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Freundschaften im Kindes- und Jugendalter: Ein Vergleich von realen Freundschaften und Onlinefreundschaften

Diplomarbeit 2003 174 Seiten

Psychologie - Entwicklungspsychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungen

Abbildungsnachweis

Tabellennachweis

1 Einleitung

2 Freundschaft
2.1 Grundlagen der Freundschaftsforschung
2.1.1 Der Aufbau sozialer Beziehungen als lebenslanger Prozess
2.1.2 Die Bedeutung der Peerbeziehungen in der Adoleszenz
2.1.3 Freundschaftsforschung, ein historischer Abriss
2.2 Definitionen von Freundschaft
2.3 Freundschaftstheorien
2.3.1 Inhaltsorientierte Ansätze
a.) Die Stadientheorie von Bigelow und LaGaipa
2.3.2 Strukturelle Ansätze
a.) Das fünfstufige Entwicklungsmodell von Selman
b.) Die Theorie von Youniss
2.3.3 Zusammenfassung der Theorien
2.4 Bedingungen und Korrelate von Freundschaft
2.4.1 Individuelle Korrelate und Bedingungen
a.) Alter
b.) Geschlecht
c.) Persönlichkeit
2.4.2 Beziehungskorrelate und -bedingungen
a.) Räumliche Nähe und Distanz
b.) Dimensionen und Faktoren von Freundschaft
c.) Prozess und Entwicklung einer Freundschaft
d.) Altershomogenität und Altersheterogenität
e.) Geschlechtshomogenität und Geschlechtsheterogenität
2.4.3 Zusammenfassung der Korrelate und Bedingungen

3 Spezifische Formen von Freundschaft
3.1 Freundschaften in unterschiedlichen Kontexten
3.2 Die technische Entwicklung des Kommunikationswesens: neue
Möglichkeiten durch immer neuere Technik
3.3 Die Entwicklung des Internets
3.4 Das Internet und seine wichtigsten Anwendungen
3.5 Grundlagen der computervermittelten Kommunikation
3.6 Onlinefreundschaften: zwei gegensätzliche Sichtweisen
3.6.1 Die Unmöglichkeit sozialer Beziehung im Internet
3.6.2 Die Vermeintlichkeit der Unmöglichkeit sozialer Beziehung im
Internet
3.6.3 Konsens der Debatte
3.7 Bedingungen und Korrelate von Internetfreundschaft
3.7.1 Individuelle Korrelate und Bedingungen
a.) Alter
b.) Geschlecht
c.) Persönlichkeit
3.7.2 Soziale Korrelate und Bedingungen
a.) Räumliche Nähe und Distanz
b.) Prozess der Entwicklung von Freundschaft
c.) Altershomogenität und Altersheterogenität
d.) Geschlechtshomogenität und Geschlechtsheterogenität
e.) Anonymität und Identität
3.8 Unterscheidungen von Onlinefreundschaft und realer Freund-
schaft
3.9 Kinder und Jugendliche und das Internet

4 Forschungsfragen und Hypothesen
4.1 Vergleich von Realfreundschaft und Onlinefreundschaft
4.2 Alterseinflüsse
4.3 Geschlechtseinflüsse

5 Methode
5.1 Stichprobe
5.2 Material
5.3 Durchführung

6 Ergebnisse
6.1 Teil A: Allgemeine Fragen
6.1.1 Freizeitverhalten
6.1.2 Persönliche Eigenschaften
6.2 Teil A: Computer, Internet, Telefon
6.2.1 Computernutzung
6.2.2 Internetnutzung
6.2.3 Telefonnutzung
6.3 Teil B: Freundschaften
6.3.1 Freundschaft allgemein
6.3.2 Reale Freundschaften
6.3.2.1 Realfreundschaft allgemein
6.3.2.2 Der beste Freund/ die beste Freundin
6.3.3 Onlinefreundschaften
6.3.3.1 Onlinefreundschaft allgemein
6.3.3.2 Der beste Internetfreund/ die beste Internetfreundin
6.3.4 Vergleich von realer Freundschaft und Onlinefreundschaft
6.3.4.1 Eigenschaften der Freundschaften
6.3.4.2 Direkter Vergleich der Freunde
6.3.4.3 Vergleich der Freundschaften anhand quantitativer und
qualitativer Merkmale
6.3.5 Zusammenfassung
6.4 Exkurs: Zusammenhänge zwischen Schultyp und Freundschaft
6.5 Exkurs: Zusammenhänge zwischen Freizeitgestaltung, Persönlich-
keit und Freundschaft

7 Diskussion
7.1 Teil A: Allgemeine Fragen
7.1.1 Freizeitverhalten
7.1.2 Computer, Internet und Telefon
7.2 Teil B: Freundschaft
7.2.1 Einstellung zu Freundschaft und Freundschaftsverständnis
7.2.2 Reale und Internetfreundschaft
7.2.3 Die Bedeutung der Onlinefreundschaft für Kinder und Jugend-
liche
7.3 Ausblick

8 Zusammenfassung

9 Literaturverzeichnis.

10 Glossar

11 Anhang

Verzeichnis der Abkürzungen der wichtigsten Theorien und Fachbegriffe

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsnachweis

Abbildung 1 Freizeitpräferenzen der Probanden (Antwortkategorien zusammengefasst) in Prozent (N=452).

Abbildung 2 Selbsteinschätzung der Fertigkeiten im Umgang mit dem Computer differenziert nach Alter und Geschlecht (N=452).

Abbildung 3 Häufigkeit der Internetnutzung, differenziert nach Alter und Geschlecht (N=398).

Abbildung 4 Häufigkeit der Nutzung von Internetdiensten in Prozent (N=398).

Abbildung 5a Altershomogenität und Heterogenität in RFS in Prozent (N=452).

Abbildung 5b Altershomogenität und Heterogenität in OFS in Prozent (N=452).

Abbildung 6a Geschlechtshomogenität und Heterogenität in RFS ("Hast Du mehr Jungen oder mehr Mädchen als Freunde?") in Prozent (N=452).

Abbildung 6b Geschlechtshomogenität und Heterogenität in RFS ("Hast Du mehr Jungen oder mehr Mädchen als Internet-Freunde?") in Prozent (N=452).

Tabellennachweis

Tabelle 1 Onlinenutzer in Deutschland nach Bevölkerungsgruppen 1997 bis 2002, Anteil in Prozent der Gesamtbevölkerung.

Tabelle 2 Onlineanwendungen 2002; mindestens einmal wöchentlich genutzt, in Prozent.

Tabelle 3 Stichprobenbeschreibung: Alter, Geschlecht, Schultyp; Angaben absolut und in Prozent (N = 452).

Tabelle 4 Die wichtigste Eigenschaft eines Freundes in Kategorien gefasst, Häufigkeiten absolut und in Prozent (N = 452).

Tabelle 5 Eigenschaften von Freundschaft („Wenn jemand mein Freund ist,...“), Häufigkeiten der Antwortkategorien „stimmt völlig“ und „stimmt“ absolut und in Prozent (N = 452).

Tabelle 6 Übersicht über die Hypothesen und deren Test- und Signifikanzwerte.

Tabelle 7 Testwerte für den Zusammenhang verschiedener Variablen von Realfreundschaft und Onlinefreundschaft mit Schultyp.

Tabelle 8 Korrelationen zwischen dem sozial-kommunikativen und nicht sozial-kommunikativen Freizeitverhalten sowie freundschafts-förderlichen und nicht förderlichen Persönlichkeitseigenschaften und der Anzahl der RFS bzw. OFS.

1 Einleitung

Die kommunikative Nutzung des Internets wurde durch provokative Studien in der psychologischen und soziologischen Forschungslandschaft, aber auch in der populär-wissenschaftlichen Presse vielfach diskutiert. Die Frage nach den negativen Auswirkungen dieser „neuen Art“ der Kommunikation auf das Individuum und seine sozialen Beziehungen stand dabei meist im Mittelpunkt. Es besteht jedoch eine weit über diese Frage hinausgehende Forschungstradition, die sich mit den Charakteristika und Auswirkungen von computervermittelter Kommunikation auf soziale Beziehungen beschäftigt. Wie viele andere Technologien und Entwicklungen der Psychologie nahm auch die CMC (computer mediated communication) ihren Anfang auf militärischem Terrain. Um im Kriegsfall Daten zwischen einzelnen Stützpunkten austauschen zu können, wurden einzelne Computer miteinander verbunden. Dieses Mikronetzwerk wurde vergrößert und ausgeweitet und entwickelte sich schließlich zu dem Internet, das wir heute kennen.

Die Bedeutsamkeit dieses neuen Mediums ist groß. Die ARD/ZDF-Onlinestudie 2002 berichtet von einem Anstieg von Internetnutzern um das Siebenfache seit 1997. Für das Jahr 2002 entspricht dies einer Anzahl an Internetnutzern von 44.1% der deutschen Bevölkerung über 14 Jahren.

Aus psychologischer Sicht wurde und wird diesem Phänomen in einer nahezu unerschöpflichen Anzahl von Studien Rechnung getragen. Allerdings mit einer Ausnahme: Kinder und Jugendliche wurden in den wenigsten Studien berücksichtigt oder gar als eigene Probandengruppe behandelt. Da sie aber ebenfalls steigende Nutzungszahlen aufweisen und der Computer mit all seinen Nutzungsmöglichkeiten sowohl in der Schule als auch in der Freizeit eine wachsende Rolle spielt, sollten diese neuen Einflüsse und Auswirkungen auch in der psychologischen Forschung ihren Stellenwert einnehmen.

Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die kommunikative Computer- und Internetnutzung von Kindern und Jugendlichen zu beschreiben und ihre sozialen Beziehungen aus der realen Welt und aus dem Internet zu vergleichen. Zu diesem Zweck wurde 556 Kindern und Jugendlichen im Alter von 10 bis 12 und 15 bis 17 Jahren ein Fragebogen vorgelegt, der sowohl das Mediennutzungsverhalten als auch Freundschaft thematisierte. Spezielles Interesse galt dabei den Beschreibungen des besten realen Freundes und des besten Internetfreundes, sowie dem Vergleich dieser beiden.

Kapitel 2 beschäftigt sich zunächst mit dem theoretischen Hintergrund der traditionellen Freundschaftsforschung und stellt einige Definitionen sowie Modelle und Merkmale von Freundschaft dar. In Kapitel 3 wird der Einfluss von verschiedenen Kontexten, wie z.B. dem Internet, auf Freundschaften diskutiert. Die Grundlagen der computervermittelten Kommunikation und ihre Bedeutung für die Bedingungen von Freundschaft im Onlinesetting werden beschrieben. Schließlich wird die Bedeutung des Internets für Kinder und Jugendliche thematisiert. Es schließen sich Implikationen an, die in den Forschungsfragen und Hypothesen in Kapitel 4 erläutert werden. Kapitel 5 beschäftigt sich mit der Methode der zugrundeliegenden Untersuchung, gefolgt von der Darstellung der Ergebnisse (Kapitel 6) und einer Diskussion (Kapitel 7).

2 Freundschaft

2.1 Grundlagen der Freundschaftsforschung

Soziale Beziehungen sind ein entscheidender Bestandteil menschlichen Lebens. Cohen und Wills (1985) behaupten, dass eine Person um so glücklicher und gesünder ist, je mehr soziale Kontakte sie unterhält. Doch kann diese Aussage in ihrer Universalität akzeptiert werden? Gibt es nicht qualitative und quantitative Unterschiede verschiedener sozialer Beziehungen?

