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Gewalt in der Dritten Welt und in den Metropolen

Seminararbeit 2006 13 Seiten

Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte

Leseprobe

Inhaltsübersicht

1. Einleitung

2. Historischer Kontext

3. Personen
Herbert Marcuse
Oskar Negt

4. Gewalt in der Dritten Welt
4.1. Theoretische Ansätze in der Beziehung Zur Dritten Welt

5. Gewalt in den Metropolen

6. Fazit

7. Literaturliste

1. Einleitung

„Kein Land der europäischen Zivilisation hat, im gesellschaftlichen Binnenverhältnis nicht weniger als in kriegerischen Expeditionen nach außen, eine so stark mit sozialpsychologischen Mechanismen von Schuld und Abwehr versetzte Gewalterfahrung wie Deutschland. So erweist sich der 68 weltweit angestoßene Gewaltdiskurs in diesem Lande als besonders kompliziert.“[1]

„Im Wohlstand einer autoritären Leistungsgesellschaft hatten sich Lebensregeln institutionalisiert, die sich auf eine verlässliche und breite Folgebereitschaft in der Bevölkerung gründeten.“[2] Nach zwei Jahrzehnten des gesellschaftlichen Neuordnungsprozesses treten Gruppen der Opposition in die Öffentlichkeit, die den geschaffenen Gesellschaftsvertrag aufkündigen und mit massivem Druck mehr und anderes verlangen, als sie verdienen oder was für sie vorgesehen ist.[3] Es ist möglich, die Studentenopposition als Kern einer Umwälzung zu betrachten, die versucht, Schichten zu mobilisieren, welche aufgrund ihrer Stellung im gesellschaftlichen Produktionsprozess, eine entscheidende Rolle bei der Konstruktion einer freien Gesellschaft spielen können.[4]

„Kein Thema kennzeichnet deutlicher die atmosphärischen Veränderungen der bundesrepublikanischen Gesellschaft zur Zeit der außerparlamentarischen Proteste als das der Gewalt.“[5]

In dieser Seminararbeit werde ich mich mit der Gewaltdiskussion in Deutschland unter dem besonderen Aspekt „Gewalt in der Dritten Welt und in den Metropolen“ auseinandersetzen. Dabei werde ich auf aufgestellte Theorien von Herbert Marcuse und Oskar Negt, welche ich zu Beginn der Arbeit vorstelle, eingehen und ihre Wirkung auf die 68´ Studentenbewegung darstellen. Wie stellten sich der historische Kontext zu dieser Zeit dar, und welchen Einfluß hatte dieser auf die Oppositionsbewegung? Wie sahen Oppositionsführer wie Rudi Dutschke die Gewaltdiskussion in Deutschland? Dabei wird unterschieden zwischen der „Gewalt in der Dritten Welt“ und der „Gewalt in den Metropolen“. Am Ende der Seminararbeit werde ich ein Fazit ziehen und die herausgearbeiteten Fakten zusammenfassen.

2. Historischer Kontext

Seit Mitte der 1960er Jahre entstand eine weltweite Bewegung, welche deutlich studentisch dominiert war und deswegen auch Studentenbewegung genannt wurde. Diese protestierten gegen die überkommenen kulturellen, politischen und sozialen Verhältnisse und Normen. Keimzellen der Studentenbewegung in Deutschland waren an zahlreichen Universitäten bemerkbar, auffällig war die 1963 gegründete Gruppe Subversive Aktion oder die Kommune 1. Seit 1967 entstand, verursacht durch die Restauration der Nachkriegs-Fünfziger-Jahre und die Große Koalition (ohne eine einflussreiche Opposition innerhalb des Bundestages), unter der Führung des Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) die außerparlamentarische Opposition (APO).[6]

Um das Aufkommen der Gewaltdiskussion in der studentischen Opposition besser analysieren zu können, muss der historische Kontext im Vorfeld betrachtet werden. Dabei spielen verschiedene Faktoren im innen- und außenpolitischen Bereich eine wesentliche Rolle. Nachdem Bundespräsident Heinrich Lübke das Rücktrittsgesuch Ludwig Erhards am 1. Dezember 1966 angenommen hatte, wurde noch am Vormittag Kurt Georg Kiesinger vom Bundestag zum neuen Bundeskanzler gewählt. Er konnte sich erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland auf eine Koalitionsmehrheit der beiden größten Parteien CDU/CSU und SPD stützen, die gemeinsam die wirtschaftlichen Probleme des Landes lösen wollten. Dies war nur mit Steuererhöhungen möglich, der Lösung, an der die alte Koalition schon zerbrochen war.[7] Ein weiterer entscheidender Aspekt war der Staatsbesuch des persischen Herrscherpaares Schah Mohammed Reza Pahlewi und Farah Pahlewi vom 27. Mai bis zum 04. Juni 1967 in Deutschland. Der orientalische Glanz des Auftritts wurde von schweren Zwischenfällen an fast allen Stätten des Schahbesuchs überschattet, die ihren Höhepunkt am 2. Juni in Berlin erreichten, als bei Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten 60 Personen verletzt wurden und der Student Benno Ohnesorg von einem Kriminalbeamten – angeblich aus Notwehr – erschossen wurde. Das Geschehen führte zu einer Welle von Protestaktionen in allen deutschen Universitätsstädten.[8]

