine Flucht in eine Welt der Phantasie ermöglichen sollten, die wie ein Heilmittel gegen die revolutionäre Stimmung der Weimarer Republik verstanden worden sei.[4]

Durch die Darstellung von Filmtyrannen, wie F.W. Murnaus Nosferatu oder R. Wienes Caligari wurde dem zeitgenössischen Publikum indirekt vermittelt, dass es keine Möglichkeit gab sich schicksalhaften Ereignissen entgegenzustellen.[5]

2.2. Der historische Hintergrund

Da sich, nach der Oktoberrevolution 1917 in Russland, in ganz Europa eine revolutionäre Stimmung verbreitete, galt es eine weitere Revolution, so S. Kracauer, nach dem Matrosenaufstand am Ende des Ersten Weltkrieges, in Deutschland zu verhindern. Die aufkommende Industrialisierung und der dadurch bedingte Aufstieg des Bürgertums trugen, nach S. Kracauer, erheblich dazu bei, dass das Proletariat vergessen wurde. Da jedoch die Arbeiterklasse eine große Macht ausübte, galt es ein Aufbegehren des Proletariats zu verhindern. Damit aber die Bourgeoisie Ende 1924 ihre Machtstellung festigen konnte, mussten Filme gedreht werden, die einen hoffnungslosen, aber instinktiven Widerstand des kleinen Mannes gegen eine höhere Macht zeigten, um so den Drang nach revolutionären Taten zu befriedigen.[6]

Weil in den Filmen der Nachkriegszeit, so J. Toeplitz, dem zeitgenössischen Zuschauer der Weimarer Republik gezeigt wurde, dass ein Tyrann, wie die Vampirfigur in F.W. Murnaus Nosferatu, nicht durch einen Menschen vernichtet werden könne, sondern allein durch die Natur, welche im Film durch das Licht der Sonne symbolisiert wurde, so J. Toeplitz, sei der Drang nach revolutionären Taten auf die Leinwand projiziert worden.[7]

3 Die Entstehungsgeschichte des Films (1922)

In diesem Kapitel werde ich darauf eingehen wie F.W. Murnaus Film Nosferatu entstanden ist, wann der Film produziert und uraufgeführt wurde.

Anhand der Berichte von Jörg Buttgereit, Alfred Holighaus, Lotte H. Eisner, Gerhard Lamprecht und Gaston Haustrate bezüglich F.W. Murnaus Nosferatu, werde ich im Folgenden die Konsequenzen des Films für die damalige Filmproduktionsfirma Prana-Film erläutern.

Zum Ende dieses Kapitels werde ich kurz auf die Vertonung des Stummfilms Nosferatu eingehen, die zu einer verballhornten Tonversion des Stummfilm Klassikers führte.[8]

3.1 Die Produktion des Films

F.W. Murnaus Nosferatu ist im Zuge der Visualisierung phantastischer Filmthemen, wie R. Wienes Das Cabinett des Dr. Caligari (1919), entstanden.

F.W. Murnau diente Bram Stokers Vampirroman Dracula (1897) als Literaturvorlage für seinen Film Nosferatu[9], den er 1921 nach einem Drehbuch von Henrik Galeen anfing zu drehen. Der Film, so J. Buttgereit, entspräche dem zeitgenössischen Wunsch des Publikums nach Ablenkung und zugleich dem damals filmischen Aspekt des Phantastischen, der schon zuvor mit Robert Wienes Das Cabinett des Dr. Caligari (1919) und danach mit Paul Lenis Wachsfigurenkabinett (1924) verwirklicht worden sei.

Abgesehen davon lobte Gaston Haustrate die Regie und die Produktion des Films.[10] Durch die Unterstützung, so G. Haustrate, großartiger Kameramänner, inszenierte F.W. Murnau Lichtspiele und setzte Schattenspiele ein, so wie z.B. die Verzerrung des Blickpunktes. Diese technischen Elemente, die Benutzung der Dekoration als Hauptelement des Dramas und die hochemotionale Darstellung der Schauspieler, so G. Haustrate, würden die Intensität der Atmosphäre und die subjektive Wahrnehmung unterstreichen.

