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Sprachkritik (Anglizismen, Fachsprache) - Konzept für die Unterrichtseinheit

Hausarbeit (Hauptseminar) 2005 32 Seiten

Didaktik - Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Warum sollen sich die SchülerInnen mit diesem Thema beschäftigen?

III. Unterrichtsentwurf
III.1 Erläuterung des Unterrichtsverlaufs
III.2 Tabellarische Stundenverläufe
III.3 Abkürzungsverzeichnis zum tabellarischen Stundenentwurf
III.4 Begriffe, die die SchülerInnen lernen bzw. wiederholen/festigen sollen
III.5 Ziele der Unterrichtseinheit

IV. Sprachbuch und Sprachunterricht zum Thema „Sprachkritik“ in der Sek.

V. Bibliografie
V.1 Sprachbücher
V.2 Sekundärliteratur

VI. Anhang

Arbeitsblätter

I. Einleitung

Viele Lehramtsstudierende des Faches Deutsch gehen davon aus, dass sie später im Unterricht in der Sekundarstufe II (Sek. II) vor allem Literatur unterrichten werden. Vereinzelt hört man auch Aussagen wie folgende: „In der Oberstufe kann ich endlich mit meinen Schülern auch mal etwas machen, das mich interessiert und das mir Freude bereitet.“ Damit ist in den allermeisten Fällen Literaturunterricht gemeint, genauer gesagt das Lesen von anspruchsvoller neuerer und neuester Literatur. Der Literaturunterricht ist bei vielen StudentInnen beliebter als der Sprachunterricht[1] und deshalb beinhaltet die wiedergegebene Aussage zwei wichtige Punke. Zum einen macht sie deutlich, dass der Sprachunterricht in den vorangehenden Klassen als Belastung empfunden wird, der aber, um bei den Schülern die Fähigkeit des normgerechten Sprechens und Schreibens zu erreichen, notwendig ist. Zum zweiten steckt darin die Behauptung, dass diese Entwicklung mit dem Eintritt in die Oberstufe abgeschlossen ist; zusätzlich liegt der Aussage die fälschliche Annahme zugrunde, dass in der Sek. II kein Sprachunterricht mehr gegeben werden müsse[2]. Die Rahmenrichtlinien (RRL) des Landes Sachsen-Anhalt belehren spätestens den zukünftigen Deutschlehrer hier eines besseren.

Außerdem verrät ein Blick in die RRL, dass der Bereich „Reflexion über Sprache“ nicht nur nicht mit der Sek. I abgeschlossen ist, sondern eine weitere Beschäftigung mit diesem Thema für die auch noch in diesem Alter fortschreitende Entwicklung der sprachlichen Kompetenz der SchülerInnen vonnöten ist. Zusätzlich offerieren die in den RRL obligatorisch angegeben Themen interessante Möglichkeiten, um unser Wissen und das der Schüler über Sprache mit nützlichen Aspekten zu erweitern, so dass Sprachunterricht nicht unbedingt als Last angesehen werden muss.

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit Sprachunterricht in der Sek. II und möchte als Beitrag verstanden werden mit den aufgezeigten Vorurteilen zu brechen. Im Zentrum der Arbeit steht ein Unterrichtsentwurf zur Unterrichtseinheit „Sprachkritik (Anglizismen, Fachsprache)“. In einer Begründung soll zunächst dargelegt werden, warum es sinnvoll ist, sich mit dieser Thematik auseinanderzusetzen. Anschließend wird der Verlauf der Unterrichtseinheit vorgestellt, der die Potenziale von Sprachunterricht hinsichtlich des Weckens von Interesse für Sprache bei den SchülerInnen als auch der Förderung ihrer Sprachkompetenz erkenntlich machen wird. Im Anschluss daran wird sich allgemein mit Sprachunterricht in der Sek. II beschäftigt sowie die Nutzungsmöglichkeiten des Sprachbuchs für diesen analysiert. Ergänzt werden an dieser Stelle auch andere Auffassungen von einer Unterrichtseinheit „Sprachkritik“ und deren Folgen für das Unterrichten.

