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Bildung im Zeitalter der Reformation: Melanchthon und Luther

Seminararbeit 2003 17 Seiten

Pädagogik - Geschichte der Päd.

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Das Mittelalter: Lebensumstände und Bildungsperspektive
II.1 Literalität und Alphabetisierung im Mittelalter

III. Beginn der Neuzeit und die Anfänge des Humanismus
III.1 Die Reformation in Deutschland
III.2 Geschichtlicher Überblick über die Ereignisse um die Reformation
III.3 Melanchthons pädagogische Gedanken
III.4 Martin Luthers pädagogische Gedanken

IV. Quellen

I. Einleitung

Humanismus und Reformation gelten als zwei Bewegungen, die den Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit markieren. Philip Melanchthon und Martin Luther sind zwei namhafte Vertreter dieser Bewegungen. Diese Zeit hatte auch Auswirkungen auf das Bildungswesen, die teilweise bis heute Bestand haben und somit für uns immer noch spürbar sind.

Um die Reformen von damals aber in ihrer Tragweite verstehen zu können, ist es natürlich zunächst erforderlich einen Blick auf die Verhältnisse im 16. Jahrhundert zu blicken. Dabei sollen sowohl der Bildungsstand der Menschen zu dieser Zeit als auch die geschichtlichen Ereignisse eine Rolle spielen.

Im Anschluss daran werden die einzelnen Verdienste und Versuche von Luther und Melanchthon näher betrachtet werden.

II. Das Mittelalter: Lebensumstände und Bildungsperspektive

Zur Kontrastierung mit den folgenden gesellschaftlichen und bildungspolitischen Umwälzungen soll hier nochmals kurz auf die Lebensumstände des Mittelalters eingegangen werden: wichtig ist vor allem die Betonung des vorherrschenden, unerschütterlichen Ständebewusstseins.

Schärfer als bisher bildeten sich besondere Stände heraus [...]. Neben den geistlichen trat der ritterliche und nach ihm der bürgerliche Stand. Alle drei wurden als gottgewollte Ordnungen empfunden [...]. Der Bauernstand spielte politisch wie gesellschaftlich keine Rolle. Er wurde auch geistig am meisten vernachlässigt.[1]

Dabei war einzig einer privilegierten Schicht Zugang zur Bildung gewährt; nämlich der Schicht des erstarkten Klerus, d.h. vor allem Priestern und Mönchen. Das Mittelalter ist in diesem Sinne „[...] dominant [als] eine Klerikerkultur [...]“[2] zu verstehen. Diese hatte nicht den Erkenntnisgewinn oder die Wissensvermittlung im heutigen Sinne als Ziel, sondern die Erziehung zu christlichem Verhalten mittels Festigung und Weitergabe von festen Wissensbeständen.

Empirische Forschung und Erkenntnisgewinn als solche galten eher als verwerflich denn als erstrebenswert. Die einzige Wahrheit lag fundiert in verbürgten Werken anerkannter biblischer Autoren und durfte keinesfalls angezweifelt oder gar hinterfragt werden:

[...] jene typische mittelalterliche Auffassung von Studium und von der menschlichen Bildung, die auf festen, durch anerkannte Autoren verbürgten Wissensbeständen ruht, welche es weiterzugeben und zu erläutern gilt, an denen aber nicht gerüttelt werden darf.[3]

Die Philosophie wird hier als Magd der Theologie verstanden. Eine scholastische, schulenhaft verfestigte Struktur des Wissens und die Auslegung der Schriften der Väter als primärer Arbeitsmodus sind die Konsequenz. Mittels philosophischer Beweisführung wird die christliche Glaubenslehre begründet.

Hinzu kam die von der Kirche an alle Bevölkerungsmitglieder propagierte Jenseitsausrichtung, die folgende, vor Gott gerechtfertigte, Ordnung des Lebens sicherte: „[...] ständisch geordnete Welt in der Dreiheit von Betenden, Kriegern und Arbeitenden.“[4] Diese Ordnung wurde von allen anerkannt, denn trotz differenzierter Lebensläufe sind alle gleich, wenn auch nur vor Gott und erst nach dem Tod. So wurde dann das Bildungsmonopol des geistlichen Standes als ebenso gottgewollt hingenommen wie das Unwissen der breiten, arbeitenden Bevölkerungsschichten (sei es auf dem Land oder in den sich entwickelnden Städten). Zu diesem Zeitpunkt der Geschichte kann man zusammenfassend demzufolge von einer Gleichsetzung von Wissen und Glauben sprechen.

II.1 Literalität und Alphabetisierung im Mittelalter

Betrachtet man exemplarisch die Verbreitung der Lese- und Schreibfähigkeit im Mittelalter, so erhält man einen klaren Eindruck des Bildungsstandes der einzelnen Bevölkerungsschichten.

„Wer, so darf man einfach fragen, war im Mittelalter eigentlich des Lesens und Schreibens kundig?“[5] Es ist wohl eine Ursache für die soziale Macht der Geistlichkeit, dass nur der Klerus ( und auch dieser nur zu geringem Anteil) die Kunst des Lesens und Schreibens beherrschte. Dem Bauernstand war diese Fähigkeit selbstredend verwehrt, aber überraschend erscheint es, dass „[w]eder die regierenden Fürsten noch der Adel, weder die Ritter noch die Kaufmannsleute [...] des Schreibens und Lesens kundig [...]“[6] waren. Die Ursachen für diese Situation sind vielfältig; besonders ausschlaggebend jedoch ist sicherlich, dass „[...] der Erwerb der Schreib- und Lesefähigkeit bis ins hohe Mittelalter gleichzusetzen ist mit dem Erwerb der Schreib- und Lesefähigkeit im Lateinischen.“[7]

In diesem Sinne sind natürlich „[d]ie Versuche zu einer Liturgie in der Volkssprache und zur Kritik des Klerikermonopols [...] als Zäsuren beim Übergang zur frühen Neuzeit [...]“[8] zu werten und kündigen die beginnende Differenzierung zwischen Glauben und Wissen ebenso an wie die Bestrebungen nach einer Bildung für alle, die trotz der inquisitorischen Verfolgungen der Kirche nicht aufzuhalten waren. Denn natürlich interpretiert die Kirche die Kritik des alten Wissens, die mit der neuen Zeit einhergeht, nicht zu Unrecht als Bedrohung; die beginnende Abstützung des Wissens aus der Erfahrung, der Wert, der auf die Anwendbarkeit und Nützlichkeit gelegt wird, und die Dynamik, die das Wissen in der Zuwendung zur Welt gewinnt, lassen die alten Autoritäten kämpferisch aufmerksam werden.

[...]


[1] Weimer/Jacobi: Geschichte der Pädagogik. Berlin: deGruyter 1992. S. 32.

[2] Tenorth: Geschichte der Erziehung. München: Juventa 1992. S. 55.

[3] Pleticha: Weltgeschichte – Entdecker und Reformatoren. Gütersloh: Bertelsmann 1996. S. 232.

[4] Tenorth: Geschichte der Erziehung. S. 55.

[5] ebd. S. 52.

[6] ebd.

[7] ebd. S.53.

[8] Ladurie: Montaillou. Ein Dorf vor dem Inquisitor. Berlin: 1983. S. 253f..

Details

Seiten
17
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638531016
Dateigröße
486 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v59075
Institution / Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg – Institut für Pädagogik
Note
2
Schlagworte
Bildung Zeitalter Reformation Melanchthon Luther Pädagogik Sozialutopien Neuzeit

Autor

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