Lade Inhalt...

Dauerhafte soziale Ungleichheit der Bildungschancen in der BRD

Hausarbeit 2005 13 Seiten

Soziologie - Soziales System, Sozialstruktur, Klasse, Schichtung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Soziale Funktionen des Bildungssystems

3. Bildungsexpansion
3.1 Ursachen der Bildungsexpansion
3.2 Folgen der Bildungsexpansion
3.3 Bildung als soziale Ressource

4. Schichtspezifische Ungleichheit der Bildungschancen

5. PISA-Studie
5.1 Analyse PISA-Studie 2000
5.2 Analyse PISA-Studie 2003
5.3 Gelenkstellen im Bildungssystem

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

1961 stellte Helmut Schelsky die herausragende Bedeutung, die dem Bildungswesen in fortgeschrittenen Industriegesellschaften für die soziale Entfaltungsmöglichkeiten der verschiedenen Bildungsgruppen zukommt, heraus. Dies tat er durchaus mit kritischer Absicht, denn er wollte damit auch auf den Verlust der Autonomie der Familie gegenüber Instanzen einer bürokratischen Umwelt aufmerksam machen. Kurz darauf thematisierte Georg Picht die Relevanz von Bildungswesen und Bildungsbeteiligung für die sozioökonomische Entwicklung. Das Erziehungs- und Bildungswesen der Bundesrepublik Deutschland sei seiner Meinung nach nicht mehr in der Lage, den Bedarf unserer Gesellschaft an qualifizierten Nachwuchskräften zu decken und den durchschnittlichen Bildungsstand unseres Volkes auf einem Niveau zu halten, das den Standards des 20. Jahrhunderts entspricht. Für die Bundesrepublik Deutschland spielen wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit und politische Selbstbehauptung zur konsequenten Ausschöpfung der Begabungsreserven, eine wichtige Rolle. (Geißler, Rainer (1994): Soziale Schichtung und Bildungschancen. Stuttgard, S. 117)

Die schulische und berufliche Ausbildung von Kindern und Jugendlichen stellt eine zentrale Ressource für deren zukünftige Chancen auf dem Arbeitsmarkt dar. Verbunden ist damit auch die gesellschaftliche Position, denn anhand von Bildungsabschlüssen werden entscheidende biografische Eckpunkte für das Leben festgemacht.

Auf dem Bildungssystem lastet eine Reihe zu erfüllender Aufgaben. Es geht um Sozialisation, Statuszuweisung, die Auswahl wichtiger Wissensbestände und die Sicherung des gesellschaftlichen Grundkonsens.

Die PISA-Studie hat jedoch deutlich gemacht, dass sich Deutschlands allgemein bekanntes Selbstbild vom "Volk der Dichter und Denker" nicht bewahrheitet: In den Bereichen Lesekompetenz, Mathematik und Naturwissenschaft erzielten deutsche Schüler lediglich unterdurchschnittliche Ergebnisse. Im Zeitalter des 20. Jahrhunderts, welches geprägt ist von hoher Jugendarbeitslosigkeit sowie steigender Jugendkriminalität, wird anhand von PISA der Handlungsbedarf in den verschiedenen Bereichen des Bildungssystems deutlich. Deshalb ist es wichtig zu erläutern, was die Bildungsexpansion sowie der Wandel der Bildungschancen aussagt, welche Ursachen und Folgen die Bildungsexpansion nach sich zieht und welche Veränderungen im Zusammenhang von Bildungssystem und Sozialstruktur bestehen.

2. Soziale Funktionen des Bildungssystems

Zu den grundlegenden Funktionen des Bildungssystems gehören zum einen die Wiedergabe von Wissen und Fertigkeiten an die nächste Generation, zum anderen zählt die Vermittlung von Werten und Verhaltensstandards eine Rolle. Die Platzierungs- und Auslese- oder Selektionsfunktion werden als wichtigste Funktionen des Bildungssystems angesehen.

Für die Platzierungsfunktion wird synonym auch der Begriff Statuszuweisungsfunktion verwendet. Diese Wortwahl lässt vermuten, auf welchen Zweck diese Funktion ausgerichtet ist.. Der Eintritt zu verschiedenen sozialen Stellungen mit ihren Bevorzugungen und Benachteiligungen oder auch die sozialen Aufstiege und Abstiege orientieren sich stark am Bildungslevel. Die Bildung wird als „schützendes Gut“ bezeichnet und ihre Nutzung hat Folgen für die Lebenschancen der Menschen.

Eine weitere Funktion stellt die Auslese- oder Selektionsfunktion dar. Hier geht es in erster Linie um die Kompetenz- und Leistungsanalyse. Allerdings ergibt sich in diesem Zusammenhang immer das Problem der sozialen Auslese, denn Jugendliche werden in ihrem Leben von mehreren Faktoren wie bspw. ihr Geschlecht oder ihre regionale Herkunft in bezug auf ihren Bildungswerdegang beeinflusst.

