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Unternehmenssteuerung über marktwert- und rechnungswesenbasierte Performancemaße

Seminararbeit 2001 20 Seiten

BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeiehnis

1 Einleitung

2 Zentrale Problemstellungen im Rahmen der Unternehmenssteuerung

3 Vorstellung ausgewahlter marktwertbasierter Performancemafie
3.1 Economic Value Added (EVA)
3.2 Discounted Cash Flow (DCF) als periodeniibergreifendes Perform- aneemaf.

4 Vorstellung ausgewahlter rechnungswesenbasierter Performancemafie
4.1 Return on Investment (ROI)
4.2 EBITDA als ein periodeniibergreifendes Performaneemaf.

5 Anwendungsgrenzen der erlauterten Performancemafie

Abbildungsverzeichnis

Abb, 1 EBITDA-Ermittlungsschema S, 11

Abkiirzungsverzeiehnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Besehaftigt man sieh mit den Moglichkeiten der Unternehmenssteuerung iiber finanzwirtschaftliche Performaneemafie, so ist sehnell festzustellen, dass iiberra- sehend viele neue Instrumente in den beiden vergangenen Jahrzehnten entwickelt wurden. Vor allem die in den aehtziger Jahren in der amerikanisehen Manage- mentliteratur begonnene Diskussion iiber die Steigerung des Unternehmenswer- tes als oberstes Unternehmungsziel - im deutsehspraehigen Eaum vor allem als Shareholder Value bekannt[1] - hat in der Folge zur Entwicklung neuer, stark ka- pitalmarktorientierter Performaneemafie gefiihrt,[2]

Eine erste Systematisierung der untersehiedliehen Instrumente lafit sieh mit Hilfe einer Einteilung der Malse in die Dimensionen rechnungswesenbasiert und kapi- talmarktbasiert vornehmen. Eine noeh detailliertere Einteilung ist moglieh, so- fern die zeitliehe Ausriehtung der Malse beriieksiehtigt wird: periodenbezogen (statiseh) und periodeniibergreifend (dvnamiseh),[3]

Unter dem Begriff der Performance sollen im folgenden unternehmungszielbezo- gene Aktionen, output- und inputerfassende, bereits realisierte oder zukunftsori- entierte Ergebnisse unternehmungszielbezogener Aktionen einer Unternehmung und ihrer Teilsysteme verstanden werden,[4] Mit Hilfe von Performaneemafien kon- nen diese Aktionen quantihziert und damit geplant, koordiniert und kontrolliert werden, Ziel der vorliegenden Arbeit ist, die Moglichkeiten der Unternehmenssteuerung iiber untersehiedliehe finanzwirtschaftliche Performaneemafie zu erortern, Dazu werden zuerst die zentralen Problemstellungen im Rahmen der Unternehmens­steuerung erlautert, Im weiteren sollen mit dem Economic Value Added und einem Discounted Cash Flow-Verfahren zwei marktwertbasierte Performaneema- f»e dargestellt und kurz gewiirdigt werden, Es folgt selbiges mit dem Return on Investment und dem EBITDA als reehnungswesenbasierte Performaneemafie, Am Sehluf. folgt eine kurze Kritik der vorgestellten Instrumente anhand der zu Anfang dargelegten Erfordernisse im Rahmen der Unternehmenssteuerung,

2 Zentrale Problemstellungen im Rahmen der Unterneh- menssteuerung

Ein grundsatzliehes Problem, vor allem in grofien Unternehmen, stellt die soge- nannte Principal-Agent-Problematik dar. Principal-Agent-Beziehungen sind Auf- tragsbeziehungen zwischen einem Auftraggeber (Principal) und einem Auftrag- nehmer (Agent), Die Beziehung zwischen Auftraggeber und Beauftragtem ist davon gepragt, das zwischen beiden Parteien Zielkonflikte und Informations- asymmetrien bestehen, Sofern eines der Merkmale nieht existiert, entfallt das Principal-Agent-Problem.[5]

