Lade Inhalt...

Die Geschichte des Nahrungsmittels Kartoffel - Schichten und Räume

Hausarbeit 2002 15 Seiten

Ethnologie / Volkskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Die Kartoffel – Schichten und Räume

2. Herkunft und Weg nach Europa

3. Die Verbreitung der Kartoffel in Deutschland

4. Eingliederung der Kartoffel in die Alltags- und Festspeisen

5. Die gegenwärtige Stellung der Kartoffel

6. Literaturverzeichnis

1. Die Kartoffel – Schichten und Räume

In dieser Hausarbeit soll ein Überblick über die Geschichte der Kartoffel gegeben werden. Dabei werden sich einige Fragen ergeben: so z.B. welche Sozialgruppen propagieren neue Speisen (in diesem Fall die Kartoffel) und wer gliedert eine neue Speise zuerst in seine Mahlzeiten ein.[1] Welche Stellung hatte die Kartoffel in Hauptanbaugebieten und was lässt sich am „kartoffellose(n) Hochzeitsmahl“[2] erläutern? Im Lauf der Arbeit sollen diese Fragen geklärt werden und es wird sich zeigen, dass es eine Wechselwirkung zwischen dem Anbau und den Speisen der Kartoffel gibt.[3] Die Bedeutung bestimmter Schichten und Räume im Zusammenhang mit dem sog. „Siegeszug“[4] der Kartoffel wird dabei immer wieder auftreten und deutlich werden. Eine Schicht umfasst in diesem Fall eine Gruppe von Menschen auf der gleichen sozialen Stufe mit gleichen Rechten und Pflichten.

Wichtiger Bestandteil der verwendeten Quellen ist der ‚Atlas der deutschen Volkskunde‘. Im Namen der Kulturraumforschung arbeiteten Forscher verschiedenster wissenschaftlicher Disziplinen an diesem Projekt mit. Die zu Grunde liegenden Befragungen wurden zwischen 1920 und 1940 durchgeführt. Angetrieben durch den ‚Volkskunde-Boom‘ dieser Zeit wurde das arbeitsaufwendige Unternehmen gestartet. Die ausgearbeiteten Fragebögen wurden sogenannten Gewährsleuten in ganz Deutschland zugesandt. Man bediente sich also einer Art Korrespondenz-Verfahrens, bei dem vorwiegend ortsansässige Pfarrer oder Lehrer als Gewährsleute das Brauchtum ihres Ortes in den Fragebogen eintrug. Aus den Ergebnissen wurden dann anschauliche Karten zusammengestellt, die durch die graphische Darstellung einen schnellen Überblick verschaffen. Diese zeigen zum Beispiel die Vielfalt von Ausdrücken, die allein in der Mundart Mittel-frankens für das Wort Kartoffel auftreten.

Als zweite wichtige Quelle beruft sich vor allem Günther Wiegelmann auf Kochbücher. Seiner Meinung nach sind diese oft hilfreich oder lassen zumindest gewisse Tendenzen bei der Verbreitung der Kartoffelspeisen erkennen.[5]

Durch diese beiden unterschiedlichen Quellen entsteht zwar eine gewisse ungleiche Quellenlage, die aber dennoch oftmals zu ähnlichen oder gar zu gleichen Erkenntnissen gelangt.

2. Herkunft und Weg nach Europa

Die geschichtlichen Wurzeln der Kartoffeln liegen in Südamerika. Bereits vor mindestens 2000 Jahren wurde die Kartoffel in den Anden als Kulturpflanze angebaut.[6] Archäologen fanden „aus der Zeit um 200 n.Chr. Gefäße in Kartoffelform. In Grabbeigaben fand man Trockenkartoffeln“[7], die untrügliches der frühen kultischen Verehrung der Kartoffel sind. Die Inkas brachten die Kartoffel in die Andenhochebenen und machten sie dort zum Hauptnahrungsmittel. Durch Trockenkonservierung wurden die Chunos genannten Knollen extrem lange haltbar, steinhart und transportfähig gemacht. Vor dem Verzehr mussten sie dann nur noch in Wasser eingeweicht werden. Durch das Wasser quollen sie auf, wurden weich und essbar. Die Chunos waren später Hauptnahrungsmittel der Bergarbeiter und spielen noch heute eine wichtige Rolle bei der Ernährung der Indios.[8]

Durch „die spanischen Eroberer des Inkareiches, Pizarro und d´Almagro“[9]

entdeckte man um 1525 im heutigen Peru und Chile mehrere Kartoffelsorten.