„[…] quelques élément parmi d’autres qui participent à l’intensité de l’atmosphère comme à la subjectivité du point de vue.”[11]

Aber wie schon 1920 bei F.W. Murnaus Verfilmung von Robert L. Stevensons Roman Dr. Jeckyll und Mr. Hyde, den er unter dem Titel Januskopf verfilmt hatte, traten auch bei B. Stokers Dracula Probleme mit der Lizenz zur Verfilmung des Romans auf.[12] Um eine Urheberrechtsauseinandersetzung mit B. Stokers Erben zu vermeiden, änderte der Drehbuchautor Henrik Galeen den Filmtitel in Nosferatu, gab den Protagonisten andere Namen und verschob die Handlung nach Deutschland.[13]

So wurde Graf Dracula in Graf Orlok, Jonathan Harker in Jonathan Hutter, Mina in Ellen und der Mackler Renfield in Mackler Knock umbenannt. Der Hauptdarsteller, der Graf Orlok verkörperte war Max Schreck. Seine schauspielerische Leistung, so J. Buttgereit, sei durch Albin Graus Ausstattung und Maske, sowie durch F.W. Murnaus Gestaltungs- und Inszenierungsstil unterstützt worden.

Die Dreharbeiten begannen 1921 und F.W. Murnau drehte, für die damalige Zeit eher untypisch, an Originalschauplätzen, wie Lübeck, Rostock, Wismar, Lauenberg und in den Karpaten, so dass die Natur eine Atmosphäre des Übernatürlichen erzeugte.[14]

Vor der Uraufführung gab, nach J. Buttgereit, die Prana-Film GmbH Unsummen für die Werbung von F.W. Murnaus Nosferatu aus, so dass letzten Endes die Werbekosten die Kosten der Produktion überstiegen.[15]

F.W. Murnaus Nosferatu wurde schließlich am 04. März 1922 im Berliner Marmorsaal des Zoologischen Gartens im Rahmen eines Festes uraufgeführt.

3.2 Die Hintergründe des Stummfilms

Obwohl F.W. Murnau und sein Drehbuchautor Henrik Galeen durch die Änderung der Namen in Bram Stokers Dracula eine Copyright-Auseinandersetzung vermeiden wollten, zeigten sie dennoch Bram Stokers Dracula als Vorlage für F.W. Murnaus Nosferatu im Filmvorspann, weswegen Florence Stoker, Bram Stokers Witwe, die Produktionsfirma Prana-Film wegen Verletzung der Urheberrechte verklagte.[16] Da es damals üblich war mehr Geld für die Werbung eines Films auszugeben, als für die eigentliche Produktion, sei, nach J. Buttgereit, Prana-Film womöglich an den Ausgaben für den Rechtsstreit mit Florence Stoker bankrott gegangen. Als Florence Stoker das Verfahren gewann, so J. Buttgereit, sei die komplette Vernichtung aller Nosferatu Kopien per Gericht angeordnet worden.

Dennoch blieben einige Kopien erhalten, die dann mit dem aufkommenden Tonfilm um 1930, so Lotte H. Eisner, von Dr. Waldemar Roger bearbeitet worden seien. Die vertonte und dazu mit zusätzlichen, teils überflüssigen Szenen neu bearbeitete Fassung von F.W. Murnaus Stummfilm Nosferatu durch Dr. W. Roger, war, nach L.H. Eisner, dadurch möglich, dass die Produktionsfirma Prana-Film nach dem Konkurs, alle übrig gebliebenen Muster von Nosferatu, ohne F.W. Murnaus Wissen, an die Firma Deutsche-Film-Produktion verkauft hatte.[17] Dementsprechend wurde F.W. Murnaus Stummfilm Nosferatu. Eine Symphonie des Grauens von Dr. W. Roger in Die zwölfte Stunde. Eine Nacht des Grauens umbenannt.

Abgesehen von zahlreichen Unterschieden in der Tonfassung, steht der Schluss dieser neuen Bearbeitung, so L.H. Eisner, sehr im Kontrast zum Original: Ellen, die in dieser Fassung Margitta heißt, bliebe, anstatt sich ihrer Mitbürger willen zu opfern, am Leben.[18]

Eine zeitlang waren, wie Lotte H. Eisner schreibt, zwei Kopien des Vampirfilms im Umlauf.