So stellen beispielsweise die Beziehungen zwischen Eigenkapitalgebern und Ma­nagement sowie Fremdkapitalgebern und Eigenkapitalgeber/Management derar- tige Principal-Agent-Beziehungen dar, Im allgemeinen ist die Unternehmenslei- tung als Insider besser informiert als externe, von der Gesehaftsleitung ausge- sehlossene Kapitalgeber,[6] Die Eigenkapitalgeber haben das Interesse, dass der Wert ihrer Anteile am Unternehmen langfristig maximiert wird. Das Manage­ment dagegen ist vielmehr an einer naehlassigen Arbeitshaltung („Driiekeber- gerei“) und Annehmliehkeiten auf Kosten des Auftraggebers (Konsum am Ar- beitsplatz) interessiert. Die Beziehungen zwischen Fremdkapitalgebern und Ma­nagement sind ebenfalls dureh Zielinkongruenz gepragt, Ist der Fremdkapital- geber an sieheren Zins- und Kreditriiekzahlungen interessiert, so sind die Fiih- rungskrafte unter Umstanden geneigt, dieses Kapital in unsiehere Projekte zu investieren, Auszahlungen zugunsten der Eigenkapitalgeber vorzunehmen oder Unternehmensteilverkaufe zu vollziehen. Dies fiihrt im allgemeinen dazu, dass der Marktwert des Fremdkapitals sinkt, welches mit einer Vermogensschadigung der Fremdkapitalgeber einhergeht,[7] Aueh Delegationsbeziehungen, also die Wei- tergabe von Entseheidungen, Verantwortung und Aufgaben von der Unterneh- mensleitung an dezentrale Fiihrungsebenen stellen Principal-Agent-Beziehungen dar,[8] Um Agenev-Probleme zu minimieren und zugleieh das opportunistisehe Verhal- tens des Beauftragten einzusehranken, eroffnen sieh dem Auftraggeber grund- satzlieh zwei Handlungsalternativen:

1, Uberwachung der Ergebnisse des Beauftragten iiber eine outputbezogene Steuerung, Dies erfolgt hauptsaehlieh dureh eine erfolgsabhangige Entloh- nung, die dureh Vert rage abgesiehert ist,
2, Input- bzw. verfahrensorientierte Steuerung und damit Investitionen in kontrollierende und iiberwaehende Informationssysteme. Diese geben dem Auftragsgeber Anhaltspunkte iiber das Verhalten des Beauftragten,[9]

Vor allem in Zusammenhang mit der ersten Handlungsalternative sind Perfor- maneegrofien zu sehen. An sie kann die Forderung gestellt werden, die erlauterten Agency-Probleme aufzugreifen und reduzieren zu helfen. Inwieweit die im folgen- den dargestellten Performaneemafie dazu in der Page sind, soil im Sehluhteil der Arbeit iiberpruft werden.

3 Vorstellung ausgewahlter marktwertbasierter Perform- ancema£e

3.1 Economic Value Added (EVA)

Im Zuge seiner grof.cn Verbreitung im Vergleich zu anderen wertorientierten Kon- zepten, kommt der Methode des Economic Value Added (EVA) in Deutschland eine immer grofere Bedeutung zu,[10] Dieses Konzept fokussiert auf das unterneh- mensinterne Controlling, Die Steuerungsgrofe EVA stellt ein auf Jahresbasis er- mitteltes, marktwertorientiertes Residualeinkommen dar, Kerngedanke ist, dass Investitionen dann wertschaffend sind, solange die Kosten fiir das eingesetzte Gesamtkapital niedriger sind als die erzielte Rendite,[11]

Der EVA wird ermittelt aus dem Ergebnis der Multiplikation der Differenz von Kapitalrendite und Kapitalkostensatz, dem sogenannten Spread, mit dem einge- setzten Kapital:[12]

(1) EVAt = (r{K-B - ifK) * (IKfVA) mit

EVA = Economic Value Added

rIK~B = Rendite auf das investierte Kapital (Buchwert)

iGK = Gesamtkapitalkostensatz

JKEl A = Investiertes Kapital naeh der EVA-Methode

Der naeh Gl. (1) zu erreelinende EVA stellt eine Gesanitkapitalgrohe dar, folg- lich sind die gesamten Kapitalkosten zu beriieksielitigen, Diese Gesamtkapital- kosten werden als Weighted Average Cost of Capital (WACC) naeh dem Capital Asset Pricing Model (CAPM) oder einer vergleichbaren Methodik ermittelt,[13] Die Grofie des investierten Kapitals wird iiber Modifikationen der Buchwerte der Aktiva abziiglieh der unverzinslichen Verbindliehkeiten erreehnet, Ziel dieser Modifikationen ist, vom Buchwert-Charakter hin zu einer an den okonomisehen Realitaten orientierten Bewertung zu gelangen. Die wiehtigsten Modifikationen stellen der Einbezug nieht-aktivierbarer Aufwendungen mit investiven oder fi- nanzierungstechnischem Charakter (z, B, F&E-Aufwendungen) in die Kapital- basis dar, sowie eine marktorientierte Vorratsbewertung. Mit diesen Veranderun- gen an der Kapitalbasis sind entspreehende Modifikationen an den Gewinn- und Verlustreehnungsgrofien vorzunehmen, die zum Net Operating Profit after Tax (NOPATEl a) ftihren, der ein operatives Ergebnis vor Zinsen und naeh Steuern darstellt,

Uber die Relation des NOPATeva zur Kapitalbasis wird die Kapitalrenditegro- f»e r1K-B ermittelt:

(0\ rJK-B _ NOPATfVA \^J ' — jftEVA

Das Einsetzen von Gl, (2) in Gl, (1) ergibt eine alternative Perspektive des EVA, bei der auf die Bildung einer Kapitalrendite bzw, des Spreads verziehtet werden kann:

(3) EVAt = NOPATeva - (%gk * ikeva)