Wann und wie die Kartoffel zum ersten Mal nach Europa gelangte, ist unklar. Es reichen allerdings Quellen bis ins Jahr 1550 zurück. Als Schiffsproviant der spanischen Südamerika-Flotte löste die Kartoffel bald den Reis ab. Besonders wichtig war sie auf Schiffen wegen des hohen Vitamingehaltes, der die Seeleute vor Skorbut schützte. In Sevilla, dem Heimathafen der Flotte, dürfte die Kartoffel bereits um 1570 vereinzelt angebaut worden sein.[10] Von 1580 – 1600 gelangte sie dann von Spanien über Italien und Niederlande nach Mitteleuropa. Jedoch nicht als Nahrungsmittel, sondern in den Händen von Botanikern als Kostbarkeit mit besonderen Kräften. Als Seltenheit fand man sie in den Gärten von Fürstenhöfen.[11] Der Botaniker Carolus Clusius (1526-1609) brachte die Kartoffel im Jahre 1589 erstmals nach Deutschland bzw. nach Frankfurt am Main.[12] Obwohl an den Fürstenhöfen bereits die zahlreichen Zubereitungsmöglichkeiten der Kartoffel erkannt wurden, blieben diese ersten Kochversuche ohne Auswirkung auf die späteren Volksspeisen.[13]

Auch wenn so mancher bekannte Seefahrer an der Verbreitung der Kartoffel mit beteiligt war, sind nicht alle Legenden wahr. So ist es eher unwahrschein-lich, dass der Seefahrer Francis Drake die Kartoffel persönlich auf die Britischen Inseln brachte. Es ist aber durchaus möglich, dass sie unter anderem durch seine Schiffe dort eingeführt wurde.[14]

Offensichtlich ist dagegen der große Anteil von Sir Walter Raleigh. Er spielte eine Schlüsselrolle bei der Verbreitung der Kartoffel in Irland, auch wenn bei der raschen Aufnahme dort bestimmte klimatische Gunstfaktoren von Bedeutung waren. Begünstigt durch Raleighs Hilfe und durch die Armut des Volkes, spielte die Kartoffel in Irland früh eine wichtige Rolle und wurde bereits 1602 regelmäßig angebaut.[15]

Da die Kartoffel zu den Nachtschattengewächsen (Familie der Solaneen) gehört und als giftig galt, geriet sie nach 1600 in den meisten Ländern Europas wieder in Vergessenheit und wurde als „teuflische Frucht“ bezeichnet. Ganz unrecht hatte man damit nicht, denn der Großteil der Kartoffel ist in der Tat giftig. Letztlich sind nur die Knollen genießbar, doch zu dieser Zeit wusste man in Europa oft nicht einmal genau, ob man diese oder die Früchte am Stengel essen sollte.[16]

Ein Blick auf die Kartoffelpflanze macht dies besonders deutlich. Lediglich die am unteren des Stengels befindlichen Knollen sind der essbare Teil. Die Blüten dienten in Ausnahmefällen als Haarschmuck (Marie Antoinette)[17] und der Rest war unbrauchbar bzw. giftig (z.B. die Beeren).

[...]


[1] Vgl. Wiegelmann 1961, S. 75

[2] Wiegelmann 1961, S.90

[3] Vgl. Wiegelmann 1961, S. 75

[4] Glass 1992, S. 168

[5] Vgl. Ottenjahn 1992, S. 82-88

[6] Vgl. Kilian 1988, S. 8

[7] Kilian 1988, S. 8

[8] Vgl. Kilian 1988, S.8

[9] Kilian 1988, S. 8

[10] Vgl. Kilian 1988, S. 9

[11] Vgl. Wiegelmann 1961, S. 75

[12] Vgl. Kilian 1988, S. 9

[13] Vgl. Wiegelmann 1961, S. 76

[14] Vgl. Kilian 1988, S. 11

[15] Vgl. Kilian 1988, S. 11

[16] Vgl. Kilian 1988, S. 10

[17] Kilian 1988, S. 10

Details

Seiten
15
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638535267
ISBN (Buch)
9783638884648
Dateigröße
484 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v59647
Institution / Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg – Lehrstuhl Volkskunde / Europäische Ethnologie
Note
2,3
Schlagworte
Geschichte Nahrungsmittels Kartoffel Schichten Räume Grundlagen Arbeitens
Zurück

Titel: Die Geschichte des Nahrungsmittels Kartoffel - Schichten und Räume