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Cross-Dressing im Mittelalter. Erweiterung der Handlungsspielräume durch Verkleidung in der Serie Game of Thrones

Hausarbeit (Hauptseminar) 2018 29 Seiten

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Cross-Dressing im Mittelalter
2.1 Definition und Motive
2.2 Mittelalterliche Geschlechterkonstruktion
2.3 Die Mode im Mittelalter
2.4 Cross-Dressing im Mittelalter
2.5 Cross-Dressing in der mittelalterlichen Literatur
2.6 Weibliches Cross-Dressing in Kriegen des Mittelalters

3. Cross-Dressing in Game of Thrones
3.1 Arya Stark
3.2 Brienne von Tarth

4. Resümee

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die seit 2011 von HBO produzierte Serie Game of Thrones 1 zählt mit ihren mittlerweile sieben Staffeln und insgesamt 67 Episoden aktuell zu den erfolgreichsten Serien in den USA ebenso wie in Deutschland. Im März 2012 wurde die für über 80 Millionen Dollar produzierte erste Staffel erstmals im deutschen FreeTV ausgestrahlt. Die hohen Kosten und der Aufwand, mit dem GoT realisiert wird, tragen Sorge dafür, dass sich die Serie in die Kategorie des Qualitätsfernsehens einordnen lässt. Dies bestätigt auch der Rekord an Fernsehauszeichnungen, den die HBO-Produktion Staffel um Staffel neu bricht.

Die Serienhandlung beruht auf George R.R. Martins Fantasy-Zyklus A Song of Ice and Fire, von dem seit 1996 fünf Bände erschienen sind. Martin kreiert in seinen Romanen ein fiktives Universum, das große Parallelen zum europäischen Mittelalter aufweist.2 In diese Welt mischt der Autor Fantasy-Elemente auf eine Weise, dass auch weniger phantastikaffine Leser*innen sich durch den hohen Grad an künstlerischer Gestaltung angesprochen fühlen.3

In der Serie werden die Romane als populäre Mixtur aus mittelalterlichen Kulturen Europas und Asiens und aus Mythologie und Magie für das Fernsehen aufbereitet. Das große Faszinationspotenzial von GoT liegt in der Kombination von klassischen Bestandteilen der Fantasy und vielschichtigen psychologischen Elementen und erzählerischen Verfahren.4 Die Serienmacher erschaffen eine Welt5, die phantastisch ist und zugleich unübersehbare Bezüge zu gesellschaftlichen Strukturen und Ansichten des Mittelalters aufweist. Bei der Darstellung der Figuren wird nur auf wenige Stereotype zurückgegriffen. Es erfolgt eine Fokussierung auf individuelle Verhaltensweisen und Triebkräfte der Figuren. Außergewöhnlich sind das breite Spektrum und die immense Bedeutung der Frauenfiguren, welche als „aktiv das Geschehen mitbestimmende »strong players« gestaltet sind“.6 Die Serie weist ein großes Angebot an sozialen Rollenmodellen für Protagonist innen auf. Besonders interessant ist, dass auch durch Verweigerung möglicher Geschlechterrollen von Seiten der Figuren eben diese Geschlechterrollen aufgezeigt werden. Dabei werden die Frauenfiguren in einem gesellschaftlichen und sozialpsychologischen Kontext beleuchtet. Ihre Handlungen stehen in Konflikt mit den sozialen Einschränkungen und unterdrückenden Konstruktionen des Patriarchats.7

Eine Form diesem Konflikt zu begegnen, stellt das Cross-Dressing dar: Durch das Anlegen von Männerkleidung bis hin zur gänzlichen Verkleidung als Vertreter des gegensätzlichen Geschlechts ermöglichen sich Frauen in GoT die Eroberung männlicher Handlungsfelder. Zwei dieser Figuren sind Arya Stark und Brienne von Tarth, deren Cross-Dressing ein großes Einwirken auf ihre charakterliche Darstellung und Entwicklung innerhalb der Serienereignisse sowie für die Zuschauer*innen hat.

