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Entgrenzungs- / Entstrukturierungstendenzen der Weiterbildung in der Moderne

Hausarbeit 2006 17 Seiten

Pädagogik - Berufserziehung, Berufsbildung, Weiterbildung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geschichte und Struktur der Weiterbildung in Deutschland
2.1. Geschichte der Erwachsenenbildung bis 1933
2.2. Weiterbildung in der Bundesrepublik Deutschland nach 1945
2.3. Strukturierungsmodelle der Weiterbildung

3. Ausmaße der Entgrenzung
3.1. Institutionelle Entgrenzung der Erwachsenenbildung
3.2. Entgrenzung der Perspektive auf Weiterbildung
3.3. Entgrenzung der Differenz zur Lebenswelt

4. Fazit

5. Literaturverzechnis

1.)Einleitung

Die Erwachsenenbildung, beziehungsweise Weiterbildung[1], erfährt gegenwärtig weitgreifende strukturelle Veränderungen. Immer mehr neue Formen und Orte der Weiterbildung entstehen, die nicht nur unter dem alleinigen Aspekt der Bildung zu fassen sind, sondern vielmehr Mischformen zwischen Bildung und Ökonomie, Bildung und Freizeit, Bildung und Kultur und anderen darstellen. Durch diese Pluralisierung der Weiterbildung werden ihre bisher grundlegenden Ab- und Ausgrenzungen nicht nur weiter hinausgeschoben, sondern sie lösen sich zunehmend auf. Es kann von einer Entgrenzung der Weiterbildung gesprochen werden. Die Ursachen, Ausmaße und Auswirkungen dieser Entwicklung werden im Rahmen dieser Hausarbeit erörtert.

Die Entgrenzungstendenzen der heutigen Zeit entstehen aus der historisch begründeten institutionalisierten Form der Erwachsenenbildung. Ihre Geschichte wird deshalb zu Beginn stark verkürzt unter dem Gesichtspunkt der institutionellen Organisation dargestellt. In Kapitel 2.1 wird mit den Anfängen der Erwachsenenbildung im 18. Jahrhundert bis zur Zeit der Weimarer Republik begonnen. Kapitel 2.2 knüpft hieran an und beinhaltet ihre Entwicklung in der Nachkriegszeit bis in die 1990er Jahre.

Im nächsten Schritt folgt eine Erörterung von zwei gebräuchlichen Typologien der heutigen Erwachsenenbildung mit anschließender Problematisierung ihrer Darstellungsweise (vgl. Kapitel 2.3). Die Herausarbeitung des zentralistisch-geschlossenen Ordnungskonzeptes der Weiterbildung ermöglicht es die aktuelle Entwicklung der Entgrenzung beziehungsweise Entstrukturierung im Folgenden darzustellen.

Die Ausmaße dieser Entgrenzungsprozesse sind vielseitig wahrnehmbar und erschüttern fundamentale Annahmen der Erwachsenenbildung. Neue soziale Realitäten kommen in den Augenschein. Die Abgrenzung der Weiterbildung durch die institutionelle Form (vgl. Kapitel 3.1), die normative Orientierung an Bildung (vgl. Kapitel 3.2), sowie ihre Abgrenzung von der Lebenswelt (vgl. Kapitel 3.3) werden durch die neueren Entwicklungen zunehmend unschärfer.

2.) Geschichte und Struktur der Weiterbildung in Deutschland

2.1) Geschichte der Erwachsenenbildung bis 1933

Die ersten bedeutsamen Impulse für die Profilierung einer organisierten Erwachsenenbildung lassen sich in der Verbreitung der aufklärerischen Gedanken im 18. Jahrhundert erkennen. In dieser Zeit wurde versucht „einer „Erziehung des Menschengeschlechts“ eine breitere Grundlage in der Bevölkerung zu verschaffen“ (Tietgens 1994, S.25). Die Erfindung des Buchdruckes im 15. Jahrhunderts stellt hierfür eine wesentliche Vorraussetzung dar. Die Vermittlung von Wissen ist aufgrund der damals existierenden Ständegesellschaft adressatenspezifisch zu differenzieren. Ansätze der Institutionalisierung finden sich in Form von Lesegesellschaften und Leihbibliotheken wieder. Angehörige des Bürgertums organisierten ihre Bildungsbemühungen im Rahmen von Zeitschriften, Lesegesellschaften und Salons, während der ländlich-bäuerlichen Bevölkerung durch Leihbibliotheken Wissen zur Verbesserung ihrer beruflichen und familiären Handlungspraxis vermittelt werden sollte.

Vor dem Hintergrund der politischen und ökonomischen Veränderungen des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Erwachsenenbildung von einer standesbezogenen Aufklärung zu einer allgemeinen Volksbildung. Volksbildung verstand sich als Beitrag zur nationalen Einheit. Unabhängig von der sozialen Herkunft und Lebensform sollte das gesamte Volk Bildung erfahren. Anstelle von ausgewähltem, adressatenspezifisch aufgebereitetem Wissen entwickelte sich deshalb eine wissenschaftsorientierte Erwachsenenbildung. Im Gründungsjahr des Deutschen Reiches, 1871, gründete sich ebenfalls die „Gesellschaft für die Verbreitung von Volksbildung“, die sich die Verbreitung neuer Bildungsvereine und Volksbibliotheken als Ziel setzte. Die Handwerker- und Arbeiterbildungsvereine bemühten sich ebenfalls um Bildungsangebote zur Verbreitung der Wissenschaft. Ihren Adressaten sollte die Grundlage für die Aneignung von Wissen vermittelt werden um eine Teilhabe an der politischen Macht zu sichern.