II. Warum sollen sich die SchülerInnen mit diesem Thema beschäftigen

Wer von uns hat noch nie bei der Hotline eines Unternehmens angerufen oder das Service Center einer Firma aufgesucht? Wer besitzt heute kein Handy oder surft nicht im Internet ? Wer hat nicht schon einmal von der neuen Modesportart Nordic Walking gehört? Wem wurde noch nicht in der Werbung empfohlen, seine Toilette mit einem WC-Reiniger lemon fresh zu putzen?

Zweifellos Anglizismen oder Amerikanismen begegnen uns überall im alltäglichen Leben[3]. Sie sind teilweise sogar ein fester Bestandteil der deutschen Sprache geworden, ob dies notwendigerweise geschehen ist oder ob man auch auf sie verzichten kann oder muss, ist eine Frage, die sich vielen stellt und die in der Unterrichtseinheit ebenfalls besprochen werden soll. Ohne dass der Unterricht dabei den Anspruch erhebt bei dieser Problematik zu einer abschließenden Antwort zu kommen, die wohl auch gar nicht gefunden werden kann.

Reicht dieser Sachverhalt aber aus, um damit die Behandlung des Themas „Sprachkritik“ mit den Schwerpunkten Anglizismen und Fachsprache zu rechtfertigen, oder was ist es, dass ein Thema relevant für SchülerInnen werden lässt und damit auch für den Unterricht. Fritzsche nennt folgende vier „[…] verschiedene[n] empirische[n] Vorgehensweisen […]“ (Fritzsche 1994a, 28), um „[…] Erziehungs- und Unterrichtsnormen festzulegen […]“ (Fritzsche 1994a, 28):

Man orientiert sich an Lehrplänen und den Anforderungen von Abschlussprüfungen,

man befragt die „Abnehmer“, also die nächsthöheren Bildungsinstitutionen bzw. die Vertreter der Berufe,

man vertraut dem Urteil von „Experten“,

man orientiert sich an den Inhalten, Zielen und Aufgaben der Fachwissenschaft (Fritzsche 1994a, 28).

Obwohl diese Orientierungshilfen von Fritzsche zu Recht mit dem Hinweis, dass diese Entscheidungen „[…] im theoretischen Diskurs ermittelt werden“ (Fritzsche 1994a, 28) müssen, kritisch beurteilt werden (vgl. Fritzsche 1994a, 29) soll an dieser Stelle kurz überlegt werden, ob sie für das Thema „Sprachkritik“ als Bestätigung für eine Auseinandersetzung im Unterricht dienen.

Die RRL setzen im Themengebiet „Sprachgeschichte“ sowohl die obligatorische Behandlung von „Perioden in der Entwicklung der deutschen Sprache“ als auch die von „Sprachwandel, Entwicklungstendenzen in der deutschen Sprache der Gegenwart“ fest (vgl. RRL Sachsen-Anhalt 2003, 135). Als weitere Empfehlungen wird die Auseinandersetzung mit dem „neuzeitlichen[n] […] [und] gegenwärtige[n] Deutsch“ sowie die Diskussion von „Integration, Internationalisierung und Differenzierung […]“ (RRL Sachsen-Anhalt 2003, 135) in der deutschen Sprache gegeben. Außerdem sollen die SchülerInnen laut RRL einen

Überblick über die Differenziertheit von Erscheinungs- und Verwendungsformen von Sprache (Sprachdifferenzbewusstheit) besitzen [und] Einsicht in die historisch-gesellschaftliche Bedingtheit von Sprache erhalten und auf Sprachwandel in Vergangenheit und Gegenwart achten (RRL Sachsen-Anhalt 2003, 133).