Die vorliegende Hausarbeit setzt sich mit der Frage auseinander, inwiefern durch das Cross-Dressing die Handlungsspielräume von weiblichen Figuren erweitert werden können und wie die individuelle Entfaltung der Eroberung neuer Handlungsspielräume bei den Figuren Arya und Brienne in der Serie GoT aussieht. Das Erkenntnisinteresse liegt dabei auf den unterschiedlichen Kontexten und den verschiedenen Möglichkeiten der Darstellung des weiblichen Cross-Dressings in mittelalterlichen Zusammenhängen. Es soll ein Einblick in die Umsetzungsformen von Cross-Dressing in der Konstruktion der epischen Sekundärwelt der Serie GoT erlangt werden und der hybridisierende ästhetische Modus der ‚Mittelalterlichkeit’8 veranschaulicht werden.

Zu Beginn erfolgt eine theoretische Auseinandersetzung mit dem Phänomen Cross-Dressing im Mittelalter. Hierfür wird Cross-Dressing zunächst definiert, wobei auch die Motive aufgezeigt werden, die dem Cross-Dressing zugrunde liegen. Alsdann wird sich mit mittelalterlichen Geschlechterkonstruktionen auseinandergesetzt, wobei diese in Bezug auf die Mode und das Cross-Dressing beleuchtet werden. Anschließend wird das Cross-Dressing in der Literatur des Mittelalters und als ein Mittel in Kriegssituationen betrachtet.

Bezugnehmend auf die theoretische Auseinandersetzung knüpft eine konkrete Betrachtung der GoT-Figuren Arya Stark und Brienne von Tarth an, indem die Charakter- und Rollenentwicklung dieser zwei Protagonistinnen vorgestellt und die individuelle Entfaltung ihrer Cross-Dressings untersucht werden. In einem abschließenden Resümee werden die Ergebnisse der Figurenanalysen zusammengefasst und Parallelen und Unterschiede in Bezug auf das Cross-Dressing bei Arya und Brienne benannt.

2. Cross-Dressing im Mittelalter

2.1 Definition und Motive

Das DUDEN-Wörterbuch erklärt den Begriff „Crossdressing“ schlicht mit „ das Tragen von Kleidung, Schmuck u. Ä. des anderen Geschlechts. 9

Die Sexualwissenschaftlerin Bonnie Bullough und ihr Ehemann, der Historiker Vern Bullough, geben eine präzisere Definition von Cross-Dressing:

„Cross dressing is a simple term for a complex set of phenomena. It ranges from simply wearing one or two items of clothing to a full-scale burlesque, from a comic impersonation to a serious attempt to pass as the opposite gender, from an occasional desire to experiment with gender identity to attempting to live most of one’s life as a member oft the opposite sex.“ 10

Grundsätzlich meint der Begriff Cross-Dressing das Tragen der spezifischen Bekleidung des anderen Geschlechts, wobei der Beweggrund nicht festgelegt ist. Die Motive sind weit gefächert: Sie reichen vom einfachen Verkleiden bei unterschiedlichen Anlässen bis hin zum Ausdruck eines persönlichen Modestils. Cross-Dressing kann zum Zwecke der Nachahmung des anderen Geschlechts geschehen, sei es als Protest gegen Geschlechter-Stereotype oder aus Unterhaltungsgründen. Hinter dem Cross-Dressing kann eine Neigung in jedweder Ausprägung stecken, die biologische Geschlechtsidentität durch Kleidung zu verändern.

2.2 Mittelalterliche Geschlechterkonstruktion

Um sich einer Vorstellung von den Kategorien ‚Mann’ und ‚Frau’ mit ihren spezifischen mittelalterlichen Komponenten zu nähern, sind zwei Voraussetzungen grundsätzlich zu bedenken:

1) Menschen des Mittelalters lebten in einem „normativ starren System“, welches sich in einem empfindlichen Gleichgewicht befand, da es durchgehend sowohl von der Obrigkeit als auch von den Untertanen gefährdet wurde. Diesem System lag ein „Ordodenken“ zugrunde, in welchem eine hierarchische Strukturierung herrschte, und gleichzeitig alles ergänzend zu einander in Beziehung gesetzt wurde.11 Daraus ergibt sich eine unnachgiebige Richtungsweisung für das Konstruieren eines Verhältnisses von Frau und Mann, auf welches im Folgenden genauer eingegangen wird.
2) Das heutige Verständnis von Identität, welches als psychologisches Konzept im Sinne einer reflektierten Selbstwahrnehmung existiert, kann für den Untersuchungszeitraum so nicht angewendet werden. Es ist davon auszugehen, dass die Menschen des Mittelalters „keine bzw. eine völlig andere Vorstellung“ von Individualität, Selbstwert und Identität hatten.12