2.1.1 Der Aufbau sozialer Beziehungen als lebenslanger Prozess

Von Geburt an ist der Mensch von anderen Personen umgeben. Ein Kind erlebt den sozialen Kontakt mit Eltern und Pflegepersonen, den es später in der Interaktion mit Gleichaltrigen weiterentwickelt. Die Interaktion mit Mitgliedern der peer group befähigt zum Erlernen fundamentaler sozio-kognitiver Fähigkeiten, wie z.B. Perspektivenübernahme, Kooperationsfähigkeit, Lösen von Konflikten etc. Diese Konzepte werden in der Interaktion mit Gleichaltrigen entdeckt, erarbeitet und ausdifferenziert. Soziale Beziehungen bieten dem Individuum darüber hinaus soziale Unterstützung und Sicherheit, welche Voraussetzungen für eine gesunde Entwicklung und Selbstsicherheit sind. Bei der Interaktion mit Peers gilt es, zwei Beziehungstypen zu unterscheiden. Die spezifische Gruppe Gleichaltriger, in die ein Kind eingebunden ist, z.B. die Schulklasse, ist von der dyadisch angelegten Freundschaft zu unterscheiden. Im Rahmen der vorliegenden Arbeit liegt der Schwerpunkt auf letzterer Form der sozialen Bindung. Freundschaft wird als spezifische, bilaterale Dyade zweier Individuen, die auf gegenseitige Zuneigung aufbaut, untersucht.

2.1.2 Die Bedeutung der Peerbeziehungen in der Adoleszenz

Besonders in der späten Kindheit und der frühen Adoleszenz spielen Freundschaftsbeziehungen eine entscheidende Rolle für die Entwicklung und das Wohlbefinden der Kinder und Jugendlichen (Kolip, 1992). In dieser Phase beginnt die Loslösung von den Eltern und der Aufbau eines eigenständigen sozialen Netzwerkes. An die Stelle der Eltern als Vertrauenspersonen rücken zunehmend Gleichaltrige, denen Geheimnisse und Probleme anvertraut werden und von denen Rat erfragt wird. Außerdem treten während der Pubertät immer häufiger Schwierigkeiten und Meinungsverschiedenheiten mit den Eltern auf, so dass Jugendliche mit ihren Problemen und Sorgen oft nur noch Gleichaltrige als ihre Vertraute ansehen. In diesem Alter dienen Freundschaften als „Medium der Selbstoffenbarung. Die wechselseitige Rückmeldung von Verständnis, Vertrauen und Verlässlichkeit stabilisiert zudem die Identität, so dass Freundschaften aus dieser Perspektive nahezu unentbehrlich für die gesunde Entwicklung im Jugendalter erscheinen.“ (Schmidt-Denter, 1996; S.376).

Kolip (1992) bezeichnet den Aufbau von Freundschaftsbeziehungen als eine wichtige Aufgabe des Jugendalters. Die Wichtigkeit der Peerbeziehungen wird ebenfalls durch eine Schlussfolgerung von Dworetzky (1999) unterstrichen, der interpersonale Fähigkeiten, Selbstsicherheit und soziale Kompetenz von Peerbeziehungen beeinflusst sieht. Freundschaften ist in dieser Phase der Entwicklung aus psychologischer Sicht also ein entscheidender Stellenwert beizumessen.

2.1.3 Freundschaftsforschung, ein historischer Abriss

Soziale Beziehungen standen schon früh im Interesse der psychologischen Forschung. Populär wurden sie mit der freudschen Betrachtung der Eltern-Kind-Beziehung, in der zum ersten Mal ein soziales Beziehungsgefüge detailliert untersucht und beschrieben wurde. Allerdings maß Freud der Peerbeziehung nur eine untergeordnete Bedeutung zu. Bald rückte aber das Thema Freundschaft in den Blickwinkel der psychologischen Forschung. Schon Alfred Adler (1930) sprach der Freundschaft entscheidende Bedeutung für die Persönlichkeitsentwicklung zu (nach Mannarino, 1980). Sullivan (1952, 1965; nach Mannarino, 1980) war der Erste, der eine umfassende Theorie zum Entwicklungsverlauf freundschaftlicher Beziehungen erstellte. Zur selben Zeit veröffentlichte Gesell (1949, 1956; nach Mannarino, 1980) bereits Forschungsergebnisse zum Thema Freundschaft, die auf empirisch begründeten Untersuchungen basierten. Auf der Basis von Verhaltensbeobachtungen und Interviews im Rahmen einer Längsschnittuntersuchung erstellte er ein Phasenmodell der Entwicklung freundschaftlicher Beziehungen. In den folgenden Jahrzehnten entstanden immer neue Ansätze der Beschreibung zwischenmenschlicher Beziehungen. Neben Teiltheorien finden sich auch umfassende Modelle der sozialen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen, bei denen Freundschaft als ein Bereich der Sozialisation beschrieben wird.

Die heutige Forschung basiert zwar auf den Grundlagen der Modelle und Theorien der letzten Jahrzehnte, lässt aber neuere gesellschaftliche und technologische Entwicklungen keinesfalls außer Acht. Ein wichtiges Moment der aktuellen Freundschaftsforschung stellt z.B. der Kontext dar, in dem Freundschaft entsteht und unterhalten wird. In einer Zeit zunehmender Globalisierung (Ferguson, 1992), Individualisierung (Beck, 2000) und Vernetzung scheint es daher ein logischer (Fort-) Schritt zu sein, Freundschaft mit den neuen Möglichkeiten, die sowohl die Gesellschaft als auch die technische Entwicklungen bieten, auf moderne Art und Weise zu leben. Daher sollte es auch ein Anliegen der Wissenschaft sein, Freundschaft in ihrem neuen Kontext zu untersuchen.

Im Folgenden werden Freundschaft und damit verbundene Begriffe definitorisch eingeordnet und anhand der bedeutendsten Freundschaftstheorien in den wesentlichen Facetten vorgestellt.

2.2 Definitionen von Freundschaft

Eine Definition von Freundschaft aufzustellen, fällt im Alltag meist nicht schwer. Menschen unterschiedlichen Alters haben klare Vorstellungen darüber, wen sie als Freund bezeichnen. Deshalb können Freundschaften relativ leicht von anderen Sozialbeziehungen abgegrenzt werden.

Um so schwerer fällt eine wissenschaftliche Definition von Freundschaft. Zum einen besteht ein entscheidender Einfluss der jeweiligen Fachrichtung. So werden z.B. von der Soziologie, der Philosophie oder etwa der Sozialpsychologie unterschiedliche Definitionen gebraucht. Zum anderen wird in vielen Publikationen der Versuch einer Definition ausgespart, wie Winstead und Derlega (1986) anmahnen. In einer Analyse von Arbeiten verschiedener Autoren erarbeiteten sie drei scheinbar wichtige Faktoren für Freundschaft: Gleichaltrigkeit, keine Verwandtschaft der Partner, die keine sexuelle Beziehung miteinander eingegangen sind. Allerdings üben sie Kritik an diesen Kriterien, da sowohl Personen unterschiedlichen Alters, verwandte Personen oder Personen, die eine sexuelle Beziehung miteinander eingegangen sind, sich als Freunde bezeichnen. Zum Beispiel wird von Verheirateten berichtet, die sich gegenseitig als besten Freund und beste Freundin bezeichnen (Rubin, 1985).

Auch Auhagen (1992) übt Kritik an der fehlenden und z.T. widersprüchlichen Definition von Freundschaft. Ihrer Meinung nach besteht die Gefahr eines Zirkelschlusses, wenn die Freundschaftsdefinition auf subjektiven Äußerungen zu Funktion und Inhalt von Freundschaften beruht. Deshalb stellt sie den bisherigen Versuchen einer Definition ihre eigene gegenüber, um so wesentliche Kriterien der Freundschaft zu benennen und die Abgrenzung zu anderen Sozialbeziehungen zu ermöglichen:

Freundschaft ist eine dyadische, persönliche, informelle Sozialbeziehung. Die beiden daran beteiligten Menschen werden als Freundinnen/Freunde bezeichnet. Die Existenz der Freundschaft beruht auf Gegenseitigkeit; sie besitzt für jede(n) der Freundinnen/Freunde einen Wert, welcher unterschiedliches Gewicht hat und aus verschiedenen inhaltlichen Elementen zusammengesetzt sein kann. Freundschaft wird zudem durch vier weitere Kriterien charakterisiert: 1. Freiwilligkeit: bezüglich der Wahl, der Gestaltung, des Fortbestandes der Beziehung. 2. Zeitliche Ausdehnung: Freundschaft beinhaltet einen Vergangenheits- und einen Zukunftsaspekt. 3. Positiver Charakter: unabdingbarer Bestandteil von Freundschaft ist das subjektive Element des Positiven. 4. Keine offene Sexualität. (Auhagen, 1992, S.17)

Problematisch an diesem Ansatz ist, dass er sich ausdrücklich auf Erwachsene bezieht und formelle Beziehungen, wie Ehe- und Familienbeziehungen ausschließt. Wie bereits erwähnt, benennen aber Verheiratete und unter ihnen v.a. Männer ihre Ehefrau als beste Freundin, so dass dieses Kriterium fraglich erscheint.

In einer Sichtweise, die auf die Entwicklung sozialer Beziehungen ausgerichtet ist, wird Freundschaft durch ihren Verlauf charakterisiert. Adams und Allan (1998) definieren Freundschaft als dynamischen, sozialen Prozess, der von Individuen gestaltet wird, die eine Freundschaft aufbauen, entwickeln, verändern, erhalten und beenden. Nach Furman (1982) ist Freundschaft charakterisiert durch folgende Faktoren: eine Beziehung von Gleichen, nicht (eng) miteinander verwandten, gleichaltrigen Personen, die durch spontanes, freiwilliges Aufsuchen des anderen, helfend-unterstützendes, nicht-sexuelles Verhalten geprägt ist und auf Reziprozität beruht. Es handelt sich dabei um eine dyadische Beziehung; Gefühle werden anders empfunden als auf Gruppenebene; reife Freundschaft ist reziprok, freiwillig und kann jederzeit beendet werden. Howes bezeichnet Freundschaft wie folgt: „A stable affective, dyadic relationship marked by preference, reciprocity, and shared positive affect.“ (Howes, 1987, S.253). Ebenso wird Freundschaft definiert als „eine andauernde Beziehung zwischen zwei Individuen, charakterisiert durch Loyalität, Intimität und gegenseitige Zuneigung.“ (Vasta, Haith & Miller, 1999, S.637)

Unter all diesen Definitionen findet sich allerdings keine, die sich ausdrücklich auf die Freundschaft von Kindern bezieht. Es kann aber nicht davon ausgegangen werden, dass Freundschaft im Kindesalter von den gleichen Merkmalen geprägt ist wie im Erwachsenenalter. Denn ein Kind sieht sich im Laufe seiner sozialen Entwicklung vor viele anspruchsvolle Aufgaben gestellt. Eine entscheidende Aufgaben ist es, soziale Kognitionen zu entwickeln. Unter sozialen Kognitionen versteht Schuster (1994) Prozesse der Informationsaufnahme und Informationsverarbeitung, welche die soziale Umwelt zum Gegenstand haben. Daraus entsteht die Fähigkeit, soziales Verständnis zu entwickeln und Sozialbeziehungen aufzubauen. Sowohl die sozialen Fähigkeiten eines Kindes als auch seine Bedürfnisse wandeln sich im Laufe der Entwicklung, so dass eine allumfassende Definition von Kinderfreundschaften und darauf folgenden Jugendfreundschaften schwer, wenn nicht gar unmöglich erscheint. Deshalb muss die Definition von Freundschaften in der Kindheit und dem Jugendalter schlicht bleiben und sich auf die wesentlichen Attribute beziehen. Ein einsamer, jedoch sinnvoller Versuch stammt in diesem Zusammenhang von Rubin (1980), der Kinderfreundschaften als außerfamiliäre Beziehungen definiert, welche sich durch Gefühle von Zugehörigkeit und Identität auszeichnen.

Betrachtet man die Definitionen, welche die Freundschaftsforschung hervorgebracht hat, so scheinen v.a. die Aspekte der Freiwilligkeit, Wechselseitigkeit und emotionalen Verbundenheit von Bedeutung zu sein. Zudem wird wiederholt das Konzept einer Idealform von Freundschaft behandelt, die in der Bezeichnung „bester Freund“ zum Ausdruck kommt.

