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Zum 3. Kapitel des Buches: "Nach allen Regeln der Kunst" von Thomas Leithäuser

Hausarbeit 1996 23 Seiten

Psychologie - Sozialpsychologie

Leseprobe

Aus dem Buch "Nach allen Regeln der Kunst" ,1995

Hrsg.: Volmerg, B./ Leithäuser, Th./ Neuberger, O./ Ortmann, G./ Sievers, B.

Kore-Verlag, Freiburg

Referat über das 3. Kapitel (Autor: Thomas Leithäuser):

Doppeltes Spiel um die Nachfolge

Was ist eine Organisation? Und in welcher Weise machen Motive, Handeln und Interessen ihrer Mitglieder die Organisation aus? Das waren die Ausgangsfragen für die Bremer Forschungsgruppe, die zum Entstehen dieses Buches geführt ha­ben.

Da die Konflikte an der Hamburger Hochschule für bildende Künste (HfbK) unter sehr verschiedenen Aspekten interpretiert wer­den können, ist die erste Voraussetzung, zunächst die einzelnen Stufen der Konflikteskalation zu kennen; dies ist im ersten Referat geschehen.

Unsere Aufgabe ist es, Euch das dritte Kapitel genauer vorzustellen, in welchem Thomas Leithäuser die Konflikte als eine Geschichte über das Problem der Nachfolge betrachtet. Anhand des Materials nimmt er den Führungsstil des Präsidenten a.D. unter die Lupe, insbesondere seine Bemühungen, diesen seinen Führungsstil in der Nachfolgerin durchzusetzen. Er untersucht die Frage, was passiert, wenn die Person im Amt wechselt und die Nachfolgerin einen anderen Stil einführen will.

Der theoretische Hintergrund unseres Referats bezieht sich

erstens darauf, grundsätzlich die Formen von Herrschaft anhand eines Textes von Max Weber darzustellen -

zweitens darauf, ob sozialpsychologische Theorien über Industriebetriebe und die sog. "betriebliche Lebenswelt" auch für eine Hochschule relevant sind; dafür ha­ben wir einen weiteren Text von Thomas Leithäuser verwendet -

drittens auf die Erläuterung des sog. "regressiven Milieus" anhand eines Textes von Otto Kernberg

und viertens auf die Darstellung der sog. "verborgenen Situation" nach Konrad Thomas.

Thomas Leithäuser gibt selbst folgende Quellenliteratur in diesem Kapitel an:

Wilfried Bion, 1971 Paul Parin, 1978

Otto Kernberg, 1988 Konrad Thomas, 1964

Leithäuser, Volmerg 1979 Max Weber, 1956

Alfred Lorenzer, 1972 Jürgen Wilhelm, 1983

Außerhalb der sozialpsychologischen Literatur zitiert er zum Ende des Kapitels

D. H. Lawrence, Novellist, mit der "Erzählung über die Frau, die davonritt".

Weitere Literaturverweise im Text beziehen sich auf die anderen Autoren des ge­mein­samen Buches und auf deren an anderen Stellen erschienene Fach­literatur.

Wir selbst haben aus der angegebenen Quellenliteratur Max Weber, Konrad Thomas, Otto Kernberg und Thomas Leithäuser ausgewählt, und haben noch Ausführungen von Hilarion Petzold aus dem Sammelband "Integrative Therapie" (1993) hinzugezogen.

Das 25-seitige Kapitel beginnt mit einer kritischen Charakterisierung der aktuellen Lage an Universitäten und Hochschulen: Forschung, Lehre und Verwaltung sollen ihre Leistungen angesichts knapperer Gelder steigern, gleichzeitig werden die traditionellen Positionen von Professoren gestärkt, und Hochschulgesetze drängen demokratische Prozesse zurück. Hochschullehrer sollen gleichzeitig effizient for­schen, lehren und die Verwaltung fachlich handhaben können. Die wenigsten können all diese Qualifikationen aufweisen, denn jeder hat seine Vorlieben und Schwächen. Studenten und Wimis werden in eine Minderheitenposition gedrängt - anstelle demokratischen Aushandelns ist die traditionelle Professorenherrschaft an­zutreffen.