Die einschlägige Literatur zum Thema Cross-Dressing im Mittelalter diskutiert verschiedene Modelle zur Geschlechterkonstruktion dieser Zeit.13 Bedeutend ist an dieser Stelle das „Ein-Geschlecht-Modell“, welches eine Subordination der Frau auf der physiologischen Ebene begründet. Weibliche und männliche Geschlechtsorgane werden diesem Modell nach nicht als verschieden gedacht, sondern es wird angenommen, dass die Vagina ein nach innen gestülpter Penis sei.14 Mit Berufung auf den zweiten Schöpfungsbericht gilt die Frau lediglich als Derivat des Mannes.15 Sie stellt einen invertierten und unvollkommenen Mann dar. Die Idee von der Frau als minderwertige körperliche Reproduktion des Mannes wirkt sich dementsprechend auf die Vorstellungen bezüglich ihres sozialen Verhaltens aus.

Diese konstruierte Geschlechterhierarchie steht in engem Zusammenhang mit der mittelalterlichen Vorstellung einer göttlichen Weltordnung, die es gilt zum Wohle des persönlichen Seelenheils aufrecht zu erhalten. Da die Frau allerdings nur als „Spiegel“16 des Mannes fungiert, ist es Aufgabe des Mannes, die Weltordnung stabil zu erhalten.17 Der Dominierende hat selbst Sorge zu tragen, dass die gesellschaftlichen Machtverhältnisse aufrecht erhalten bleiben. Der Frau bleibt lediglich ein „Wohlverhalten“, um sich ihren gesellschaftlichen Platz in dem von Männern bestimmten System zu behaupten.18 Daraus ergibt sich eine Interdependenz zwischen der Zuordnung zu einem Geschlecht und moralischen Qualitäten.19 Ein der mittelalterlichen Norm entsprechendes Geschlechterverhalten unterliegt dem Prinzip des Herrschens und Beherrscht-werdens. Untermauert wird dieses Prinzip von der Theorie, dass Rationalität dem Maskulinen vorbehalten ist, während das Weibliche auf die Körperlichkeit, die immer auch eine Gefahr zur Lasterhaftigkeit in sich birgt, beschränkt ist.20 Gleichwohl wird durch diese Einteilung eine Geschlechterdichotomie betont, welche auf der Verhaltensebene angesiedelt ist und das „Ein-Geschlecht-Modell“ ergänzt. Ein Resultat der dargelegten Geschlechterkonstruktion ist zweifelsohne ein eindimensionales Bewegungsfeld der Frauen, das auf der „hierarchiebedingten Asymmetrie der Geschlechter“ gründet.21

Da die Ungleichheit von Mann und Frau durch äußere Merkmale wie Kleidung markiert wird, liegt für Frauen die Möglichkeit nahe, durch einen Kleiderwechsel der Unterdrückung auszuweichen. Im Folgenden wird daher ein Überblick über die an der Geschlechterkonstruktion orientierte Kleiderordnung des Mittelalters gegeben.

2.3 Die Mode im Mittelalter

Die heutige Vorstellung von mittelalterlicher Kleidung bezieht sich hauptsächlich auf die Kleidung von Klerus und Adel. Die erhaltenen Bildwerke aus dieser Zeit thematisieren größtenteils religiöse Szenen, die dort dargestellten Personen spiegeln die Kleidung der besagten Stände wider.22

Karl der Große führt erstmals gesetzliche Bestimmungen für das Tragen von Kleidungsstücken ein, welche Grundlage für verschiedene sich im Laufe von zweieinhalb Jahrhunderten entwickelnde Kleiderordnungen sind: Einzelne Kleidungsstücke unterliegen Vorschriften, und die Menschen müssen sich ihrem Stand nach anziehen, um nicht bestraft zu werden.23 Die Kleidung eines Menschen gibt Aufschluss über seine Person, indem sie etwas über den Beruf und das Vermögen, das Alter und das Geschlecht mitteilt.