In Anlehnung an die dargestellten Definitionen wird der Begriff Freundschaft in der vorliegenden Arbeit eingegrenzt auf freiwillige, enge dyadische Beziehungen zwischen Personen gleichen Geschlechts, die auf wechselseitiger Zuneigung und emotionaler Verbundenheit basieren.

Auch wenn in allen Altersklassen zumeist von relativ altershomogen Freundschaften berichtet wird (z.B. Booth, 1972; Evans & Wilson, 1949; Furfey, 1927; Lowenthal, Thurnher & Chiraboga, 1975; Riley & Foner, 1968; nach Brown, 1990), beschränkt sich die vorliegende Arbeit nicht auf Freundschaften unter Personen gleichen Alters, sondern bezieht auch solche mit größeren Altersabständen ein. Unter altershomogenen Freundschaften wird bei Jugendlichen einen Altersunterschied der Freunde von bis zu 12 Monaten verstanden (Hartup, 1976). Ansonsten wird von altersheterogenen sozialen Beziehungen gesprochen. Durch soziale Normen und gesellschaftliche Strukturen wird ein Kontakt zu unterschiedlichen Altersklassen häufig erschwert und ist deshalb selten zu finden. Wird allerdings die Erweiterung sozialer Grenzen durch die mediale Vernetzung im Internet berücksichtigt, erscheint es sinnvoll, im Rahmen der vorliegenden Arbeit nicht grundlegend eine Altershomogenität der untersuchten Beziehungen anzunehmen.

Eine Einschränkung auf gleichgeschlechtliche Dyaden ist naheliegend. In der Literatur wird fast ausschließlich berichtet, dass diese v.a. bei Kindern und Jugendlichen den größten Teil der sozialen Beziehungen ausmachen (z.B. Hartup, 1993; Tesch, 1983; siehe Kap 1.4.2). Trotz der neuen Bedingungen, die das Internet mit sich bringt, erscheint die Beibehaltung der Beschränkung auf gleichgeschlechtliche Freundschaften auch im Rahmen der vorliegenden Arbeit sinnvoll, da für die Zielsetzung der Untersuchung eine Unterscheidung zwischen Freundschafts- und Liebesbeziehung gewährleistet werden sollte.

2.3 Freundschaftstheorien

Verschiedene Theorien beschreiben einen Phasenverlauf bei der Entwicklung von Freundschaften und eine Veränderung über die Lebensspanne hinweg. Das bedeutet, dass Freundschaften dynamische soziale Prozesse darstellen. Sie werden aufgrund verschiedener Motive gegründet, aufrechterhalten und beendet. Sie erfüllen unterschiedliche soziale Bedürfnisse, bewirken unterschiedliches Handeln und haben unterschiedliche Ausprägungen in Faktoren wie gegenseitige Abhängigkeit, Ausmaß und Intensität der Interaktion, gegenseitiges Verständnis, Ähnlichkeit der Kommunikation, gegenseitige Verbundenheit und Verpflichtung und Ähnlichkeit der sozialen Netzwerke von Freunden (Parks & Floyd, 1996; Parks & Roberts, 1998).

Nachfolgend werden die wichtigsten Freundschaftstheorien in ihren Grundzügen dargestellt. Dabei wird zwischen inhaltsorientierten und strukturellen Ansätzen unterschieden.

2.3.1 Inhaltsorientierte Ansätze

Diese Ansätze basieren hauptsächlich auf der Forschung der Personwahrnehmung und untersuchen, wie Kinder sich selbst und ihre Freunde sehen und beschreiben. Es geht darum, Aussagen darüber treffen zu können, was generell unter dem Begriff „Freund“ verstanden wird und welche Erwartungen an ihn gestellt werden. Sowohl der konkreten Freund eines Kindes, als auch der Freundschaftsbegriff, den ein Kind entwickelt stehen im Interesse dieser Ansätze.

Die inhaltsorientierten Ansätze verfolgen verschiedene Forschungsfragen, so z.B. das Alter der Kinder, ab dem sie fähig sind, Kameradschaft von persönlich eingegangenen Freundschaften zu unterscheiden oder die Frage nach den Freundschaftsmotiven, also den Gründen weswegen eine Freundschaft eingegangen und aufrechterhalten wird. Im Interesse der inhaltsorientierten Forschung steht ebenso die Frage nach Charakteristika von Freundschaft, deren Häufigkeiten in verschiedenen Altersstufen und deren quantitative Veränderung während der Entwicklung. Altersspezifische Veränderungen von Freundschaftskonzepten konnten z.B. dadurch dargestellt werden, dass man die Erwartungen der Kinder an ihre Freunde untersuchte. Einen entscheidenden Beitrag auf diesem Gebiet leisteten Bigelow und LaGaipa (1995).

Inhaltsorientierte Ansätze legten den wissenschaftlichen Grundstein für die Entwicklung von Freundschaftstheorien. Sie sind allerdings mit methodischen Mängeln behaftet und sollten daher nur als Modelle mit heuristischem Wert angesehen werden. Deshalb bieten sie Anstöße für weitere Forschung und können in einem rückschließenden Prozess auf der Grundlage empirisch gut fundierter Ergebnisse neu bewertet werden.

a.) Die Stadientheorie von Bigelow und LaGaipa

Als Beispiel für die inhaltsorientierten Ansätze wird die Stadientheorie von Bigelow und LaGaipa dargestellt. Die empirische Grundlage des Modells bilden Aufsätze, welche die Probanden, Schüler im Alter von 6 bis 14 Jahren, im Rahmen einer Klassenarbeit schrieben. Bigelow und LaGaipa baten die Schüler ihre Erwartungen an den besten gleichgeschlechtlichen Freund zu beschreiben und den Begriff „Freundschaft“ zu definieren. Die Aufsätze wurden inhaltsanalytisch ausgewertet. Nach Überarbeitungen und kulturübergreifenden Validierungsstudien entstand 1977 ein Modell, das drei Stadien umfasst, denen neun Dimensionen zugeordnet sind. Die Stadien sind dabei abhängig vom Alter und beschreiben einen Entwicklungsverlauf mit einem Wechsel von einem egozentrischen über ein soziozentrisches bis hin zu einem empathischen Freundschaftsverständnis. Die Stadien bauen kumulativ aufeinander auf, d.h. Entwicklungsschritte früherer Stufen werden nicht von höheren abgelöst, sondern stehen gleichzeitig zur Verfügung.

Das erste Stadium wird von den Autoren als situationales Stadium bezeichnet, bei dem gemeinsame Aktivitäten, eine positive Bewertung des anderen („sich mögen“) und räumliche Nähe die entscheidenden Momente der Freundschaft darstellen. Die Erwartungen an einen Freund sind an konkrete Situationen gebunden, relativ oberflächlich und auf egozentrische Kosten-Nutzen-Gedanken gestützt. Dieses Stadium wird in einem Alter von sieben bis acht Jahren angesiedelt. Im zweiten Stadium, dem Vertrauensstadium, spielt die gegenseitige Bewunderung von Verhaltensweisen und Charaktermerkmalen die Hauptrolle. Die Freundschaft ist auf dieser Ebene bereits als zeitlich andauernd zu bewerten. Dieses Stadium erreichen Kinder etwa ab dem neunten Lebensjahr. Das dritte Stadium der Freundschaftsentwicklung wird als internal-psychologisches Stadium bezeichnet. Es ist geprägt von gegenseitiger Akzeptanz, Loyalität und Verpflichtung, Aufrichtigkeit und Echtheit, gemeinsamen Interessen und Intimität. Der Freund wird zu einer einzigartigen, nicht einfach austauschbaren Bezugsperson. Dieses Stadium wird zwischen zehn und dreizehn Jahren erreicht.

In Frage gestellt werden müssen die Ergebnisse von Bigelow und LaGaipa allerdings insofern, als ihre empirischen Ergebnisse nicht immer eindeutig sind und sie eine relativ freie Interpretation der Aufsatzdaten vornehmen. Das Kategoriensystem und die Gewichtung der Aussagen erscheint zuweilen willkürlich (Schuster, 1994). Außerdem können im Rahmen einer Klassenarbeit keine validen Aussagen erwartet werden, da die Kinder unter Leistungsdruck stehen und persönliche Angaben gegenüber dem bewertenden Lehrer eventuell nicht äußern wollen. Verzerrungen durch soziale Erwünschtheit sind daher sehr wahrscheinlich. Das Stadienmodell von Bigelow und LaGaipa kann in Anbetracht der methodischen Mängel nicht als gut validiertes Stufenmodell herangezogen, sondern sollte eher als Pioniermodell angesehen werden, das weitere Studien fordert und diesen einen Ansatzpunkt zur Forschung offeriert.

2.3.2 Strukturelle Ansätze

Die strukturellen Ansätze betrachten Entwicklung von Freundschaftskonzepten im Zusammenhang mit der Entwicklung kognitiver Strukturen im Sinne Piagets. Eine wichtige Gemeinsamkeit der Theorien ist der Stufencharakter. Freundschaft entwickelt sich im Laufe der Kindheit und Jugend bezüglich verschiedener Aspekte. Diese Aspekte werden von den Theorien aufgegriffen, untersucht und beschrieben. Dadurch lassen die strukturellen Ansätze der Freundschaftsforschung ein sukzessive aufsteigendes Niveau von Freundschaft im Laufe der Entwicklung erkennen. Die Basis für die strukturellen Ansätze bilden die Ideen von Piaget, Kohlberg und Mead. Strukturelle Freundschaftstheorien stammen unter anderem von Sullivan, Damon, Selman und Youniss. Im Folgenden werden exemplarisch zwei theoretische Modelle dargestellt.

a.) Das fünfstufige Entwicklungsmodell von Selman

Selmans Hauptinteresse galt der Frage nach der Bildung, Aufrechterhaltung und Beendigung von Freundschaften. Piagets Einfluss bestand durch das Postulat der entwicklungsbedingten Veränderung interpersonaler Beziehungen. Zudem spielt die von Mead thematisierte Fähigkeit der Perspektivenübernahme bei Selman eine entscheidende Rolle.

Im Rahmen eines breit angelegten Forschungsprogramms zur Entwicklung sozialen Denkens entstanden die Arbeiten zum Thema Freundschaft. Freundschaft ist für Selman nur einer von mehreren Bereichen des interpersonalen Verstehens. Dazu gehören das Individuum, die peer group und die Eltern-Kind-Beziehung. Jeder dieser Bereiche untergliedert sich in verschiedene Themen. Für Freundschaft nennt Selman die Themen Zustandekommen der Freundschaft, Enge und Intimität, Vertrauen, Eifersucht, Konflikt und Konfliktbewältigung und Beendigung der Freundschaft.

Seine Erkenntnisse gewann Selman aus sog. Dilemma-Interviews. Dazu gab er den Probanden hypothetische „Freunde-Dilemmas“ nach Piagets Vorbild, der „méthode clinique“. Er befragte mit dieser Methode 93 männliche und weibliche Versuchspersonen im Alter zwischen 3 und 32 Jahren. Mit den Ergebnissen stellte Selman ein fünfstufiges Entwicklungsmodell des Freundschaftskonzeptes mit diskreten, sequentiell invarianten Stufen auf:

Stufe 0 bezeichnet Freundschaft als momentane physische Interaktion. Diese ist angesiedelt im Alter zwischen drei und sieben Jahren (vorherrschend im Kindergarten). Äußere Merkmale wie Ähnlichkeit und Nähe sind von entscheidender Bedeutung. Das Kind kann den eigenen Standpunkt nicht von dem eines anderen unterschieden. Freundschaft ist auf dieser Stufe noch sehr instabil und bezieht sich häufig nur auf die aktuelle Interaktion. Enge Freunde sind diejenigen, mit denen das Kind momentan spielt. Wenn Konflikte auftreten, wird dabei meist um Spielsachen gestritten. Unstimmigkeiten werden nicht als Wettkampf angesehen, der persönliche Gefühle widerspiegelt.