Durch die beiden wichtigsten Funktionen beeinflusst das Bildungssystem das Ausmaß der vertikalen sozialen Mobilität einer Gesellschaft sehr stark. Hiermit ist der Wechsel von Personen zwischen sozialen Positionen gemeint, dazu gehört insbesondere der Wechsel zwischen Berufsgruppen oder Schichten. Das Problem der sozialen Auslese spielt dann eine wichtige Rolle, wenn man Auslese und Platzierung von der Norm der Chancengleichheit her betrachtet. Wenn bspw. Kinder aus verschiedenen sozialen Schichten unterschiedliche Bildungschancen und damit auch unterschiedliche Lebenschancen haben, dann verstoßen diese Ungleichheiten gegen die Norm. Die soziale Funktion des Bildungssystems ist die soziale Platzierung, die soziale Auslese und die Wahrung der Chancengleichheit. Bildung hat somit eine Platzierungs-, Allokations-, Statuszuweisungs-, Auslese- oder Selektionsfunktion.

Nach dem Proporz-Modell, welches allgemein eine Kurzbezeichnung für Verhältnismäßigkeit bzw. richtiges Verhältnis ist, sollen Kinder ohne Differenzierung nach Klasse, Geschlecht, Herkunftsländern oder Schichtzugehörigkeit in weiterführenden Bildungseinrichtungen vertreten sein. Entsprechend der Anteile der unterschiedlichen Schichten an der Gesamtbevölkerung soll also auch die gleiche Verteilung in den Schulen vertreten sein. Dagegen sagt das leistungsbezogene Konzept der Chancengleichheit aus, dass gleiche Bildungschancen mit der Auswahl nach Leistung in Einklang gebracht werden. (Geißler, Rainer (2002): Die Sozialstruktur Deutschlands. Bonn. S. 333-334)

3. Bildungsexpansion

Der Begriff Bildungsexpansion stammt aus der Bildungsforschung und bezeichnet den Ausbau der sekundären (Klassen 5-13, Berufsschulen) und tertiären Bereiche (Hoch- und Fachschulen) des Bildungswesens. Immer mehr Menschen erwerben in der heutigen Zeit mittlere bzw. höhere Bildungsabschlüsse und immer mehr Menschen verweilen eine längere Zeit im Bildungssystem. Weiter verfügen größere Teile der Bevölkerung über höhere Qualifikationen, es findet somit eine Umschichtung nach oben statt. Dies drückt aus, dass die unteren Bildungsschichten schrumpfen, während die mittlere und die höhere Bildungsschicht sich ausdehnen. Die Qualifikationsstruktur der Gesellschaft verbessert sich langsam, aber dennoch stetig, weil die schlechter qualifizierten älteren Jahrgänge aus dem Bildungssystem nach und nach aufgrund ihres Alters ausscheiden und besser ausgebildete jüngere Jahrgänge nachwachsen. Weiter ist anzumerken, dass das Qualifikationsniveau der erwerbstätigen Bevölkerung in den letzten Jahrzehnten zunehmend anstieg.

Der Nutzen der Bildung für das Wirtschaftswachstum wurde von den Bildungsökonomen hervorgehoben und sie bezeichnen die Bildung als Humankapital. Sozialliberale Bildungsforscher hingegen heben die gesellschaftspolitische Bedeutung der Bildung, „Bildung als Bürgerrecht“, hervor. Diese beschriebene Bildungsexpansion hielt in Deutschland bis Mitte der 90er Jahre an. In der heutigen Zeit allerdings wird wieder über Probleme in bezug auf Bildungschancen diskutiert. Eine Ursache hierfür ist die Pisa-Studie, die auf das deutsche Bildungssystem ein schlechtes Licht wirft. Um diese Entwicklung zu verdeutlichen, zeige ich einen kleinen Ausschnitt aus den wesentlichen Linien der Entwicklung auf. Im Jahr 1952 gingen noch vier Fünftel aller Schülerinnen und Schüler auf die Hauptschule. Im Jahre 1999 hingegen schrumpfte dieser Bestand auf ein Fünftel. Der Zuwachs an Gymnasien hingegen nahm überproportional zu. Im Jahre 1960 besuchten ca. sechs Prozent, im Jahre 1999 ca. 27%, der Schüler das Gymnasium.

[...]

Details

Seiten
13
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638529204
Dateigröße
416 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v58827
Institution / Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Note
1,0
Schlagworte
Dauerhafte Ungleichheit Bildungschancen

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Dauerhafte soziale Ungleichheit der Bildungschancen in der BRD