Damit liefern die RRL in jedem Fall eine Rechtfertigung für die Behandlung des Themas „Sprachkritik“ im Unterricht der Klassenstufen 11/12.

Wenn man weiterhin bedenkt, dass die zukünftigen Abnehmer der Abiturienten, nach einem etwaigen Studium oder einer Ausbildung, Firmen und Unternehmen sind und sich dann einmal Stellenanzeigen ansieht, merkt man schnell, dass viele Berufsbezeichnungen heutzutage in englischer Sprache zu finden sind (vgl. Arbeitsblatt 1 zum Unterrichtsentwurf: Stellenanzeigen in der Frankfurter Rundschau (FR) vom 16.11.2002). Möchte man sich auf eine solche Stelle bewerben, ist es erforderlich überhaupt zu wissen, welches Aufgabenfeld einen erwarten wird. Ob man dafür dann auch im Berufsalltag Anglizismen verstehen kann, ist damit freilich noch nicht gesagt. Hinzu kommt, dass die Unterrichtsreihe keine Englischkenntnisse vermitteln soll (das bleibt doch eher die Aufgabe des Englischunterrichts). Aber es ist im Berufsleben oder auch schon in Ausbildung und im Studium erforderlich, sich in der entsprechenden Fachsprache ausdrücken zu können. Diese Notwendigkeit und die Vorteile von Fachsprachen zu erkennen zählt aber zu den Zielen der Einheit.

Zu den von Fritzsche genannten „Experten“ darf man zum einen sicherlich die Autoren der RRL zählen, deren Empfehlung bereits beleuchtet wurde, aber auch die Schulbuchautoren[4] gehören dazu. Hier sind die in den Sprachbüchern vorzufindenden Kapitel zum Thema „Sprachkritik“ ein Indiz dafür, dass auch diese eine Auseinandersetzung mit der Thematik für sinnvoll und förderlich erachten (vgl. Sprache und Kommunikation, Texte, Themen und Strukturen und Texte und Methoden 13).

Abschließend lassen die unzähligen Publikationen innerhalb der Fachwissenschaft zu den Themen „Anglizismen“ und „Fachsprache“ auf eine Relevanz der Themen innerhalb der Germanistik schließen. Aber auch das Seminarangebot der Germanistischen Sprachwissenschaft an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg mit Veranstaltungen wie „Veränderungen im deutschen Wortschatz der Gegenwart“ legt einen solchen Schluss nah.

Soweit scheint eine solche Unterrichtseinheit wie die vorgelegte gerechtfertigt zu sein. Jedoch „[…] reicht [es] nicht aus, sich umstandslos an geäußerten Interessen und Wünschen zu orientieren, denn sie können unecht, missverstanden und manipuliert sein.“ (Fritzsche 1994a, 29). Schon die RRL lassen den LehrerInnen einen gewissen Freiraum, inwiefern sie die obligatorisch zu bearbeitenden Themen mit Inhalt und Leben füllen, und damit eine Verantwortung Themen auszuwählen, die von Nutzen sind. Dabei müssen die PädagogInnen immer die Ich-Entwicklung des einzelnen Schülers im Kopf haben (vgl. Fritzsche 1994a, 30). Unter dieser Prämisse muss zuallererst die Aufnahme des Themas in den Unterricht begründet werden.