Die darauf folgende Stufe 1 bezeichnet Selman als die der einseitigen Unterstützung. Diese Stufe durchlaufen Kinder im Alter von vier bis neun Jahren (vorherrschend in der Grundschule). Sie ist dadurch gekennzeichnet, dass das Kind fähig ist, die eigene Perspektive von der anderer zu unterscheiden. Als Freund wird die Person angesehen, welche die eigenen Ziele fördert und Bedürfnisse befriedigt oder sich dem eigenen Standard anpasst. Allerdings sind sich die Partner der persönlichen Vorlieben und Abneigungen des anderen bewusst.

Auf Stufe 2 herrscht die sog. „ Schönwetterkooperation “ vor. Kinder befinden sich zwischen dem sechsten und zwölften Lebensjahr in dieser Phase. Das Kind ist nun in der Lage, die Perspektive des anderen in seine Handlungen einzubeziehen. Selman bezeichnet dies als reziproke Beziehung, die Kooperation und Annäherung durch wechselseitige Anpassung schafft. Wünsche des anderen werden berücksichtigt. Eine Schönwetterbeziehung ist auf dieser Stufe gegeben, da sie noch sehr instabil ist und Freundschaft als Möglichkeit zur Erfüllung vieler Einzelbedürfnisse angesehen wird, nicht jedoch zur Erfüllung gemeinsamer Interessen.

Stufe 3 bezeichnet eine Freundschaft, die auf Intimität und gegenseitiger Unterstützung basiert. Kinder auf dieser Stufe sind zwischen 9 und 15 Jahren alt (vorwiegend in der Pubertät). Die Fähigkeit, sowohl die eigene Perspektive, als auch die des Freundes und die eines hypothetischen Dritten einzunehmen, ist ausgebildet. Gemeinsame Interessen beider Partner stehen im Vordergrund. Es besteht nun eine dauerhafte affektive Bindung der Partner, die meist exklusiven und teilweise sogar besitzergreifenden Charakter besitzt. Auf dieser Stufe ist es möglich, geringere Konflikte zu bewältigen und wechselseitige Intimität und Unterstützung zu erfahren.

Stufe 4 beschreibt Selman als autonome Interdependenz. Diese Stufe tritt etwa ab dem zwölften Lebensjahr ein. Die nun sehr enge Freundschaft dient der gegenseitigen sozialen Unterstützung und Weiterentwicklung der Identität durch die Identifikation mit dem anderen. Allerdings können nicht alle Bedürfnisse einer Person in der Freundschaft erfüllt werden. Um gegensätzliche Bedürfnisse zu befriedigen und die eigene Selbstverwirklichung zu fördern, gehen die Partner andere Freundschaften ein. Auf beiden Seiten entsteht im Idealfall eine Toleranz für andere Bindungen. Die Freundschaft ist ein Teil des sozialen Kontextes beider Personen.

An Selmans Modell muss allerdings kritisiert werden, dass es kaum durch adäquate Validierungsstudien gestützt wurde. Zudem wird den Autoren ein undifferenzierter Umgang mit den Interviewdaten vorgeworfen, bei dem v.a. die Zusammenfassung und Mitteilung der Ergebnisse der Interviews Mängel aufweist (Schuster, 1994).

b.) Die Theorie von Youniss

Ausgehend von den Arbeiten Piagets und Sullivans erstellte Youniss eine Freundschaftstheorie, die sich wie die Modellvorstellung Sullivans mit dem Entwicklungsverlauf von Freundschaftsbeziehungen zu Gleichaltrigen und deren Bedeutung befasst. Sullivan war Pionier auf dem Gebiet der strukturellen Freundschaftsforschung, da er sich von der damals vorherrschenden psychoanalytischen Tradition abwandte.

Youniss’ Theorie basiert auf der Vorstellung der aktiven Rolle des Kindes bei der Konstruktion der sozialen Wirklichkeit. Diese Konstruktion geschieht in sozialen Interaktionen. Youniss unterscheidet zwei Stufen von Interaktionsverhalten. Zum einen gibt es das Interaktionsverhalten der komplementären Reziprozität. Dieses ist von unilateralem Charakter wie z.B. die Eltern-Kind-Beziehung, d.h. es besteht kein gleichberechtigtes Handeln, sondern ein Autoritätsgefälle, welches das Handeln beeinflusst. Die Kinder adaptieren Normen und Werte der Eltern. Demgegenüber steht das Interaktionsverhalten der symmetrischen Reziprozität, das bilateral angelegt ist, also auf Wechselseitigkeit beruht. Dies entspricht den gleichberechtigten Beziehungen der Kinder untereinander. Bei dieser Art der Interaktion ist es den Kindern möglich, wichtige Strategien zur Konfliktbewältigung zu erlernen. Die Kinder sind aktiv an der Konstruktion ihrer Werte und Normen beteiligt. Die Reziprozitätsthese untermauerte Youniss mit empirischen Befunden. So fand er heraus, dass Kinder mit sechs Jahren bereits zwischen der Beziehung zu den Eltern und der zu Gleichaltrigen unterscheiden.

Kindliche Freundschaftsdefinitionen erfahren qualitative Veränderungen. Für Kinder im Alter von sechs bis acht Jahren sind Freunde Spielkameraden, die sich durch freundliches Verhalten auszeichnen. Die Freundschaft ist dem Hier und Jetzt verpflichtet. Etwa mit neun Jahren entwickelt ein Kind Sensibilität für die Bedürfnisse des Freundes. Physische, materielle, schulische und emotionale Aspekte wie das Wohlbefinden des Freundes werden mit einbezogen. Im Alter von 12 bis 14 Jahren verstärkt sich der symmetrische Charakter der Beziehung. Freunde handeln nach dem Prinzip der kooperativen Reziprozität. Sie vertrauen einander und verlassen sich aufeinander. Im Laufe der Entwicklung verändert sich die Beziehung also qualitativ. Handlungen sind nicht mehr nur auf den Moment bezogen, sondern werden in einer erweiterten Zeitperspektive gesehen, die für die Beziehung wichtig ist. Freundschaft wird zum stabilen sozialen Konstrukt.

Ein weiteres Merkmal für das Entwicklungsniveau einer Freundschaft ist im Konfliktverhalten angesiedelt. Jüngere Kinder reagieren auf Konflikte meist mit aggressivem Verhalten, wohingegen ältere Kinder ein Fehlverhalten des anderen mit Ausschluss, Ärgern und Schikanen beantworten.

Die Art und Weise, wie Freundschaften entstehen, ist laut Youniss ebenfalls an ein gewisses Entwicklungsniveau gebunden. Im Alter von sechs bis sieben Jahren entsteht eine Freundschaft durch gemeinsame Aktivitäten, im Alter von neun bis zehn Jahren durch Helfen, Teilen und das gemeinsame Tun besonderer Dinge. Im Alter von 12 bis 13 Jahren entsteht Freundschaft, wenn sich die zwei Partner kennen lernen und feststellen, dass sie einander ähnlich sind.

Die Pflichten, die Freunde dem anderen gegenüber empfinden, sind ebenso stark vom Entwicklungsniveau der Freundschaft und damit auch vom Alter der Beteiligten abhängig. Zehn- bis Elfjährige empfinden es als Pflicht, dem Freund gegenüber nett zu sein. Für Dreizehn- bis Vierzehnjährige hingegen ist die wichtigste Pflicht eines Freundes protektives Verhalten. Und Jugendliche im Alter von 16 bis 17 Jahren nennen emotionale Unterstützung als erste Pflicht eines Freundes.

Youniss’ Theorie zur Freundschaftsentwicklung basiert also auf dem Entwicklungsgedanken von Freundschaft und steht in den wesentlichen Punkten im Einklang mit den Theorien von Selman, sowie Bigelow und LaGaipa. Betrachtet man allerdings die Altersangaben der Autoren Selman und Youniss, so fällt auf, dass bei letzterem eine deutliche Altersverschiebung nach oben hin zu bemerken ist.

Kritisch an Youniss’ Theorie erscheint hauptsächlich sein methodisches Vorgehen. Seine Aussagen stützen sich einzig und alleine auf kindliche Berichte. Auf dieser Grundlage valide, theoretische Konstrukte zu erarbeiten, erscheint relativ schwierig und ist oft auf vage Interpretationen angewiesen. Zudem sind die Aussagen der Probanden von Youniss teilweise unzutreffend generalisiert worden (Wagner, 1991).

2.3.3 Zusammenfassung der Theorien

Vergleicht man die Theorien zu Freundschaft, fallen verschiedene Aspekte ins Auge, die den Theorien gemein sind. Alle Theorien - gehören sie nun dem inhaltsorientierten oder strukturellen Ausrichtung an - beschreiben hierarchisch aufeinander aufbauende Stufen, Phasen oder Stadien der Freundschaft. Diese Stadien sind in den meisten Fällen an das Alter der Probanden geknüpft. Zumindest wird für die unterschiedlichen Stufen eine Altersangabe gemacht, die sich bei der jeweiligen Stichprobe ergab. Des Weiteren beschreiben die Theorien übereinstimmend die Inversibilität der Stufen mit kumulativer Höherentwicklung. D.h. eine Entwicklung findet immer hin zu einer höheren Stufe statt, ohne auf die zuvor erworbenen Einstellungen und Verhaltensweisen verzichten zu müssen. Einmal erworbene Fähigkeiten und Fertigkeiten stehen weiterhin zur Verfügung.

Zudem schreiben die Theorien frühen Freundschaften von Kindern gleiche Charakteristiken zu. Der erste Kontakt von Kindern entsteht den Theoretikern zufolge über das Bedürfnis nach gemeinsamem Spiel. Dabei kommt räumlicher Nähe, physischen Interaktionen und gemeinsamen Aktivitäten eine unabdingbare Bedeutung zu. Freundschaft entsteht, wenn sich Kinder nett finden. Sie ist auf den Moment bezogen, also situational, und wird meist als egozentrisch, oberflächlich und instabil beschrieben.

Doch auch für die nächsten Entwicklungsschritte von Freundschaft wird in den Theorien von übereinstimmenden Erkenntnissen berichtet. Mit zunehmendem Alter werden Kinder fähig, die Perspektive des Freundes mit einzubeziehen, die Bedürfnisse des anderen sensibel wahrzunehmen und egozentrisches Verhalten durch sozial orientiertes zu ersetzten. Nicht mehr der eigene Nutzen steht im Vordergrund, sondern auch das Bedürfnis, den Freund zu beschützen. Freundschaften werden zunehmend konfliktbeständiger und stabiler.

Eine weitere wichtige Entwicklung von Freundschaft in einem fortgeschrittenen Stadium, die ebenfalls in allen vorgestellten Theorien zum Ausdruck kommt, ist die Zunahme an Loyalität, Intimität und Vertrauen der Partner. Gemeinsame Interessen sind wichtiger als physische Nähe. Die Konfliktbewältigung und die damit einhergehende Stabilität der Beziehung wächst.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass alle Theorien eine qualitative Veränderung von personzentrierter zu reziproker Freundschaft, wachsende Stabilität und eine Veränderung der Zeitperspektive vom „Hier und Jetzt“ zu einer situationsunabhängigen Perspektive hin beschreiben.

2.4 Bedingungen und Korrelate von Freundschaft

Freundschaft als soziale Kategorie steht immer in Zusammenhang mit individuellen Merkmalen derjenigen, die eine Freundschaft miteinander eingehen, sowie zu Merkmalen der Freundschaft als soziale Beziehung. Freundschaft kann nicht losgelöst von diesen Faktoren untersucht werden. Denn diese Aspekte sind die Grundsteine der Beziehung und charakterisieren ihre jeweilige Gestaltung. Unterschiedliche persönliche Aspekte wirken sich auf Interessen, Bedürfnisse und Einstellungen aus. Diese individuellen Merkmale beeinflussen wiederum die Art des Verhaltens, die Interaktion und Kommunikation in einer Freundschaft.

Im Anschluss an die Darstellung umfassender Theorien über Freundschaft, werden nachfolgend einige wichtige und interessante Ergebnisse verschiedener Studien vorgestellt, die individuelle und Beziehungsaspekte von Freundschaften untersucht haben. Diese ausgewählten Korrelate und Bedingungen von Freundschaft spiegeln Ansatzpunkte für eine empirisch-psychologische Freundschaftsforschung wider und haben also auch für die vorliegende Untersuchung entscheidende Bedeutung.

