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Die Geschichte des HipHop

Hausarbeit 2006 14 Seiten

Sozialpädagogik / Sozialarbeit

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Historisches
2.1. Entstehung von HipHop
2.2. Elemente des HipHops
2.3. Entwicklung der Rap-Musik

3. Die deutsche HipHop-Szene
3.1. Deutscher HipHop
3.2. Der deutsche Gangsta -Rap

4. Schlusswort

5. Literatur

1. Einleitung

Wie lässt sich HipHop definieren? Das ist ganz davon abhängig, welchem Personenkreis man HipHop erklären möchte. Wenn ich HipHop in einem Satz definieren müsste, würde ich das folgendermaßen tun: HipHop ist ein Überbegriff für einen umfassenden kulturellen Komplex, bestehend aus den vier Elementen Graffiti, Breakdance, MCing und DJing (letztere zwei werden zusammengefasst auch als Rap bezeichnet).[1] HipHop enthält aber nicht nur die vier Elemente, sondern das gesamte kulturelle Umfeld wie spezifische Mode, Stil, Einstellungen und Ideologien. HipHop ist eine (Sub-)Kultur oder Jugendkultur mit einer eigenen Sprache, mit eigenen Werten und einer ganz eigenen Weltanschauung. Unter Jugendkulturen wird hierbei ein besonderer Le­bensstil der Jugendlichen verstanden, der sich von der Mehrheitsgesellschaft abgrenzt.[2] HipHop hat eine eigene Vergangenheit, konnte sich über Jahrzehnte entwickeln und weltweit ausbreiten.[3] Für Außenstehende ist es schwierig, die zahlreichen szenenspezifi­schen Finessen im HipHop zu verstehen. Doch das ist nicht nur für Außenstehende schwierig. George, ein bekannter Musikkritiker der USA, schreibt dazu: „Um HipHop völ­lig verstehen zu können, braucht man vermutlich einen Abschluss in Soziologie, mehrerer Knastaufenthalte und ein Gefühl für afrikanische Rhythmen.“[4] Wenn das stimmt, wird diese Hausarbeit für mich als Verfasser eine wahre Herausforderung.

2. Historisches

Auch wenn es scheinbar unmöglich ist, HipHop völlig zu verstehen, ist es jedoch wichtig zu wissen, worauf HipHop aufbaut. Wie ist HipHop entstanden? Was war der Auslö­ser? Und was wollte HipHop bewirken? Um diese Fragen beantworten zu können, muss der geschichtliche Hintergrund der Hip­Hop-Kultur beleuchtet werden.

2.1. Entstehung von HipHop

In den schwarzen Vierteln New Yorks, Brooklyn, Harlem und in der Bronx, herrschten in den 70er Jahren unzumutbare Zustände: Drogen, Kriminalität und Gewalt zwischen ver­schiedenen Gangs gehörten zum Alltag.[5] Durch eine verfehlte Modernisierungspolitik wur­den die Stadtviertel zerstört und waren völlig heruntergekommen. Jeder, der es sich leis­ten konnte, war bereits in eine bessere Gegend gezogen. Es waren nur sozial schwa­che Familien, vor allem schwarze und hispanische Bewohner, in den Vierteln zurück geblie­ben. Die Folge war die Entstehung einer von der Mehrheitsgesellschaft der Weißen abge­schlossene und heruntergekommene Ghettowelt: Leerstehende Fabriken, dreckige Stra­ßen und ein zunehmender Zerfall wirken mehr als trostlos auf die Ghet­tobewohner.[6]

