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Gewalt im HipHop

Hausarbeit 2006 20 Seiten

Sozialpädagogik / Sozialarbeit

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Gewalt
2.1. Was ist Gewalt?
2.2. Formen der Gewalt

3. Gewaltdarstellung im HipHop
3.1. Gangsta-Image
3.2. Songtexte
3.3. Musikvideos

4. HipHop gegen Gewalt

5. Schlussbemerkung

6. Literatur

1. Einleitung

HipHop, besonders die Rap-Musik, nimmt viel Raum im Lebensalltag der Jugendlichen ein, da sie momentan die kommerziell erfolg­reichste Musikrichtung auf dem Plattenmarkt ist. Als Musik, die aufgrund von Gewalt ent­standen ist und diese schon immer thematisiert hat, scheint es besonders bedeutsam zu wissen, wie und in welcher Form sich diese Musik ihren Konsumenten gegenüber präsen­tiert. Dabei ist entscheidend, was für ein Image dem Rapper zuteil wird, wie viel Gewalt durch die Texte an den Hörer transportiert wird und wie die Gewalt in den, bei Jugendli­chen so beliebten, Musikvideos dargestellt wird. Dieses soll im Folgenden behan­delt werden, wobei erst verdeutlicht werden soll, was mit dem Begriff Gewalt gemeint ist und welche Formen der Gewalt in dieser Arbeit zu berücksichtigen sind.

2. Gewalt

Die Gewaltforschung verwendet unterschiedliche Definitionen von Gewalt und verschie­denartige Unterteilungen von Gewaltarten oder -formen. Da eine Definition von Gewalt allerdings bei der Untersuchung von Gewalt im HipHop unumgänglich ist, soll im Folgen­den eine gültige Defini­tion von Gewalt bestimmt und jene Formen der Ge­walt vorgestellt werden, die für die Verständlichkeit diese Arbeit relevant sind.

2.1. Was ist Gewalt?

Der Begriff der Gewalt wird in unterschiedlichen Kontexten mit abweichender Bedeu­tung verwendet. In der Forschungsliteratur wird Gewalt mit Aggression oder mit Machtaus­übung gleichgesetzt[1], in anderen Veröffentlichungen wird Gewalt als Folge von Aggressio­nen beschrie­ben[2] oder Gewalt wird nur bedingt in Zusammenhang mit Aggres­sion ge­bracht[3].

Eine meines Erachtens einleuchtende Definition von Gewalt stammt von Herbert Selg, Professor für Psy­chologie an der Universität Bamberg. Seiner Meinung nach ist jeder Fall von Gewalt ein Fall von Aggression, aber nicht umgekehrt.[4] Diese Definition wird auch von Grimm/Kriste/Weiss untermauert, allerdings von einem anderen Blickwinkel aus: „Nicht jedes aggressive Verhalten muss als Gewalt interpretiert werden, beispiels­weise kann ein intensives und lautes Anreden einer Person als aggressiv gelten ohne dabei als Gewalt eingestuft zu werden, weil keine Schädigung erfolgt.“[5] Selg bezeichnet Gewalt als eine Steigerung von Aggression. Er bezieht sich dabei auf Galtung, der Gewalt als eine Be­einflussung von Menschen definiert, die deren körperliche und geistige Verwirkli­chung einschränkt, indem Aggression mit relativer Machtausübung einhergeht.[6] Gewalt hat also etwas mit Macht und Machtausübung zu tun. Hierzu nennt Selg zwei Beispiele: Kinder, die sich beschimpfen, verhalten sich aggressiv; erst wenn eine starke Person eine schwä­chere bedroht, können wir jedoch von (physischer) Gewalt sprechen. Sein zweites Bei­spiel bezieht sich auf ein dreijähriges Kind, das seine Mutter schlägt. Es verhält sich ag­gressiv; wenn jedoch eine Mutter ihr dreijähriges Kind verprügelt, übt sie dagegen (physi­sche) Gewalt aus.[7] Daraus lässt sich ableiten, dass Gewalt Schaden verursacht, während bei der Aggression dies zwar durchaus sein kann, jedoch nicht zwingend der Fall ist. Es handelt sich hierbei sowohl um „physische, psychische oder materielle Schädigung von Ob­jekt(en) durch Subjekt(e)“[8], als auch um Stören, Ärger erregen, Beleidigen etc.