2.4.1 Individuelle Korrelate und Bedingungen

a.) Alter

Ein wichtiges Korrelat von Freundschaft ist das individuelle Alter der Kinder. Ab wann gehen Kinder z.B. eine Freundschaft ein, bezeichnen ein anderes Kind als besten Freund, unterscheiden Freundschaft von anderen Sozialbeziehungen und bewerten ihre eigenen Freundschaften auf unterschiedliche Art und Weise? Die große Anzahl der Publikationen brachte ein sehr heterogenes Bild zum individuellen Alter von Kindern in Bezug auf Freundschaft hervor. Nachfolgend seien einige Beispiele gegeben, die allerdings keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben können.

Je nach Lebensalter haben Freundschaften für das Kind eine besondere Bedeutung. Die Aufgaben von Freundschaft wandeln sich also mit der Entwicklung des Kindes. Parker und Gottman (1989) nennen für Freundschaft in der frühen Kindheit die Unterhaltung und das Spiel als Aufgabe, für die mittlere Kindheit die Selbstdarstellung und für das Jugendalter schließlich die Selbsterforschung und Selbstdefinition. Diese Aufgaben und Ziele stehen in Einklang mit Aussagen der Freundschaftstheorien. Ähnliche Beschreibungen stellen Rubin und Ross (1982) dar. Im zehnten und elften Lebensjahr dient Freundschaft demnach gemeinsamen Aktivitäten, für Vierzehn- bis Sechzehnjährige dazu, Dinge zu besprechen, die beide interessieren und in der Adoleszenz zur intimen Diskussion persönlicher Probleme und Gefühle.

Ebenso ändert sich im Laufe der Entwicklung die Einstellung zu Pflichten, die ein Freund zu erfüllen hat. Mit 10 bis 11 Jahren soll ein Freund nett sein, mit 13 bis 14 Jahren soll er Schutz sein und für Jugendliche im Alter von 16 bis 17 Jahren soll er emotionale Unterstützung bieten, berichten Rubin und Ross (1982).

Ein umfassender Ansatz zur Beschreibung des individuellen Alters im Bezug auf Freundschaften stammt von Brown (1990). Seiner Meinung nach hängen Entwicklungsveränderungen und Freundschaftsveränderungen eng zusammen. Veränderungen in Freundschaften reflektieren Entwicklungsveränderungen der sozialen und physischen Fähigkeiten. Freundschaft muss sich den altersabhängigen Gegebenheiten anpassen. Der Autor beschreibt deshalb einen „Lebensspannen“-Ansatz, nach dem jedem größeren Lebensabschnitt verschiedene Aufgaben der Freundschaft zugeordnet werden können.

In der frühen Kindheit bestehen aufgrund noch unausgereifter kognitiver und sozialer Fähigkeiten keine Freundschaften. Diese Phase gilt allerdings als Orientierungsphase für spätere Freundschaften. In der Kindheit ist nun die Fähigkeit vorhanden, Freundschaften einzugehen. Freundschaften dienen der Sozialisation und können als vereinfachte Form von Erwachsenenfreundschaften beschrieben werden. Die Erwartung an Freundschaften gewinnt zunehmend an Komplexität und die Stabilität nimmt zu. Die Adoleszenz bezeichnen die Autoren wegen der Loslösung von der Familie als ideale Phase, enge Freundschaften zu knüpfen. Da die Primärfamilie verlassen aber noch keine neu Familie gegründet wird, gewinnen Freunde an Bedeutung. Dabei übernimmt Freundschaft die wichtige Aufgabe der sozialen und emotionalen Hilfe und Unterstützung, fördert aber auch ein stabiles Selbstkonzept. In weiteren Lebensabschnitten dient Freundschaft der Anpassung (junges Erwachsenenalter), der selektiven Aufrechterhaltung von Kontakten (mittleres Erwachsenenalter) und der Einschränkung (Alter)[1].

b.) Geschlecht

Bei der Betrachtung gleichgeschlechtlicher Freundschaften im Kindes- und Jugendalter lassen sich einige Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen erkennen. Sie gehen offensichtlich unterschiedliche Typen von Interaktionen mit ihren Freunden und Freundinnen ein (Brendgen, 1996) und setzen unterschiedliche Akzente in der Freundschaft.

Mädchen unterhalten hauptsächlich dyadische soziale Beziehungen, wohingegen befreundete Jungen sich vorwiegend an Gruppenaktivitäten beteiligen und sich „Cliquen“ zugehörig fühlen (Blyth & Traeger, 1988). Entsprechende Ergebnisse fand auch Savin-Williams in einer neueren Studie (1994). Des Weiteren verbringen Mädchen mehr Zeit mit ihren Freundinnen als Jungen mit ihren Freunden (Blyth & Traeger, 1988; Wong & Czikszentmihalyi, 1991). In Jungenfreundschaften stehen gemeinsame Aktivitäten, z.B. Sport treiben oder spielen, im Vordergrund (Schmidt-Denter, 1996), wohingegen Mädchen schon früh den Austausch von Vertraulichkeiten betonen (Smollar & Youniss, 1982) und sich in größerem Maße als Jungen der Freundin mitteilen (Furman & Buhrmester, 1985; Hunter & Youniss, 1982). Reisman (1990) spricht in diesem Zusammenhang von einer größeren Selbstenthüllung („self-disclosure“). Mädchen empfinden die Hilfe, die sie der Freundin entgegenbringen und von dieser erhalten als äußerst wichtig (Bigelow & LaGaipa, 1995). In Einklang damit berichten Rubin und Ross (1982), dass Mädchen im Gegensatz zu Jungen emotionale Unterstützung als wichtigen Aspekt der Freundschaft nennen.

Sehr oft wird von Unterschieden in der erwarteten und tatsächlichen Vertrautheit oder Intimität der Freunde zueinander berichtet. Intimität wird dabei häufiger von weiblichen Probanden betont (Blyth & Traeger, 1988). Die Unterschiede bezüglich der Erwartung „Intimität“ wurden von Bigelow und LaGaipa (1995) bestätigt. Die Autoren betonen dabei aber die vorrangige Bedeutung der Unterschiede im Jugendalter. Vor und nach der Adoleszenz sind sie weniger gering. Buhrmester (1990) sowie Jones und Dembo (1989) berichten ebenfalls von stärkerer Betonung der Intimität bei Mädchen. Die Unterschiede treten dabei zum ersten Mal in der mittleren Kindheit auf und verstärken sich in der Adoleszenz.

Wright (1982) fasst den Geschlechtsunterschied in Freundschaften folgendermaßen zusammen: Freundschaften von männlichen Personen sind eine „Seite an Seite“-Beziehung („side by side“), bei der gemeinsame Aktivitäten im Vordergrund stehen. Freundschaften von weiblichen Personen entsprechen einer „Beziehung von Angesicht zu Angesicht“ („face to face“), die von gegenseitiger Kenntnis und Fürsorge geprägt sind.

c.) Persönlichkeit

Neben dem Alter und dem Geschlecht haben auch Persönlichkeitsmerkmale Einfluss auf Freundschaften. Für die Entstehung und Aufrechterhaltung von Freundschaft scheint Ähnlichkeit im Verhalten und in den Interessen der Personen sehr wichtig zu sein. Vasta, Haith und Miller (1999) bezeichnen diese Ähnlichkeit mit dem Begriff „behavioural homophyly“. Sie bezieht sich z.B. auf die von Berndt (1989) gefundene Ähnlichkeit in der „Orientierung bezüglich einer Kinderkultur“, d.h. darauf, was die Kinder gerne tun, welche Musik sie hören, welche Spiele sie spielen etc.

Doch nicht nur in ihren Interessen ähneln sich Freunde, auch in Persönlichkeitsmerkmalen finden sich Übereinstimmungen. So konnte beispielsweise Ähnlichkeit von Freunden bezüglich der Schüchternheit oder dem Aggressionsverhalten empirisch belegt werden (Kuperschmidt, DeRosier & Patterson, 1995; Poulin et al., 1997). Derartige Ähnlichkeiten unter Freunden konnten bereits in der frühen Kindheit nachgewiesen werden (Rubin, 1994). Generell wird allerdings davon ausgegangen, dass der Einfluss von Persönlichkeitsmerkmalen und Verhaltensmustern auf Freundschaft erst in der mittleren bis späten Kindheit zum Tragen kommt.

Dem Zusammenhang von Persönlichkeit und Freundschaft kommt noch eine andere Bedeutung zu. Faktoren wie soziale Kompetenz, Stress, Ängstlichkeit, Schüchternheit, Selbstsicherheit und Selbstwertgefühl, Einsamkeit und ähnliche Aspekte sind im Bezug auf Freundschaften untersucht worden und zeigen korrelative Zusammenhänge. So berichtet Hartup (1993) von positiven Korrelationen zwischen Freundschaft und Kooperation, Selbstsicherheit und altruistischem Verhalten, wohingegen Einsamkeit negativ korreliert. Ähnliche Ergebnisse fanden Newcomb & Bagwell (1996). Kinder führen weniger Freundschaften, wenn sie an emotionalen Störungen leiden, Lernbehinderungen aufweisen (Bryan, Werner & Pearl, 1982), bei ihren Klassenkameraden unbeliebt sind (Ladd, 1983), Kommunikationsschwierigkeiten haben, schüchtern oder herrschsüchtig sind (Newson & Newson, 1978). Dabei ist zu beachten, dass es sich bei den Ergebnissen lediglich um korrelative, nicht kausale Zusammenhänge handelt. Ob also Persönlichkeitsfaktoren das Freundschaftsverhalten beeinflussen oder Freundschaften sich auf die Persönlichkeit von Kindern auswirken, bleibt ungeklärt.

2.4.2 Beziehungskorrelate und Bedingungen

a.) Räumliche Nähe und Distanz

Bereits 1950 machten sich Festinger, Schacter und Back Gedanken über den Einfluss räumlicher Nähe und Distanz auf soziale Beziehungen. Sie untersuchten, mit welcher Wahrscheinlichkeit Freundschaften zwischen Personen geschlossen wurden, die weit voneinander entfernt, oder nahe beisammen wohnten. Die Ergebnisse bestätigen die Hypothese, dass Freundschaften zu dieser Zeit eher geschlossen wurden, wenn die Beteiligten nahe beieinander wohnten. Sie begründeten die Befunde wie folgt: Der Aufwand für die Aufrechterhaltung der Beziehung war bei „long-distance“ Freundschaften für die Beteiligten sehr hoch. Dadurch fehlten Motive wie emotionale Unterstützung und persönlicher Nutzen, die eine Beziehung stärken. Freundschaften mit räumlicher Nähe bedeuten demnach geringeren Aufwand bei größerem Nutzen. Schnell wurde in der Wissenschaft aus dieser Studie der Schluss gezogen, dass Freundschaft auf physischer Nähe beruht und nur in Ausnahmen über weite Distanzen funktioniert. Es lag daher nahe, in der Freundschaftsforschung einen Fokus auf Beziehungen zu legen, in denen die Partner nahe beieinander leben. Doch die Debatte um räumliche Nähe und Distanz spielt auch in der heutigen Forschung eine wichtige Rolle (Adams & Blieszner, 1993). Unter neuen gesellschaftlichen Vorzeichen, nämlich der zunehmenden Globalisierung (Ferguson, 1992) und Individualisierung (Beck, 2000), wird eine immer größere Flexibilität erwartet. Oft werden für die Aufrechterhaltung der sozio-ökonomischen Bedingungen von Personen und deren Familien Opfer gebracht. Umzüge, wenig Freizeit und ähnliche Bedingungen wirken sich auf das soziale Umfeld und Verhalten aus und haben damit unweigerlich Einfluss auf Sozialbeziehungen, besonders auf Freundschaften. Daher scheint es eine natürliche Folge moderner Gesellschaften zu sein, dass die Zahl der Freundschaften mit räumlicher Distanz zunimmt. Trotz einiger Studien, die Beziehungen auf Distanz einbeziehen, ist die Forschung auf diesem Gebiet jedoch noch recht jung und unvollständig. Da aber das Phänomen der Freundschaften auf Distanz, die z.T. ohne vorherigen „face to face“-Kontakt entsteht, immer mehr zunimmt, wird sich auch diese Lücke in der Studienlandschaft zum Thema soziale Beziehungen weiter schließen.

b.) Dimensionen und Faktoren von Freundschaft

Viele Studien beschäftigen sich mit Dimensionen oder Faktoren von Freundschaft. Es hat sich herausgestellt, dass diese Themen ebenfalls vom Alter und dem sozial-kognitiven Entwicklungsstand der Beteiligten abhängig sind. Deshalb erscheint eine Einteilung in Altersgruppen sinnvoll.