Ein Ziel, das sich der Autor dieser Arbeit mit seinem Unterrichtsentwurf gesetzt hat, ist die Förderung des Sprachbewusstseins[5] der SchülerInnen. Eine wichtige Fähigkeit ist es zu verstehen und zu durchschauen, wie Sprache wirkt und wie mit ihr gearbeitet, in vielen Fällen auch manipuliert, wird. Diese Einsicht soll durch die Auseinandersetzung mit Anglizismen gewonnen werden, insbesondere durch die Beschäftigung mit den Gründen für die Aufnahme von englischen Ausdrücken in die deutsche Sprache. Dabei kann einerseits erkannt werden, dass manche Begriffe unnötigerweise im Deutschen genutzt werden, weil die Sachverhalte genauso gut mit deutschem Vokabular ausgedrückt werden könnten; andererseits kann im gleichen Schritt der Sprachreichtum des Deutschen aufgedeckt werden, der den Wortschatz der SchülerInnen erweitern kann. Dies ermöglicht einen sicheren Umgang mit der deutschen Sprache und durch das Erfassen der Vorteile von unterschiedlichen Existenzformen des Deutschen die zielgenaue und den Sprachsituationen entsprechende Verwendung von Sprache. Beides sind Fähigkeiten, die in der heutigen Sprachgesellschaft von großer Wichtigkeit für die Angehörigen einer Sprechergruppe sind.

III. Unterrichtsentwurf

III.1 Erläuterung des Unterrichtsverlaufs

Das Thema „Sprachkritik“ lässt sich innerhalb der RRL dem Punkt „Sprachwandel, Entwicklungstendenzen in der deutschen Sprache der Gegenwart“ unterordnen. Aus diesem Grund und da mit diesem Thema verschiedene Ziele unterschiedlicher Art verfolgt werden können, kann es sich an die Unterrichtssequenzen „Sprachnormen“, „Kommunikation“ und „Sprachgeschichte“ anschließen.

Die Unterrichtseinheit ist für einen Deutschleistungskurs in der 12. Jahrgangsstufe angelegt und umfasst fünf Stunden, davon eine Doppelstunde. Sie kann aber auch genauso gut in einem Grundkurs mit entsprechenden Abstrichen in den Schülerergebnissen durchgeführt werden.

In der 12. Klasse steht für alle SchülerInnen die Entscheidung an, welcher weitere berufliche Weg eingeschlagen werden soll. Eine Ausbildung und oft auch ein Studium werden in Hinblick auf einen bestimmten Berufswunsch ausgewählt. Deshalb sind Stellenanzeigen nicht allzu weit vom Leben der Jugendlichen entfernt. Aus diesem Grund wurden sie als Einstieg gewählt, außerdem ist die ansteigende Zahl von englischen Berufsbezeichnungen in jüngster Zeit auffällig. Die SchülerInnen werden also mit einem Arbeitsblatt, auf dem Stellenangebote abgedruckt sind, konfrontiert und werden nach Auffälligkeiten gefragt. Es darf erwartet werden, dass sie dabei schnell auf die Anglizismen kommen werden. Daraufhin nennt der Lehre das Thema der Unterrichtseinheit und erläutert den Inhalt bei Bedarf. Zu begrüßen wäre es, wenn die SchülerInnen selbst eine Vorstellung davon hätten und diese auch äußerten, was sich hinter „Sprachkritik“ verbirgt. Insgesamt soll für diese Sequenz gelten, dass sich der Lehrer nach Möglichkeit immer zurückzieht und nur im Hintergrund aktiv ist. Dies gilt insbesondere für die Diskussionen; in diesem Alter sollten die SchülerInnen in der Lage sein, diese selbstständig zu führen. Das setzt die Fähigkeiten voraus

[…] sich über anspruchsvolle Themen in freier Rede zu äußern, sowie Zuhören als kommunikatives Handeln [zu] erfahren und Strategien des […] Argumentierens, Erörterns und Interpretierens bewusst einsetzen [zu] können (RRL Sachsen-Anhalt 2003, 128).