Ich halte diese Definition von Gewalt für sinnvoll, da der Unterschied zwischen gewalttäti­gem und aggressivem Verhalten deutlich wird. So kann differenziert werden, welches ag­gressive Verhalten mit Macht einhergeht und welches nicht. Um ein genaueres Bild der Gewalt zu bekommen, möchte ich nun die verschiedenen Formen der Gewalt benennen, die ich im Rahmen dieser Arbeit für relevant betrachte. Ich werde bewusst nicht auf die Entstehung und die Ursachen von Gewalt eingehen. Zwar sind das interessante Aspekte, wenn es um das Thema „Gewalt“ geht, jedoch viel zu komplex und weniger relevant im Bezug auf dieses Thema. Dafür wäre eine sehr umfangreiche Forschung und Analyse erfor­derlich, die den Rahmen dieser Arbeit mit Sicherheit sprengen würde.

2.2. Formen der Gewalt

Wenn von Gewalt gesprochen wird muss differenziert werden, um welche Form der Ge­walt es sich handelt. Meine Unterteilung bezieht sich auf Bründel/Hurrelmann und un­terscheidet sechs Formen der Gewalt. Die ver­schiedenen Dimensionen der Gewalt sind:[9]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Natürlich gibt es noch weitere Formen der Gewalt, die im Bezug zu diesem Thema rele­vant wären. Jedoch hat die Beschränkung auf diese sechs Gewaltformen ihren bestimm­ten Grund. Die oben aufgeführten Gewaltformen umfassen verschiedene Bereiche der Gewalt, die in unterschiedlichen Kontexten vorkommen können. Sie sind sehr allgemein gehalten und ermöglichen dadurch, die Gewalt im HipHop nicht nur in der Breite, sondern auch in der Tiefe zu untersuchen. Das heißt durch diese Beschränkung kann auf einzelne Gewaltformen mehr eingegangen und Besonderheiten hervorgehoben wer­den.

Doch um HipHop, wobei das Hauptaugenmerk hier besonders auf dem Rap liegt, nach möglichen Gewaltformen zu untersuchen, muss dieser ebenfalls differenziert betrachtet werden. Dies soll im nächsten Punkt geschehen.

3. Gewaltdarstellung im HipHop

Mit diesem Punkt soll die Menge und die Form der Gewaltdarstellung, die auf die jugend­lichen Konsumenten einwirken können, verdeutlicht werden. Die von mir befragten Ju­gendlichen gaben an, dass sie HipHop über verschiedene Medien nutzen. HipHop wird demnach von allen befragten Jugendlichen über den Tonträger selbst und über das Fern­sehen, in Form von Musikvideos, genutzt. Darüber hinaus nutzen einige der Befragten auch das Internet. Dadurch kommen sie an Hintergrundinformationen über die HipHop-Künstler. Einer der Jugendlichen meinte, dass er sich früher oft HipHop-Zeit­schriften ge­kauft habe, doch inzwischen würde er lieber das Internet nutzen um an Infor­mationen zu kommen. Das Internet wir also genutzt, um alles rund um das Thema Hip­Hop zu erfahren. Die Jugendzeitschrift BRAVO brachte Anfang des Jahres eine „HipHop-Special“-Ausgabe heraus, auf die ich schon öfters im Verlauf dieser Arbeit zurückgegriffen habe. Auf dem Titelblatt dieser Ausgabe ist 50 Cent mit seiner Crew ab­gebildet. Während er eine Zigarre raucht, halten seine Freunde im Hintergrund massen­weise Dollarnoten in ihren Händen. Man muss die Zeitschrift gar nicht erst aufschlagen, um zu erkennen, dass hier den Leser das Gangsta -Image vermittelt werden soll. Ähnliche bild­liche Darstellun­gen las­sen sich auch auf HipHop-Internetseiten finden. Das Internet hat also eine ähnli­che Funk­tion wie die Zeitschrift: das Image von Rappern an die Jugendli­chen zu trans­portieren.