Schon die außergewöhnlichen Sicherheitsmaßnahmen der deutschen Behörden anlässlich des Staatsbesuchs mit Sperrung von Autobahnen, des Rheins und anderer Verkehrswege sowie der Überwachung aller in der Bundesrepublik ansässigen Iraner hatte die öffentliche Meinung aufgebracht.[9] Im außenpolitischen Bereich sorgte der Vietnamkrieg mit amerikanischer Beteiligung von 1964 bis 1973 entscheidend für die Entwicklung der Gewaltdiskussion der studentischen Opposition in Deutschland. Der Vietnamkrieg war ein Bürgerkrieg, ein Stellvertreterkrieg und zugleich der fortgesetzte Unabhängigkeitskampf gegen die in Südostasien sich formierenden US-Interessen. Er stellt somit eine vom Antikolonialismus geprägte Konfrontation im Kalten Krieg dar.[10] Auf der einen Seite kämpfte ein Militärbündnis der USA, der Republik Vietnam (Südvietnam), Australiens, Neuseelands und Südkoreas. Auf der anderen Seite stand ein Militärbündnis der Demokratischen Republik Vietnam (Nordvietnam) und der Nationale Front für die Befreiung Südvietnams (franz. FNL, engl. NLF, in westlichen Ländern meist mit der pejorativen Bezeichnung Viet Cong benannt), einer südvietnamesischen kommunistischen Guerillaorganisation. Die UdSSR wie auch die Volksrepublik China stellten Nordvietnam und der Nationalen Befreiungsfront militärische Hilfe zur Verfügung, griffen aber direkt nicht ein. Ab 1970 weiteten die USA ihre militärischen Aktionen, insbesondere die verheerenden Bombardierungen, auf die Nachbarstaaten Kambodscha und Laos aus. Nach verheerenden Verlusten zog sich die amerikanische Kriegsmaschinerie 1973 aus Vietnam zurück.[11]

3. Personen

Im folgenden Abschnitt werden die zwei Hauptpersonen beschrieben, auf die ich mich in der Gewaltdiskussion der 68er Bewegung beziehen werde. Die Darstellung wird zeigen, wie sich die Personen in die Bewegung integriert haben und welchen Einfluß sie im Endeffekt genommen haben.

Am 19. Juli 1898 wird Herbert Marcuse als Sohn eines jüdischen Textilfabrikanten aus Pommern in Berlin geboren. Marcuse studiert in Berlin, dann in Freiburg Germanistik und neue deutsche Literaturgeschichte im Hauptfach, sowie Philosophie im Nebenfach. Er promoviert 1922 in Freiburg mit der Arbeit „Der deutsche Künstlerroman“.[12]

[...]


[1] Vgl. Negt, Oskar: Achtundsechzig. Politische Intellektuelle und die Macht., Göttingen, 1995, S. 49.

[2] Vgl. ebd., S. 58.

[3] Ebd., S. 58.

[4] Marcuse, Herbert: Das Ende der Utopie. Vorträge und Diskussionen in Berlin 1967, Frankfurt, 1980, S. 62.

[5] Vgl. Negt, Oskar: Achtundsechzig. Politische Intellektuelle und die Macht., Göttingen, 1995, S. 58.

[6] Wolff, Frank/Windaus, Eberhard (Hrsg.): Studentenbewegung 1967-69. Protokolle und Materialien, Frankfurt

a. M. 1977, S. 9-22.

[7] Beier/Hinz/Hünermann/Kruse/Willmann: Chronik des 20. Jahrhunderts., Chronik Verlag, Gütersloh 1994, S.

973.

[8] Ebd., S. 980.

[9] Ebd., S. 980.

[10] Ebd., S. 941-1064.

[11] Beier/Hinz/Hünermann/Kruse/Willmann: Chronik des 20. Jahrhunderts., Chronik Verlag, Gütersloh 1994, S.

941-1064.

[12] Vgl. http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/MarcuseHerbert/, 20.12.2005.

Details

Seiten
13
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638536950
Dateigröße
489 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v59882
Institution / Hochschule
Universität der Bundeswehr München, Neubiberg
Note
2,5
Schlagworte
Gewalt Dritten Welt Metropolen Gewaltdiskussion

Autor

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Titel: Gewalt in der Dritten Welt und in den Metropolen