Betraehtet in einer einperiodigen Sieht, „ist der EVA einer spezifisehen Periode als der in dieser Periode von dem betrachteten Objekt - unterstellt sei im folgenden ein Unternehmen - erwirtschaftete Gewinn (sog, Ubergewinn) naeh Abzug der Eigen- und Fremdkapitalkosten zu interpretieren,“[14]

Auch uberperiodisehe Betrachtungen im Sinne von Unternehmenswertrechnun- gen sind fiber EVA moglieh, Dazu sind die EVA-Grblseti der gesamten Laufzeit des Unternehmens zum Betraehtungszeitpunkt abzudiskontieren und die Kapi- talbasis hinzuzureehnen, Daraus ergibt sieh der Gesamtkapitalwert V0:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Uber den EVA ist zudem eine Verkniipfung mit der Perspektive des Kapitalmark- tes realisierbar, Dafiir ist ein Market Value Added (MVA) zu definieren, der sieh im Fall borsennotierter Aktiengesellsehaften aus dem Marktwert des Unterneh­mens (VM) abziiglieh des investierten Kapitals im Betraehtungszeitpunkt bildet:

(6) MVA0 = V0M - IK0EVA

Der MVA stellt die Sieht des Kapitalmarktes dar, Uber den Aufbau der EVA- Grofien im Rahmen der internen Planung kann die Perspektive des Managements dem des Kapitalmarktes gegeniibergestellt werden, Im Falle eines vollkommenen Kapitalmarktes und der Ubereinstimmung der beiden Siehten, ist der Marktwert des Unternehmens VM0M identiseh mit dem erreehneten Unternehmenswert Vo naeh Gl, (4), Dureh Umformen und Einsetzen von Gl, (6) in Gl, (4) zeigt sieh die Identitat des Market Value Added und der diskontierten zukiinftigen EVA: (7) A/l\40=££1IIfpfF

Danaeh verandert sieh mit dem EVA aueh der MVA, Wahrend die linke Sei- te der Gleiehung als Sieht des Kapitalmarktes (MVA-Perspektive) betraehtet werden kann, so stellt die reehte Seite die der Unternehmensfuhrung dar (EVA- Perspektive), Innerhalb der EVA-Methodik ist das Ziel der Unternehmensfuh­rung uber eine EVA-Maximierung eine Maximierung des Marktwertes des Un­ternehmens zu erreiehen.

Dureh die besehriebene, vorwiegend einperiodige Betraehtungsweise,[15] ist der EVA als ein operatives wertorientiertes Performaneemaf. zu betraehten. Da unter- jahrige EVA-Ermittlungen grundsatzlieh moglieh sind, erlaubt die EVA-Methode eine detaillierte Steuerung,[16] Die Praxis zeigt, das ein tiefes Herunterbreehen in- dividueller Ziele in die Hierarehie moglieh ist,[17] Vorteilhaft erseheinen die guten Koppelungsmogliehkeiten zwisehen EVA-Methode und Anreizsvstemen fiir Fiih- rungskrafte,[18] Aueh der relativ geringe Erhebungsaufwand und die Korrelation mit dem Kapitalmarkt sind positiv zu werten,[19]

[...]


[1] ^gl. Knorren (1998), S. V.

[2] Vgl. Giinther (1999), S. 362ff. und Miiller/Klatt/Pfitzmayer (2001), S. 358.

[3] Vgl. Riedl (2000), S. 22.

[4] Vgl. Riedl (2000), S. 17.

[5] Vgl. Gleich (2001), S. 32.

[6] Vgl. Siekmann (1999) S. 36.

[7] Vgl. Watts/Zimmerman (1986), S. 210f.

[8] Vgl. Riedl (2000), S. 62.

[9] Vgl. Gleich (2001), S. 33.

[10] Vgl. Miiller/Klatt/Pfitzmayer (2001), S. 360 und Bausch/Kaufmann (2000), S. 124.

[11] Vgl. Buhner (1996), S. 395.

[12] Die Darstellung des EVA erfolgt in Anlehnung an Knorren (1998), S. 67-73.

[13] Vgl. Knorren/Weber (1997), S. 22.

[14] Knorren (1998), S. 69.

[15] Vgl. Bausch/Kaufmann (2000), S.124.

[16] Vgl. Miiller/Klatt/Pfitzmayer (2001), S. 362.

[17] Vgl. Horvath/Minning (2001), S. 281.

[18] Vgl. Goldmann (1998) sowie Jockel (2001) fiir ein EVA-gestiitztes Incentive-Verfahren.

[19] Vgl. Riedl (2000), S. 243.

Details

Seiten
20
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638136730
ISBN (Buch)
9783656560760
Dateigröße
559 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v5969
Institution / Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover – Lehrstuhl Controlling
Note
2,7
Schlagworte
Wertorientierung Unternehmenssteuerung Performance Marktwert EVA DCF ROI EBITDA

Autor

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