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Geschlechtsspezifische Disparitäten in den Sportengagements Jugendlicher

Hausarbeit 2005 11 Seiten

Sport - Sportsoziologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Körper und Sozialisation

3. Entwicklungskonzeptionen
3.1 Biogenetische Entwicklungskonzeption
3.2 Umweltdeterministische Konzeption
3.3 Strukturgenetische Konzeption
3.4 Interaktionistische Konzeption

4 Hintergründe und Auswirkungen geschlechtsspezifischer Sozialisation
4.1 Rollenerwartungen und Geschlechterstereotype
4.2 Illustration differenter Sozialisationsprozesse
4.2.1 Elterlicher Einfluss
4.2.2 Außerfamiliäre Handlungsräume
4.2.3 Schönheitsideale
4.2.4 Leistungserwartungen
4.3 Auswirkungen differenter Sozialisationseinflüsse

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

Geschlechtsspezifische Disparitäten in den Sportengagements Jugendlicher

1. Einleitung

"Frauensport ist ein sinnloser Aufstand gegen die eigene Anatomie!"

Wenngleich dieses Zitat einer bekannten Comedyserie („Eine Schrecklich nette Familie“) entstammt, ist auch heute die dahinterstehende Gedankenwelt leider noch nicht aus allen Köpfen verschwunden.

Dies ist ein eindeutiger Indiz dafür, dass sportliche Aktivität geschlechterdifferenziert betrachtet, angeregt und gewertet wird. Könnte daher ein geschlechtertypisches Sportengagement angenommen werden, dessen Unterschiede primär auf soziologische und nicht auf biologische Prozesse zurückzuführen ist?

Um dieser These nachzugehen, sollen im Folgenden verschiedene Entwicklungskonzeptionen, geschlechtsspezifische Sozialisationsprozesse und deren Auswirkungen auf die Sportaktivität von Jungen und Mädchen erörtert werden.

2. Körper und Sozialisation

Sportsoziologen beschäftigen sich mit der bewegungs- und sportbezogenen Sozialisation.

Der Sozialisationsbegriff meint im allgemeinen den Prozess der Integration des Individuums in die Gesellschaft unter Aneignung der soziokulturell gültigen Normen und Werte.

In diesem Kontext wird davon ausgegangen, dass motorische Entwicklung ein sozial beeinflusstes Kulturprodukt ist. Konkret bedeutet dies, dass heute ein 70jähriger Mann ein anderes motorisches Profil hat als ein derzeit 50jähriger in 20 Jahren (vgl. Baur, 1994).

Im Zentrum der Untersuchungen steht die Frage, wie sich der Körper in Auseinandersetzung mit der sozialen Umwelt entwickelt und wie wir über die soziale Umwelt zum Sport hingeführt oder vom Sport abgehalten werden. Man versucht Faktoren, die Einfluss auf den Entwicklungsverlauf haben, zu ergründen Diesbezüglich ist die Berücksichtigung des Anlage-Umwelt-Problems unumgänglich. Es konnte ein genetischer Einfluss auf die Motorik festgestellt werden, der nicht nur das Niveau eines auszubildenden Merkmals, sondern auch die Geschwindigkeit der Merkmalsentwicklung mitbestimmt. So müssen sensible Lernphasen angenommen werden, in denen motorische Entwicklungsprozesse mit hoher Geschwindigkeit ablaufen. Diese genetische Prädetermination in Veränderungen des Bewegungsverhaltens werden unter den Begriff Anlage zusammengefasst. Da jedoch auch ein Einfluss der sozialen Umwelt vorliegt, stellt sich die Frage, welcher Faktor die primäre Triebkraft für spezifische Entwicklungstendenzen darstellt (vgl. Singer, 1994).

3. Entwicklungskonzeptionen

Das Problem der Gewichtung von endogener Anlagebestimmtheit und exogenem Sozialisationseinfluss wurde auch im Zuge soziologischer Theoriebildung unterschiedlich gewertet. Durch die Vorstellung der folgend skizzierten Entwicklungskonzeptionen (vgl. Baur, 1994) soll der Wandel der soziologischen Betrachtungsweise aufgezeigt und besonders das moderne Modell erörtert werden.

3.1 Biogenetische Entwicklungskonzeption

Dieses Modell ist im engeren Sinne keine Sozialisationskonzeption, da die Umwelt als exogener Einflussfaktor weitestgehend für passiv erklärt und ausgeklammert wird. Biogenetischer Entwicklungsmotor sind die genetischen Programme, die sich in den drei Entwicklungsbereichen Wachstums-, Reifungs- und Alterungsprozesse widerspiegeln.

Somit läuft die biologische Entwicklung - im Prinzip für alle Menschen gleich - in gewissen Schüben oder Phasen statt, da Umwelteinflüsse die grundlegenden Entwicklungsprozesse lediglich leicht modifizieren können.

Es handelt sich um eine pädagogisch pessimistische Konzeption, da eine bewusste äußere Einwirkung auf motorische Entwicklungen wenig sinnvoll erscheint.

Auch wenn ein anlagebedingter Einfluss speziell für körperliche Entwicklungsprozesse (Wachstum, etc. ) nachgewiesen werden konnte, gilt die biogenetische Entwicklungskonzeption aufgrund ihrer Nichtbeachtung festgestellter Umwelteinflüsse als veraltet.

3.2 Umweltdeterministische Konzeption

Dieses Modell bildet das Gegenstück zur biogenetischen Entwicklungskonzeption, da als Entwicklungsmotor die Umwelt angenommen wird. Die sich passiv entwickelnde Person ist exogenen Einflüssen ausgeliefert. Es handelt sich demnach um eine pädagogisch optimistische Konzeption, da eine äußere Entwicklungseinflussnahme durchaus sinnvoll erscheint.

3.3 Strukturgenetische Konzeption

Dem Entwurf der strukturgenetischen Konzeption liegt die Vorstellung zugrunde, dass sich Entwicklung als Aufbau von kognitiven, motorischen und anderen. Strukturen vollzieht. Entwicklungsmotor ist hierbei die Eigenaktivität der Person, die zu einem wechselseitigen Anpassungsprozess zwischen Person und Umwelt führt. In diesem Zusammenhang wird die Anpassung interner Strukturen der Person an die Umwelt „Adaptation“ und die Anpassung der Umwelt an das Individuum „Assimilation“ genannt.

[...]

Details

Seiten
11
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638530811
Dateigröße
452 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v59052
Institution / Hochschule
Universität Potsdam – Sportsoziologie
Note
bestanden
Schlagworte
Geschlechtsspezifische Disparitäten Sportengagements Jugendlicher Kindern Jugendlichen

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Titel: Geschlechtsspezifische Disparitäten in den Sportengagements Jugendlicher