Für Kinder im Alter von drei bis fünf Jahren sind nach Hayes (1978) die Dimensionen „räumliche Nähe“, „gemeinsame Aktivitäten“, „Spiel allgemein“, die „Bewertung des anderen“ und „materieller Besitz“, z.B. von Spielsachen und Süßigkeiten von entscheidender Bedeutung. Furman und Bierman (1983) stimmen einer Einteilung in diese Dimensionen zu und fügen ihr zudem „körperliche Eigenschaften“ hinzu. Ebenso fanden Selman und Selman (1979) die Dimensionen „körperliche Eigenschaften und Besitz“ sowie „räumliche Nähe“ als entscheidende Themen der Freundschaft drei- bis siebenjähriger Kinder.

Hunter und Youniss (1982) konnten eine stetige Zunahme der Bedeutung von „Intimität“ bis hin zum neunzehnten Lebensjahr feststellen. Für Kinder nach dem Grundschulalter bis hin etwa zum sechzehnten Lebensjahr fanden Bigelow und LaGaipa (1995) sog. „reifere“ Dimensionen der Freundschaft. Sie sprechen von „Loyalität“, „Intimität“ und „Authentizität“ als wesentliche Erscheinungen. Allerdings berichten die Autoren, neben der stetigen Zunahme der genannten Faktoren, von einer nahezu gleichbleibenden Bedeutung der Themen „gemeinsame Aktivität“, „Helfen“ und „Ähnlichkeit mit dem Freund“. Die Dimensionen „Bewertung des anderen“ und „Bewunderung“ nehmen mit steigendem Alter an Bedeutung ab.

Die meisten Studien, die sich mit Dimensionen von Freundschaft befassen, bedienen sich einer faktorenanalytischen Auswertung von Interview- und Fragebogendaten. Dabei entstanden unterschiedlichste Ergebnisse bezüglich Inhalt und Anzahl der Faktoren von Freundschaft. Laut Brendgen (1996) nennen Furman und Robin (1985) 12 Faktoren, Berndt und Perry (1986) beschränken sich auf sechs Faktoren, ebenso Parker und Asher (1993) und Oswald und Krappmann (1995). Bei Bukouski, Hoza und Boivin (1993) ergaben sich fünf Faktoren. Trotz der unterschiedlichen Anzahl von Faktoren sind allen Ansätzen die Faktoren „Intimität“ und „Konflikt“ gemein.

Nach Epstein (1989) bestimmen drei Faktoren die Wahl einer Person zum Freund. Diese sind von unterschiedlicher Wichtigkeit. Die Ähnlichkeit (in Bezug auf Interessen und Werthaltungen) der Personen wird von der Autorin als Tiefenmerkmal bezeichnet. Die Altershomogenität bzw. Altersheterogenität wird als Oberflächenmerkmal beschrieben und die räumliche Nähe schließlich als sozial-ökologisches Merkmal. Diese drei Merkmale unterliegen unterschiedlichen Entwicklungsverläufen. Mit zunehmendem Alter wird die Ähnlichkeit der Partner immer wichtiger (Höhepunkt mit 12 Jahren erreicht), wohingegen die Altershomogenität und räumliche Nähe an Bedeutung verlieren (Höhepunkt bei 8 bis 10 Jahren). Epstein spricht generell von einer altersbedingten Entwicklung von Freundschaft durch zunehmende Stabilität, größere Differenziertheit des Verhaltens der Freunde untereinander und Vermeidung von Wettbewerb und damit von Konflikten.

c.) Prozess und Entwicklung einer Freundschaft

Zu Beginn des Forschungsinteresses stand eine statische Konzeption von Freundschaft, die allerdings bald von einem dynamischen Verständnis abgelöst wurde. Freundschaft wird kontinuierlich aufgebaut, entwickelt, verändert, erhalten und beendet, besitzt also einen Prozesscharakter (Adams & Allan, 1998; Brown, 1990).

Brown (1990) stellt hierzu ein Freundschaftsverlaufsmodell vor. Dieses beinhaltet drei Phasen. Zuerst versuchen Partner eine oberflächliche Ähnlichkeit zu schaffen. Ist dieser Grundstein gelegt, gewinnt die Wechselseitigkeit im Verhalten und Erleben der Freunde einen bedeutenden Stellenwert. Die dritte Phase einer Freundschaft ist geprägt von zunehmender Reziprozität, die sich mehr und mehr auf die Gesamtheit der anderen Person bezieht. Der Entwicklungsprozess einer Freundschaft mit den differenzierten Phasen gestaltet sich zudem unterschiedlich entsprechend dem Lebensalter der Freunde. Er ist abhängig von den sozialen und kognitiven Fähigkeiten, den situativen Bedingungen und Bedürfnissen der Freunde (vgl. 2.3).

d.) Altershomogenität und Altersheterogenität

Die Altershomogenität oder Altersheterogenität innerhalb einer Freundschaft ist ein weiterer Aspekt, dem das Forschungsinteresse gilt. D.h. es wird untersucht, ob Freunde gleich alt sind und wenn nicht, welche Differenz sie bezüglich ihres Lebensalters aufweisen. Normalerweise gehören Freunde der gleichen Altersgruppe an. Die Altershomogenität von Freundschaften entspricht der sozialen Alltagserwartung und wurde in unzähligen wissenschaftlichen Studien belegt (Booth, 1972; Evans & Wilson, 1949; Furfey, 1927; Lowenthal, Thurnher & Chiraboga, 1975; Riley & Foner, 1968; nach Brown, 1990). Brown (1990) konstatiert: „Most friendships, at all life stages, are ‘age-homogeneous’, that is, they involve partners who are virtually the same age“ (S. 26). Altershomogenität ist nach Meinung des Autors insofern unumgänglich, als soziale Normen, gesellschaftliche Strukturen und mangelnde Kontaktmöglichkeiten von Personen unterschiedlichen Alters heterogene Freundschaften erschweren. Berndt (1989) untersuchte Altershomogenität speziell im Kindesalter und fand ebenfalls, dass die meisten Kinder sich Freunde suchen, die ihrem Alter entsprechen.

Bis zum Alter von ca. 18 Jahren hat der Großteil der Freunde einer Person zu dieser einen Altersabstand von weniger als einem Jahr (Brown, 1990). Gerade für Kinder und Jugendliche ist daher eine Altershomogenität ihrer Freundschaften anzunehmen. Allerdings, und das ist im Bezug auf Online-Freundschaften zu bedenken, ist Altershomogenität keine Voraussetzung für Freundschaft, sondern lediglich ein sozial-strukturell bedingtes Korrelat. Auch wenn in den meisten Fällen Freundschaft eine Altershomogenität aufweist, besteht doch ebenso die Möglichkeit, in einer Freundschaft eine Altersheterogenität vorzufinden.

e.) Geschlechtshomogenität und Geschlechtsheterogenität

Kinder nennen als besten Freund und beste Freundin meist eine gleichgeschlechtliche Person (Tesch, 1983). Bei Jugendlichen ändert sich das Verhältnis zwar, doch weichen dann die Grenzen zwischen Freundschaft und Liebesbeziehungen auf (Shulman & Collins, 1997). Auch bei Adoleszenten ist die dominierende Art der Freundschaft, die mit einer Person gleichen Geschlechts (Hartup, 1993). Weitere Autoren, die sich mit Kinder- und Jugendfreundschaften befassten, fanden in erster Linie geschlechtlich getrennte Freundschaften (Eder & Hallinan, 1978; Maccoby, 1988; Oswald, Krappmann, Chowdhuri & von Salisch, 1986; Petillon, 1993, nach Brendgen, 1996; Feiring & Lewis, 1989). Laut Schmidt-Denter (1996) liegt der Anteil der gleichgeschlechtlichen Freundschaften zwischen 62 und 81%. Des Weiteren ist dieses Phänomen kulturübergreifend und laut Autor ein universaler Faktor menschlichen Sozialverhaltens. Doch ebenso wie die Altershomogenität nicht unbedingt ein genuines Merkmal von Freundschaften ist, verhält es sich auch mit der Geschlechtshomogenität. Eine Beeinflussung durch soziale Normen, gesellschaftliche Strukturen und mangelnde Kontaktmöglichkeiten von Personen unterschiedlichen Geschlechts ist denkbar, so dass geschlechtsheterogene Freundschaften durch genannte Faktoren unterbunden werden. Prinzipiell ist also auch Geschlechtsheterogenität in Freundschaften in gleichem Maße denkbar, wenn sich die sozialen Bedingungen ändern.

2.4.3 Zusammenfassung der Korrelate und Bedingungen

Freundschaft ist abhängig von verschiedenen Korrelaten und Rahmenbedingungen. Zu diesen zählen personbezogene Aspekte wie Alter, Geschlecht, Merkmale der Persönlichkeit, aber auch Beziehungsmerkmale wie räumliche Konstellation, Dimensionen und Faktoren, der Phasenverlauf der Freundschaft, sowie die Homogenität bzw. Heterogenität von Alter und Geschlecht. Zusätzlich zu den genannten Korrelaten sind noch andere denkbar, so z.B. individuelle Korrelate wie Familiensituation, Statuseigenschaften, kulturelle Einflüsse etc. Da die vorliegende Arbeit sich allerdings aus Gründen der Vergleichbarkeit auf bereits empirisch untersuchte Korrelate beschränkt, werden weitere Bedingungen der Freundschaft an dieser Stelle vernachlässigt.

Soll Freundschaft in ihrer ganzen Fülle betrachtet werden, müssen die wesentlichen Bedingungen und Korrelate integriert sein. Sowohl die individuellen Aspekte als auch die Beziehungsaspekte sind abhängig voneinander. Es ergibt sich dadurch ein sehr komplexes Netz von Einflüssen auf eine Freundschaft, das in seiner ganzen Vielfalt nicht erfassbar ist. Trotzdem sollte die Forschung bemüht sein, die Teilaspekte und deren Verknüpfung so weit wie möglich zu erfassen und zu beschreiben.

3 Spezifische Formen von Freundschaft

3.1 Freundschaften in unterschiedlichen Kontexten

Über soziale Beziehungen sagen Adams und Allan (1998) Folgendes: „they develop and endure within a wider complex of interacting influences which help to give each relationship its shape and structure“ (S. 2). Sie betonen damit die Rolle des Kontextes von Beziehungen. Nach Duck (1993) wird gerade dieser weiter gefasste Kontext, in den Beziehungen eingebettet sind, in der Forschung vernachlässigt. Das wiederum bedeutet, dass u.a. die Berücksichtigung des Kontextes „Internet“ für die Entstehung und Aufrechterhaltung von Beziehungen äußerst wichtig ist. In Einklang mit Ducks Forderungen steht die Feststellung Castells (2000), wonach sich soziale Beziehungen unterschiedlich gestalten, je nach technologischem Kontext, in dem sie geformt und aufrechterhalten werden. In den letzten 150 Jahren fand eine Entwicklung moderner Kommunikationstechnologien statt, die entscheidende Veränderungen für die Möglichkeiten der zwischenmenschlichen Kommunikation mit sich brachte, indem sie den Kontext von Beziehungen erweiterte und veränderte. Während der letzten Jahrzehnte hat diese Entwicklung mit forcierter Geschwindigkeit Einzug in die Kommunikationswelt gehalten. Eine interessante Frage stellt sich hiermit für die Wissenschaft: Wie wirkt sich die Entwicklung der Kommunikations- und Transporttechnologien auf soziale Beziehungen und insbesondere auf Freundschaften aus?