Im frühen Mittelalter unterscheiden sich die Gewänder der Männern nur gering von denen der Frauen: Beide Geschlechter tragen ein Hemdkleid, welches allerdings bei den Männern verkürzt ist und unter welchem eine Hose getragen wird. Die Vorteile der Beinkleider liegen in ihrer Funktionalität; nicht nur im Krieg ermöglichen sie das Reiten, Jagen und Kämpfen. Das Tragen von Hosen und die Bewegungsfreiheit, welche sie ermöglichen, sollen bis in das moderne Zeitalter hinein einzig dem männlichen Geschlecht vorbehalten sein.24

Während des Hochmittelalters verschärfen sich die Kleiderhierarchien durch den Einfluss der Kirche. Besonders die Frauen erfahren viele Einschränkungen in ihrer Bewegungsfreiheit: Die bodenlangen Kleider sind eng und figurbetont und werden in der Taille eingeschnürt. Sie haben sehr weite Hängeärmeln und eine Schleppe. Außerdem gibt es zahlreiche Vorschriften für Kopfbedeckungen, die für den Großteil der weiblichen Bevölkerung Pflicht sind.25

2.4 Cross-Dressing im Mittelalter

Die mittelalterliche Konstruktion von Geschlecht führt zu „normativen, idealen oder auch mentalen Weltbewältigungsmustern“.26 Eine Möglichkeit, (selbstgestaltet)27 Einfluss auf das Leben im Kontext der sozialen und politischen Verhältnisse des Mittelalters zu nehmen, ist für Frauen das Anlegen von männlicher Kleidung.

Die Quellenlage bezüglich des Phänomens weibliches Cross-Dressing ist aufgrund der prinzipiell eingeschränkten Quellensituation zur Sozial- und Alltagsgeschichte der Frau im Mittelalter bescheiden.28 Die meisten Texte wurden von Männern verfasst und sind dementsprechend durchwoben von maskulinen Sichtweisen und misogynen Positionen.29 Geschichtlich nachgewiesene Fälle von Frauen, die Einfluss auf ihr Rollenverhalten durch Verkleidung nahmen, sind kaum belegt.30 Gleichzeitig konnte es nicht der Wille der Cross-Dresserinnen sein, ihr Verhalten zu dokumentieren, da der Rollentausch als Verstoß gegen die göttliche Ordnung galt und mit Strafen bis hin zur Hinrichtung belegt wurde.31 Auf Grundlage der Bibel lassen sich die Sanktionen gegen Kleider- und Rollentausch rechtfertigen: Das große zweite Gesetz legitimiert im alten Testament eine geschlechtsspezifische Kleiderordnung.32 Im neuen Testament fordert Paulus äußerliche Unterscheidbarkeit von Mann und Frau.33

Weibliches Cross-Dressing führte zur Dekonstruktion der bipolaren Grundstruktur von Geschlechtlichkeit und wurde als Anmaßung und Versuch der Frau, durch Maskulinisierung eine „Transzendierung von Körperlichkeit“ herbeizuführen, betrachtet.34 Aber auch positive Bewertungen des Cross-Dressings sind aus dem Mittelalter überliefert. Allerdings war das Streben nach dem „höher stehenden“ maskulinen Leben nur geduldet, sofern es mit Jungfräulichkeit und Keuschheit einherging.35 Beispiele dafür sind in Hagiographien und Texten, die mit Kriegsführung in Zusammenhang stehen, zu finden. Durchgehend wird jedoch die „Unmöglichkeit der Überschreitung der Geschlechtergrenzen“ behauptet und damit einer Infragestellung der bestehenden Geschlechterhierarchie verweigert.36 Auf die unterschiedlichen Entfaltungsweisen von Cross-Dressing und die jeweiligen dahinterstehenden Motive wird im Folgenden eingegangen.

