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Bertolt Brecht: Die Suche nach dem richtigen Wissen - Fragen eines lesenden Arbeiters

Seminararbeit 2006 10 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung
1.2 Aufbau der Sammlung

2. Fragen eines lesenden Arbeiters
2.1 Form
2.2 Paraphrase
2.3 Inhaltliche Analyse

3. Schluss

Literaturverzeichnis

1. Die Svendborger Gedichte – Exil-Lyrik Bertolt Brechts

1.1 Einleitung

Die Svendborger Gedichte wurden 1939 als zweite Lyriksammlung während Brechts Exilzeit herausgegeben. Benannt ist die Sammlung nach seinem Hauptaufenthaltsort zwischen 1933 und 1939, der Stadt Svendborg auf der Dänischen Insel Fünen.

1.2 Aufbau der Sammlung

Die Gedichte sind in sechs römisch gezählte Abschnitte gegliedert. Die ungeraden Abschnitte erhalten einen zusätzlichen Untertitel, der zweite und der sechste Abschnitt ein Motto und der vierte nur eine Ziffer. Die sechs Abschnitte behandeln verschiedene Themen. Es fällt auf, dass bestimmte Fragen und Motive in den verschiedenen Abschnitten immer wieder auftauchen, wenn auch in veränderter Form. Darunter z.B. das „Leben in den finsteren Zeiten“ und die Frage nach dem „richtigen“ Wissen (der Wahrheit) zur jeweiligen Zeit. Abschnitt I trägt den Untertitel Deutsche Kriegsfibel. Die Gedichte, die unter diesem Abschnitt stehen, handeln von den „Hochgestellten“, den „Oberen“ oder vom „General“, von deren „Sagen“, „Reden“ und „Sprechen“ und von den Auswirkungen ihrer Handlungen auf die „Niedrigen“, „Unteren“. Als wichtige Erkenntnis geht aus diesen Gedichten hervor, dass das Gesagte das Gegenteil für die „Niedrigen“ bedeutet. Das Gesagte und das Tun der Oberen passen nicht zusammen. Das Gesagte entspricht nicht der Wahrheit bzw. der Wirklichkeit.

Abschnitt II steht unter dem Motto

„In den finsteren Zeiten

Wird da auch gesungen werden?

Da wird auch gesungen werden.

Von den finsteren Zeiten.“[1]

Die Gedichte dieses Abschnitts handeln von den Finsteren Zeiten, also von Ereignissen dieser Zeit. Brecht reagiert auf diese Ereignisse nicht mit Sprachlosigkeit sondern mit Lyrik über die schlechten Zeiten. Der Abschnitt enthält auch einige Kinderlieder. In einem davon, Ulm 1592, geht es um die ungültig gewordenen Reden der Mächtigen. Hier taucht also wieder die Thematik des Gesagten und der Wirklichkeit auf.

Der Abschnitt III. steht unter dem Untertitel Chroniken. Die Gedichte unter diesem Abschnitt behandeln die Darstellung von Geschichte. Hierbei fällt auf, dass in den Geschichtsbüchern nur die Könige und die Großen genannt werden, nicht aber das Volk, welches zu den großen Siegen beitrug oder darunter litt. Die 12 Gedichte der Chroniken werden mit Fragen eines lesenden Arbeiters eröffnet, auf dieses Gedicht wird in der Arbeit später genauer eingegangen. Die Chroniken befassen sich wieder mit dem Thema der Wahrheitsfindung, hier wird auch die Wahrheit der Geschichtsschreibung mit einbezogen. Doch nicht nur „große“ Geschichte ist Thema der Gedichte, sondern auch literarische Vorlagen und Geschehnisse der jüngsten Vergangenheit. Außerdem befassen sich einige der Gedichte mit dem sozialistischen Aufbau der Sowjetunion.

Auch in Abschnitt IV behandeln die Gedichte „das Sagen oder Nichtsagen von Wahrheiten oder Unwahrheiten bzw. das Hören“[2]. Sie handeln vom Alltag unter dem Faschismus.

Die Deutschen Satiren in Abschnitt V benennen deutlich die Dinge, die im Hitler-Deutschland verschwiegen oder durch Propaganda verfälscht wurden. Brecht schreibt diese Gedichte für den Deutschen Freiheitssender, der damals in Spanien sitzt und durch die Nazis häufig gestört wird. Wie Brecht selber in seinem Aufsatz „Über reimlose Lyrik mit unregelmäßigen Rhythmen“ schreibt, konstruierte er die Gedichte um „einzelne Sätze in die ferne, künstlich zerstreute Hörerschaft zu werfen. Sie mussten auf die knappste Form gebracht sein, und Unterbrechungen […] durften nicht allzu viel ausmachen.“[3] Fast jede Strophe der einzelnen Gedichte enthält eine eigene Pointe. Der Aufbau eines Gedichtes mit Pointe in der letzten Strophe wäre für die Radioübertragungen sinnlos gewesen, denn bei Störung hätte der Hörer nicht alles mitbekommen oder die Pointe am Ende verpasst. So stellt Brecht sicher, dass selbst ein Hörer der nur die Hälfte der Strophen mitbekommt, dem Gedicht einen Sinn entnehmen kann und versteht über was gesprochen wird. Unter den Bedingungen des gestörten Deutschen Freiheitssenders hätten beispielsweise Gedichte von Rilke oder George nicht funktioniert. Brecht erfindet eine ganz neue Form der Lyrik, die Grundlage für die gesamte Nachkriegs-Lyrik wird.

[...]


[1] Bertolt Brecht: Ausgewählte Werke in sechs Bänden. Jubiläumsausgabe zum 100. Geburtstag. 6 Bde., Frankfurt a.M., 1997, 3. Band, S. 280

[2] Jan Knopf: Brecht-Handbuch in fünf Bänden, Stuttgart 2001, Band 2 Gedichte, S. 335

[3] ebd. S. 335

Details

Seiten
10
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638527552
Dateigröße
431 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v58609
Institution / Hochschule
Universität Karlsruhe (TH) – Institut für Literaturwissenschaft
Note
2,0
Schlagworte
Bertolt Brecht Suche Wissen Fragen Arbeiters Proseminar Svendborger Gedichte

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Titel: Bertolt Brecht: Die Suche nach dem richtigen Wissen - Fragen eines lesenden Arbeiters