Die afroamerikanische Jugend, „die von den Angeboten der ‚weißen’ Unterhaltungsindust­rie ebenso ausgeschlossen war wie von der ‚weißen’ Partykultur, die im Einflussbereich von Disco und Funk ganz enorm boomte“[7], entwickelte eigene Formen der kulturellen Organisation. Es fanden die ersten Block Partys statt - illegale, meist spontan organisierte Partys, die in alten Fabrikgebäuden oder unter freiem Himmel in den Parks und Straßen der Bronx stattfanden. Diese Block Partys gelten als der Anfang der HipHop-Bewegung, weil sich hier die vier Elemente (DJing, MCing, Graffiti und Breakdance) der HipHop-Kul­tur vereint hatten. DJs (Diskjockeys) legten Platten auf, MCs (Master of Ceremony) spra­chen Reime dazu, die Breakdancer (B-Boys) kreierten ihren unverwechselbaren Tanz und die Graffitisprayer (Writer) bedeckten die Häuser und Wände mit Graffiti. Den Schwarzen aus der Bronx ging es vornehmlich darum, mit ihrer Straßenkultur auf die Missstände und ihre Lebenssituation aufmerksam zu machen. HipHop wurde zu einer Lebenshaltung, ei­ner „Attitüde“ für die Ghettobewohner. Es formierten sich HipHop-Cliquen, die man in der Szene Possen oder Crews nannte. Die Block Partys lagen bei den Jugendlichen der Ghettos plötzlich im Trend. Jugendliche, die keine Lust mehr hatten nur vor dem Fernse­her zu sitzen oder sich an bewaffneten Bandenkriegen zu beteili­gen, schlossen sich der HipHop-Bewegung an.[8] Für sie war es „eine Möglichkeit, aus dem Teufelskreis krimineller Bandenherrschaft auszusteigen, ohne da­durch den Schutz und die Geborgenheit einer Gruppe zu verlieren.“[9]

2.2. Elemente des HipHops

Die vier Elemente des HipHop stellen die Grundpfeiler dieser Jugendkultur dar. Im Fol­genden werden deshalb die Elemente Graffiti, Breakdance, MCing und DJing kurz be­schrieben. Dabei soll der Zusammenhang der Elemente und ihr Verhältnis zuein­ander aufgezeigt werden. Des Weiteren soll ersichtlich werden, aus welchen Elementen sich die Rap-Musik zusammensetzt, wie sie entstanden ist und welche Bedeutung sie für diese HipHop-Bewegung hatte. Hierbei ist zu beachten, dass Rap-Musik nur einen Bestandteil der HipHop-Bewegung ausmacht und nicht synonym mit HipHop zu verwenden ist.

2.2.1. Graffiti

Graffiti war und ist ebenfalls ein wichtiger Bestandteil des HipHop, jedoch keine Erfindung der HipHop-Bewegung, sondern Graffiti war schon immer Zeichen einer unterprivilegier­ten Gesell­schaftsschicht und Zeichen einer Zeitepoche.[10] Graffiti gab es lange vor HipHop und vor den Streetpartys. Graffiti­sprayer beschrieben in den Anfangszeiten des HipHop ihre Prob­leme in Form von Bildern. Sie waren diejenigen, die aus alten verlassenen Hal­len oder hässlichen Wänden kunstvolle und bunte Flächen schufen. Sie versuchten so, ihre unmit­telbare Umgebung zu gestalten und zu verändern. Durch die Graffitis wurde HipHop auch nach Außen transportiert und somit für Außenstehende sichtbar. Natürlich war diese Form der Kunst vielen auch ein Dorn im Auge, da auch öffentliche Flächen und Privatge­bäude als Grundlage für Graffitis verwendet wurden. Aber genau das war für die Graffiti­sprayer reizvoll. Es entstand ein Wettstreit. Illegales Malen galt als besonders schwierig und ge­fährlich. Hatte ein Graffitisprayer es trotzdem geschafft seinen Künstler­name auf einer illegalen Fläche zu hinterlassen, zog er damit die Aufmerksamkeit seiner Mitstreiter auf sich und ihm wurde somit Ruhm und Respekt (‚ fame’ und ‚ respect’) zuge­sprochen. Doch nicht nur die Mit­strei­ter wurden aufmerksam. Die Konfrontation mit der Polizei war damit eben­falls oft unvermeidlich.[11]