2.5 Cross-Dressing in der mittelalterlichen Literatur

Das Motiv des Cross-Dressings tritt in mannigfacher Variation als narratives Element in weltlicher Literatur des Mittelalters auf. Die Verwandlung ins gegensätzliche Geschlecht wird teils positiv und teils negativ bewertet dargestellt. Sie dient jedoch stets der Unterhaltung.37 Der Unterhaltungseffekt speist sich aus der „auf der Geschlechterebene angesiedelte[n] Thematisierung von Schein und Sein“.38 Durch Irreführung, Zuschreibung und Inversion wird ein Verschwimmen der Geschlechtergrenzen ermöglicht. Dadurch wird Frauenfiguren mehr Freiheit gewährt und sie können aktiv den Handlungsablauf einer Geschichte vorantreiben. Wenn Frauen wie Männer angezogen sind, werden sie beispielsweise in Shakespeares Dramen befähigt, wie Männer zu sprechen und können so von ihrem Mutterwitz und ihrer Intelligenz Gebrauch machen.39 In Kontakt mit männlichen Figuren ist für Protagonistinnen durch das Cross-Dressing ein Umgang auf Augenhöhe möglich. Weibliche Charaktere können durch männliche Kleidung glaubhafter, patenter und schlauer sein, als ihnen durch gesellschaftliche Sanktionen zugestanden wird. Das ist meist der Fall, wenn der Kleidertausch selbst das Thema des Textes ist. Diese Situation herrschte zum Beispiel in Fastnachtspielen und beim Mummenschanz vor, um, legitimiert durch den Kontext der traditionellen Brauchtumspflege, eine „verkehrten Welt“ abzubilden.40

Vielseitige andere thematisch-ideologische Bereiche werden durch Cross-Dressing in unterschiedlichsten literarischen Kontexten eröffnet. Eine häufige Motivation der Frauen, sich zu verkleiden, ist das Bedürfnis nach Sicherheit und Schutz vor sexuellen Übergriffen besonders im Zusammenhang mit Reisen.41 Sehr populär ist das hagiographische Motiv der Frau, die sich als Mann ausgibt, um als Mönch zu leben.42 Ein weiteres Gedankenmodell, das in mittelalterlicher Literatur häufig dargestellt wird, ist Das Ideal der männlichen Frau. In diesem Zusammenhang steht das Phänomen der virago. Der Begriff, der schon früh in biblischer und volkssprachlicher Literatur auftaucht, kann mit ‚Männin’ übersetzt werden. In meist lobrednerischen Kontexten werden Frauen beschrieben, die sich durch maskuline Stärke auszeichnen und männliche Qualitäten wie Mut und Durchsetzungsvermögen bis hin zur intellektuellen Horizonterweiterung anstreben.43 Die Panegyrik stützt sich hierbei auf den Versuch der Frauen, in schwierigen Situationen ihre weibliche Natur zu unterdrücken.44 Bemerkenswert ist, dass die Superiorität des Maskulinen dabei untermauert wird, da trotz positiver Konnotation der Grenzüberschreitung die Evidenz des weiblichen Körpers in seiner Unvollkommenheit aufgezeigt wird.45

[...]


1 Im Folgenden mit GoT abgekürzt.

2 Eine klare Abgrenzung von Mittelalter , mittelalterlicher Literatur , und Mittelalterlichkeit (die heutige Vorstellung von Mittelalter) ist bei der Auseinandersetzung mit GoT bisweilen schwer, da die Serie Adaptions- und Rezeptionsvorgängen in Bezug auf mediävistischen Themenbereichen unterliegt. Obschon Inhalte dieser Hausarbeit Sektionen des Mediävalismus tangieren, stellt dieser hier nicht das Kernforschungsfeld dar. Auch erfolgen alle Aussagen über ‚ Das Mittelalter’ immer aus einer retrospektiven Perspektive und können daher keinen Anspruch darauf hegen, a priori wahr zu sein.

3 Vgl. May, Markus et al. [Hgg.]: Die Welt von „Game of Thrones“: Kulturwissenschaftliche Perspektiven auf George R.R. Martins „A Song of Ice and Fire“, Bielfeld 2016, 11.