Dabei handele es sich auf der einen Seite, so L.H. Eisner, um eine französische Kopie, die in Frankreich, nach F.W. Murnaus Stummfilm Nosferatu Aufführung erhalten geblieben worden sei. Auf der anderen Seite handele es sich um eine deutsche Kopie, die von Dr. W. Roger vertont und überarbeitet worden sei.

Abschließend bemerkt L.H. Eisner, dass sich die französische Kopie von der deutschen, abgesehen vom Ton, in ihren wirkungsvollen Szenen und in ihrer Länge unterscheide, welche tausend Meter weniger enthielte als die deutsche.[19]

Es ist anzunehmen, so Gerhard Lamprecht, dass aufgrund der Beliebtheit von F.W. Murnaus Filme in Frankreich, die Franzosen jahrelang die damals entstandenen Originalwerke Murnaus, wie Nosferatu, bewahrt haben, wohingegen, nach G. Lamprecht, in Deutschland mit dem aufkommenden Nationalsozialismus, F. W. Murnaus Werke entweder in Vergessenheit geraten seien oder, wie durch Dr. Waldemar Roger Murnaus Nosferatu, vertont, bearbeitet und durch neu hinzugefügte Szenen und Titel verfälscht worden seien.

[...]


[1] HAUSTRATE, Gaston: Le Guide de Cinéma. Paris 1984. S. 56

[2] DORN, Magrit: Vampirfilme und ihre soziale Funktion. Ein Beitrag zur Genregeschichte. In: Medienwissenschaft. 4/1995. S. 457

[3] DORN, Magrit: Vampirfilme und ihre soziale Funktion. Ein Beitrag zur Genregeschichte. In: Medienwissenschaft. 4/1995. S. 457

[4] DORN, Magrit: Vampirfilme und ihre soziale Funktion. Ein Beitrag zur Genregeschichte. In: Medienwissenschaft. 4/1995. S. 457

[5] KRACAUER, Siegfried: Von Caligari zu Hitler. Frankfurt am Main 1984. S. 85-96

[6] TOEPLITZ, Jerzy: Geschichte des Films. München 1973. S. 229

[7] TOEPLITZ, Jerzy: Geschichte des Films. München 1973. S. 229

[8] EISNER, Lotte H.: Murnau. Frankfurt am Main 1979. S. 179

[9] BUTTGEREIT, Jörg: Only a Movie?. In: Hans Helmut Prinzler: F.W. Murnau. Ein Melancholiker des Films. Berlin 2003. S. 135

[10] HAUSTRATE, Gaston: Le Guide de Cinéma. Paris 1984. S. 58

[11] HAUSTRATE, Gaston: Guide de Cinéma. Paris 1984. S. 58

[12] BUTTGEREIT, Jörg: Only a Movie? In: Hans Helmut Prinzler: F.W. Murnau. Ein Melancholiker des Films. Berlin 2003. S. 135

[13] BUTTGEREIT, Jörg: Only a Movie? In: Hans Helmut Prinzler: F.W. Murnau. Ein Melancholiker des Films. Berlin 2003. S. 135.

[14] HOLIGHAUS, Alfred: Der Filmkanon. Berlin 2005. S. 15.

[15] BUTTGEREIT, Jörg: Only a Movie? In: Hans Helmut Prinzler: F.W. Murnau. Ein Melancholiker des Films. Berlin 2003. S. 135.

[16] BUTTGEREIT, Jörg: Only a Movie? In: Hans Helmut Prinzler: F.W. Murnau. Ein Melancholiker des Films. Berlin 2003. S. 135.

[17] EISNER, Lotte H.: Murnau. Frankfurt am Main 1979. S. 179

[18] EISNER, Lotte H.: Murnau. Frankfurt am Main 1979. S. 170

[19] EISNER, Lotte H.: Murnau. Frankfurt am Main 1979. S. 179.

Details

Seiten
28
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638538053
ISBN (Buch)
9783640506309
Dateigröße
594 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v60037
Institution / Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Note
2,7
Schlagworte
Rezeption Films Nosferatu Einführung Filmwissenschaft

Autor

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