Für diese Einheit wird davon ausgegangen, dass die SchülerInnen im Besitz des Sprachbuches Texte, Themen und Strukturen sind, was gleichzeitig impliziert, dass Texte aus anderen Sprachbüchern vom Lehrer als Arbeitsblätter dargeboten werden. Im Anschluss an die Stellenanzeigen wird nun in Texte, Themen und Strukturen auf Seite 378 der Text in der Klasse vorgelesen. Anschließend sollen sich die SchülerInnen dazu äußern, ob sie den Gebrauch der hier genannten Anglizismen für sinnvoll und gut erachten und ihre Meinung begründen. Hier wird also die erste Möglichkeit zur Übung des Diskutierens geboten, was immer auch schon als Vorarbeit für die zu erstellende Erörterung am Ende der Sequenz zu verstehen ist. Es ist zu hoffen, dass sich dabei vor allem ein SSG entwickelt und kein LSG.

Dann werden die Schülerinnen aufgefordert mit einem Partner Aufgabe a) auf Seite 378 zu lösen und nach weiteren Anglizismen im Deutschen zu suchen, die zusätzlich noch nach ihrem Grund für die Aufnahme ins Deutsche sortiert werden sollen, sofern den SchülerInnen eine Gruppierung möglich erscheint. Davon wird sich erhofft, dass sie sich darüber bewusst werden, dass Anglizismen sowohl Sachverhalte beschreiben, für die es keine deutsche Entsprechung gibt, als auch solche, für die Entsprechungen existieren. In diesem Zusammenhang kann auch ein versteckter Grund für die Aufnahme, nämlich die Manipulation durch Sprache, erkennbar werden. Es sind allerdings unterschiedliche Einteilungen zu erwarten. Auch in der Fachwissenschaft gibt es dafür unterschiedliche Ansätze.

Leisi und Galinsky gehen davon aus, daß die Einführung vom fremden Wortgut in eine andere Sprache durch die Unzulänglichkeit der Muttersprache motiviert ist, in die es ein neues Denkkonzept einzufügen gilt, das es a) bislang noch nicht gab und b) für das es demzufolge im muttersprachlichen Wortschatz noch keinen Ausdruck gibt. Das Vermögen der Muttersprache wird also durch die Hinzunahme fremdsprachlicher Ausdrücke verfeinert. (Fink 1995, 2f.)

Diese Fälle der Übernahme bewertet Yang als sachliche Gründe (vgl. Yang 1990, 6), denen „Übernahmen wie Cowboy, Farm, Western […] [gegenüber stehen], die sich auf das kulturelle, gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben der Vereinigten Staaten beziehen […]“ (Yang 1990, 6) und deshalb aus „gefühlsmäßigen“ Gründen aufgenommen wurden. Yang und Fink verweisen beide auf Galinsky und dessen sieben Gründe, hinzu kommt bei Yang Pfitzners Einteilung in fünf Kategorien: „(1) Kolorit, (2) sprachliche Ausdruckskraft, (3) Sprachökonomie, (4) Ton, (5) Affekt“ (Yang 1990, 7). Hier wird bereits deutlich, dass die oben erwähnte Einteilung (deutsche Entsprechung oder nicht) nicht ausreicht. Es wäre auch, wie von Yang getan, eine Aufteilung in konventionalisierte Anglizismen (die allgemein bekannt und gebräuchlich sind), solche, die sich noch auf dem Weg dorthin befinden, und jenen, die nur in spezifischen Situationen gebraucht werden (Zitatwörter), denkbar (vgl. Yang 1990, 9). Bei allem darf nicht vergessen werden, darauf hinzuweisen, dass schon früher Wörter aus anderen Sprachen entnommen und in die deutsche Sprache übernommen wurden (deshalb bietet sich das Unterrichten dieser Einheit auch nach der Sequenz „Sprachgeschichte“ an). Warum sollte dies heute anders sein? Viele Jahrhunderte beeinflusste das Lateinische die deutsche Sprache, welches dann „[…] durch die heutige Dominanz des Englischen abgelöst“ (Steinig/Huneke 2004, 195) wurde, wenngleich der Übergang nicht von jetzt auf gleich geschah.