4 Vgl. Spector, Caroline: Power and Feminism in Westeros, in: Lowder, James [Hg.]: Beyond the Wall. Exploring George R.R. Martin’s A Song of Ice and Fire, From A Game of Thrones to A Dance with Dragons. Dallas 2012, 169-188, hier 167.

5 Bezugnehmend auf Carolyne Larrington wird die kreierte Serien-Welt im Folgenden als die Bekannte Welt bezeichnet. Vgl. Larrington, Carolyne: Winter is coming. Die mittelalterliche Welt von Game of Thrones, Darmstadt 2016, 7.

6 May, Markus et al. [Hgg.]: Die Welt von „Game of Thrones“, 12.

7 Vgl. ebd., 12f.

8 Ich gebrauche diesen Begriff im Sinne von Der Geist des Mittelalters . Gemeint sind das Mittelalter bzw. mittelalterliche Phänomene als Konstrukt anderer Epochen.

9 Vgl. Bibliographisches Institut GmbH, Dudenverlag [Hg.], Berlin 2018: WWW-Dokument: https://www.duden.de/rechtschreibung/Crossdressing, abgerufen am 24.04.2018.

10 Vgl. Bullough, Vern L. & Bonnie: Cross Dressing, sex and gender. Introduction, Pennsylvania 1993, vii.

11 Brinker-von der Heyde, Claudia: Weiber – Herrschaft oder: Wer reitet wen? Zur Konstruktion und Symbolik der Geschlechterbeziehung, in: Ingrid Bennewitz / Helmut Tervooren [Hgg.]: Manlîchiu wîp, wîplîch man. Zur Konstruktion der Kategorien "Körper" und "Geschlecht" in der deutschen Literatur des Mittelalters. Internationales Kolloquium der Oswald von Wolkenstein-Gesellschaft und der Gerhard-Mercator-Universität Duisburg in Xanten 1997, Berlin 1999, 47-66, hier 62f.

12 Vgl. Heitfeld, Petra: Durchbrochene Konzepte von Weiblichkeit und Männlichkeit. Rollentausch in Kriegen des späten Mittelalters, in: FHG [Hg.]: Invertito. Jahrbuch für die Geschichte der Homosexualitäten (Bd.3), Homosexualitäten und Crossdressing im Mittelalter, Hamburg 2001, 94-123, hier 97.

13 Vgl. hierzu beispielsweise Peters, Ursula: Gender Trouble in der Mittelalterlichen Literatur? Mediävistische Genderforschung und Crossdressing-Geschichten, in: Ingrid Bennewitz / Helmut Tervooren [Hgg.]: Manlîchiu wîp, wîplîch man, 284-304.

14 Vgl. hierzu Laqueur, Thomas: Auf den Leib geschrieben. Die Inszenierung der Geschlechter von der Antike bis Freud, Frankfurt a.M. 1992.

15 Gen 2,23: „ Da sagte der Mensch: Diese endlich ist Gebein von meinem Gebein und Fleisch von meinem Fleisch; diese soll Männin heißen, denn vom Mann ist sie genommen.“ Vgl. Die Bibel. Elberfelder Übersetzung, Revidierte Fassung, Wuppertal 82000.

16 Vgl. hierzu Irigary, Luce: Speculum. Spiegel des anderen Geschlechts (edition suhrkamo 946), Frankfurt a.M. 1980.

17 Vgl. Brinker-von der Heyde, Claudia: Weiber-Herrschaft, 62.

18 Vgl. ebd., 64.

19 Vgl. Haag, Christine: Das Ideal der Männlichen Frau in der Literatur des Mittelalters und seine Theoretischen Grundlagen, in: Ingrid Bennewitz / Helmut Tervooren [Hgg.]: Manlîchiu wîp, wîplîch man, 228-248, hier 232.

20 Vgl. Brinker-von der Heyde, Claudia: Weiber-Herrschaft, 54.

21 Vgl. Feistner, Edith: Manlîchiu wîp, wîplîch man: zum Kleidertausch in der Literatur des Mittelalters, in: Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur 119 (1997), 235-260, hier 244.

