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Fiktionalität im Artusroman

Seminararbeit 2005 11 Seiten

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

Hauptteil
1. Definition literarischer Fiktionalität
2. Kommunikative Dimension von Fiktionalität im "Erec"
2.1 Die Projizierung des Autors in die Erzählfigur
und die fingierte Aufführungssituation
2.2 Der Begriff der „molt bele conjointure“
3. Die Pferde- und Sattelepisode in Hartmann von Aues „Erec“
3.1 Der ästhetische und fiktionale Charakter der Pferde- und Sattelepisode
3.2 Hartmanns Herausstellung seiner Autorschaft und sein Fiktionsbewusstsein

Schlussteil

Bibliographie

Einleitung

Thema dieser Hausarbeit ist die Untersuchung zur Fiktionalität im Artusroman. Platons Diktum der Lüge veranlasste viele Autoren höfischer Romane durch Verweise auf historische Quellen sich in die historisch verbürgte Überlieferung einzureihen. Andere wiederum verwendeten das historisch ausgewiesene Stoffmaterial und veränderten es in der Darstellung (Sinkonstitution etc.)

Auf Grund dessen gibt es noch keine systematische literarische Theorienbildung. Also müssen sich literaturtheoretische Reflexionen in Prologen, Epilogen und sonstigen Erzählerkommentaren finden lassen. Dort verpacken jene ihre Ansprüche an Literatur.

Auch sollten sich dort gegebenenfalls Kriterien finden lassen an denen die Fiktionalität des Romans und eine Reflexion über eben diese zu finden ist.

Der Artusroman wurde bisher hinsichtlich seines märchenhaften Stoffes, seines strukturellen Entwurf und in neuerer Zeit hinsichtlich einer kommunikativen Dimension von Fiktionalität untersucht.

Meine Arbeit gliedert sich in zwei Teile. Als Textgrundlage dienen Hartmann von Aues „Erec“[1] und Chrétien de Troyes „Erec et Enide“[2]. Im ersten Teil gebe ich eine Definition literarischer Fiktionalität auf Basis sprechakttheoretischer Untersuchungen und setze sie Verbindung mit der Erzählung im „Erec“. Im zweiten Teil thematisiere ich dann die kommunikative Dimension von Fiktionalität allgemein im „Erec“ und speziell an der Pferde- und Sattelepisode auf der Burg Penefrec. Dabei geht es vor allem um die literarische Inszenierung der Erzählinstanz als Reflexion über Fiktionalität und der Hervorhebung der Autorität des Autors sowie um die Inszenierung des Erzählaktes.

1. Definition literarischer Fiktionalität

Ausgehend von vor allem J.R. Searles sprechtaktheoretischen Ansatz zur Fiktionalität möchte ich diesen darlegen und dann in Verbindung mit Klaus Ridders Ansatz zur kommunikativen Dimension von Fiktionalität im Artusroman bringen.

Bei Searles Ansatz wird Dichtung nicht hinsichtlich ihres Inhaltes, sondern hinsichtlich ihrer Sprachverwendung untersucht. Die in der fiktionalen Rede geäußerten sprachlichen Äußerungen haben keinen Wirklichkeitsbezug, da zum Beispiel auf niemanden referiert werden kann. Daher ist fiktionale Rede weder als falsch noch als wahr einzustufen.

Es reicht aber nicht fiktionale Rede nur durch fehlenden Wirklichkeitsbezug zu definieren. Nur wenn man auf die Realität bezogene Rede versteht ist man in der Lage fiktionale Rede als solche zu verstehen. Denn fiktionale Rede ist ein höherstufiger Sprechakt für den andere Regeln gelten. Die für wirklichkeitsbezogenen Redeweise geltenden Kommunikationsregeln der Aufrichtigkeit (der Sprecher muss glauben, dass seine Äußerung wahr ist), der Argumentation (der Sprecher muss die Wahrheit seiner Äußerung verteidigen) und der Konsequenz (der Sprecher muss die Folgerungen aus seinen Äußerungen anerkennen) nicht.[3]

Wichtig für das Verständnis eines fiktionalen Textes ist, dass der Rezipient zwischen Fiktion und Wirklichkeit unterscheiden kann und zum Beispiel keine Handlungsanleitungen unmittelbar aus dem Text für die Wirklichkeit ableitet. Dabei helfen ihm Bezeichnungen wie „Roman“ den Text als fiktional zu erkennen.

Obwohl, wie schon erwähnt, Aussagen nicht als „wahr“ oder „falsch“ klassifiziert werden können, sollen sie einen Erkenntniswert haben. Das ist auch die Aufgabe des Autors, der die Aufgabe hat den Sinn einer Erzählung gut darzulegen.

Diese Erkenntnis muss nicht zwangsläufig aus Gesagtem oder logisch Gefolgerten entstehen, sondern wird vielmehr gezeigt als nicht explizit dargestellter Sinn im Text, der zum Beispiel auf Interpretationen beruht.[4]

Hartmanns „Erec“ und Chrétiens „Erec et Enide“ sind also nicht auf die Wahrheit oder Falschheit ihrer Aussagen zu beurteilen, weil es sich um einen fiktionalen Text handelt, sondern beide Texte sind auf ihre Sinnvermittlung hin zu beurteilen. Chrétien versucht dies mit der „molt bele conjointure“, die im späteren Verlauf noch genauer betrachtet wird, zu erreichen. Es ist die Aufgabe der Autoren ihre Erzählung derart zu gestalten, dass sie 1. als fiktional für den Rezipienten zu erkennen ist und 2., dass aus ihr der übergreifende Sinn erkannt werden kann.

[...]


[1] Hartmann von Aue, Erec. Aus dem mittelhochdeutschen übers. v. Thomas Cramer, Frankfurt, Fischer, 1972, V.7367

[2] Chrétien de Troyes, Erec et Enide. Aus dem Altfranzösischen übers. und hrsg. v. Albert Gier, Stuttgart, Reclam,1987, V. 14

[3] Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie. Hg. Jürgen Mittelstraß, Stuttgart, 1995, Bd.1, S.648-649

[4] Vgl. Gertrud Grünkorn, „Zum Verständnis von fiktionaler Rede im Mittelalter“, in: Volker Mertens, Friedrich Wolfzettel (Hrsg.), Fiktionalität im Artusroman. Dritte Tagung der Deutschen Sektion der Internationalen Artusgesellschaft in Berlin vom 13.-15. Februar 1992, Tübingen, 1993, S.29-32

Details

Seiten
11
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638529808
ISBN (Buch)
9783640865536
Dateigröße
452 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v58912
Institution / Hochschule
Universität Konstanz
Note
1.0
Schlagworte
Fiktionalität Artusroman

Autor

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