In den folgenden Unterpunkten sollen die von den Jugendlichen angegeben medialen Instrumente zur HipHop-Nutzung auf ihren Gewaltinhalt hin untersu­cht werden. Im ersten Punkt wird das Image im HipHop betrachtet, das über das In­ternet und Zeitschriften am häufigsten im Mittelpunkt der Publikationen steht. In den darauf folgenden Unterpunkten sollen dann die Songtexte und Musikvideos der von den Jugendlichen genannten HipHop-Künstler analysieren werden.

3.1. Gangsta-Image

Das Image der Rapper, insbesondere der Gangsta -Rapper, ist von entscheidender Be­deutung, wenn „Gewalt im HipHop“ untersucht wird. Die echten Gangsta -Rapper, die tat­sächlich auf eine kriminelle Vergangenheit zurückblicken und somit von der Gewalt, die sie selbst erlebt haben und die sie immer noch begleitet, berichten können, nennen sich O.G.s (original gangsta’s). Aus ihrer Sicht verherrlichen sie die Gewalt nicht, sondern be­schrei­ben sie lediglich. Sie versuchen ihre gewaltvollen Erlebnisse in ihren Texten zu ver­arbei­ten und es ist ihnen egal, was andere darüber denken. Auch wenn diese Haltung egois­tisch wirkt, entspricht ihr Vorgehen jedoch dem Charakter des HipHop, da Rapper, indem sie lediglich über ihre eigenen Erfahrungen, Probleme aber auch Wünsche berich­ten, au­thentisch, also real bleiben. Einer der zurzeit kommer­ziell erfolgreichsten amerika­nischen O.G. ist 50 Cent, der von sich behauptet :Ich war einfach der beste Drogendea­ler, weil ich schnell kapiert habe, wie man die Nummer eins wird[12]. Er verdiente sein Geld mit Drogen verkaufen, wurde auch mehrfach verhaftet und verurteilt. Nach einer Streiterei mit einem Musikmanager im März 2000 wurde 50 Cent niedergestochen. Nur zwei Mo­nate später treffen ihn bei einer Schiesserei im New Yorker Stadtteil Queens neun Ku­geln. 50 Cent überlebte das Attentat und gilt seit dem als Bulletproof (kugelsicher).[13] Ein ernüchtern­des Beispiel für die Realität des Gangsta -Image.

[...]


[1] Vgl. Kassis 2003, S. 54.

[2] Vgl. Struck 1994, S. 5.

[3] Vgl. Grimm/Kirste/Weiss 2005, S. 43 f.

[4] Vgl. Selg 2003, S. 147.

[5] Grimm/Kirste/Weiss 2005, S. 44.

[6] Vgl. Selg 1997, S. 7.; Büttner/Koschate 2003, S. 12; Hanke 2003, S. 42; Kunczik 1996, S. 14.

[7] Vgl. Selg 1997, S. 7. f .

[8] Grimm/Kirste/Weiss 2005, S. 64.

[9] Vgl. Bründel/Hurrelmann 1994, S. 23 f.

[10] Hanke 2003, S. 43.

[11] Bründel/Hurrelmann 1994, S. 24.

[12] Dallach 2006, S. 178.

[13] Vgl. Ebd., 178.

Details

Seiten
20
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638531849
Dateigröße
493 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v59180
Institution / Hochschule
Evangelische Hochschule Ludwigsburg (ehem. Evangelische Fachhochschule Reutlingen-Ludwigsburg; Standort Ludwigsburg)
Note
Schlagworte
Gewalt HipHop Praxisformen Sozialen Arbeit Ausdrucksformen Medien

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