22 Vgl. Thiel, Erika [Hg.]: Die Geschichte des Kostüms. Die europäische Mode von den Anfängen bis zur Gegenwart, Berlin 81980, 85.

23 Vgl. Keupp, Jan: Mode im Mittelalter, Darmstadt 2011, 40.

24 Vgl. Schmale, Wolfgang: Gender Studies, Männergeschichte, Körpergeschichte, in: Ders. [Hg.]: MannBilder. Ein Lese- und Quellenbuch zur historischen Männerforschung, Berlin 1998, 7-35, hier 26.

25 Vgl. Grieco, Sara F.: Körper, äußere Erscheinung und Sexualität, in: Farge, Alette / Davis, Natalie Zemon [Hgg.]: Geschichte der Frauen (Bd. III): Frühe Neuzeit, Frankfurt a.M. / New York 1994, 61-103, hier 72.

26 Brinker-von der Heyde, Claudia: Weiber-Herrschaft, 48.

27 Nicht immer entschieden Frauen sich selbst zum Cross-Dressing. In Kriegssituationen beispielsweise konnte eine Verkleidung zum Mann auch Vorschrift sein.

28 Vgl. Farge, Arlette / Davis, Natalie Zemon [Hgg.]: Geschichte der Frauen, Bd. III frühe Neuzeit, Frankfurt a.M., 1994, 11f.

29 Vgl. Losert, Kerstin: Kleider machen Männer. Mittelalterliche Geschlechterkonstruktion und die Geschichte der Hildegund von Schönau, in: FHG [Hg.]: Invertito, 68- 93, hier 85.

30 Vgl. ebd., 73.

31 Vgl. Heitfeld, Petra: Durchbrochene Konzepte von Weiblichkeit und Männlichkeit, 96f.

32 Dtn 22,5: „ Männerzeug darf nicht auf einer Frau sein, und ein Mann darf nicht das Gewand einer Frau anziehen. Denn jeder, der dieses tut, ist ein Gräuel für den HERRN, deinen Gott. “ Vgl. Die Bibel. Elberfelder Übersetzung.

33 1Kor 11, 7: „ Denn der Mann freilich soll sich das Haupt nicht verhüllen, da er Gottes Bild und Abglanz ist; die Frau aber ist des Mannes Abglanz.“ Vgl. Die Bibel. Elberfelder Übersetzung.

34 Vgl. Spreitzer, Brigitte: Störfälle. Zur Konstruktion, Destruktion und Rekonstruktion von Geschlechterdifferenz(en) im Mittelalter, in: Ingrid Bennewitz / Helmut Tervooren [Hgg.]: Manlîchiu wîp, wîplîch man, 249-263, hier 257.

35 Vgl. Losert, Kerstin: Kleider machen Männer, 72f.

36 Vgl. ebd., 90.

37 Vgl. Losert, Kerstin: Kleider machen Männer, 75.

38 Peters, Ursula: Gender Trouble in der Mittelalterlichen Literatur?, 296.

39 Vgl. As You Like It / Twelfh Night / The Merchant of Venice, in: Craig, W.J. [Hg.]: The Complete Works Of William Shakespeare. Edited with a Glossary, London 1995.

40 Vgl. Heitfeld, Petra: Durchbrochene Konzepte von Weiblichkeit und Männlichkeit, 117f.

41 Vgl. Losert, Kerstin: Kleider machen Männer, 75.

42 Vgl. ebd., 68.

43 Vgl. Haag, Christine: Das Ideal der Männlichen Frau, 244-246.

44 Vgl. Peters, Ursula: Gender Trouble in der Mittelalterlichen Literatur?, 290.

45 Vgl. Haag, Christine: Das Ideal der Männlichen Frau, 247.

Details

Seiten
29
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783346170279
ISBN (Buch)
9783346170286
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v594404
Institution / Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel – Germanistisches Seminar
Note
1,0
Schlagworte
Mediävistik Mittelalter HBO Game of Thrones Crossdressing Arya Stark Weibliches Crossdressing Literatur Brienne von Tarth
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Titel: Cross-Dressing im Mittelalter. Erweiterung der Handlungsspielräume durch Verkleidung in der Serie Game of Thrones