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Die Orientdarstellung im "Herzog Ernst". Die Bedeutung der Stadt Grippia und ihrer Bewohner

Hausarbeit 2019 13 Seiten

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die realen Begebenheiten

3. Die Orientdarstellung
2.1 Die Stadt ,,Grippia“
2.2 Die Bewohner ,,Grippias “

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis
5.1 Primarliteratur
5.2 Sekundarliteratur

1. Einleitung

,,Herzog Ernst" ist eins der wenigen mittelalterlichen Werke die bis heute popular und im Interesse der Menschen geblieben ist. Es handelt sich um eine Emporergeschichte, kombiniert aus verschiedenen historischen Begebenheiten. Da es bei HE1 allerdings zehn verschiedene Fassungen2 gibt, die es zu unterscheiden gilt, muss sich zunachst spezialisiert werden. In dieser Arbeit wird sich mit der Fassung B beschaftigt. Es ist die alteste komplett erhaltene Dichtung in der Volkssprache, wahrscheinlich sogar insgesamt.3 Der Autor der Fassung B des Herzog Ernst ist unbekannt. Man geht aber davon aus, dass es sich bei ihm um einen Geistlichen handelt.4

Das Werk besteht aus dem Nebeneinander von Reichsgeschichte und Orientdarstellung. Bezogen auf die Forschung, wurde bisher immer mehrteilig auf die Reichsgeschichte verwiesen. Diese Hausarbeit hingegen, legt ihren Fokus auf die Marchenwelt des Orients. Der Hauptkomplex wird dabei auf der Grippia-Episode liegen. Es wird untersucht, ob das Bild des Orients, welches im Herzog Ernst gegeben wird, eine Leistung des mittelhochdeutschen Dichters ist, oder nicht. Falls dies nicht der Fall sein sollte, wird aufgezeigt, worauf er sich sonst bezieht. Es soll geklart werden auf welche wahrhaftige Stadt oder Glauben man wahrscheinlich Bezug nimmt und was es mit den wundersamen Wesen Grippias auf sich hat. Um besser in die Untersuchung hineinzufinden, wird zunachst kurz erlautert auf welche historische Begebenheit das Geschehen Bezug nimmt und wieso HE uberhaupt in den Orient gelangt.

Die Hauptwerke die zur Untersuchung herangezogen werden, sind ,,Herzog Ernst. Ein mittelalterliches Abenteuerbuch. Philipp Reclam jun. GmbH und Co, Stuttgart 1970“, ,,Brunner, Horst: Interpretationen. Mittelhochdeutsche Romane und Heldenepen. Philipp Reclam jun., Stuttgart 1994. “ und ,,Motzen, Andrea: Curiositas. Studien zu ,,Alexander“, ,,Herzog Ernst“, ,,Brandan“, ,,Fortunatus“, ,,Historia von D. Johann Fausten “ und ,,Wagnerbuch“. Verlag Dr. Kovac, Hamburg 2016. “

2. Die realen Begebenheiten

Um auf die realen Begebenheiten genauer Bezug zu nehmen, bietet das Buch von Horst Brunner „Interpretationen. Mittelhochdeutsche Romane und Heldenepen “ von 1994 auf den Seiten 59 bis 60 eine gute Grundlage.

Wenn man in der Analyse nur vom Inhalt des HE ausgeht, entspricht dieser vor allem der Struktur der Liudolf-Emporung. Liudolf von Schwaben setzte sich 953 durch eine Revolution gegen seinen Vater Otto I., wegen machtpolitschen Intrigen, zur Wehr. Otto I. war allerdings in der Lage die Situation durch eine Belagerung seines Sohnes in Regensburg unter Kontrolle zu bringen. Daraufhin unterwarf sich Liudolf und versohnte sich mit seinem Vater.

Der einzige Unterschied ware, dass die Rolle des Protagonisten im Laufe der Handlung von dem prominenteren Ernst eingenommen wird und immer wieder dramatische Einzelepisonden in das Geschehen hineingezogen wurden.