Am Ende des 19. Jahrhunderts entstand eine Gegenbewegung zu dem praktizierten wissenschaftsorientierten Vortragswesen der bisherigen extensiven Volksbildung. Die Neue Richtung kritisierte die vertretende Auffassung, dass Bildung einen quantitativen Besitz an Kulturgütern und Kenntnissen darstelle über welchen die Oberschicht verfügt und welcher der ungebildeten Unterschicht vermittelt werden müsse. Für das neue Konzept der Erwachsenenbildung wurde eine Neuformulierung des Bildungsbegriffes notwendig. Robert von Erdberg, einer der Protagonisten der Neuen Richtung definierte ihn so: „Bildung ist das Intensitätsverhältnis zur Kultur“ (Erdberg zitiert nach Hof 1995, S.7). Das Bildungskonzept der Neuen Richtung zielt im Sinne dieser Definition auf eine individuumorientierte Erwachsenenbildung, in dessen Mittelpunkt die individuelle Aneignung von Wissen steht und lediglich sekundär die Integration in Wissenschaft, Kultur und Staat. Ihr wichtigstes Anliegen ist die Menschenbildung. Die Volkshochschule erhält hierbei einen zentralen Stellenwert, denn in ihr sollen die Arbeitsgemeinschaften realisiert werden, in denen sich gemeinschaftlich weitergebildet wird. Die Erwachsenenbildung der Weimarer Republik blieb jedoch noch stark von der Alten Richtung der Volksaufklärung beeinflusst.

2.2) Weiterbildung in der Bundesrepublik Deutschland nach 1945

Die Zeit des Nationalsozialismus zwischen 1933 und 1945 enthielt in vielfacher Hinsicht grundlegende Rückschritte. Die zur Weimarer Zeit bestehenden Einrichtungen der Erwachsenenbildung wurden zumeist als nationalsozialistische Gemeinschaft „Kraft durch Freude“ weitergeführt und der Trägerpluralismus hierdurch zurückgedrängt. Das aufklärerische Anliegen einer Bildung zur Mündigkeit wird durch die Gleichschaltung der Volksbildungsstätten, die Ausrichtung zur Schulung der Volksgenossen auf den nationalistischen Staat und die Einrichtung einer Hauptstelle der Volkshochschulen in Berlin verdrängt.

Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges am 8. Mai 1945 brach das nationalsozialistische Regime zusammen. Die vollständige demokratische Rekonstruktion der Organisation und Funktionsfähigkeit des Staates beeinflusste die Erwachsenenbildung im hohen Maße. Der Wiederaufbau der Erwachsenenbildung nach 1945 fand in der Bundesrepublik Deutschland vor allem durch nichtstaatliche Institutionen, wie den Kirchen und verschiedenen Initiativen systemkritischer Bürger, welche Widerstand gegen das nationalsozialistische System geleistet hatten, statt. Die staatlichen Organe betätigten sich nicht als Veranstalter, sondern beschränkten sich auf ideelle und finanzielle Unterstützung der Weiterbildung. So wurden unmittelbar nach dem Krieg die Volkshochschulen fast ausschließlich von freien Bürgerinitiativen gegründet (vgl. Pöggeler 2001, S.45). Neben den Volkshochschulen etablierten sich viele Bildungsinstitutionen mit bis dahin nicht bekannten Konzepten, beispielsweise Evangelische, Katholische, Soziale und Politische Akademien, Familienbildungsstätten, Bildungsforen, sowie Soziale und Ländliche Seminare. In den 50er Jahren entstand durch die große Anzahl der Bildungseinrichtungen ein facettenreicher Weiterbildungsmarkt. Man begann potentielle Teilnehmer gezielt zu werben, was zu expandierenden Teilnehmerzahlen und einem hohen Bekanntheitsgrad der Erwachsenenbildung führte. Allmählich etablierte sich auch eine Wissenschaft der Erwachsenenbildung mit eigenen Theorieentwürfen. Ein Grundgedanke war, dass Erwachsene keine fertig ausgebildeten Menschen sind, sondern dass man lebenslang lernen kann und soll. Durch die Erwachsenenbildung wurde eine Bildungsgesellschaft angestrebt – demokratische Partizipation sollte durch Bildung erreicht werden.

[...]


[1] Die beiden Begriffe werden in dieser Arbeit synonym verwendet.

Details

Seiten
17
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638528757
Dateigröße
580 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v58772
Institution / Hochschule
Universität Trier
Note
1,0
Schlagworte
Entgrenzungs- Entstrukturierungstendenzen Weiterbildung Moderne Grundfragen

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Titel: Entgrenzungs- / Entstrukturierungstendenzen der Weiterbildung in der Moderne