Die Ergebnisse der Partnerarbeit werden anschließend in der Klasse vorgestellt und bei Bedarf diskutiert. Der Lehrer hält wesentliche Kategorien an der Tafel fest. Falls nötig weist er auch auf so genannte false friends hin; dies sind englische oder englisch klingende Wörter im Deutschen, die man im Englischen aber gar nicht kennt oder zumindest nicht in der Verwendung kennt. Prominentestes Beispiel hierfür ist das Handy; sie beinhalten aber auch „Kürzungen von Zusammensetzungen“ wie happy end statt happy ending und „Kürzungen von Einzelwörtern“ wie pulli von pullover (vgl. Yang 1990, 13). Gerade diese false friends sind sehr interessant, wenn man über die Gründe für die Übernahme von englischen Begriffen ins Deutsche spricht, und sollten deshalb auch unabhängig davon, ob Beispiele von den SchülerInnen genannt werden, erwähnt werden.

Als Hausaufgabe sollen auf S. 380 der Text oben gelesen werden und die Aufgaben 1 a)-c) gelöst werden. Bei der Besprechung der HA zu Beginn der nächsten Stunde (Doppelstunde) soll die Haltung der Sprachschützer zunächst nicht diskutiert werden, das geschieht noch an späterer Stelle (besonders in der Erörterung). Trotzdem ist die Bearbeitung der Teilaufgaben a) und b) sinnvoll, weil sie das Textverständnis überprüfen und damit auch die Voraussetzung für die Beantwortung von c) darstellen. Diese Vorarbeit dient weiterhin als Vorbereitung auf das Erörtern.

[...]


[1] Warum dem so ist, müsste im Rahmen einer anderen Arbeit untersucht werden. Vermutlich entscheiden sich die meisten AbiturientInnen aber zu einem Lehramtsstudium Deutsch, weil ihnen die Arbeit oder das Lesen von Literatur Freude bereitet und weniger weil sie sich gerne mit der Analyse von Sprache beschäftigen, zumal sie dies während der Schulzeit kaum kennen lernen. Allerdings ist auch die Lesefreude unter Studierenden nicht immer sehr ausgeprägt.

[2] Zu klären, worin diese Annahme begründet liegt, ist nicht Aufgabe dieser Arbeit. Es ist jedoch zu vermuten, dass viele Studierende selber keinen Sprachunterricht in der Sek. II erhielten; zumindest verhielt es sich in der Schulzeit des Autors dieser Arbeit so.

[3] Dies ist nicht erst eine neuere Entwicklung, sondern sie begann schon im 19. Jahrhundert (vgl. Yang 1990, 1). „Im 20. Jahrhundert hat sich der englische Einfluß [dann] ständig verstärkt.“ (Yang 1990, 1) Yang untersuchte für seine Studie das Auftreten von Anglizismen im Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL in den Jahrgängen 1950, 1960, 1970 und 1980. Insgesamt kommt er auf eine Anzahl von 3646 types und 10070 tokens, was einer Häufigkeit von 3 token pro Seite entspricht (vgl. Yang 1990, 26f). Dabei ist festzustellen, dass die „[…] Verwendungsfrequenz der Anglizismen pro Seite fast ständig zugenommen hat.“ (Yang 1990, 27) Dieses Ergebnis unterstreicht die Bedeutung von Anglizismen in der deutschen Sprache.

[4] Die Sprachautoren selbst haben natürlich auch nicht die einzige Entscheidungsgewalt über den Inhalt der von ihnen verfassen Sprachbücher, sondern müssen sich an Fachlektoraten, ministeriellen Gutachtern, RRL, Erlassen und Vereinbarungen orientieren (vgl. Lesch 1998, 125).

[5] Heute wird auch häufig von der language awareness gesprochen.

Details

Seiten
32
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638530996
Dateigröße
545 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v59073
Institution / Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg – Germanistisches Institut
Note
2
Schlagworte
Sprachkritik Fachsprache) Konzept Unterrichtseinheit Sprachunterricht

Autor

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