Herzog Ernst ist durch eine erneute Heirat seiner Mutter der hoch angesehene und geschatze Sohn des Konigs Ottos. Er zahlt zu den machtigsten Vasallen der Krone (V. 632-634). Die Herrschaft Ottos, gestutzt durch die weisen Ratschlage Ernsts ist hoch angesehen und ist als eine Zeit des Friedens und der Harmonie beschrieben. Doch auch dies halt nicht lange an, denn der Pfalzgraf Heinrich ist neidisch auf diese Konstellation und schmiedet hinterrucks Intriegen gegen Ernst. Er geht zum Konig und behauptet, Ernst wollte sich gegen Otto verschworen. Nach einigen Diskussionen erliegt Otto seinen Zweifeln und das Geschehen nimmt seinen Lauf. Ernst nimmt die ungerechten Strafen die darauf folgen nicht in Kauf und setzt sich zur Wehr. Letzendlich wird aber die Reichsacht uber ihn verhangen und er begibt sich auf eine entfernte Reise um sich erneut zu beweisen.

3. Die Orientdarstellung

Wie in der Einleitung bereits erwahnt, lasst sich HE in zwei Abschnitte teilen. Die Reichs- und Orientgeschichte. In der Forschung ist es bereits bekannt, dass es sich wahrscheinlich um eine Jenseitsreise, genauer um eine Reise in den ubernaturlichen Raum handelt. Es tauchen des Ofteren Motive auf, die zwar ubernaturlich gedeutet werden konnen, aber dennoch keinen eindeutigen Beweis dafur erbringen. Die Orienthandlung dient dem Protagonisten als Mutprobe und Initiationshandlung seiner selbst. Tod und Wiedergeburt findet man haufig im Reisemotiv des Textes. Blamires stellt sich gegen die Vorstellung, dass der Orient im HE nur als innerweltlicher topographischer Raum aufzufassen sei, da man in der Handlung mythische und realistische Elemente kombiniert. Vermutlich soll der Orient nicht als eigene Welt fungieren, sondern eher als Gegenstuck zur vertrauten Heimat.5

Schon seit dem 8. Jahrhundert bereisten Pilger entfernte Lander ohne kriegerische Absichten und ab dem 11. Jahrhundert gelangte die Kreuzzugsthematik dann in das Orientbild. Dieses war gepragt durch Darstellungen der Pracht und des Reichtums aus antiken Vorstellungen. Aber auch die Erzahlungen der Pilger uber mystische Wunderwesen, ..curiositas", wurden nicht auber Acht gelassen.6

Auf den folgenden Seiten soll sich nun mehr mit den Abenteuern Ernsts im Orient beschaftigt werden. Die Episode uber Grippia stellt ein gutes Bild uber die Vorstellungen des Autors dar. Er beschreibt hier unter anderem die waffentechnische Uberlegenheit der Grippianer und auch hier steht die Kreuzzugsthematik und der Kampf gegen die Heiden im Vordergrund. Man bekommt also einen guten Einblick in die Kampftechniken der Bewohner und uber das Orientbild des Autors.

3.1 Die Stadt „Grippia“

Im HE herrscht Klarheit uber die Orientvorstellungen und man macht dies durch reichliche Details sichbar. Szklenar schreibt in seinem Werk, dass der Autor des HE

„[...] nicht das Bild einer bestimmten orientalischen Stadt heraufbeschworen will, sondern gewissermafien die orientalische Stadt uberhaupt entwirft, wie er sie sich vorstellt. “ 7

Grippia ist die einzige Stadt die in diesem groben Umfang im Roman beschrieben wird. Im Blickpunkt stehen also vorrangig die Vorstellungen des Autors vom unbekannten Land als reale geographische Tatsachen uber den Orient.