Angestoßen wurde dieser wissenschaftliche Diskurs durch folgende These Homans’ (1950): „Increased interaction leads to increased liking“ (zitiert nach Adams & Allan, 1998, S. 153). Demnach schafft jede Veränderung der Technik, welche die Aufrechterhaltung des Kontakts zwischen den Partnern vereinfacht, einen stärkeren Zusammenhalt in deren Freundschaft. Nicht nur Freunde, die weit voneinander entfernt leben, sondern auch relativ nahe beieinander wohnende Personen profitieren von den einfacheren, schnelleren und billigeren Kommunikationsmöglichkeiten. Hays (1984, 1985) konnte diese These belegen. Es besteht jedoch ein großes Defizit an Untersuchungen zu den Auswirkungen der neuesten Entwicklungen der elektronischen Kommunikationsmöglichkeiten auf Freundschaften und soziale Beziehungen.

Freundschaften funktionieren nicht in einer abstrakten, dekontextualisierten Welt. Sie werden vielmehr von Individuen, die in einem spezifischen, kontextabhängigen Setting handeln, konstruiert, d.h. initiiert, entwickelt, modifiziert, aufrechterhalten und beendet, (Adams & Allan, 1998). Zunächst muss also geklärt werden, in welcher Weise der Begriff „Kontext“ im Hinblick auf soziale Beziehungen benutzt wird. Der Kontext einer Freundschaft bezieht sich auf diejenigen äußeren Bedingungen, die Auswirkungen auf die Entwicklung und Aufrechterhaltung der Freundschaft haben, Bedingungen, welche die Freundschaft sozusagen umgeben. Welche Elemente letztendlich als bedeutend für den Kontext angesehen werden, liegt zu einem großen Teil in der Intention und der Fragestellung einer Studie oder eines Projektes begründet.

Die Berücksichtigung des Kontextes in der Untersuchung sozialer Beziehungen ist von großer Bedeutung. In der bisherigen Forschung zu sozialen Beziehungen im Internet spiegelt sich jedoch eine Kontroverse diesbezüglich ab, ob der Kontext „Internet“ hemmend (z.B. Kraut et al., 1998) oder förderlich (z.B. Utz, 2000) für die Entwicklung von Beziehungen und Freundschaften ist. Der Fokus liegt dabei auf der Frage, ob der Effekt des neuen Kontextes der Freundschaft darin liegt, soziale Isolation zu verstärken, oder ob er eine erhöhte soziale Integration bewirkt. Ebenso stellt sich die Frage, inwieweit technologische Veränderungen die räumlichen und zeitlichen Begrenzungen von Freundschaften aufheben (vgl. 3.6).

Wie bereits erwähnt, konnte in der frühen Phase der Freundschaftsforschung gezeigt werden, dass sich Freundschaften eher entwickeln, wenn die Beteiligten nahe beieinander wohnen, da unter diesen Umständen die Kosten für den Aufbau und die Pflege der Freundschaft relativ gering sind. Bei Freundschaften auf Distanz hingegen sind die Kosten hoch und die emotionale Unterstützung der Partner gegenseitig relativ gering (Festinger, Schacter & Back, 1950). Zusätzlich gewann die Untersuchung non-verbaler Kommunikation an Bedeutung, die auf dem Prinzip physischer Nähe beruht. Non-verbales Verhalten wurde als wichtiger Teilaspekt menschlicher Kommunikation betont und ist daher auch für die Freundschaftsforschung wichtig.

Im Rahmen der kommunikationstechnologischen Möglichkeiten der damaligen Zeit war es sinnvoll, Theorien zu sozialen Beziehungen zu entwickeln, die auf physische Nähe gründeten. Freundschaften entstanden durch „face to face“-Kontakt und konnten über längere Distanzen zwar unter großem Aufwand aufrechterhalten werden, hatten aber wenig Spielraum, sich weiter zu entwickeln, da eine Kommunikation der Partner erschwert und teilweise unmöglich war. Mit der Weiterentwicklung des Transport- und Kommunikationswesens allerdings, wurde es im Laufe der Zeit möglich, Freundschaften auf weite Distanzen aufrecht zu erhalten und sogar zu entwickeln. Webber formulierte bereits 1973, was heute den sozialen Alltag prägt: „For the first time in history, it might be possible to locate on a mountain top and to maintain intimate, real-time, and realistic contact with business or other associates.“ (zitiert nach Adams & Allan, 1998, S. 160).

In den neunziger Jahren fand in der Freundschaftsforschung eine Wende statt. Es wurden nun auch soziale Beziehungen untersucht, die über größere Distanzen hinweg aufrechterhalten wurden. Das Telefon und seit einigen Jahren auch das Internet liefern die nötigen Instrumente dafür. So berichtet Rohlfing (1995) zum Beispiel, dass Frauen, die eine Freundschaft mit räumlicher Distanz führen, in erster Linie über das Telefon Kontakt halten und weniger über Briefe oder persönliche Treffen.

Mit den technischen Weiterentwicklungen erweiterten sich auch die Möglichkeiten für die Entstehung von Freundschaften. Vor allem durch die Verbreitung des Internet entwickelten sich neue Formen, die unter den Vorzeichen der Veränderungen neu benannt und definiert wurden. Der Begriff der Onlinefreundschaft wurde geprägt. Parks und Floyd (1996) beschreiben Onlinefreundschaften z.B. als generell junge Freundschaften, d.h. solche, deren Entstehung nie sehr lange zurückliegt. Laut Adams und Allan (1998) bauen sie nicht in erster Linie auf gemeinsame Erlebnisse in der Vergangenheit auf und werden nicht von langjähriger Zuneigung gestützt. Außerdem leben Freunde, die sich online kennen gelernt haben, meist nicht nahe beieinander. Diese Ansätze der Beschreibung einer neuen Form von Freundschaft sind allerdings noch unvollständig und werden durch laufend neue Studien ergänzt, jedoch bleiben noch viele Aspekte von Onlinefreundschaften ungeklärt. Es bleibt z.B. zu erörtern, wie solch eine Form von Freundschaft in einem neu geschaffenen Setting entstehen kann. Doch bevor Onlinebeziehungen untersucht werden können, stellt sich die Frage, wie eine Veränderung des Kontextes möglich wurde, wie sich die Kommunikations- und Transporttechnologie entwickelte und auf welchem Stand sie am Anfang des 21. Jahrhunderts ist.

3.2 Die technische Entwicklung des Kommunikationswesens: neue Möglichkeiten durch immer neuere Technik

Soziale Beziehungen wurden entscheidend von der Entwicklung der Transportmöglichkeiten und der Kommunikationsmittel in den letzten 150 Jahren geprägt. Vor rund 200 Jahren war Kommunikation mit weit entfernt lebenden Menschen eine schwierige und zeitraubende Angelegenheit. Die Überbringung von Nachrichten an andere Personen war nur mittels Transport z.B. durch die Überbringung von Briefen möglich. Zudem war es so, dass Briefe nur dann geschrieben und übermittelt wurden, wenn sich zufällig jemand in eine bestimmte Richtung auf den Weg machte. Erst im 18. Jahrhundert war die Infrastruktur ausreichend entwickelt, so dass der Transport von Briefen und kleineren Sendungen effizient durch Postbeförderungssysteme organisiert werden konnte. Im Jahre 1919 wurde die erste regelmäßige Luftpostbeförderung zwischen London und Paris eingeführt. Ein regelmäßiger Postaustausch zwischen Europa und Amerika bestand ab 1924, wobei eine ständige Luftpostbeförderung zwischen den Kontinenten erst kurz vor dem Zweiten Weltkrieg operierte. Es war also lange Zeit nicht vorstellbar, einem Bekannten, Verwandten oder Freund einen Brief zu schreiben, nur um Kontakt zu halten, zu erzählen und Gedanken auszutauschen. Ein Teilhaben am Leben von weit entfernt lebenden Personen war so gut wie nicht möglich und wenn, dann nur mit großer Zeitverzögerung und großem finanziellen Aufwand.

Der nächste Schritt in der Entwicklung der Kommunikationstechnik war die Erfindung des Telegrafen. Dieser machte es erstmals möglich, Kommunikation von Transport zu trennen. Nachrichten konnten versandt werden, ohne dass dafür eine Wegstrecke zurückgelegt werden musste. Zudem konnten sie mit einer Geschwindigkeit übermittelt werden, welche die der herkömmlichen Möglichkeiten weit übertraf. Am 24. Mai 1844 sendete Samuel Morse die erste Nachricht von Baltimore nach Washington, nachdem er im Jahre 1837 bereits eine Strecke von 16 Kilometern mit einer drahtlosen Nachricht überbrückt hatte. Im August des Jahres 1858 war die transkontinentale Telegrafie über das transatlantische Telegrafenkabel möglich. Etwa 40 Jahre später, im Jahr 1901, gelang es Guglielmo Marconi schließlich eine drahtlose Nachricht über den Atlantik zu senden. Damit nahm die Radio- und Rundfunktechnik ihren Anfang. In diesem Zusammenhang ist oft von den „Vorfahren der Internetjunkies“ die Rede, welche die kabellose Kommunikation zu persönlichen, sozialen Zwecken nutzten und sich mit weit entfernten Personen unterhielten, während sich der Großteil der Nutzung dieser neuen Technik auf kommerzielle Zwecke beschränkte. Es bestand von nun an eine Möglichkeit, mit entfernt lebenden Freunden und Bekannten in Kontakt zu bleiben, ohne lange Transportwege und -zeiten oder -kosten auf sich nehmen zu müssen. Kommunikation in Echtzeit war über lange Distanzen möglich geworden.

Nach der Telegrafie wurde in den Jahren 1861-1864 von Johann Philipp Reis ein neuer Apparat entwickelt, dem aber die Öffentlichkeit wenig Beachtung schenkte. Erst 1876 wurde die revolutionäre neue Erfindung patentiert: der erste Telefontransmitter von Graham Bell, der seine Erfindung allerdings wesentlich auf die von Reis stützte. Bell gelang schließlich auch die erste Übertragung einer Nachricht mit dem Telefon. Die Weiterentwicklung und Etablierung des Telefons ging sehr schnell vonstatten. Um das Jahr 1890 gab es in Europa bereits rund 60.000 Fernsprechanschlüsse. Es wurde die kabellose Telefonverbindung mittels Funkwellen entwickelt, so dass im Laufe der Zeit nicht nur über UKW und Kurzwelle, sondern auch über Satellit Telefonverbindungen hergestellt werden konnten. Doch trotz der relativ rapiden Entwicklung der Technologie des Telefons wurde eine flächendeckende Ausstattung der Haushalte nicht vor den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts erreicht. Was mit der Telegrafie begann, fand in der Erfindung des Telefons schließlich seine praktische Verwertbarkeit: Die Kommunikation zweier entfernt lebenden Personen war nun im Rahmen eines Gespräches möglich geworden. Dies bedeutete, dass Kommunikation nicht mehr durch Zeitverzögerung verzerrt wurde, sondern in Echtzeit möglich war. Die Aufrechterhaltung des Kontaktes entfernt lebender Personen wurde zunehmend einfacher, schneller und billiger, so dass sie von immer mehr Menschen genutzt werden konnte.

Trotz Telefon war es nicht immer möglich, Kontakt mit Personen aufzunehmen. Die Entwicklung des Anrufbeantworters brachte auch nur bedingte Beseitigung dieses Problems. Nachrichten können zwar hinterlassen werden, wann sie abgerufen werden bleibt dabei ungewiss. Das Mobiltelefon allerdings brachte an diesem Punkt entscheidende Neuerungen. Plötzlich wurden Menschen relativ unabhängig von ihrem Aufenthaltsort erreichbar.