2.2.2. Breakdance

Breakdance (auch B-Boying genannt) ist ein weiteres Element des HipHop und entstand zur Zeit der Street­partys. Es ist ein Mix aus afroamerikanischen Tänzen, brasilianischem Capoeira und asi­atischen Kampfsportarten.[12] Die B-Boys oder Breaker „verbinden verschie­dene Tanzstile und Bewegungen zu einem eigenen Tanz. Im Break­dance verei­nen sich Rhythmusgefühl und Artistik in einer Tanzform, die die Energie der Musik und das Lebensgefühl wider­spiegeln (soll).“[13] Wie beim Graffiti, gibt es auch beim Breakdance einen starken Wettbe­werb ssinn. Die B-Boys treten ebenfalls in Battles tänzerisch gegen andere B-Boys an und können sich so auf eine gewaltlose Art mit ihren Gegnern mes­sen[14]. Auch hier geht es den B-Boys darum, dass ihre Fähigkeiten von ihren Mitstreitern anerkannt werden und so­mit ebenfalls wieder um Ruhm und Respekt.

2.2.3. Rap-Musik

Der Begriff Rap ergibt sich aus zwei Elementen – MCing und DJing. Mit dem Begriff „Hip­Hop“ wird jenseits der Szenegrenzen meist die Musikkultur, also die Rap-Musik, assozi­iert. Das liegt daran, dass bislang nur die DJs und MCs den kommerziellen Durchbruch geschafft haben.[15] Die HipHop-Kultur begann durch das DJing. Der DJ war die wichtigste Figur zu Beginn des HipHops. Er hatte nicht nur die Aufgabe für die Musik zu sorgen, er musste auch die Fähigkeit besitzen, zwei gleiche Schallplatten auf zwei verschiedenen Plattenspielern abwechselnd abzuspielen. Er schuf eine Alternative zur Disco, die als teuer und versnobt galt. DJs spielten Musik, die im Radio nicht gespielt wurde, da sie "too black for the charts" war (so der damalige Ausdruck der Musikbranche).[16] Die Kultfiguren des HipHops sind nicht ohne Grund alle DJs: Kool Herc, Grandmaster Flash und Afrika Bambaataa zählen zu den Gründungsvätern des HipHop.[17] Sie waren es, welche die ers­ten HipHop-Partys in den Stadtvierteln organisierten. Un­ter­stützung bekamen sie durch B-Boys, Graffitisprayer und die MCs.

[...]


[1] Vgl. Großegger/Heinzlmaier 2002, S. 30.

[2] Vgl. Farin 2002, S. 19.

[3] Vgl. Menrath 2001, S. 2.

[4] George 2002, S. 10.

[5] Vgl. Biedert 1999, S. 37.

[6] Vgl. Häfner 2003, S. 56.

[7] Großegger/Heinzlmaier 2002, S. 30.

[8] Vgl. Ebd., S. 30 f.

[9] Büsser 2004, S. 146.

[10] Vgl. Krekow/Steiner 2000, S. 310.

[11] Vgl. Hitzler/Bucher/Niederbacher 2001, S. 104 f.

[12] Vgl. Khazaleh 2000

[13] www.jugendszenen.com, 02.11.2005.

[14] Vgl. Rose 1997, S. 142 ff.

[15] Vgl. Großegger/Heinzlmaier 2002, S. 31.

[16] Vgl. Khazaleh 2000.

[17] Vgl. George 2002, S. 41.

Details

Seiten
14
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638531665
Dateigröße
488 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v59154
Institution / Hochschule
Evangelische Hochschule Ludwigsburg (ehem. Evangelische Fachhochschule Reutlingen-Ludwigsburg; Standort Ludwigsburg)
Note
1,0
Schlagworte
Geschichte HipHop Jungen Jugend Jugendkulturen Gegenwart

Autor

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