Die Reise beginnt in Ungarn (V. 2011), verlauft durch Bulgarien (V. 2033), Griechenland (V. 2036) und schlieblich Konstantinopel (V. 2039). Anschliebend soll es nach Palastina gehen, doch die Naturgewalten stellen sich ihnen in den Weg. Die Episode beginnt mit einem starken Seesturm, welcher Ernst und seine Untertanen in den Orient bringt. Kuhnel sieht darin ein erzahlerisches Mittel, das den schlagartigen Ubergang vom Bekannten ins Unbekannte aufzeigt.8 Nun befinden sie sich in Grippia (V. 2206), welches wohl in der Nahe von Indien zu denken ist.

Andrea Moltzen schreibt in ihrer Analyse zu HE, dass Grippia als Tor in eine ubernaturliche Welt dient. Der plotzlich auftretende Seesturm unterstreicht den Ubergang vom Bekannten in der unbekannte neue Land.

Bedenkt man die Umstande, namlich dass Herzog Ernst mit seinen Gefahrten zuvor mehrere Monate auf offener See gesegelt war und die Not immer grober wurde, erscheint der Seesturm und die daraus resultierende Ankunft in Grippia als eine positive Wendung des Geschehens.

,,Fruo wider einen morgen,

do der tac uf gienc,

der luft lutern gevienc.

Do wart gestillet diu not.

Lieht wart der morgen rot

Und wart daz weter harte guot,

als ez nach ungewitere tuot.

Der himel wart vil wol gevar,

daz mer luter nde clar:

ouch gelagen die winde,

die sie da vor so swinde

wurfen her unde dar.

Die helde wurden gewar

Daz in trost wolde nahen. “9

[...]


1 Im Folgenden wird aus platzsparenden Grunden „Herzog Ernst" immer mit HE abgekurzt.

2 HE-A, entstanden in der zweiten Halfte des 12. Jahrhunderts, HE-B, in zwei vollstandigen Handschriften des 15. Jahrhunderts, HE-D, entstanden in der zweiten Halfte des 13. Jahrhunderts, HE-C, lateinische Prosa aus der zweiten Halfte des 13. Jahrhunderts, HE-Erfurt, erste Halfte des 13. Jahrhunderts, HE-E, datierbar auf das zweite Jahrzehnt des 13. Jahrhunderts, HE-F, wahrscheinlich im 15. Jahrhundert in Augsburg entstanden, Volksbuch vom Herzog Ernst, gekurzte Version von F, HE-G, aus dem 14. Jahrhundert (Vgl. Brunner, Horst: Interpretationen. Mittelhochdeutsche Romane und Heldenepen. Philipp Reclam jun., Stuttgart 1994. S. 61-63).

3 Vgl. Brunner, Horst: Interpretationen. Mittelhochdeutsche Romane und Heldenepen. Philipp Reclam jun., Stuttgart 1994. S. 59.

4 Vgl. Szklenar, Hans: Studien zum Bild des Orients in vorhofischen deutschen Epen. Vandenhock und Ruprecht Verlag, Gottingen 1966. S. 151.

5 Vgl. Motzen, Andrea: Curiositias. S. 216.

6 Vgl. Munkler, Marina/ Rocke, Werner: Der ordo-Gedanke und die Hermeneutik der Fremde im Mittelalter. Die Auseinandersetzung mit dem monstrosen Volkern des Erdrandes. In: Die Herausforderung durch das Fremde. Hrsg: Munkler, Herfried. Akademischer Verlag, Berlin 1998. S. 711.

7 Vgl. Szklenar. S. 156f.

8 Vgl. Moltzen, Andrea: Curiositas. S.219.

9 Vgl. Herzog Ernst. Ein mittelalterliches Abenteuerbuch. Vers 2190-2203.

Details

Seiten
13
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783346166227
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v591286
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
2
Schlagworte
bedeutung bewohner ernst grippia herzog orientdarstellung stadt
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Titel: Die Orientdarstellung im "Herzog Ernst". Die Bedeutung der Stadt Grippia und ihrer Bewohner