Neben der Entwicklung im kommunikationstechnologischen Bereich sei auch auf die Entwicklung im Transportwesen hingewiesen. Durch Schifffahrt, Flugbetrieb und PKWs wurde das Leben und die Aufrechterhaltung sozialer Kontakte zusätzlich vereinfacht, zumindest für diejenigen, die sich die neuen technologischen Errungenschaften leisten konnten.

3.3 Die Entwicklung des Internets

Die Entwicklung der Kommunikations- und Transporttechnologie machte hier jedoch keinen Halt. In den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts entstanden die Anfänge einer neuen, revolutionären und zukunftsweisenden Technologie: Das Internet wurde geboren. Mit der Entwicklung des Internet wurde ein neues Kommunikationsmedium entwickelt, das es ermöglicht mit vielen Personen weltweit und nahezu unmittelbar Kontakt aufzunehmen. Diese Art der Kommunikation ist schnell, einfach und zudem billig, vorausgesetzt die nötige Hard- und Software stehen zur Verfügung.

Die Grundlage für das Internet, wie wir es heute kennen, wurde in den sechziger Jahren in Amerika geschaffen. Für militärische Zwecke wurden mehrere Computer vernetzt, um im Kriegsfall schnell und sicher Daten austauschen zu können. Schon in den siebziger Jahren wurde das System der elektronischen Post entwickelt (E-mail), welches schlagartig Zuspruch fand und schon bald auch außerhalb des militärischen Kontextes verwendet wurde (Zakon, 1996). 1980 entstand das USENET, das 15 Computer miteinander verknüpfte. 1985 waren es bereits 1300 Computer (Musch, 1997) und bald folgte das sog. NSFNET (National Science Foundation). Es diente in Amerika dem Transfer von wissenschaftlicher Erkenntnisse. 1973 entstand das erste Netzwerk in Europa. Bald folgten weitere und schließlich wurden die über 40.000 Netzwerke in den neunziger Jahren zusammengeschlossen und formten so das Internet. In den neunziger Jahren wurde das World Wide Web (WWW) entwickelt, das dadurch charakterisiert ist, dass es eine graphische Benutzeroberfläche bietet, mit der auch Laien einfach umgehen können. Dadurch wurde es zum neuen Medium der Massen.

In Deutschland gibt es seit dem Jahr 1997 jährliche Befragungen der Bevölkerung nach deren Nutzungsgewohnheiten. In den ARD/ZDF-Onlinestudien wurden in den sechs Jahren seit 1997 jeweils repräsentative Stichproben der deutschen Bevölkerung ab dem 14. Lebensjahr befragten. In der ARD/ZDF-Onlinestudie 2002 (van Eimeren, Gerhard & Frees, 2002) wird die Entwicklung des Internets durch Vergleiche mit den Vorjahren deutlich. Waren im Jahre 1997 gerade einmal 6.5% aller Deutschen online, so nahm die Anzahl in den folgenden Jahren stetig zu und lag im zweiten Halbjahr 2002 bei 44.1%. Dies übersteigt diverse Schätzungen aus vergangenen Jahren. So nahm das Fraunhofer Institut 1998 an, dass im Jahr 2015 40% der deutschen Haushalte einen Onlinezugang haben werden. Diese Zahl wurde nach der ARD/ZDF-Onlinestudie bereits im Jahr 2000 erreicht. Seit 1997 stieg die Zahl der Onlinenutzer auf das Siebenfache an. Die Zuwachsrate ist seit zwei Jahren allerdings rückläufig. Von 1997 bis 2000 betrug sie zwischen 61% und 68%, von 2000 auf 2001 36% und auf 2002 lediglich 14%. Aus diesen Daten errechnete die Studie ein Schätzwert von 55% der gesamtdeutschen Bevölkerung, die im Jahr 2005 das Internet nutzen werden. Einige wichtige Teilaspekte der ARD/ZDF-Studie werden im Folgenden kurz dargestellt.

Das Alter und die Art der Beschäftigung spielen für die Onlinenutzung eine Rolle. Von allen Schülern, Studenten und Auszubildenden nutzen 81.1% das Internet. Hingegen sind es bei den Berufstätigen nur 59.3% und 14.8% bei den Rentnern. Die Jugendlichen im Alter von 14 bis 19 Jahren und die 20 bis 29 Jahre alten Teilnehmer haben außerdem die höchsten Zuwachsraten erzielt (Tab. 1). Des weiteren ist interessant, dass sich seit 1997 der Ort der Internetnutzung von Schule, Universität und Arbeitsplatz auf die häusliche Nutzung, also in die Freizeit verlagert hat. Die aktuelle Studie berichtet von 50.0%, die das Internet am heimischen Computer benutzen (1997: 16.0%). Zugenommen hat nicht nur die Anzahl der Internetnutzer, sondern auch die Dauer, die sie im Internet verbringen. Im Durchschnitt verbringt ein Onlinenutzer 121 Minuten pro Tag im Internet. Und auch die durchschnittliche Zahl der Tage pro Woche, an denen das Internet genutzt wird, stieg an. Waren es 1997 noch 3,3 Tage, so waren es 2002 bereits 5,0 Tage. Bei der Nutzungsdauer wurde festgestellt, dass die jüngeren Nutzer länger im Internet sind als die älteren. Jugendliche im Alter von 14 bis 19 verbringen an Wochentagen durchschnittlich 128 Minuten (Gesamtstichprobe: 112 Minuten), am Wochenende sogar 188 Minuten (Gesamtstichprobe: 144 Minuten) im Internet. Die Anzahl der Tage pro Woche, an denen eine Nutzung des Internet stattfindet, gaben 25% mit ein bis zwei Tagen an, 24% mit drei bis vier Tagen, 18% mit fünf bis sechs Tagen, und 32% nutzen das Internet jeden Tag.

Tabelle 1: Onlinenutzer in Deutschland nach Bevölkerungsgruppen 1997 bis 2002, Anteil in % der Gesamtbevölkerung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Ergebnisse bezüglich der Internetanwendungen sind für die vorliegende Arbeit von entscheidender Bedeutung. So fanden ARD und ZDF als primär genutzte Anwendung die E-mail, wie es auch schon in diversen anderen Studien belegt wurde (Kraut et al., 1998; Peris et al., 2002). 81% aller Onlinenutzer benutzen mindestens einmal in der Woche einen E-maildienst. Bei den 14 bis 19 Jahre alten Probanden waren es gar 87%. Die zweit häufigste Anwendung ist die Informationssuche mit 55%, gefolgt von ziellosem Surfen mit 54%. Bei den Vierzehn- bis Neunzehnjährigen steht Surfen an zweiter Stelle (77%) und Chatten an dritter (59%). Weitere Nutzungsformen sind in Tabelle 2 dargestellt.

Bemerkenswert ist, dass gerade die 14 bis 19 Jahre alten Jugendlichen das Internet für sich entdeckt haben. Zum einen bilden sie den größten Anteil der Internetnutzer in Deutschland. Denn obwohl sie nur 9% der Gesamtbevölkerung ausmachen, stellen sie doch 15% der Onlinenutzer in Deutschland (GfK, 2001: „Online-Monitor“ der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung). Zum anderen weisen sie auch die längste durchschnittliche Nutzungsdauer und die höchste Zahl an Nutzungstagen pro Woche auf. Außerdem unterscheiden sie sich in den am meisten genutzten Anwendungen von der Gesamtstichprobe der Onlinenutzer. D.h. die jüngste Altersgruppe setzt andere Schwerpunkte in der Nutzung. Sie legt mehr Wert auf Kommunikation als ältere Internetnutzer.

Tabelle 2: Onlineanwendungen 2002; mindestens einmal wöchentlich genutzt,

in Prozent.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.4 Das Internet und seine wichtigsten Anwendungen

Das Internet ist ein Medium, das auf den Grundprinzipien der Kommunikation basiert. Deshalb werden alle im Internet angebotenen Dienste im weitesten Sinne als Kommunikationsprozesse angesehen. Diese Kommunikationsprozesse werden unter dem Begriff der „computer mediated communication“ (CMC), also der computervermittelten Kommunikation, zusammengefasst. Ihnen steht die „face-to-face“-Kommunikation (FtF) gegenüber, die persönliche Kommunikation von Angesicht zu Angesicht. Diese Kommunikation findet ihre Verwirklichung in unterschiedlichen Anwendungen und Diensten im Internet, die sich durch die Schnelligkeit und Einfachheit der Übermittlung von kommunikativen Inhalten an Adressaten in aller Welt auszeichnen.

Nach Scholl, Pelz und Rade (1996) können zwei grundlegende Arten von Diensten im Internet unterschieden werden. Dabei handelt es sich um die sog. asynchronen und synchronen Dienste. Die asynchronen Dienste bieten einen zeitversetzten Austausch von Informationen. Im Gegensatz dazu ermöglichen die synchronen Dienste den zeitgleichen Austausch, also die Datenvermittlung in Echtzeit. Zu den asynchronen Diensten zählen E-mail, Mailinglisten, Newsgroups und das World Wide Web. Als synchrone Dienste bezeichnet man Chat, Pager, MUDs (Multi User Dungeons) und MOOs (Multi User Dungeons, Object Oriented). Im folgenden werden diese Dienste näher erläutert.

Das System der elektronischen Post (electronic mail) ist die älteste, am weitesten verbreitete und am häufigsten genutzte Internetanwendung von allen (Kraut et al., 1998). Und schon 1998 war es laut der 10. GVU-Nutzerumfrage im Jahr 1998 der Internetdienst, auf den die wenigsten Nutzer verzichten wollten. Nachrichten von beliebiger Länge können innerhalb von Sekunden an jeden vernetzten Computer geschickt werden und sind sofort abrufbar. Die meisten E-mail-Anbieter stellen ihre Dienste kostenlos oder sehr kostengünstig zur Verfügung, sodass der Zugang keine großen Barrieren in sich birgt. In den meisten Fällen ist es möglich, zusätzlich zu der Nachricht Dateien zu verschicken oder Bilder einzufügen. Als E-mail wird sowohl der Dienst der Vermittlung von Nachrichten als auch die Nachrichten an sich bezeichnet.

Das System der Mailinglisten beruht ebenfalls auf dem Versenden von E-mails, und zwar an eine Liste von Empfängern. Die Nachrichten können von Privatpersonen, Firmen und Interessengruppen an ausgewählte Empfänger gesendet werden und dienen meist der Information oder der Grundlage von Diskussionen.

Als Newsgroups oder Foren werden öffentliche Diskussionsgruppen bezeichnet, die sich in Form eines virtuellen schwarzen Brettes auf einer Internetseite zu bestimmten Themen austauschen. Beiträge sind für alle Interessierten abrufbar. Jeder Teilnehmer hat die Möglichkeit, zu bereits veröffentlichten Nachrichten Kommentare abzugeben, die ihrerseits wieder veröffentlicht und beantwortet werden. Beim E-mailen und bei Mailinglisten werden Inhalte an die Beteiligten versandt, so besteht bei den Newsgroups ein zentraler Ort, an dem sic h die Inhalte befinden. Die Aufgliederung nach Themen ist an den Abkürzungen der Gruppennamen zu erkennen. So steht beispielsweise das Kürzel „sci“ für „science“, also für wissenschaftliche Diskussionen, oder „soc“ für „social“. Eine Newsgroup oder ein Forum versteht sich selbst als Gemeinschaft, die ihre eigenen Regeln und Normen hat, an die sich die Mitglieder halten müssen. Ausschlüsse aufgrund von Regelverletzungen sind keine Seltenheit.

[...]


[1] An dieser Stelle sei - ergänzend zu den hier angeführten Ergebnissen - auf die Ausführungen in den Theorien hingewiesen, die ebenfalls auf das individuelle Alter von Freunden eingehen (Kap. 1.3).

Details

Seiten
174
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638531573
ISBN (Buch)
9783638728409
Dateigröße
1.8 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v59140
Institution / Hochschule
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Note
1,0
Schlagworte
Freundschaften Kindes- Jugendalter Vergleich Onlinefreundschaften

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Titel: Freundschaften im Kindes- und Jugendalter: Ein Vergleich von realen Freundschaften und Onlinefreundschaften