Die folgenden Erklärungen, die Thomas Leithäuser zu den Herrschaftsstrukturen an Hoch­schulen allgemein und dann insbesondere für die Kunsthochschule in Hamburg verwendet, basieren auf den drei reinen Formen der legitimen Herr­schaft des Soziologen Max Weber. Er schrieb diese 1956 nieder.

Thomas Leithäuser selbst verwendet in dem von ihm geschriebenen Kapitel nur die legiti­men Herrschaftstypen: Legale Herrschaft und traditionelle Herrschaft. Er läßt die Form der charismatischen Herrschaft aus seinem Text heraus. Der Vollständigkeit halber stellen wir jedoch alle drei Herrschaftsformen vor. Zunächst fangen wir mit der charismati­schen Herrschaft an: diese ist bestimmt durch die affektuelle Hingabe an die Gestalt des Herren und ihre (göttlichen) Gnadengaben, (Charisma) speziell an magische Fähigkeiten (beispielsweise Gurus in Indien, die vorgeben, magische Fähigkeiten zu haben, was jedoch meist nur chemische oder illusorische Tricks sind, oder Medizinmänner in Afrika, welche zum Teil einen eigenen kleinen "Hofstaat" besitzen); Offenbarungen (angebliche Propheten, Nachfolger irgendwelcher Heiligen etc.) oder Heldentum (heldenhafter Gueril­lakämpfer wird in irgendeiner Form ein Anführer, Staatsmann oder ähnliches), und alles, was sonst noch in die Richtung geht. In heutiger Zeit seien auch noch Idole aus Musik, Film, Fernsehen und sonstigen Unterhaltungsbranchen genannt. Das Ganze geht sogar soweit, daß beispielsweise ein Steffi-Graf-Anhänger eine andere Tennisspielerin - Monika Seles -. mit einem Messer angriff, da er es wohl nicht aushalten konnte, daß diese seiner charismatischen Führerin di­rekte Kon­kurrenz machte.

Laut Weber stellen Dinge wie das ewig Neue, Außerwerktägliche, Niedagewesene und die emotionale Hingenommenheit die Ursachen der persönlichen Hingebung dar. Ein Beispiel für die emotionale Hingebung sind unserer Ansicht nach Lied­texte, mit denen sich die Fans identifizieren können oder welche sie emotional berühren. Die reinsten Typen der charis­matischen Herrschaft, so Weber, sind die Herrschaft des Propheten, des Kriegshelden, so­wie die des großen Demagogen. Hier wäre als Beispiel Adolf Hitler zu nennen, wobei wir jedoch der Meinung sind, daß in seinem Falle alle drei Herrschaftsformen gleichzeitig anzu­wenden sind.

Der Herrschaftsverband ist, so sagt Weber, die Vergemeinschaftung in der Gemeinde oder Gefolgschaft. Der Typus des Befehlenden ist der >>Führer<<. Der Typus des Gehorchenden ist der >>Jünger<<. Ganz ausschließlich dem Führer rein persönlich um seiner persönlichen, unwerktäglichen Qualitäten willen wird gehorcht, nicht wegen gesatzter Stellung oder traditioneller Würde. (Max Weber, S.159)

Daher funktioniert die charismatische Herrschaft auch nur solange, wie ihm jene nichtalltäg­lichen Qualitäten zugeschrieben werden. Wird der illusorische Trick des Guru offensicht­lich, ist der Guerillakämpfer Präsident und hat keine Lösung parat, um die Grundbedürfnisse seines Volkes zu decken, stellt sich der Liedsänger auf einmal als Dro­gendealer heraus oder ähnliches, so sinkt die charismatische Herr­schaft oder endet gar.

Webers Meinung nach ist der Verwaltungsstab des >>Führers<< ausgesucht nach Cha­risma und persönlicher Hingabe.

Es fehlt der rationale Begriff der >>Kompetenz<< ebenso wie der

ständische des >>Privilegs<<. (Max Weber, S.159)

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Details

Seiten
23
Jahr
1996
ISBN (eBook)
9783638136785
ISBN (Buch)
9783640859962
Dateigröße
519 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v5974
Institution / Hochschule
Universität Bremen – Fachbereich 11 - Psychologie
Note
Sehr gut
Schlagworte
Kapitel Buches Nach Regeln Kunst Grundstudiumsprojekt

Autor

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